Puerto Rico: So helfen Google, Facebook, Tesla und andere dem Inselstaat

Im Gegensatz zu Donald Trump knien sich Google, Tesla und weitere Unternehmen mächtig rein, um Puerto Rico nach den Stürmen wieder auf die Beine zu helfen. Wir erklären, wie sich die Tech-Unternehmen einbringen.

Puerto Rico hat in diesen Tagen und Wochen zwei Probleme: Einmal den Sturm, der den Inselstaat größtenteils zerstört hat — und dann noch den US-Präsidenten Trump, der für den Freistaat Puerto Rico zuständig ist. Der sollte — wie auf dem US-Festland geschehen — Krisenmanagement betreiben. Stattdessen ist er damit beschäftigt, sich via Twitter über die puerto-ricanische Bürgermeisterin aufzuregen, zu golfen, Profisportler zu beleidigen und Richtung Nordkorea die wildesten Drohungen auszusprechen.

Info Puerto Rico:

Der Inselstaat gehört zu den Vereinigten Staaten, stellt allerdings weder einen eigenen US-Bundesstaat dar, noch gehört Puerto Rico zu einem anderen US-Staat. Um sämtliche außenpolitischen Belange kümmert sich die US-Regierung in Washington, die Puerto-Ricaner besitzen die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und sie zahlen auch mit dem US-Dollar.

Sie verfügen allerdings nicht über die gleichen Rechte wie andere US-Bürger, sondern nur über die Grundrechte und dürfen so beispielsweise nicht den US-Präsidenten wählen.

Gut ist, wenn man als kleiner Inselstaat eine mächtige Regierung über sich weiß, die für einen verantwortlich ist. Schlecht ist, wenn dieses Land von einer Person regiert wird, die immer noch mehr Trash-TV-Protagonist als Staatsmann ist. Dementsprechend hat sich der gute, alte Herr Trump bislang auch nicht mit Ruhm bekleckert, wenn es darum ging, Puerto Rico nach den schrecklichen Unwettern aus der Patsche zu helfen.

Noch immer sind viele Puerto-Ricaner ohne eigenes Heim, noch immer sind die meisten Inselbewohner ohne Strom – und damit natürlich auch ohne Internet. Als sich Trump dann nach Wochen doch dort blicken ließ, lieferte er bei seiner Rede direkt wieder einen Beleg für sein rhetorisches Geschick und sein Empathieverständnis ab. Indem er nämlich feststellte, dass die Inselbewohner „stolz sein dürften“ darauf, dass lediglich 16 Menschen bei der Katastrophe umkamen und nicht etwa Tausende wie bei einem „richtigen Sturm wie Katrina“.

Wem dieser sprachliche Arschtritt des US-Präsidenten noch nicht reichte, der war spätestens in dem Moment bedient, als sich Trump ausgerechnet während der Feierlichkeiten zum Hispanic Heritage Month (hier wird das Kolonialerbe gewürdigt und der Einfluss von Spaniern und Lateinamerikanern auf die USA zelebriert) über den Staat bzw. über seinen Namen lustig machte. Er versuchte nämlich, „Puerto Rico“ möglichst spanisch auszusprechen — und sorgt für begeisterte Lacher im Publikum, als es eigentlich darum geht, für die Opfer des Sturms zu beten. Seht selbst:

Aber lasst uns nicht so viel über Trump reden, sondern mehr darüber, was andere tun können. Erst gestern haben sämtliche lebenden Ex-Präsidenten zusammen mit Stars wie Lady Gaga bei einer Spendengala über 30 Millionen US-Dollar zusammengebracht, die für die Sturmopfer gedacht sind. Aber selbst eine solch erstaunliche Nummer klingt nach Peanuts, vergleicht man das mit der Kohle, die mitunter in der Industrie gehortet wird. Gerade die milliardenschweren US-Unternehmen wie Apple, Google, Amazon, Facebook und Microsoft sind da gefragt.

