Produktblocker – Wie Amazon und Apple bestimmen was wir zu kaufen haben

Erst ein Monopol schaffen und dann die Wettbewerber aus dem Angebot verdraengen. Amazon hat einige prominente Vorbilder in der Branche.

Was ist das nur fuer eine Welt? Der weltgroesste Onlineshop, die Plattform die tausenden Retailern erlaubt ihre Waren zu verkaufen, schliesst nun Produkte von Mitbewerbern aus. Und das je nachdem woher der Wind der eigenen Strategie weht. Na Mahlzeit!

Was ist passiert? Vor wenigen Tagen ist herausgekommen, dass die Gebieter ueber die Onlinekaeufe der westlichen Hemisphaere auf einmal Apple TV, Nexus Player und Chromecast aus dem Angebot verbannen wollen. Ja, so kurz vor dem Weihnachtsquartal muss man schon einmal ein wenig Platz machen fuer die eigenen Produkte und mit Fire TV und Fire Stick sind die Versender aus Seattle ja richtig dicke im Geschaeft.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da baut eine Firma faktisch ein Monopol in der Onlineshopwelt auf (wenn wir mal Alibaba aussen vor lassen) und hat nun die Marktmacht um festzulegen, wie gut sich Produkte verkaufen bzw. ob sie sich ueberhaupt verkaufen. Amazon will ja in Zukunft auch eigene Lebensmittel verkaufen, bedeutet dass, dass dann die Banane aus Sued-Amerika irgendwann mal geblockt wird, damit die eigene gelbe “Gewaechshausgurke” den Weg zu den Kunden findet? Was geschieht wenn sich die Washingtoner irgendwann mal fuer Jeans-Sweatshops in Bangladesh interessieren? Duerfen wir uns dann von Levis-Listings verabschieden, oder male ich nun apokalyptische Szenarien des untergehenden Wettbewerbs and die Blogwand?

Nun, Amazon hat offensichtlich seine moralischen Grundsaetze irgendwo im Grossraum Cupertino aufgeschnappt und letztendlich verfeinert. Apple betreibt dieses Spielchen bereits seit Jahren. Da gefaellt der prueden Hipster-Horde auf einmal nicht mehr, dass in Apps Nippel zu sehen sind oder gar die boese, boese Suedstaaten-Flagge auftaucht. Oder man verbietet gleich das Woertchen “Android” in der Beschreibung oder Links auf eigene Online-Angebote.

Und jetzt kommt mir bitte nicht mit “die habens gebaut, die bestimmen die Regeln” Spruechen. Bullshit! Beide Firmen haben Monopolpositionen inne und lassen uns dies auch taeglich spueren. Uebrigens ist dies bei Google und YouTube nicht grossartig anders.

Wir haben uns eine Welt herangezuechtet, in der einige wenige Firmen bestimmen was, wann und wie wir etwas konsumieren sollen. Wettbewerb ist ein Fremdwort, “do no evil” ein Mantra fuer den Spreadshirt-Shop und “wir wollen ja alle nur die Welt verbessern” eine Marketingkeule, die wie ein Tritt zwischen die Beine des gesunden Menschenverstands wirkt.

Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!
Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!

Wir und unsere Systeme haben es verdammt noch einmal richtig schoen in den Sand gesetzt. Wir haben versagt und das alles im Namen des Konsums und grenzenlosen Wachstums, den uns das Internet scheinbar versprochen hat. Amazon, Apple und Google wissen wie man das Spielchen spielt. Weitere werden folgen und unsere Wahlmoeglichkeiten immer weiter einschraenken…. wohlgemerkt ohne dass wir dies zum Teil mitbekommen werden.

Hier sind nun endlich die Wettbewerbshueter gefragt, zeitgemaesse Rahmenbedingungen fuer den digitalen Handel zu schaffen. Wir Verbraucher schlucken eh alles was uns vorgesetzt wird!

P.S. Wer sich fragt, warum ich als Titelbild ein Foto einer Netzneutralitaets-Demo verwende… nun, einfach den Artikel noch einmal lesen.