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Reality TV auf Netflix: Terrace House

Reality Tv – es gibt wohl kaum ein anderes Format, über das man sich so wunderbar streiten kann. Die einen halten es schlicht für geistige Grütze und die andern feiern es ab. Da ich mich auf keine Seite stellen möchte, habe ich hier etwas für beide Parteien gefunden: Geistige Grütze, die so authentische rüberkommt, dass man sie nur abfeiern kann.

von Jessica Mancuso am 9. Februar 2017

Zugegeben: Erst nachdem ich mit eigenen Augen sehen musste, was Casi sich für Reality-Formate reinkloppt, um dann auf FB darüber abzuledern, habe ich mich auf die Suche nach etwas Besserem gemacht. Es sollte ein Reality-Format her, das ganz ohne Bitches à la Bachelor auskommt und einen Mehrwert verspricht, den andere Sendungen nicht halten können. Und ich wurde fündig – auf Netflix.

Terrace House – Aloha State

»Terrace House ist eine Serie über sechs Männer und Frauen, die zusammenleben. Wir beobachten ihren Umgang. Wir stellen nur ein schönes Haus und ein Auto. Es gibt keinerlei Skript.« – mit diesen Worten wird jede Folge der Serie von den Moderatoren eingeleitet, die aus ebenfalls drei Frauen und drei Männern bestehen und die Sendung haarklein kommentieren.

Das Besondere an dieser Show: Die Teilnehmer sind größtenteils aus Japan, wie die Moderatoren selbst, wodurch unsereins in Europa wirklich mal einen ganz anderen Blick auf diese für uns fremde Kultur erhaschen kann. Ich für meinen Teil dachte zum Beispiel, dass Japaner eher zurückhaltend bis prüde wären. Doch falsch gedacht. Allein die Moderationen treiben einem zum Teil kleine Lachtränen in die Augenwinkel, sodass man sich häufig fragen muss, ob man sich verhört hat.

Die »Aloha-State«-Version hat mich in vielerlei Hinsicht positiv überrascht, denn von Reality-Shows ist man es mittlerweile gewohnt, dass gescripted wird und teilweise Schauspieler engagiert werden, die für Quoten sorgen sollen. Ebenfalls wichtig für die Quote sind Streitereien, die nicht selten vom Produktionsteam angestachelt werden (Newtopia wird deswegen auf ewig unvergessen bleiben). Die Teilnehmer dieser Big Brother ähnlichen Formate wissen ganz genau, wie sie sich inszenieren müssen, damit sie nach ihrem TV-Auftritt diverse Möbelhäuser eröffnen dürfen oder von Clubs eingeladen und bezahlt werden, um lediglich anwesend zu sein.

Back to the roots!

Doch Terrace House ist in vielerlei Hinsicht vergleichbar mit den anfänglichen BB-Staffeln, als die Kameras stille Beobachter waren, das soziale Experiment im Mittelpunkt stand und man ganz normalen Menschen dabei zuschauen durfte, wie sie lebten.
Genau das findet sich bei diesem Netflix-Format wieder. Back to the roots!

Übrigens ist Aloha-State nicht die erste Staffel auf Netflix – Terrace House Boys & Girls in the City ist bereits abgedreht und ebenfalls beim Streaminganbieter online. Es scheint, als hätte diese Reality-Show ganz klammheimlich dort eingeschleust und niemand weiß etwas davon.

Die Fakten

Terrace House existiert in Japan seit 2012 mit großem Erfolg. So großem Erfolg, dass Netflix sich 2015 einkaufte und die erste Staffel so großen Anklang fand, dass sie von 18 auf 46 Folgen verlängert wurde und nun auch im Westen mit englischen Untertiteln beziehbar ist. Auf Netflix könnt ihr z. Z. also gleich 2 Staffeln sehen: Terrace House Boys & Girls in the City und Terrace House Aloha-State.

Fazit

Ich persönlich bin schon total angeflixt von den authentischen Charakteren, ihren individuellen Geschichten, ihre Kunst und ihre Kultur. Man bekommt einen Einblick in diese fremde Leben, die man sonst niemals bekäme. Nicht so. Oder habt ihr euch schon mal durch die Augen eines Japaners gesehen? Wie anders diese Welt ist. Teilweise sind diese Menschen zurückhaltender, höflicher, immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Auf der anderen Seite hört man die Jungs aber schon mal sagen: »Amerikanische Mädchen sind mir lieber, die sind einfach direkter.« und die Mädchen erwidern, dass sie genau das an amerikanische Männer ebenfalls attraktiver finden. Ebenfalls interessant fand ich die Tatsache, dass im Aloha-State der Altersunterschied keine große Rolle spielt. Eine 24-Jährige, die für einen 18-Jährigen schwärmt, wird weder als pervers noch als krank empfunden. Das habe ich hier so noch nicht erlebt und finde es ganz wundervoll, dass es keinen Unterschied mehr zu machen scheint, ob die Frau älter ist als der Mann oder umgekehrt.

Ihr merkt: Ich bin mal wieder hin und weg! Und weil ich das nicht für mich behalten kann, geht diese Empfehlung raus an euch. An euch und an Casi, der wirklich ganz dringend gute Empfehlungen braucht, damit er aufhört, sowas wie der Bitchelor zu gucken.

Wer dennoch vom Bachelor nicht Abstand nehmen möchte, kann sich auf Amazon Prime UNreal anschauen. Eine tolle Dramaserie, die hinter den Kulissen der sogenannten Reality-Show »Everlasting« spielt, einem Bachelor Pendant, und mit vielschichtigen Figuren punktet, die mehr als nackte Haut und gespielte Bitchfights zeigen, um mal einen Gastauftritt bei Explosiv Weekend abzustauben.