Letztes Jahr noch forderte Sascha Pallenberg hier auf dem Blog: Liebes Silicon Valley, lös doch bitte zuerst die Probleme auf der Erde! Darin schrieb er unter andere:

Wir können uns auch darüber unterhalten wie sinnvoll es ist, nun zum Mars zu fliegen und die Transformierung zu einer „multiplanetaren Lebensform“ anzustoßen. Oder wie wichtig es denn wäre, die bisher infrastrukturell eher vernachlässigten Gebiete in Afrika mit Internet zu versorgen, welches über riesige Ballons garantiert werden soll. Ker, gebt denen endlich was zu fressen und ein Dach übern Kopp! Das brauchen die, ihr Hirsche! Sascha Pallenberg

Ich bin geneigt, Palle hier grundsätzlich recht zu geben in seiner Wut auf so fundamentale Dinge, die wir hier einfach nicht gebacken bekommen. Unabhängig von all dem, was wir gerade in diesen Tagen besprechen von Rechtsruck über Jamaika-Koalitionen bis zu regierenden Populisten und Autonomie-Wünschen vieler Regionen: Wir müssen ganz flott ein paar grundsätzliche Dinge hinbekommen auf diesem Planeten, wenn wir noch ein paar Jährchen Freude daran haben wollen.

Da ist ein Trump als „mächtigster Mann der Welt“ sicher auch gefragt und da würde es fürs Erste ja fast schon helfen, den Klimawandel als gegeben hinzunehmen. Aber da ist fraglos auch die Wirtschaft gefragt, einen Monopol- oder Profit-Gedanken einfach mal hintenan zu stellen und die wirklichen Probleme der Menschheit anzugehen.

Ihr wisst ja vielleicht, dass ich das durchaus immer gern anerkenne, wenn sich Unternehmen wie Facebook ins Zeug zu legen, beispielsweise wenn es darum geht, Geld zu spenden oder Menschen mit der Safety Check-Funktion in Katastrophenfällen die Möglichkeit zu geben, sich als sicher zu markieren.

Dennoch muss da mehr gehen und genau aus dem Grund schauen wir heute mal am konkreten Beispiel Puerto Rico darauf, was die großen Unternehmen aus den US of A da in die Waagschale werfen:

Google, Apple, Facebook und Co: Geld, Technologien, Infrastruktur für Puerto Rico

Tesla

Das twitterte der — auch von uns — oft viel gescholtene Elon Musk. Es werden dort tatsächlich eigene Interessen zurückgestellt (oder zumindest kommuniziert man das so), damit man bei der Akku-Produktion für Puerto Rico und andere betroffene Gebiete das Tempo anziehen kann. Tesla war nämlich eines der ersten Unternehmen, die sich zwecks Hilfe für Puerto Rico geäußert hatten.

Wie ihr wisst, werden bei Tesla nicht nur elektrische Karren gebaut und in überschaubaren Stückzahlen verkauft, auch das Thema Energie steht bei den US-Amerikanern ganz oben auf der Agenda. Das betrifft Batterien für besagte Tesla-Fahrzeuge, aber auch die Powerwalls für zuhause, Solar-Panels und vieles mehr.

Nach Gesprächen mit Tesla keimte in Puerto Rico schnell ein zartes Pflänzchen der Hoffnung auf. Man glaubt nämlich daran, dass Tesla der schon vor dem Desaster maroden Infrastruktur des Inselstaates auf die Beine helfen könnte. Die Rede ist von einem Flaggschiff-Projekt, also eine Vorzeige-Unternehmung, von der im besten Falle alle Seiten profitieren. Tesla ließ auf die Worte (siehe Tweet oben) auch schnell erste Taten folgen, denn bereits kurz nach den Gesprächen Anfang Oktober konnte man das in San Juan, der Hauptstadt Puerto Ricos, am Flughafen bestaunen:

Lieferung von Tesla-Powerpacks am Flughafen in San Juan
Teslas erste Lieferung für Puerto Rico (Foto: José Valiente )

Wie ihr dort sehen könnt und wie electrek.co berichtet, sind also längst Tesla Powerpacks auf Puerto Rico angekommen. Diese Powerpacks sind eigentlich für die Industrie gedacht und sollen Solarenergie speichern. Umfunktioniert zu Batterie-Farmen sollen sie nun dabei helfen, die Insel wieder stabil und dauerhaft mit Strom zu versorgen.

Nicht nur die Hardware hat die Insel erreicht. Erste Teams von Tesla-Angestellten haben ihre Arbeit bereits aufgenommen, weitere werden folgen und sollen zudem auch Puerto-Ricaner anlernen, damit sie die Technik selbst nutzen und in Betrieb halten können. Tesla hat solche Power-Grids auch auf Hawaii bereits erfolgreiche errichtet, größentechnisch ist Puerto Rico aber nochmal ein ganz anderes Kaliber.

