Plex Cloud: So baut ihr euer eigenes Netflix

Mit der Plex Cloud habt ihr die Möglichkeit, euren eigenen Streaming-Dienst für Filme und Serien zu schaffen, auf den ihr jederzeit und überall zugreifen könnt, ohne eure Daten lokal speichern zu müssen - quasi euer eigenes, privates Netflix. Wir zeigen euch, wie es geht.

Netflix und Amazon Prime bilden die Speerspitze der Streaming-Dienste, mit denen wir uns bequem vor dem Rechner oder dem Fernseher unseren Lieblings-Serien und -Filmen hingeben können. Ich selber acker mich beispielsweise gerade wieder auf Amazon Prime durch all die alten Staffeln Supernatural und lobpreise die Möglichkeit, jederzeit und überall diese Serie schauen zu können.

Das Binge-Watching-Vergnügen kann aber auch einen schlimmen Dämpfer erhalten, denn das Damoklesschwert, welches über allen Nutzern dieser Dienste baumelt, ist die Verfügbarkeit der Inhalte: Mal fehlen Staffeln, mal verschwinden ganze Serien. Auch bei Filmen ist es manchmal so, dass man mit Freunden nochmal den Streifen sehen will, der einem neulich so gut gefallen hat – und der dann schlicht nicht mehr in der Bibliothek zu finden ist.

Eine Alternative dazu: Ein eigenes NAS bzw. ein eigener Medien-Server zuhause! Dort könnt ihr eure gerippten Filme lassen, ebenso die Filme und Serien, die ihr euch online als Downloads zusammengekauft habt. Aber auch diese Lösung hat einen oder mehrere Haken: Erst mal sieht die ganze Geschichte natürlich nicht annähernd so schön aus wie das Interface, welches ihr zum Beispiel bei Netflix geboten bekommt. Keine Infos zu den Filmen, keine Covers, keine Vorschläge ähnlicher Titel etc. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die Hardware, die als Server fungiert, jederzeit online ist, damit ihr auch auf euren Rechner oder euer Smartphone streamen könnt – ein Stromausfall zuhause reicht also schon, dass ihr nicht bei euren Freunden auf eure eigenen Filme zugreifen könnt.

Plex Media Server

Einen dieser oben beschriebenen Haken könnt ihr vergessen, wenn ihr den Plex Media Server nutzt. Plex ist ein Service, der vielen von euch bereits lange bekannt sein dürfte und der sowohl kostenlos als auch in einer Bezahl-Version genutzt werden kann. Der Plex Media Server ist dabei eine besonders schöne Möglichkeit, auf eure Dateien zugreifen zu können, denn mit dieser Media-Suite könnt ihr eure Filme, Fotos, Songs etc. auf beliebige Endgeräte streamen, für die der Plex-Client verfügbar ist. Wir haben euch beispielsweise schon erzählt, wie ihr die NVIDIA Shield als Plex Media Server nutzt.

plex-cloud-server-imac-secure-3Der Vorteil dieses Media Servers: Die Daten sind nicht nur überall für euch verfügbar, sondern ihr besitzt auch eine schöne Oberfläche, außerdem können Cover, Inhaltsangaben oder auch Filmbewertungen aus Film-Datenbanken nachgeladen werden. Dennoch wart ihr bislang drauf angewiesen, die Daten bei euch irgendwo unterbringen zu müssen. Abhilfe schafft da jetzt die Plex Cloud, die vor kurzem zumindest schon mal als Beta-Version an den Start gegangen ist.

Plex Coud

Mit der Plex Cloud könnt ihr den gewohnten Plex-Service nutzen, schaufelt die Daten dabei aber in eine Cloud, müsst sie also nicht lokal verfügbar haben. Damit gibt euch Plex nun die Möglichkeit an die Hand, euer ganz eigenes, privates Netflix zu bauen – eine Streaming-Plattform, die ihr überall nutzen könnt, ohne dass euer NAS oder Rechner stets an und online sein muss und ohne, dass ihr euch Sorgen machen müsst, dass eine gekaufte Staffel oder ein gekaufter Film irgendwann nicht mehr verfügbar ist.

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Damit das funktioniert, braucht ihr logischerweise einen Plex-Account, außerdem den Plex Pass. Den könnt ihr entweder monatlich bezahlen, was euch dann jeweils 4,99 Euro kostet. Auf mittel- und langfristige Sicht ist es natürlich günstiger, wenn ihr entweder das jährliche Angebot (39,99 Euro) nutzt oder einmalig 149,99 Euro entrichtet.

Wie bereits erwähnt, ist die Plex Cloud bis dato nur als Beta verfügbar und dazu ist ein Invite notwendig – hier könnt ihr euch dafür registrieren. Fehlt jetzt natürlich noch der Online-Speicherplatz und Plex empfiehlt hier Amazon als Lösung. Wer Prime-Kunde ist, kann über 5 GB verfügen, aber während ihr da bei Musik oder Fotos (die sogar ohne Speicherlimit) einiges unterbringen könnt, erreicht ihr bei Filmen und Serien bei dieser Größe schnell das Ende der Fahnenstange.

