Pokémon Go: Der Hype, die schrägsten News, die Gefahren

Pokémon Go - ein Thema beherrscht scheinbar gerade die Tech-Welt. Nintendo hat einen Riesen-Hit mit diesem Spiel gelandet. Wir erklären den Hype, fassen die absurdesten News zum Thema zusammen und zeigen euch auch, auf was ihr acht geben müsst.

Wer von der hier mitlesenden Nerd-Fraktion schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat, der dürfte gerade ein Déjà-vu erleben: Vor 20 Jahren schickte Nintendo nämlich mit Pokémon eines seiner wichtigsten Franchises überhaupt ins Rennen. Pokémon leitet sich von „Pocket Monster“ ab, also Taschen-Monster und genau so knuddelig sind die kleinen Biester auch.

PikachuSpiele, Merchandising, Kinofilme, eine Zeichentrickserie, zeitweise sogar Themen-Parks in Asien und nicht zuletzt natürlich das Sammelkartenspiel: Die Monster-Jagd nahm schon Mitte der Neunziger erschreckende Ausmaße an und stürzte Millionen Menschen weltweit in ein reines Pokémon-Fieber. Schon damals wurde die ganze Nummer ziemlich ambivalent betrachtet: Auf der einen Seite stand der Spielspaß und die Sammelleidenschaft, die so viele Spieler weltweit fesselte, wenn Pokémons gejagt wurden, um sie anschließend gegeneinander antreten zu lassen.

Auf der anderen Seite wurde aber das Spielprinzip kritisiert, weil Kinder hier in eine Spielsucht geführt würden, da man ja so unzählige Pokémons sammeln konnte. In den Schulen wurde das Spiel sogar zeitweise verboten, weil es nicht nur zu verpasstem Unterricht aufgrund der Spielleidenschaft kam, sondern auch zu Übergriffen, bei denen Spieler beraubt wurden.

20 Jahre später ist der Hype um die knuddeligen kleinen Kerle vermutlich so groß wie nie zuvor, denn Nintendo hat in Zusammenarbeit mit Niantic (Die Ingress-Macher) mit Pokémon Go ein mobile Game geschaffen, welches erneut Millionen in die Sucht stürzt. Alles Wissenswerte inklusive Tipps und Tricks zum Spiel gibt es übrigens in diesem Pokémon Go-Artikel. Nach dem Start Australien, Neuseeland und den USA dürfen wir in Deutschland (nach Tagen des Wartens wegen überlasteter Server) mittlerweile auch mitmischen.

Pokémon GO
Pokémon GO
Entwickler: Niantic, Inc.
Preis: Kostenlos+
Pokémon GO
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Entwickler: Niantic, Inc.
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Auch in Deutschland begeben sich schon jetzt mehr und mehr Menschen auf die Monster-Pirsch. Wie sich dieser Hype in Zahlen ausdrückt, welche teils doch sehr skurrilen News durch diesen Boom durchs Netz rauschen und wo sogar wirkliche Gefahren für Spieler lauern, klären wir in diesem Beitrag.

pokemon group

Pokémon Go in Zahlen

Fangen wir an mit ein paar Zahlenspielen: Bis zum heutigen Tag hat Nintendo mehr als 277 Millionen Spiele verkauft, über 21,5 Millionen Sammelkartenspiele und es gibt 17 Kinofilme. Geht davon aus, dass sich all diese Zahlen aufgrund des Pokémon Go-Hypes noch erhöhen werden. Bis zum letzten Jahr hat das Pokémon-Franchise Nintendo knapp 58 Milliarden Dollar in die Taschen gespült.

Wie der Tracking-Dienst Similar Web vermeldet, haben sich binnen drei Tagen nach dem Release 5,16 Prozent aller Nutzer von Android-Geräten in den USA die App installiert. Zum Vergleich: Das sind jetzt schon mehr Nutzer als bei Tinder und mittlerweile nimmt Pokémon Go bezüglich der User-Zahlen bereits Anlauf um auch Twitter abzuhängen. Immerhin noch 3 Prozent aller Android-User haben es dann auch angezockt und von denen spielen es 60 Prozent täglich.

Pokemon vs Twitter

Wie oben erwähnt, ist das Spiel in den meisten Ländern noch nicht zu haben. Laut apkmirror.com sollen sich Millionen Menschen für den Umweg über den Download der APK-Datei entschieden haben. Der Traffic auf der Seite stieg von etwa 600.000 Visits auf über 4 Millionen an von einem Tag auf den anderen.

