Was Google, Facebook, Microsoft & Co. ihren Praktikanten zahlen

Google, Facebook, Microsoft u.a. IT-Unternehmen buhlen mit hohen Vergütungen um die besten Praktikanten. Mehrere tausend US-Dollar sind keine Seltenheit, sondern die Regel, wie eine neue Umfrage zeigt. In anderen Branchen und besonders hierzulande sind Schüler, Studenten und Absolventen von einem vergleichbaren Gehaltsniveau Lichtjahre entfernt.

Bereits in wenigen Monaten neigt sich das Schuljahr dem Ende zu. Allerorten – sowohl in den USA als auch in Deutschland – werden sich viele Schulabgänger freiwillig oder gezwungenermaßen mit der Frage beschäftigen, ob sie die Wartezeit bis zur Aufnahme eines Studienplatzes oder bis zum Beginn einer Ausbildung mit einem Praktikum überbrücken. Auch Studenten, die ein Pflichtpraktikum listen müssen oder Hochschulabsolventen, die nicht unmittelbar im Anschluss an ihr Studium eine Arbeit aufnehmen buhlen miteinander um die mitunter heißbegehrten Plätze in den großen Unternehmen der Republik.

Nun muss man wissen, dass der Ruf von Praktika in den zurückliegenden 20 Jahren extrem gelitten hat. Bis heute streiten sich Arbeitsrechtler und Gerichte über die Frage, ob es sich bei vielen Praktika nicht eigentlich um echte Arbeitsverhältnisse handelt, für die eine entsprechende Vergütung zwingend vorgeschrieben wäre. Mit der Einführung des Mindestlohns hat sich die Situation für die seit den 90er-Jahren als „Generation Praktikum“ belächelten Absolventen vermeintlich unattraktiver Studiengänge ein wenig geklärt, doch die verschärfte Situation am europäischen Arbeitsmarkt brachte euch neue Konkurrenz.

Wagt man einen Blick über den Tellerrand, dann zeigt sich ausgerechnet im Tech-Bereich erstaunliches. Die von us-amerikanischen Firmen dominierte Szene buhlt mit Gehältern um die Gunst der besten Absolventen, von denen so mancher festangestellte Ingenieur nur träumen kann. Rund um das Epizentrum Silicon Valley ist ein Wettbewerb um die besten Kandidaten entstanden, der sowohl über die Vergütung als auch über zusätzliche Leistungen des Unternehmens entschieden wird.

Der ehemalige UC Berkeley Student Rodney Folz hat das Thema aufgegriffen und die Ergebnisse einer Umfrage geteilt, die er zuvor via Facebook und über Email List Server an die entsprechenden Zielgruppen weitergeleitet hatte. Insgesamt haben über 500 Personen und Institutionen an der anonymisierten Umfrage teilgenommen – ein vielleicht nicht repräsentatives, aber doch aussagekräftiges Feedback sollte also gewährleistet sein. Zu den befragten Praktikanten gehörten auch solche, die einen der begehrten Plätze bei Branchen-Riesen wie Google, Apple oder z.B. Uber ergattern konnten.

Die Auswertungen der Befragung gehen detailliert auf die einzelnen Unternehmen ein und zeigen, bei welchen Unternehmen entweder die höchsten Praktika-Gehälter oder die höchsten Zusatzleistungen gezahlt werden. Im Durchschnitt ergab sich ein monatliches Entgelt von 6.800 US-Dollar (ca. 5.994 EUR), mit erheblichen Abweichungen nach oben und unten.

Quelle und mehr: Bloomberg
Quelle und mehr: Bloomberg

Spitzengehälter scheinen u.a. bei der hierzulande nicht (mehr) allzu erfolgreichen Bild-Plattform Pinterest gezahlt zu werden, dort kann ein Praktikant bis zu 9.000 USD verdienen. Der Branche-Primus Facebook lockt mit immerhin 8.000 USD, wird sich aber auch aus ganz anderen Gründen vor Bewerbern nicht retten können. Microsoft, Google und Twitter ordnen sich irgendwo in der Mitte ein, gefolgt von Apple und Amazon. Das Schlusslicht mit „nur“ 4.500 USD bildet erstaunlicherweise Tesla – zumindest in puncto Gehaltsniveau scheint der Autohersteller sich nicht als „Software-Unternehmen“ zu sehen ;-).

Man muss die Ergebnisse der Befragung selbstverständlich mit Skepsis betrachten und darf sie auf keinen Fall unreflektiert auf andere Länder übertragen. In Regionen wie dem Silicon Valley oder in Paolo Alto sind die Mieten und Lebenshaltungskosten horrend hoch, zudem ist mit der Aufnahme des Praktikums oft auch ein temporärer Umzug verbunden. Rodney Folz gab gegenüber Bloomberg zu verstehen, dass er die Befragung vor allem durchgeführt habe, weil er nicht wolle, dass sich junge Arbeitnehmer in der Technologie-Branche unter Wert verkaufen. Seiner Ansicht nach ist ein „Praktikum“ bei diesen Unternehmen ein echter Vollzeit-Job, inklusive der damit verbundenen Verantwortung.