Win-Win-Situation, wenn es klappt: Puerto Rico hat wieder Strom, Tesla kann sich als Retter feiern lassen. Wie es heißt, seien Hunderte dieser Powerpacks auf den Weg ins Katastrophengebiet und wie es scheint, ist das auch nicht als kurzfristige Aktion geplant, sondern könnte dem hochverschuldeten Puerto Rico auch langfristig zu einer besseren Versorgung verhelfen. Eine entsprechende Ausschreibung könnte dafür sorgen, dass Puerto Rico trotz seiner hohen Schulden zu einem fortschrittlichen Stromnetz verholfen wird. Der Staat muss sowieso viel Geld in die Hand nehmen, um die Schäden unter Kontrolle zu bekommen — wieso also nicht direkt dazu nutzen, um Nägel mit Köpfen zu machen!

Google

Auch bei Alphabet — der Konzernmutter von Google — möchte man sich da nicht lumpen lassen und greift Puerto Rico tatkräftig unter die Arme. Project Loon heißt hierbei das Stichwort — das Moonshot-Projekt der X Company, bei dem per Ballon das Internet auch in entlegene Gebiete gebracht werden soll. Auf dem Bild unten seht ihr einen dieser Ballons, der sich aus Nevada auf den Weg nach Puerto Rico macht:

Project Loon Ballon über Nevada

Dank Machine Learning und dem daraus resultierenden Algorithmus soll gewährleistet werden, dass die Ballons ein stabiles und möglichst flächendeckendes LTE-Netz über Puerto Rico spannen. Auf diese Weise können die Inselbewohner zumindest schon mal wieder die dringendsten Internet-Funktionen nutzen und SMS versenden.

Alphabet bzw. die X Company (hier der Blog-Eintrag) stemmen das aber auch nicht im Alleingang. In Zusammenarbeit mit entsprechenden Behörden wie der FCC oder der FEMA und den Regierungen finden mehrere Unternehmen zusammen, um der Telekommunikation auf der Insel auf die Sprünge zu helfen. Alphabet/Google arbeitet hierbei eng mit AT&T zusammen. Die erklären ihrerseits, dass (Stand: 20. Oktober) bereits wieder 60 Prozent der Bevölkerung (und sogar 90 Prozent auf den Jungferninseln) wieder am Netz sind und derzeit täglich 13 Millionen Telefonate und 6,5 Millionen Textnachrichten abgewickelt würden.

Selbst Apple klinkt sich hier mit ein und unterstützt das Projekt, indem man nämlich per iOS-Update dafür sorgt, das die Nutzung weiterer Frequenzen erlaubt wird, die von Haus aus eigentlich nicht für LTE lizenziert sind. Durch die zusätzlichen Frequenzen sollen auch LTE-Verbindungen über größere Entfernungen möglich gemacht werden, profitieren würden davon alle iPhones ab dem iPhone 5c und ab iOS 10 (mehr dazu bei heise.de).

Facebook

Live from virtual reality — teleporting to Puerto Rico to discuss our partnership with NetHope and American Red Cross to restore connectivity and rebuild communities.

Posted by Mark Zuckerberg on Montag, 9. Oktober 2017

Für das Video aus Facebook Spaces hat Mark Zuckerberg ordentlich von der Tech-Presse auf den Deckel bekommen. Man warf ihm vor, dass er ausgerechnet die Katastrophe in Puerto Rico dazu nutzt, um Werbung für Virtual Reality und Facebook Spaces zu machen. Zuckerberg entschuldigte später dafür, dass er da wirklich nicht sehr sensibel vorgegangen war:

One of the most powerful features of VR is empathy. My goal here was to show how VR can raise awareness and help us see what’s happening in different parts of the world. I also wanted to share the news of our partnership with the Red Cross to help with the recovery. Reading some of the comments, I realize this wasn’t clear, and I’m sorry to anyone this offended. Mark Zuckerberg, Facebook

Mag auch wirklich sein, dass es nicht besonders sensibel wirkt, sich per Comic-Avatar genau in dieses Krisengebiet zu teleportieren, wo Menschen derzeit ums Überleben kämpfen. Fakt ist aber auch, dass Facebook hier zumindest virtuell vor Ort erklären wollte, wie man selbst helfen möchte: Zusammen mit der Organisation NetHope (die auch mit Google zusammenarbeiten) will Facebook gewährleisten, dass wieder Konnektivität hergestellt wird, zudem will man dem Roten Kreuz mit Bevölkerungsdaten und künstlicher Intelligenz dabei helfen, möglichst präzise zu ermitteln, wo sich die Menschen befinden und wo Hilfe am dringendsten benötigt wird.

Dazu hat Facebook ebenso wie Google und Tesla Personal nach Puerto Rico entsandt und darüber hinaus direkt auch 1,5 Millionen US-Dollar gespendet, die zu gleichen Teilen an World Food Program und NetHope gehen.

Die Industrie, Dein Freund und Helfer?

Die Liste der Unternehmen, die sich in irgendeiner Art und Weise ist auch jenseits von Tesla, Google und Facebook groß. AT&T erwähnten wir ja bereits, die gleich vier Flugzeuge nach Puerto Rico gebracht haben mit Generatoren und Personal, ebenso kamen auch Generatoren und Materialien von Sprint an – beide sorgen dafür, dass möglichst schnell wieder möglichst viele Menschen auf Puerto Rico ans Netz kommen. Ebenso wie T-Mobile hat AT&T zudem beschlossen, dass derzeit auf die monatlichen Gebühren der Nutzer in den Krisengebieten verzichtet wird.

Von Apple wissen wir auch, dass sie sich generell um Nachhaltigkeit und die Umwelt kümmern und auch bei Katastrophen sofort zur Hilfe bereit sind. In diesem konkreten Fall hat man sowohl bei den eigenen Angestellten als auch bei Apple-Kunden Geld eingesammelt: Insgesamt 13 Millionen Dollar kamen so zusammen, die man für die Katastrophen-Geschädigten spendet, 1 Million davon geht direkt nach Puerto Rico. Zudem wurde auch Essen, Medikamente etc gesammelt und nach Puerto Rico geschickt. Auf dem US-amerikanischen Festland hat man gewährleistet, dass die Apple Retail Stores möglichst schnell wieder aufmachen. Zwar ist in einer Notsituation vermutlich dem meisten nicht nach neuer Hardware oder generell nach Shopping, aber in diesen Läden konnten Betroffene in den Sturmgebieten jederzeit ihre Smartphones aufladen und kostenloses WLAN nutzen.

Per App konnten Apple-Kunden schnell und unkompliziert zum Beispiel ans Rote Kreuz spenden

Auch Airbnb hat sich beteiligt, indem kostenloser Wohnraum sowohl für Flutopfer als auch für Helfer bereitgestellt wurde bis zum 13. Oktober. Darüber hinaus wurde versucht, zwischen Leuten zu vermitteln, die kurzerhand Wohnraum verfügbar machen können und Menschen, die ihn dringend benötigten.

Bei Microsoft spendete man ebenfalls eine Million US-Dollar, stellte zudem Personal, Dienste und Technologien zur Verfügung und lässt Menschen kostenlos per Skype nach Puerto Rico telefonieren.

Ich möchte wetten, dass noch sehr viele andere Unternehmen ebenfalls in die Hilfe für Puerto Rico involviert sind. Durch Spendensammlungen, durch das Bereitstellen von Technologien, Hardware und Arbeitskraft oder in jeder anderen vorstellbaren Art und Weise.

Dabei wird jetzt wohl der ein oder andere sagen, dass selbst eine Spende in Millionenhöhe für ein Unternehmen wie Apple, Microsoft oder Facebook eher erbärmlich wirkt, aber in Summe wird klar, dass sich die Tech-Branche äußerst schnell zur Hilfe durchgerungen hat. Ob das nun daran lag, dass man Trump nicht zutraut, adäquat zu helfen, oder ob man scharf auf die gute Presse, spielt dabei erst mal auch gar keine Rolle.

Fakt ist jedenfalls, dass genau das der Weg ist, wie es funktionieren kann. Wir reden hier nur über eine kleine Insel und darüber, dass diese mit Strom, Internet und dem nötigsten zum Leben ausgestattet werden soll. Es ist also nur ein Tropfen auf einem ebenso heißen wie riesigen Stein, aber es ist eben schon mal ein Anfang.

Wir sollten die Industrie weiter dazu ermutigen, ebenfalls in solchen Krisensituationen (und hey: Welthunger, Dürren, Kriege, Seuchen – es gibt genügend ständige Krisensituationen) schnell und unbürokratisch tätig zu werden. Wir im Gegenzug sollten ihnen dann auch nicht übel nehmen, wenn sich die Unternehmen dafür dann ein wenig als Helden feiern lassen und die positive Publicity mitnehmen.

Irgendwann werden wir vielleicht mal an einen Punkt kommen, an dem wir uns fragen müssen, ob sich hier die Machtverhältnisse zwischen den Regierungen und den Konzernen zu einem unangemessenen Grad verschieben könnten. Vorrang ist aber erst mal, dass wir alle gemeinsam den Karren „Erde“ wieder aus dem Dreck zu ziehen — generell, aber eben auch ganz besonders bei Katastrophen wie der in Puerto Rico.

Artikel-Bild: VOA