Ray Kurzweil über Nanobots in unserem Gehirn und gottähnlichen Cyborgs

Ray Kurzweil ist Futurist und Erfinder. Er hat eine ganz außergewöhnliche Theorie wie für uns im Jahre 2030 aussehen wird. Er sagt voraus, dass wir Menschen mit Nanobots im Gehirn in der Lage sein werden Emails, Fotos, Erinnerungen und Gedanken in einer Cloud zu sichern. Aber dabei soll es nicht bleiben, denn Kurzweil hat noch weitere Visionen.
von Vera Bauer am 4. Oktober 2015

Stellt euch ein Science-Fiction Film vor, in denen Cyborgs und Roboter vorkommen. Im Vergleich zum Menschen sind sie meistens intelligenter, aber werden auch oft als gefühlskalt und unmenschlich dargestellt. Könntet ihr euch eine Zukunft vorstellen, in der wir mit einem Roboter im Kopf herum laufen? Sind wir nicht schon so ziemlich abhängig von Maschinen, müssen wir sie dann auch noch in unseren Kopf pflanzen? Ray Kurzweil hat da eine etwas andere Meinung…

Der Futurist und Erfinder Ray Kurzweil prophezeit, dass Menschen in der Zukunft ihr Gehirn mit einem Computer verbinden und so Emotionen und Charaktereigenschaften von höherer Komplexität entwickeln können. Kurzweil ist an der Entwicklung künstlicher Intelligenz bei Google beteiligt. Bei einer Diskussion an der Singularity University spricht er über die Zukunft von Mensch und Computer, vertritt dabei aber seine Meinung und nicht die von Google.

Ray Kurzweil sagt voraus, dass in 2030er Jahren, das menschliche Gehirn in der Lage sein wird, sich mit einer Cloud zu verbinden, sodass man Emails und Fotos direkt an unser Hirn senden und auch unsere Gedanken und Erinnerungen sichern kann. Er sagt, dass das durch winzige Nanobots aus unseren DNA-Strängen ermöglicht werden könnte. Diese würden dann in unserem Gehirn herumschwimmen. Kurzweil sieht die Erweiterung unseres Gehirns im nicht-biologischen Denken, quasi als nächsten Schritt in der Evolution des Menschen. Diese Erweiterung würde dann nicht nur unsere logische Intelligenz verbessern, sondern auch unsere emotionale.

Seine Ansichten stehen im krassen Gegensatz zu einer allgemein verbreiteten Wahrnehmung. Oft wird im Science-Fiction-Bereich dargestellt, dass Cyborg Technologien uns mehr zu Robotern und dadurch auch weniger emotional und weniger menschlich machen. Dr. Miguel Nicolelis, Leiter der Neuroingenieur-Abteilung an der Duke University, befürchtet, dass wir uns zu sehr auf die Maschinen verlassen. Wir würden die Vielfalt unseres menschlichen Verhalten verlieren, weil Computer nur in Einsen und Nullen rechnen, ohne Ablenkung und ohne Emotionen.

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Kurzweil ist da anderer Meinung. Er glaubt, dass wir angeschlossen an einen Computer, menschlicher, einzigartiger und sogar gottähnlicher werden. Für ihn schafft Evolution Strukturen und Muster, die im Laufe der Zeit komplizierter, kenntnisreicher, kreativer und fähiger höhere Gefühle wie Liebe auszudrücken. Also seiner Meinung nach ist Evolution ein spiritueller Vorgang und bringt uns somit näher zu Gott. An dieser Stelle merke ich mal an, dass ich nicht gläubig bin und die Evolution als einen biologischen Vorgang ansehe.

Evolution creates structures and patterns that over time are more complicated, more knowledgable, more creative, more capable of expressing higher sentiments, like being loving. So as we evolve, we become closer to God. Evolution is a spiritual process. There is beauty and love and creativity and intelligence in the world — it all comes from the neocortex. So we’re going to expand the brain’s neocortex and become more godlike.