Der Hype um das Spiel treibt nicht nur die Leute in die App Stores und anschließend auf die Straße, es treibt auch die Nintendo-Aktie in ungeahnte Höhen: Seit dem letzten Mittwoch hat sich der Wert des Unternehmens um satte 9 Milliarden erhöht, allein an einem Tag kletterte die Aktie um 25 Prozent – der höchste Anstieg seit 1983. Das Pokémon-Fieber hat also auch Investoren und Banker erwischt.

Pokémon Go in den Medien – von Hype über skurril bis gefährlich

Ebenso, wie sich die ganze Welt auf dieses Spiel zu stürzen scheint, so sieht derzeit die Berichterstattung online aus. Da wird in vielen Beiträgen das Spiel erklärt und vorgestellt, es gibt Guides zum erfolgreicheren Zocken, aber es gibt auch viele Artikel darüber hinaus. In denen geht es um die Gefahren, die das Spielen mit sich bringen kann, aber auch um echt schräge News wie zum Beispiel in dem Fall, als Shayla Wiggins sich in Fremont County in der Nähe des Big Wind River auf Pokémon-Suche begab. Sie fand dort nämlich anstelle des gewünschten Monsters eine Leiche im Fluss und rief natürlich umgehend die Polizei.

I didn’t really know what to do at first. But I called 911 right away and they came really quickly. Shayla Wiggins

Die geht aktuell davon aus, dass es sich dabei um einen Unfalltoten handelt, der durch Ertrinken ums Leben gekommen ist. Während dieses Opfer nicht auf Pokémon Go zurückzuführen ist, sieht es bei folgendem Delikt schon anders aus. Vier Männer in Missouri haben nämlich ganz bewusst Pokémon Go dazu genutzt, Spieler an eine abgelegene Ecke zu locken und sie dort auszurauben – insgesamt 11 Opfer haben diese jungen Männer gefunden, wurden mittlerweile aber verhaftet. Wie die Männer vorgegangen sind, könnt ihr beim Guardian nachlesen.

Pokemon No

Mitunter könnt ihr euch sogar in Todesgefahr begeben, nur durch bloßes Spielen. Dazu müssen wir uns ins Gedächtnis rufen, was derzeit in den USA los ist. Immer mehr Menschen prangern an, dass viele US-Polizisten ein echtes Rassismus-Problem haben und dunkelhäutige Menschen ganz anders behandeln als weiße. Aus einem dunkelhäutigen Mann, der wegen Pokémon Go ständig auf sein Smartphone starrt und sich ungewöhnlich lange an einem Ort aufhält, kann somit schnell ein Verdächtiger werden – bei dem die Polizei schlimmstenfalls nicht lange fackelt, je nachdem wie sich die Situation entwickelt. Omari Akil schreibt in seinem Blog-Beitrag:

The premise of Pokemon GO asks me to put my life in danger if I chose to play it as it is intended and with enthusiasm. Let’s just go ahead and add Pokemon GO to the extremely long list of things white people can do without fear of being killed, while Black people have to realistically be wary. Omari Akil

Während diese Gefahr glücklicherweise nur eine ziemlich theoretische ist, könnten auf Pokemon-Spieler auch wahrscheinlichere warten. So berichtet Wired, dass auch eine APK-Datei mit Malware unterwegs ist, die euch den Trojaner DroidJack RAT unterjubelt, mit dem der Zugriff auf euer Gerät ermöglicht wird. Achtet also darauf, dass ihr eine Datei aus einer sicheren Quelle installiert – oder einfach noch die paar Tage abwartet, bis das Spiel dann auch in Deutschland offiziell im App Store und bei Google Play zu haben sein wird.

Außerdem machte die News die Runde, dass ihr durchs Spielen unter Umständen Google Zugriff auf sensible Daten gewährt (nur in der iOS-Version). So wäre es theoretisch sogar möglich, Zugriff auf E-Mails zu erlangen, hieß es. Dem soll aber nicht so sein, erklärten sowohl Google als auch Niantic. Hier die Stellungnahme von Niantic im Wortlaut:

We recently discovered that the Pokémon GO account creation process on iOS erroneously requests full access permission for the user’s Google account. However, Pokémon GO only accesses basic Google profile information (specifically, your User ID and email address) and no other Google account information is or has been accessed or collected. Once we became aware of this error, we began working on a client-side fix to request permission for only basic Google profile information, in line with the data that we actually access.  Google has verified that no other information has been received or accessed by Pokémon GO or Niantic. Google will soon reduce Pokémon GO’s permission to only the basic profile data that Pokémon GO needs, and users do not need to take any actions themselves.

