Konzept für Kunststoff-Straßen - Querschnitt

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Recycling: Rotterdam bekommt Straßen aus Kunststoff-Müll

Hoch interessant, was das Bauunternehmen VolkerWessels aus den Niederlanden plant: Plastik-Straßen, die aus recyceltem Kunststoff bestehen, der u.a. aus den Ozeanen stammt. Diese Straßen bieten einen Haufen Vorteile und die Stadt Rotterdam hat sich bereit erklärt, dieses Konzept zu testen. 

Manche Ideen sind so brillant und so offensichtlich, dass man sich doch schwer wundern muss, wieso da nicht schon längst jemand drauf gekommen ist. Paradebeispiel? Das Straßenbau-Konzept vom niederländischen Bauunternehmen VolkerWessels. Was macht es so besonders? Allein schon das Baumaterial: Die Straßen sollen nämlich statt Asphalt aus Kunststoff bestehen. Noch grandioser wird es dadurch, dass es sich dabei um recyceltes Plastik handeln wird, welches zumindest zum Teil aus den Ozeanen stammen soll.

Wie ihr sicher wisst, entstehen in den Weltmeeren wahre Müllinseln und Unternehmen wie The Ocean Cleanup beschäftigen sich damit, so viel wie möglich von diesen Millionen Tonnen Müll aus dem Ozean zu fischen und wieder zu verwerten. Das macht The Ocean Cleanup zu einem potenziellen Partner der holländischen Straßenbauer.

Plastic offers all kinds of advantages compared to current road construction, both in laying the roads and maintenance. Rolf Mars, Projektleiter

Die Idee ist natürlich lobenswert, würde uns aber nicht viel bringen, wenn diese dadurch gebauten Straßen nicht mit denen aus Asphalt mithalten könnten. Darum brauchen wir uns aber keine Sorgen machen, denn diese Kunststoff-Straßen sind nicht nur gleichwertig, sondern bieten sogar eine ganze Reihe an Vorteilen:

  • Sie sind leichter – Kunststoff ist natürlich nicht so schwer wie Asphalt und dadurch auch für Untergrund geeignet, bei dem man mit herkömmlichen Straßen Probleme bekommen könnte. Diese Straßen können auf Sand-Untergrund gebaut werden.
  • Sie sind praktisch wartungsfrei – sie verwittern nicht, sind robuster als Asphaltstraßen (resistent gegen Wettereinflüsse und Abrieb) und VolkerWessels geht davon aus, dass eine dieser Kunststoff-Straßen drei Mal so lange hält wie sein klassisches Pendant. Die Straßen halten dabei Temperaturen zwischen -40 Grad Celsius und +80 Grad Celsius aus.
  • Besser für die Umwelt – Umweltschutz bedeutet bei diesem Projekt nicht nur, dass man die Straßen aus 100 Prozent recyceltem Müll produziert, sondern auch, dass man auf Asphalt verzichten kann, dessen Produktion tonnenweise CO2 produziert.
  • Geräuscharm – die Autos fahren deutlich leiser auf diesem Untergrund, die Straßen wären also auch ein Segen für die Anwohner.
  • Die Straßen sind hohl – die Zwischenräume dieser Straßen können genutzt werden, indem man dort beispielsweise Stromkabel oder Wasserrohre verlegt.
  • Die Komponenten werden in der Fabrik gefertigt – auf diese Weise können Straßen binnen weniger Wochen gebaut werden, die einzelnen Elemente sind leichter zu verlegen und auch zu ersetzen. Zudem wird man weniger durch Baustellen genervt.
  • Nachhaltigkeit – eine Straße kann problemlos zurückgebaut werden, ohne dass der Natur ein Schaden entsteht.
  • Energy Harvesting – man könnte sogar Sensoren installieren, die dafür sorgen, dass mithilfe der drüber fahrenden Autos Energie gewonnen wird.

Konzept für Kunststoff-Straßen - Querschnitt

Wie so oft, wenn man so eine ganze Latte an Vorteilen gelesen hat, wartet man zum Ende dann auf den dicken Haken. Den gibt es insofern auch bei diesem Projekt, als diese Straßen bislang nur auf dem Papier bestehen. VolkerWessels sucht daher nun eifrig nach Partnern und hat zumindest in der Stadt Rotterdam schon mal einen gefunden: Dort entsteht auf einer Test-Straße der erste Abschnitt, der aus diesem neuen Belag besteht. Sollte das erfolgreich laufen, können wir uns schon einmal langsam darauf einstellen, dass wir künftig vielleicht alle auf Straßen aus alten Plastikpullen fahren – Daumen hoch für dieses Projekt!

Quelle: The Guardian via Tech Times