Klären wir zu allererst mal eine andere Frage: wie realistisch sind diese Nanobots im Gehirn? Nicholas Negroponte, Gründer des MIT Media Lab, denkt, dass diese winzigen Roboter die Zukunft des Lernens werden können. So könnte man beispielsweise gewisse Sprachen besser erlernen. James Freund, Professor für Maschinenbau an der UC San Diego, befasst sich mit medizinischer Nanotechnologie und sagt, dass wir nur zwei bis fünf Jahre davon entfernt sind, Nanobots für unser Gehirn nutzen zu können. Allerdings würden diese dann auch für die Medizin eingesetzt werden, zum Beispiel um epileptische Anfälle zu verhindern. Andere Wissenschaftler sind der Meinung, dass es zu große Hindernisse gibt, wie eine Stromquelle für den Nanobot zu finden, andere Zellen im Gehirn zu umgehen, die Fremdkörper angreifen oder keine Zellen zu zerstören.

Aber wir lernen auch mit anderen Techniken, bei denen keine Nanobots eingepflanzt werden. Forscher haben beispielsweise schon eine Nachricht durch Stimulation mit elektromagnetischer Induktion von einem Gehirn zum anderen schicken können. Es gibt Hirnchips, die Parkinson-Patienten eingesetzt werden, um eine bessere Kontrolle über die Motorik zu erzielen. Eine Studie in den USA setzte auch Implantate in menschliche Gehirne ein, die Stromstöße abgaben und somit das Gedächtnis verbesserten.

Auch wenn wir Menschen noch weit weg von der Anwendung winziger Roboter in unserem Gehirn sind, so wird das Verfahren an Tieren bereits getestet. Letztes Jahr injizierten Forscher beispielsweise DNA Nanobots in lebende Kakerlaken, die in der Lage waren spezifische Anweisungen zu befolgen, einschließlich dem Befehl Drogen abzugeben. In diesem Jahr wollen Forscher noch weiter gehen, indem sie Nanobots in die Magenschleimhaut von Mäusen einspritzen. Sobald es aber um nichtmedizinischen Zwecke geht, hat man ethische und Sicherheitsbedenken. So ergab eine Umfrage letztes Jahr, dass 72 Prozent der Amerikaner nicht interessiert sind an einem Gehirnimplantat, das das Gedächtnis und die geistige Leistungsfähigkeit verbessern könnte.

In the 2030s, we will be able to send nanobots into living people’s brains and extract memories of people who have passed away. Then you can really make them very realistic.

Kurzweil interessiert der medizinische Bereich wenig, denn er ist der Meinung, dass Menschen mit einem Nanobot im Gehirn besser werden, in allen Dingen. Seine Theorie ist sehr visionär und noch relativ utopisch, zumindest zum heutigen Zeitpunkt. Kurzweil geht nämlich sogar so weit zu sagen, dass es 2030 möglich sein wird, Erinnerungen von verstorbenen Menschen zu entnehmen und diese möglicherweise in sogenannte Avatare einzusetzen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich vor dieser Entwicklung Angst haben soll oder sie cool finde. Die 2030er sind in 15 Jahren, plus minus, und das ist gar keine lange Zeit mehr. Ich finde es zwar cool, dass man Gehirnimplantate für die Medizin verwendet und auch, dass man mit elektromagnetischer Induktion Nachrichten zwischen zwei Gehirnen hin und her schicken kann, aber das was Kurzweil beschreibt ist krass! Ich denke nicht, dass ich mir ein Nanobot einpflanzen lassen würde, mit dem ich auf eine Cloud zugreifen kann und all meine Gedanken und Erinnerungen sichert. Clouds sind nicht die sichersten Orte für so etwas, Clouds können gehackt werden. Und das mit den Erinnerungen verstorbener Menschen, also damit will ich gar nicht erst anfangen. Lasst die Toten doch bitte ruhen! Für mich wäre das eine sehr bedenkliche Entwicklung!

Quelle: huffingtonpost