Amazon Drive ist hier die unlimitierte und immer noch absolut bezahlbare Alternative: Der Speicherplatz kostet euch – nach einer dreimonatigen, kostenlosen Testphase – lediglich 70 Euro pro Jahr, ein absolut guter Kurs für unbegrenzten Speicherplatz. Laut Plex ist es nun kinderleicht und in kürzester Zeit möglich, per Plex Cloud auf eure bei Amazon liegenden Filme zuzugreifen – einfach Amazon Drive mit eurem Plex Account verbinden und es kann losgehen..

Eure Vorteile dabei: Die bärenstarke Infrastruktur Amazons, die dafür sorgt, dass ihr überall flott streamen könnt und eben nicht auf einen privaten Medienserver angewiesen seid. Die Angst vor Datenverlust oder einem Stromausfall ist damit Geschichte – darum kümmert sich Amazon dann. Nochmal die Schritte in der Übersicht:

  1. Kauft Speicherplatz bei Amazon
  2. Erwerbt den Plex Pass
  3. Meldet euch für die Plex Cloud Beta an
  4. Verbindet nach Annahme den Plex Account mit Amazon Drive

Euer eigenes Netflix

Kombiniert ihr also die Plex Cloud mit Amazon Drive, seid ihr bei jährlicher Zahlungsweise bei 110 Euro angelangt. Das ist im Bereich dessen, was ihr bei Netflix auch im Jahr ausgebt, ihr müsst den ganzen Spaß aber natürlich noch mit euren Inhalten füllen. Logischerweise unterbindet Plex das per AGB, dass Filme hochgeladen werden dürfen, die widerrechtlich zuvor aus dem Netz heruntergeladen wurden. Achtet also darauf, dass nur Content seinen Weg in die Cloud findet, an dem ihr die entsprechenden Rechte habt.

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Es kommt noch ein Berg Arbeit auf euch zu, denn eure Filme und Serien müssen nun erst alle zu Amazon Drive geschaufelt werden. Der Lohn für diese Mühe ist dann eine Experience, die wirklich nah an Netflix herankommt: Dank Plex Media Server werden alle Medien gescannt und indexiert, intuitiv geordnet und sind dann in eurer Bibliothek verfügbar.

Streamen könnt ihr dann auf nahezu jedes Endgerät, welches mit dem Internet verbunden ist. Natürlich gibt es Apps für Android, iOS und Windows Phone, ihr könnt es neben der oben bereits erwähnten NVIDIA Shield auch auf Spielkonsolen von Sony (PlayStation 3 und 4) und Microsoft (Xbox 360 und Xbox One) sowie auf einigen Smart TVs nutzen. Darüber hinaus gibt es selbstverständlich auch die Möglichkeit, den Web-Client auszuwählen oder auf Windows-Rechner zu streamen.

Wem das noch nicht reicht: Auch Apple TV, Fire TV, Android TV, Sonos, Google Chromecast und weitere Streaming-Devices werden unterstützt. Eine Übersicht über alle Möglichkeiten findet ihr auf dieser Seite.

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Wie oben schon beschrieben, profitiert ihr dann von den Annehmlichkeiten des Plex Media Servers: Ihr bekommt eure Inhalte schön aufbereitet und sortiert, erhaltet zudem Infos über einzelne Filme oder Serien inklusive Bewertungen und Übersicht der Darsteller. Weiter werden euch ähnliche Filme aus eurem Angebot vorgeschlagen, ihr könnt nach Staffeln, Schauspielern oder Genres suchen und auch das Binge-Watching eurer Serien geht selbstverständlich.

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Fazit: Licht- und Schattenseiten

Netflix und Amazon Prime sind natürlich denkbar einfache und unkomplizierte Streaming-Angebote. Es kostet einen Zehner pro Monat und riesige Serien- und Movie-Welten stehen euch offen. Im Vergleich dazu ist die eigene Lösung – euer privates Netflix – eine kompliziertere Lösung: Ihr zahlt allein für die Infrastruktur jährlich fast so viel wie für Netflix, müsst zudem noch die entsprechenden Inhalte anschaffen, falls ihr nicht schon eine entsprechend große Bibliothek euer eigen nennt. Außerdem packt ihr eure Dateien in die Amazon-Wolke – Menschen, die von jeher Bedenken haben, ihre Daten bei US-Diensten zu parken, müssen sich auch darüber im Klaren sein. Künftig sollen wohl auch andere Lösungen wie Dropbox und Google Drive berücksichtigt werden, aktuell seid ihr aber auf Amazon angewiesen.

Wen all das nicht abhält, der erhält dann aber eine wirklich gelungene, ganz eigene Streaming-Plattform, die kinderleicht genutzt werden kann, überall und jederzeit verfügbar ist und auch viele der Annehmlichkeiten bietet, die ihr von anderen Streaming-Diensten und deren Oberflächen kennt.