Weniger gefährlich, aber ziemlich schräg ist ein anderer Pokémon-Trend, der sich abzeichnet. Daher schon mal ein dezenter NSFW-Hinweis bezüglich des kommenden Abschnittes. Ja, selbst so harmlose Biester wie die Pokémons schützen nicht vor NSFW-Content im Internet.

Pokemon dickViele Nutzer posten sich nämlich mit ihren AR-Freunden mit erschreckend wenig Bekleidung, sprich: nackt oder wenigstens halbnackt. Bei den Dick-Pics ist zumindest das vermeintlich beste Stück des Mannes durch eines der Pocket Monster verdeckt.

Ihr wollt ein Beispiel dafür, was ich meine? Jau, klar – könnt ihr haben. Sagt nicht, ich hätte euch nicht vorher gewarnt ;)

Mittlerweile finden sich ganz Tumblr-Blogs und Reddit-Stränge, in denen derlei Bilder gepostet werden und während ich (zu Recherche-Zwecken, ist klar) mich durch ein paar der Bilder geklickt habe, stellt sich mir die Frage, ob das bei diesen Paaren das Liebesleben nun eher zum Erliegen bringt – oder gar anheizt. So richtig lange mag ich darüber allerdings nicht nachdenken.

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Lassen wir mal das Thema mit den Nackten wieder und wenden uns dem Spiel selbst zu, welches für Nicht-Spieler wohl sehr merkwürdig zu beobachten sein muss. Oben hatten wir schon das Beispiel, dass man sich schlimmstenfalls durch seinen exzessiven Smartphone-Gebrauch in Kombination mit merkwürdigem Herumschleichen verdächtig machen könnte.

Es kann aber auch ganz anders kommen und euch sogar euren Job kosten. Dabei ist nicht davon die Rede, dass ihr eure Arbeit nicht richtig macht, weil ihr in der Weltgeschichte herumlauft, sondern vom konkreten Fall, bei dem ein 23-Jähriger an seinem Arbeitsplatz ein Pokémon einfangen wollte. Der Haken: Er arbeitet als IT-Experte bei einer Bank und dort ist es untersagt, Fotos von seinem Arbeitsplatz zu machen. Seine Monster-Jagd sah nun aber so aus, als würde er exakt das tun und so wurde nun sein Smartphone auf Material untersucht. Dumm für ihn: Auch, wenn er in der Situation tatsächlich nicht fotografiert hat, so fand sich auf dem Gerät ein älteres Foto, für das er seinen Arbeitsmonitor abfotografiert hatte. Möglich also, dass ihm dieses Vergehen jetzt seinen Arbeitsplatz kostet – dank Pokémon Go.

Wenn wir schon bei schrägen News zum Thema Pokémon sind. Folgendes Bild zeigt, was man als Mann so machen kann um sich die Zeit zu vertreiben, wenn die Frau gerade einmal anderweitig beschäftigt ist – zum Beispiel mit Kinder-Kriegen:

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Weniger lustig, aber nicht viel weniger schräg ist die Vorstellung, dass Gamer sich auch im Holocaust-Museum mit der Jagd auf Pokémons beschäftigen könnten. Hier ist natürlich in erster Linie Niantic gefragt, an so sensiblen Orte keine Pokémons auftauchen zu lassen.

Pokémon – Nachteile vs Vorteile

Sehen wir mal von eventuellen Sicherheitslücken ab oder schießwütigen US-Polizisten, denen man als Spieler von Pokémon Go verdächtig vorkommen könnte, lauern vermutlich wenig reelle Gefahren, die man nicht mit gesundem Menschenverstand ausschließen kann. Wenn ich nicht fotografieren darf an meinem Arbeitsplatz und hab es dennoch getan, dann sollte ich eben nicht so mit dem Smartphone herumfuchteln, als knipse ich weiterhin in einer Tour. Das Gleiche, wenn ihr in der Stadt unterwegs seid: Auch jetzt schon entwickeln wir uns zu Smombies, die viel zu oft aufs Smartphone achten statt auf den Verkehr. Das verhält sich beim Zocken nicht anders, also tut mir bitte den Gefallen und spielt gern nach Lust und Laune, aber eben nicht, ohne dabei auf das zu achten, was um euch herum geschieht.

Davon ab scheint sich Pokémon Go nicht nur für Niantic und Nintendo zu einem massiven Hit ziu entwickeln, sondern hat auch Vorteile für die Spieler (vom eigentlichen Spielspaß mal abgesehen). Es stellt sich nämlich heraus, dass Pokémon Go sich aktuell auch als effektivste Fitness-App überhaupt herausstellt.

