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Radiergummi-groß: Der Angriff der Mini-Handys

Ist es tatsächlich ein seriöser Trend oder doch nur eine Spielerei? Die Rede ist von Mini-Handys wie dem L8Star BM70 oder dem Zanco Tiny T1.

von Carsten Drees am 18. Februar 2019

Wenn jetzt in wenigen Tagen das neue Galaxy S10-Portfolio von Samsung präsentiert wird, bekommen wir wieder riesige Smartphone-Klopper zu sehen, jenseits der 6-Zoll-Grenze. Dadurch, dass die Displays fast die komplette Front einnehmen, wirken die Geräte dennoch einigermaßen kompakt. Aber nicht jeder ist begeistert von diesem Trend zu den riesigen Handsets.

Unternehmen, die handlichere Smartphones anbieten, wie Sony mit ihren Compact-Devices, sind klar in der Minderheit. Aber was, wenn einem Smartphones im 4-Zoll-Bereich auch noch zu riesig sind? Dann sind vielleicht die Mini-Handys was für euch, denn die lassen zwar jeglichen Smartphone-Luxus vermissen, sind dafür aber tatsächlich winzig. Wir wollen euch drei Geräte vorstellen, von denen zwei tatsächlich rudimentäre Handys in Radiergummi-Größe sind — und das dritte ist ein waschechtes Smartphone, ausgestattet mit einem 3,3 Zoll kleinen Display.

Zanco Tiny T1

Das Zanco Tiny T1 ist tatsächlich ein Winzling mit lediglich 13 Gramm Gewicht und einer Länge von 46,7 mm. Auf dem Bild oben seht ihr ja, wie klein das Teil ist, umso erstaunlicher aber, dass es über eine Hardware-Tastatur verfügt. Gerade, wenn ihr so mächtige Griffel habt wie ich, dürftet ihr euch dann schwer tun damit, zuverlässig die richtigen Nummern zu wählen, aber machbar ist es halt schon.

Logischerweise ist das Handset lediglich ein Handy und eben kein Smartphone, ist demzufolge auch wirklich nur sehr rudimentär ausgestattet: Ihr könnt also telefonieren, außerdem SMS versenden — that’s it. Das OLED-Panel misst lediglich und auch der Akku ist mit 200 mAh natürlich überschaubar groß. Da am Gerät aber nichts großartig Akku frisst, soll eine Akkuladung für drei Tage reichen.

Ganz taufrisch ist das Zanco Tiny T1 eigentlich gar nicht, denn bei Kickstarter war es bereits im Jahr 2017 erfolgreich. Dann sind aber Vermarkter und Hersteller aneinander geraten, weswegen das Mini-Handy erst vor etwa einem halben Jahr bestellt werden konnte. Das bluetooth-fähige Gerät kann für knapp 90 Euro bestellt werden — müsst ihr selbst entscheiden, ob es euch das wert ist.

ZANCO Das kleinste Mobiltelefon der Welt Tiny T1

Preis: EUR 59,42 oder gebraucht ab EUR 52,99

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L8Star BM70

Nur unwesentlich größer als das Tiny T1 ist das L8Star BM70. Es kommt mit den Maßen 24 x 62 x 13 mm und wiegt 17 Gramm. Das Display ist mit 64 x 48 Pixeln

Auch hier sind wieder kleine Finger gefragt, um telefonieren zu können. Das soll aber mit ein wenig Übung durchaus gut funktionieren. Während das Tiny T1 mit einer Nano-SIM befüllt wird, verlangt das L8Star eine Micro-SIM. Auch hier gibt es Bluetooth-Funktionalität, ihr könnt es also als Headset für ein verbundenes Smartphone nutzen (was allerdings nur so mittelgut funktionieren soll.

Der größte Vorteil gegenüber dem Tiny T1: Der Preis! Lediglich 20 Euro werden fällig für diesen Winzling. Für jemanden, der tatsächlich nur mit überschaubarer Sprachqualität telefonieren möchte, oder sich einfach mit diesem Mini-Device einen Gag machen möchte, absolut ein verschmerzbarer Preis.

Palm Pepito

Das letzte Device, welches ich euch heute vorstellen möchte, unterscheidet sich deutlich von den anderen beiden. Das Palm Pepito ist grundsätzlich nämlich ein vollwertiges Smartphone, wenngleich es auch nur Scheckkarten-Größe besitzt mit seinem 3,3 Zoll großen Display. Dieses Display besitzt immerhin HD-Auflösung und auch die übliche Ausstattung — 3 GB RAM und 32 GB interner Speicher

Vera hat euch das Teil bereits im letzten Oktober vorgestellt, damals stand nur der US-Release an. Mittlerweile ist es aber auch für Deutschland geplant, allerdings erst für den Dezember. Es wird exklusiv bei Vodafone zu haben sein für einen Preis, der auch ganz klar in höheren Gefilden angesiedelt ist: Zwischen 360 und 400 Euro will man nämlich bei Vodafone für dieses zierliche Smartphone haben.

Vodafone bewirbt das Gerät nicht nur als “Ultra-Mobile”-Device, sondern auch als euren Begleiter für euer “richtiges” Smartphone. Schon Vera hat dieses Konzept in ihrem Artikel hinterfragt und auch mir will sich das nicht komplett erschließen, wieso ich mir zu meinem Smartphone noch so ein Mini-Smartphone anschaffen sollte. Immerhin könnt ihr beide Geräte synchronisieren, so dass ihr euer Erst-Smartphone zuhause lassen könnt, wenn ihr nur mit dem Pepito unterwegs sein wollt. Aber wie gesagt: Wieso sollte ich das tun? Palm versucht sich hier an einem Wearable-Ansatz, für mich persönlich macht so ein Device aber nur Sinn, wenn ich anstelle eines großen Smartphones lieber ein handliches Gerät nutzen möchte.

Ansonsten bietet das Palm Pepito all das, was ihr von einem normalen Smartphone auch erwarten könnt: Es sind zwei Kameras (8 und 12 MP) an Bord, natürlich Android als Betriebssystem und der Google Assistant. Es lässt sich perfekt bedienen und wer unbedingt auf diesen Formfaktor setzt, wird vielleicht auch tatsächlich 360 Euro oder mehr in die Hand nehmen. Für alle anderen, denen es nicht unbedingt darauf ankommt, dass ein Smartphone besonders kompakt ist, gibt es allerdings massig Alternativen, die sowohl günstiger als auch besser ausgestattet sind.

Die besten Smartphones unter 300 Euro


Und? Was sagt ihr? Muss man solche Devices auf dem Schirm haben, oder sind es lediglich Spielereien ohne wirklichen Mehrwert? Ich bin jedenfalls meilenweit davon entfernt, mir ein 360 Euro teures Smartphone zuzulegen, welches ich dann als Companion-Device zu einem anderen Smartphone nutze. Aber vielleicht gibt es für die anderen beiden Winzlinge ja tatsächlich eine Nische — als Gag, als Zweit-Telefon oder als Handy, welches man seinem Kind mitgibt, damit es sich in einem Notfall melden kann.

via N-TV