Pokémon Go, Skylanders und Co.: Sind Gadget-Games nur was für Kinder?

Pokémon jagen mit dem Armband und Spieler mit übers AR-Display abknallen – Hardware-Gadgets für Smartphone-Spiele sind ein Trend, den wir im Auge behalten sollten.

Der Mobliegames-Markt ist einer der schnellst wachsenden und auch der, der die meisten Menschen erreicht. So gut wie jeder hat ein paar Spiele auf seinem Smartphone. Sei es ein einfaches Candy-Crush oder Puzzlebobble, das wir uns nebenbei und unterwegs zu Gemüte führen, bis hin zu komplexen Shootern und storygetriebenen Rollenspielen, die unsere volle Aufmerksamkeit brauchen, ganz wie ein PC- oder Konsolenspiel.

Klar, dass bei einer rasant wachsenden, großen Zielgruppe immer komplexere Games und Ideen den Markt fluten. Nicht zuletzt fassen Gadget-Spiele immer mehr Fuß. Von Wearables und externen Figürchen, die zum Spiel mitgeliefert werden, bis hin zu Aufsätzen und zusätzlichen Controllern, die das Spielen auf dem Smartphone oder Tablet zu einem Vollwertigen Videospielerlebnis machen wollen. Die meisten davon richten sich jedoch zurzeit noch an Kinder und darum haben wir uns genauer angesehen, ob man auch als Erwachsener Spaß mit Hartplastikspielzeug und Smartphone haben kann.

Space Hawk

Fangen wir mal mit einem richtigen Kinderspielzeug an. Die Space Hawk ist der Einstieg von Analogspielehersteller Ravensburger in die digitale Spielewelt. Für alle, die noch nie von dieser kuriosen Symbiose zwischen Smartphone und Spielzeugraumschiff gehört haben, hier kurz das Spielprinzip: Wir starten die Space-Hawk-App, die es kostenlos im Store für iOS und Android gibt, auf dem Smartphone und stecken dann das Gerät in eine gesicherte Vorrichtung im recht großen, mitgelieferten Spielzeugraumschiff.

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Mit wenigen Handgriffen transformieren wir das Gerät in verschiedene Modi. Etwa dem Schwebemodus, indem wir Zugriff auf die Kamera erhalten und so Augmented-Reality-Fähigkeiten nutzen können oder den Flugmodus, indem das ganze Raumschiff zusammengeklappt wird und das Handy in sich verschluckt.

Space Hawk
Space Hawk
Preis: Kostenlos
 
Space Hawk
Space Hawk
Entwickler: Ravensburger AG
Preis: Kostenlos

Hierbei versucht die Space Hawk nicht zu verstecken was sie ist: Ein Spielzeug. Das Umbauen der einzelnen Funktionen geschieht von Hand, ist klobig und fühlt sich an, wie wir es von Plastikspielzeugen gewohnt sind. Keine Sorge beim ruppigen Anfassen, das Smartphone innen ist immer gesichert und kommt beim sachgemäßen Umgang, nicht mit den störrischen Plastikteilen in Berührung.

Wer die Gadget-Mechaniken verstanden hat, kann sogleich loslegen. Die einzelnen Missionen finden auf verschiedenen Planeten statt, die in Form von großen Pappkarten dem Starter-Kit beiliegen und via AR-Funktion erfasst werden. Wir retten gestrandete Weltraumpiloten, untersuchen fremde Planeten, machen unser Raumschiff nach Kollisionen wieder flott und rüsten es mit gesammelten Vorlagen auf.

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Die meisten Aufgaben finden in Form von einfachen Minispielen statt. Zielen und schießen, auf Kommando (via Gyrosensor-Erkennung) ausweichen … Dabei wird viel Wert daraufgelegt, dass sich der Spieler auch etwas bewegt und nicht nur starr vorm Display hockt. Die Zielgruppe sind ganz klar Kinder, für die die Space Hawk versucht, analoges Spiel mit interessanten digitalen Spielinhalten zu verknüpfen – und das gelingt ihr hervorragend.

Die grandiosen deutschen Sprecher könnten einem Hörbuch entstammen und bringen die kindgerechten Abenteuer so fantastisch rüber, dass auch junggebliebene Erwachsene Spaß daran finden können. Vor allem, wenn man sich für die Mechaniken und Entwicklungen auf dem Spielemarkt interessiert, weckt die Space Hawk sicher Neugier – bei mir zumindest. Wenn nicht, ist es doch nur ein wirklich tolles, absolut empfehlenswertes Kinderspielzeug.

Skylanders: Superchargers

Die Skylanders-Reihe gibt es für Konsolen bereits seit 2011 und ist eine der größten Serien, die physische Spielzeuge mit digitalen Spielinhalten verbinden. Seit jeher läuft das bei den Skylanders so ab, dass wir das im Starter-Kit mitgelieferte Portal an die Konsole anschließen und dann die Plastikspielfiguren daraufstellen. Schwupps – erscheint die Spielfigur auf dem Bildschirm und wir können sie mit dem Controller steuern.

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Seit 2011 hat sich viel getan und es gibt inzwischen ein ganzes Imperium an sammel- und spielbaren Skylanders, für die wir gut und gerne ein halbes Vermögen ausgeben können. Grade zur Anfangszeit hat die Sammelwut der hübschen Figürchen Erwachsene ebenso wie Kinder gepackt. Auch wenn das klassische Adventure-Spielprinzip auf eine junge Zielgruppe ausgelegt ist, gibt es durchaus Sammel-Quests und Herausforderungen auf höheren Schwierigkeitsgraden, die auch Erwachsene noch fordern.

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Mit dem letzten Ableger, Superchargers, können wir erstmals auf dem Tablet ein vollwertiges Skylanders-Abenteuer erleben. Das Starter-Pack kommt hier neben Portal, das via Bluetooth mit dem Tablet verbunden wird und gleichzeitig als Stand dient, sowie den ersten Figuren nämlich auch noch mit einem kleinen Controller. Der kann zwar nicht ganz mit den komfortablen Eingabegeräten der großen Konsolen mithalten, sorgt aber durchaus für ein ähnliches Spielgefühl.

Gerade, weil man ein Tablet auch in weniger Gaming-Affinen Haushalten findet, ist es ein toller Schritt von Activision, das vollwertige Spielerlebnis auch für Nicht-Konsolen-Besitzer zur Verfügung zu stellen. Klar, müssen wir an manchen Stellen Abstriche in Grafik und Performance manchen, trotzdem steht die Tablet-Umsetzung den Konsolenversionen in kaum etwas nach.

Pokémon Go Plus

Dass Pokémon Go vor ein paar Monaten wirklich alle gepackt hat, nicht nur Kinder, steht außer Frage. Auch, wenn der Andrang jetzt stark nachgelassen hat, gibt es immer noch genug Erwachsene wie Kinder, die noch fleißig Sammeln und Kämpfen. Gerade für diese Hardcore-Spieler, die den Kampfgeist noch nicht verloren haben, scheint das kürzlich erschienene Wearable eine Überlegung wert zu sein.

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Mit dem sehr nach Plastikspielzeug aussehenden Armband im Pokéball-Style lassen sich die Taschenmonster noch einfacher fangen. Via Bluetooth wird es mit dem Smartphone verbunden und vibriert, sobald sich fangbare Biester in der Nähe befinden. Per Knopfdruck können wir diese dann auch gleich schnappen, ohne das Handy herauszuholen.

Da das Armband kein Display hat, fangen wir quasi blind, und sehen erst hinterher was wir erbeutet haben. In der Theorie zumindest. Auch wenn die grundsätzliche Idee sicher Erwachsene-Süchtlinge genauso anspricht wie Kinder, sieht es mit der Umsetzung anders aus. Gerade aktive Spieler dürften sich daran stören, dass man mit dem Armband nur einen Versuch hat, ein Pokémon zu fangen, klappt es nicht, entwischt es sofort.

Pokemon Go Screenshot 02

Außerdem verwendet das Teil nur normale Poké-Bälle, wodurch das Fangen besonderer, seltener oder schlichtweg besonders starker Pokémon deutlich erschwert wird. Die LED-Leuchte, die einem Farb-Feedback zur Umgebung und zum Fang geben soll, ist ebenfalls nicht die Stärkste und bei normalen Tageslicht leider kaum zu gebrauchen. So fällt das Armband, trotz toller Ambitionen leider doch eher in die Kategorie Kinderspielzeug, als dass es ein cooles Gadget fürs Game wäre.

father.iO

Definitiv nicht für die Kleinsten ist der kommende Real-Life-Egoshooter father.iO. Über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo wurde das Projekt Mitte April dieses Jahres zu 650% finanziert. Die Erwartungen sind also groß und die Hoffnungen, dass das Konzept aufgeht, ebenso. Das Spielprinzip ist denkbar simpel. Ähnlich wie bei Ingress erobern wir auf einer digitalen Karte unserer realen Welt Punkte für unser Team.

FatherIO Real World Interaction

Richtig interaktiv wird das Ganze, indem wir mit anderen Spielern interagieren und via Augmented Reality in den direkten Kampf gehen können, wenn wir auf Gegner treffen – Zumindest wenn wir das dazugehörige Gadget haben. Der sogenannte Inceptor ist quasi ein Laser-Tag-Adapter fürs Telefon und lässt uns andere Spieler abschießen. Auf dem Display sehen wir über ein AR-Interface die Welt durch unsere Smartphone-Kamera. Per Touchscreen lösen wir dann aus und erledigen unseren Gegenspieler.

GIF

Die Idee scheint spaßig und eben nicht nur für Kinder. Besonders weil in Deutschland der Umgang mit Schießspielen wie Laser Tag oder Paintball noch sehr steif gehandhabt wird, ist der reale AR-Shooter für unterwegs eine spannende Idee. Vorausgesetzt, es finden sich genug Spieler in unserer Umgebung und die Technik hält, was sie verspricht, denn noch ist father.iO nicht erschienen. Erste Pakete für frühe Backer werden voraussichtlich ab März 2017 verschickt, normale Vorbestellungen ab April. Die App mit der taktischen Karte ist für iOS und Android bereits verfügbar und bekommt diesen Monat ein weiteres Update. Wir werden das Projekt definitiv im Auge behalten.

Father.IO AR FPS
Father.IO AR FPS
Entwickler: Proxy42 Inc
Preis: Kostenlos

Fazit

Die Kombination von externer Hardware und digitalen Inhalten zum Spielen auf Smartphone nimmt immer mehr zu. Neben den großen Titeln, die wir hier genauer unter die Lupe genommen haben, finden sich auf dem Markt noch unzählige weitere, kleinere Projekte die sich mit dem Thema befassen. Auf einige davon, etwa Oniri Islands, konnten wir auf der Gamescom bereits einen Blick werfen.

Projekte wie father.iO sind  ein toller Ansatz den Couch-Gamer mal wieder ans Tageslicht zu locken und begeistern den durchschnittlichen Smartphone-Spieler ebenso wie den Core-Gamer.

Was sich dabei abzeichnet: Die Meisten richten sich an Kinder. Eigentlich ist das auch ideal. Kinder schrittweise an den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu gewöhnen ist in der heutigen Zeit essenziell. Ebenso, dass sie sich bewegen, aktiv werden und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen realem und digitalem Spiel lernen. Gadgets wie die Space Hawk, die diese Werte miteinander verbinden, sollten darum gerne einen festen Platz in den Spielzeugregalen finden.

Für Erwachsene ist der Markt leider noch etwas klein. Projekte wie father.iO sind jedoch ein toller Ansatz den Couch-Gamer mal wieder ans Tageslicht zu locken und begeistern den durchschnittlichen Smartphone-Spieler ebenso wie den Core-Gamer. Denn vollwertiges Spiel mit sozialer Interaktion verknüpfen macht Spaß und schuppst eingerostete Erwachsene vielleicht soweit aus ihrer Komfortzone, um das Kind in sich wiederzuentdecken.