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Den vermeintlichen Beweis dafür liefert Fitness-Gadget-Hersteller Jawbone im obigen Diagramm. Demnach hätten Jawbone-Nutzer, die Pokémon Go in den Kommentaren erwähnten, deutlich mehr Schritte zurückgelegt als alle anderen Nutzer. Im Schnitt sollen die Pokemon-Spieler 62,5 Prozent mehr Schritte gemacht haben als alle anderen. Generell ist natürlich auch nicht von der Hand zu weisen, dass es natürlich sinniger ist, draußen in der Weltgeschichte herumzuspazieren statt zuhause auf der Couch Candy Crush Saga zu zocken.

Könnte es sogar sein, dass Menschen mit Angstzuständen und Depressionen vom Spiel profitieren? Immer mehr Reaktionen im Netz kommen nämlich von Personen, die angeben, dass sie dank Pokémon Go wieder mehr aus dem Haus gehen. Quasi die Spielsucht dazu nutzen, um die eigene Krankheit zu überwinden und sich wieder häufiger unter Menschen zu wagen. Dadurch, dass das Spiel noch nagelneu ist, kann man das natürlich nicht wissenschaftlich untermauern. Aber es dürfte spannend sein, ob dieser Effekt wirklich später in Studien nachgewiesen werden kann – zumindest für diejenigen, die sich öffentlich dazu äußern, scheint es ja schon mal zu stimmen.

Ich sehe schon Debatten auf uns zukommen, in denen diese medizinischen Nutzen – mehr Bewegung für Lauffaule, Hilfe bei Depression und Angstzuständen – den möglichen Suchtschäden oder der Gefahr durch Unaufmerksamkeiten im Straßenverkehr gegenüber gestellt werden.

Der Hype um den Hype

Schneller, als der gewiefteste Social Media-Guru euch Snapchat erklärt oder fünf Prisma-Filter aufzählt, wittern jetzt natürlich auch auch die einschlägigen Branchen wieder riesiges Potenzial, um irgendwie von diesem Hype zu profitieren. Blogger wie ich schreiben zum Beispiel Artikel wie diesen, um sich an diesem Phänomen abzuarbeiten ;)

Es wird jedenfalls gerade eifrig diskutiert, wie man sich diesen Hype zunutze machen kann und ja, wir dürfen wohl davon ausgehen, dass das Spiel einen riesigen Impact haben wird, allein schon was die Akzeptanz und Relevanz von Augmented Reality angeht. Allein schon, weil sich die Menschen daran gewöhnen werden, dass ihnen Leute mit Smartphones über den Weg laufen, die augenscheinlich etwas ganz anderes sehen können als sie selbst.

Davon ab passieren natürlich weitere merkwürdige Dinge, bei denen sich erst noch herausstellen muss, ob das wirklich so geschäftsfördernd ist. Beispielsweise lassen verschiedene Läden verlauten, dass ihr im Geschäft nur auf Pokémon-Jagd gehen dürft, wenn ihr zahlender Kunde seid:

Pokemon Paying Customers

Pokemon Shop Pokestop

Oder wird es beim Vermieten von Wohnungen und Häusern gar entscheidend werden, was sich in der unmittelbaren Umgebung befindet?

Pokemon Haus

Während ich mir jetzt den Kopf zerbreche, wer jetzt alles wie dieses Spiel beruflich zu seinen Gunsten nutzen kann, ist Freund und Kollege Markus schon einen Schritt  weiter und erklärt euch den Hype um den Hype in chronologischer Reihenfolge. Natürlich schreibt er das augenzwinkernd und sehr unterhaltsam – solltet ihr also unbedingt gelesen haben.

Ganz am Ende dieses Artikels kann ich es euch ja verraten: Ich bin früher irgendwie nie so ganz warm geworden mit Pokémon und hab den Hype nie wirklich begriffen. Jetzt allerdings juckt es mir – als ehemaliger Ingress-Spieler – doch ein wenig in den Fingern und ich glaube, ich werde nachher tatsächlich mal die App installieren und schauen, ob sich nicht eines dieser Biester hier in Dortmund bändigen lässt. Und wenn ihr es mir nachtut – nicht vergessen: Steigt nicht in fremde Vans ein, egal wie verlockend sein Inhalt für Pokémon Go-Spieler sein könnte ;)

Rare Pokemon inside

Quellen: