Kommentare
Künstliche Intelligenz, Tempo 300

Roborace – fahrerlose, vernetzte Elektro-Rennautos starten 2016

Mit den Robocars erwartet uns eine neue Rennserie, in der elektrische, autonom fahrende Rennwagen gegeneinander antreten werden. Die nun vorgestellten Designs der Fahrzeuge erinnern an Science Fiction Filme und Superhelden Comics - und das ist kein Zufall. Verantwortlich ist ein deutscher Designer.

von Bernd Rubel am 31. März 2016

Die nach eigenen Angaben weltweit erste fahrerlose Rennserie Roborace soll irgendwann als Rahmenprogramm zur kommenden Formula E Serie vorgestellt werden, also Ende 2016 oder 2017. Die heute präsentierten Entwürfe eines ersten Fahrzeugs geben einen Ausblick auf das, was uns dann erwartet: futuristisch anmutende Fahrzeuge, die durchaus auch in Science Fiction Filmen oder Superhelden-Comics ihren Auftritt haben könnten.

Das wiederum ist kein Zufall, denn Roborace hat den deutschen Automobildesigner Daniel Simon angeheuert, der in den zurückliegenden Jahren nicht nur für Volkswagen und Bugatti gearbeitet hat. Simon entwarf u.a. die Motorräder (“Lightcycles”) für den Kultfilm Tron: Legacy, verschiedene Concept Cars und Fahrzeuge für Marvels Captain America Film oder das Projekt Oblivion.

“My goal was to create a vehicle that takes full advantage of the unusual opportunities of having no driver without ever compromising on beauty.” Daniel Simon

Simon begriff offenbar, dass ein fahrerloses und dementsprechend auch nicht zwingend mit einer Fahrer-Kabine ausgestattetes Rennauto ganz neue Möglichkeiten beim Design und bei den aerodynamischen Eigenschaften eröffnen. Das Resultat ist – wie man sieht – ein Biest, das man sicherlich nicht ohne aufgestellte Nackenhaare im Rückspiegel des eigenen Mittelklasse-PKW entdecken würde.

Interessant an der Roborace Rennserie ist nach der heutigen Vorstellung der Fahrzeuge, dass die Macher diesen Design-Gedanken so dermaßen konsequent umsetzen. Normalerweise sehen wir auf den großen Automessen dieser Welt unglaublich beeindruckende Concept Cars, die dann weder optisch noch technisch jemals den Weg auf die Straße finden und irgendwann in einem Fahrzeugmuseum des jeweiligen Herstellers eingemottet (oder ausgestellt) werden.

Hier ist das anders: diese Fahrzeuge werden tatsächlich fahren, und man wird die Rennen besuchen können.

Die Roborace Rennen versprechen dabei trotz (oder gerade wegen) der fehlenden Fahrer-Komponente und dem damit einhergehenden Starrummel und Personen-Hype Unterhaltung vom Feinsten. Auch wenn es bisher kaum aussagekräftige technische Daten gibt, dürften Spitzengeschwindigkeiten von 300 km/h und mehr mit solchen Fahrzeugen durchaus erreichbar sein – auch weil man nicht auf die Sicherheit eines menschlichen Fahrers Rücksicht nehmen muss.

Insgesamt zwanzig Fahrzeuge aus 10 Teams (2 pro Team) werden pro Rennen gegeneinander antreten. Da die Hardware bei allen Roborace-Cars identisch ist, entscheidet über den Erfolg auf der Rennstrecke auch, welches Team die zugrundeliegenden Realtime-Algorithmen für den fahrerlosen Betrieb am optimalsten im Griff hat. Während z.B. Googles Simulatoren für selbstfahrende Autos in hochmodernen Rechenzentren bereits heute mehr als drei Millionen Kilometer pro Tag zurücklegen, dürften diese Autorennen die Ingenieure nochmals vor ganz neue Herausforderungen stellen.

An dem auch langfristigen, dann auch völlig eigenständigen Erfolg der Rennserie zweifelt eigentlich kaum noch jemand. Die momentan noch für das Haupt-Event zuständige Formula E erfreut sich trotz der immer noch dominierenden Formel 1 und lokalen Konkurrenten wie der DTM oder der NASCAR wachsender Beliebtheit, was angesichts der “abgemilderten” emotionalen Komponenten – angefangen bei den typischen Motorgeräuschen – und trotz der geringeren Medien-Aufmerksamkeit erstaunlich ist. Die Roborace Rennserie wird dies durch die technischen Innovationen kompensieren, in dem einen Land mehr, in dem anderen Land weniger – je nach Technik-Begeisterung der Bevölkerung. Vielleicht feiern wir demnächst einen Ingenieur statt einen Piloten, wer weiß?

Roborace 04

Einen weiteren Vorteil hat das Design des Fahrzeugs übrigens auch noch: die großen Flächen bieten enorm viel Platz für die Lackierungen und Aufkleber der potentiellen Sponsoren eines Renn-Teams. Red Bull, Virgin, Autohersteller, Uber, Google? Hallo, liebe deutsche Energiekonzerne – habt ihr diese “grüne” Rennserie mit einem deutschen Chef-Designer auf’m Schirm?

Quelle: roborace.com via theverge.com

PS: Was im Bereich autonomes Fahren längst möglich ist zeigte Audi schon im Januar 2015. Damals bretterte ein Audi RS7 mit fast 240 km/h autonom über eine Rennstrecke.