PwC-Studie „The Wearable Future“ – oder: Wo die Reise (vielleicht) hingeht…

Status und Zukunft von Wearables – mit diesem Thema beschäftigt sich eine Publikation von PricewaterhouseCoopers aus dem Oktober 2014. Ich habe Sie erst jetzt erhalten – Danke Gunnar! PWC bringt mit seiner kleinen Studie erhellende Zahlen und Fakten ans Licht.

Stärken und Chance, Schwächen und Herausforderungen im Bereich Wearable Tech, damit beschäftigt sich die Publikation The Wearable Future von PricewaterhouseCoopers (PwC), die 1.000 US-Amerikaner online zu ihren Ansichten über Wearables von heute und morgen befragt hat. Darüber hinaus war ein Panel aus Experten und Wirtschaftsvertretern an dem 50-seitigen Paper beteiligt.

Die Ergebnisse zeigen das Potenzial der Wearables und wie Sie ihren Weg in den Mainstream finden können. Dabei steht nichts geringeres als die Frage im Zentrum, was ein Wearable eigentlich ist und was es werden muss, um einen Verbreitungsgrad ähnlich dem des Smartphones zu erreichen.

Niemand will ein zweites Tamagotchi…

Und da sind wir auch schon bei einer entscheidenden Feststellung angelangt: 76% der Befragten gaben an, dass ihre Erwartungen an ein wearable device nicht darin liegen, ihr Smartphone zu ersetzen. Die Vorstellung, sich um mehrere separate, multifunktionale Primärgeräte „kümmern“ zu müssen, ist also eher abschreckend. Das ist wenig verwunderlich, wenn man betrachtet wie viel Zeit ein Smartphone so alltäglich für sich beanspruchen kann.

Das Zukunftspotenzial liegt bei Wearables also in der Funktion als Sekundärgerät, eine Ergänzung zum Smartphone oder Tablet, welches dann als Daten-Hub fungiert, sprich: Smart Clothing, Smart Glasses, Smart Watch, Fitness Band oder Tracking Device dienen als Peripherie. Der User soll nicht das Gefühl haben, sechs bis acht verschiedene Geräte am Körper zu tragen, sondern ein einzelnes, integriertes System.

Das richtige Interface macht’s!

Um trotz dieses „Flaschenhalses“, also dem primären Endgerät das letztendlich mit dem User kommuniziert, das Potenzial von weitreichender Sensorik auszunutzen, braucht man Lösungen für einen nutzerfreundlichen Informationsfluss. Im Gesundheits- und Fitnessbereich etwa stehen große Mengen an Daten in Echtzeit bereit, mehr als der User jemals aufnehmen oder im Nachhinein nachvollziehen kann. Das System muss also, ebenso in Echtzeit, filtern, verknüpfen und aufbereiten. Die letztendlich zum User gelangende Information muss relevant und „actionable“ sein – eine Information also, die auch eine Handlungsaufforderung impliziert. Salopp gesagt: Anstatt „Ihr Puls überschreitet seit neun Minuten und 43 Sekunden einen Durchschnittswert von 135 bpm“ also lieber „Schalt’ mal ’nen Gang runter!“. Sowohl die Rechenleistung als auch die Sensorik sind dafür vorhanden, was noch fehlt ist eine ergonomische Daten-Infrastruktur.

Besagte Daten-Infrakstruktur steigt in ihrem Nutzwert mit wachsender Reichweite. Die Verbindung mit der Cloud, Big Data und dem Internet der Dinge sind deshalb, laut PwC, Kernfaktoren für den Erfolg von Wearables. Dies bestätigt auch das Zahlenmaterial: 33% der Befragten, die sich vor über einem Jahr ein Wearable gekauft haben geben an, dieses heute entweder gar nicht mehr, oder nur sehr unregelmäßig zu benutzen. In der Wahrnehmung scheint ein Wearable also noch eher ein schmuckes, neues Spielzeug zu sein, ganz im Gegensatz zum Smartphone.

Das „Dienst-Wearable“

Wearables halten jetzt schon Einzug in die Arbeitswelt, und die zukünftigen Anwendungsgebiete im Businessbereich sind vielfältig. Ob im Verkauf beim Kundenservice oder als Jobtrainingsgerät mit Echtzeit-Feedback, der Workflow kann durch Wearables verbessert werden. Dort wo sie schon im Einsatz sind, werden sie weitestgehend unkritisch angenommen und benutzt – dort liegt also der vielversprechendste Zugang in den Alltag der User, nämlich am Arbeitsplatz. „Würden Sie sich eine Smart Watch für 100 $ kaufen?“ – 42% der Befragten antworteten mit „Ja“. Fragt man aber, „würden Sie eine Smart Watch benutzen, wenn Ihr Arbeitgeber sie bezahlt?“, so steigt die Zahl der Ja-Stimmen auf 72%. Selbigen Effekt findet man übrigens überall dort, wo Anreize gesetzt werden, die die gefühlte Überflüssigkeit von Wearables im Vergleich zum Smartphone abschwächen. So könnten Versicherungsunternehmen das Tragen von Bio-Sensorik subventionieren, indem sie im Gegenzug die Beitragssätze senken. Ebenso wie vor 20 Jahren archaische Mobilfunkgeräte als Diensthandy ihren Weg in das Leben vieler Menschen gefunden haben, sollen Wearables durch das selbe „Schlupfloch“ in den Mainstream finden.

Wo die Reise (vielleicht) hingeht…

Das Paper geht aber noch weiter und orakelt, dass Wearables in Zukunft die Werbe- und die Medienindustrie umkrempeln könnten, sowohl auf Seiten der Produzenten als auch auf Seiten der Konsumenten. Da die Ergonomie noch eine wesentlich größere Rolle spielen muss bevor Content für Wearables wirklich sexy ist, wird die Kuration von Content wesentlich an Bedeutung gewinnen, was wiederum neue Monetarisierungsmöglichkeiten eröffnet. Durch „Native Advertising“ etwa sollen Werbeinhalte so passgenau und präzise an die aktuellen Umstände des Users angepasst sein, dass sie nichtmehr wie eine Unterbrechung oder Belästigung daherkommen. Unternehmen werden Konsumenten in Zukunft also anders erreichen und auch anders mit ihnen interagieren (müssen).

Eine Menge derartiger Prognosen sind im Text zu finden, so richtig konkret werden sie dabei aber nicht. Lust auf die Zukunft macht das Stöbern aber allemal, und dass die Konsequenzen der Verbreitung dieser Technologie ebenso vielfältig und weitreichend sein könnten wie es schon bei den Smartphones der Fall war, das wird auf den fünfzig Seiten allemal deutlich.