Lutz Meschke Porsche CFO
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Porsche liebäugelt mit Börsengang, weil ihnen VW nicht gut genug ist

Lutz Meschke, seines Zeichens Finanzvorstand bei Porsche, hat in die London die Nachricht platzen lassen, man könne sich einen Börsengang vorstellen. Porsche wäre schlagartig 70 Milliarden Euro wert, der gesamte VW Konzern wird zur Zeit mit knapp 30 Milliarden Euro bewertet.

von Robert Basic am 16. Oktober 2018

Langweilig wird es im VW Konzern nie. Meschke hat anscheinend nach Absprache mit dem Porsche-Management und den beiden Familien Porsche/Piëch den VW Aufsichtsrat aufgefordert, sich Gedanken darüber zu machen. Meschke wurde in London sehr klar: Immerhin könnten schlagkräftigere Einheiten für Investoren deutlich spannender sein und es würde nicht mehr zu einer Verwässerung führen. Was die kalkulierten Börsenwertunterschiede nur zu deutlich aufzeigen (und die beiden Familien wohl sehr erfreuen dürfte).

Und noch deutlicher kann man seiner Mutter nicht sagen, dass man sich mehr Tempo wünscht. Was sich Porsche auch erlauben kann, denn immerhin tragen sie Jahr für Jahr einen fetten Gewinnbatzen zum Konzerngewinn bei.

Während Diess – der VW Konzernchef – erneut ob der Sachlagen jammert (Handelskrieg, Brexit, WLTP, Dieselskandal, neue CO2-Vorgaben), setzt sein Finanzkollege aus Zuffenhausen im 911er den Blinker und blendet deutlichst auf, „gib Gas, du da vorne in deinem Golf!“.

Die Autobranche hat nicht nur in Deutschland einen neuen Trend ausgerufen. Die Absplittung in kleinere Teileinheiten soll zum einen beweglichere Einheiten schaffen. Zum anderen sollen Investoren gezielter ihre Gelder anlegen können. Und nicht zu vergessen, die Risiken werden theoretisch diversifiziert, so dass ein Bereich nicht mehr das Ganze herunterziehen kann. Fiat Chrysler hat es mit seinen Sparten Ferrari, Nutzfahrzeuge und Baumaschinen bereits vorgemacht. VW plant für 2019 Traton (die Nutzfahrzeugsparte) an die Börse zu bringen. Daimler wird bei der Hauptversammlung im Mai 2019 wahrscheinlich die Aufteilung des Konzerns beschließen. Nur BMW kann nichts weiter großartig aufteilen, höchstens Rolls Royce und Mini.

In der Tat wird die Autobranche in den nächsten Jahren erhebliche Umwälzungen durchmachen. Die nur zu Teilen in der Elektrifizierung liegen. Der Wunsch der EU, der Verbrenner allmählich aufzugeben, spielt China und USA wunderbar in die Karten. Denn auf dem eigentlichen Kampfgebiet, sagen wir vereinfacht Informationstechnologie, wird Europa wohl keine Schnitte machen. Schwächung auf der einen Seite, Stärkung der anderen, so sieht es zur Zeit aus. Insofern ist jede Strategie einer höheren Beweglichkeit immens wichtig.

In einem Artikel habe ich eine der möglichen Zukunften der deutschen Autoindustrie gezeichnet: Entweder wendet man sich von Europa ab oder man verharrt in einem sich selbst lähmenden Kontinent, der sich in Regularien erdrosselt. Europa ist bis heute nicht einmal in der Lage, eine gemeinsame Strageie für autonomes Fahren auf die Beine zu stellen. Es verwundert nicht, dass die Hersteller in den USA und China fleißig testen. Die Franzosen haben es bereits geschickter angestellt: Die Allianz aus Renault Mitsubishi Nissan stellt einen hochaggressiv global agierenden (von F&E bis Produktion) Wettbewerber dar, der Toyota und VW attackiert. Nur PSA ist diesen Schritt noch nicht gegangen.