Droid statt Drohne
Rollende Roboter statt Drohnen – die Postboten der Zukunft?

Starship Technologies nennt sich das Unternehmen, welches auf rollende Droiden statt auf Drohnen setzt, um künftig Waren auszuliefern. Sind so rollende Kisten auf unseren Bürgersteigen vielleicht wirklich die bessere Alternative?

Ob es nun Ampeln für Smartphone-Nutzer, neue Fortbewegungsmittel wie der Hyperloop oder selbstfahrende Autos sind: Sowohl die Industrie muss sich auf eine neue, veränderte Welt einstellen als auch die Städteplaner, die für die Cities von Morgen zuständig sind. Gleiches gilt auch für Lieferungen, die uns ins Haus gebracht werden sollen: Auch hier überlegen sich die Unternehmen, wie man vor allem die letzte Meile bis zur Haustür absolvieren will und auch hier dürfen neue Technologien bei der Städteplanung nicht übersehen werden.

Während Unternehmen wie Amazon oder DHL der Meinung sind, dass kleinere Lieferungen durch die Luft per Drohne zum Empfänger gelangen sollen, will Starship Technologies einen komplett anderen Weg gehen: Das Unternehmen, welches Büros in London und in Tallinn unterhält und u.a. von den Skype-Mitgründern Janus Friis und Ahti Heinla angeführt wird, setzt auf rollende Roboter!

Droid 01

Diese – noch namenlosen – rollenden Droids sollen autonom über die Bürgersteige der Städte rollen und auf diese Weise Waren vom Supermarkt bis zum Haushalt transportieren. Wie soll das über die Bühne gehen? Ihr kauft online im Supermarkt um die Ecke ein – maximal 4-5 Kilometer entfernt – und der kleine Knirps rollt danach auf dem Bürgersteig los und bringt euch den Kram nach Hause. Ihr werdet zuhause über die entsprechende App informiert, dass der Roboter sein Ziel erreicht hat und ihr die Ware in Empfang nehmen könnt. Zudem habt ihr ständig im Blick, wo die Ware gerade ist und natürlich habt ihr auch Einfluss auf die Lieferzeit.

Zwei Einkaufstüten voll kann der Roboter aufnehmen, bestellt ihr mehr, werden eben dementsprechend mehr der etwa 10 Kilo schweren Roboter auf den Weg gebracht. Logisch, dass in einen Lieferwagen deutlich mehr reingeht, aber das Argument lassen die Starship-Bosse nicht gelten:

  • Der Lieferwagen fährt stundenlang herum, da er eine Vielzahl Kunden beliefert
  • Der Wagen verfährt massig Sprit und verbraucht Zeit bei der Suche nach Parkplätzen, um die Ware zustellen zu können
  • Der Roboter fährt nicht nur autonom, sondern auch sparsam und verbraucht lediglich die Energie einer Glühlampe und ist damit günstiger als der Lieferwagen

Sehr schnell fahren die kleinen Geschosse auf drei Achsen zwar nicht, aber auch das kann man als Vorteil sehen: Dadurch werden Passanten merklich weniger gefährdet, deutlich weniger sogar als im Vergleich zu Drohnen. Die sind nämlich wesentlich schneller, können mit ihren schnell rotierenden Rotorblättern zudem Menschen verletzen.

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All das sind auch Gründe, wieso sich die Starship-Macher vorstellen, dass eine Lieferung über einen rollenden Roboter deutlich realistischer im alltäglichen Leben denkbar ist als eine Drohne: Dadurch, dass sie nicht auf den Straßen, sondern auf dem Bürgersteig rollen, sind die behördlichen Hürden nicht so hoch und es besteht eben deutlich weniger Risiko. Eine Drohne kann mal abschmieren und schlimmstenfalls einen Passanten verletzen – mit dem kleinen Kollegen auf sechs Rädern passiert sowas eher nicht. Die sind mit neun Kameras, GPS und anderen Sensoren ausgestattet und erkennen selbstverständlich sowohl ein heranrasendes Kind als auch eine rote Ampel.

Stichwort Risiko: Was kann passieren, wenn Dritte die Ware abgreifen wollen? Ein Operator kümmert sich darum, kann gegebenenfalls direkt per Mikro um Hilfe rufen und zudem werden automatisch Fotos der Person gemacht, die sich widerrechtlich bedient.

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1900 Test-Meilen haben die Roboter in Großbritannien, Estland, Belgien, den USA und auch Deutschland absolviert, 50000 sollen es in diesem Jahr insgesamt werden. Dann müssen natürlich noch entsprechende Erlaubnisse eingeholt werden, was besonders in Deutschland ziemlich kompliziert ist, wo man diese Erlaubnis in jeder Kommune separat erteilt bekommen muss. Übrigens können die Roboter auch kleinere Hindernisse wie Bordsteinkanten überwinden, wurden zudem auch bei widrigsten Wetterbedingungen getestet.

Dennoch glaubt das Unternehmen an seinen Erfolg: Als möglicher Interessent in den USA wird die Walmart-Kette genannt, generell scheinen Supermärkte die perfekten Abnehmer für die kleinen Robo-Karren zu sein. Starship legt also vor und lässt uns jetzt grübeln, wie die Stadt der Zukunft aussehen wird: Werden uns also vielleicht gar nicht unzählige Drohnen um die Birne schwirren und werden wir stattdessen eher zusätzliche Roboter-Spuren auf den Straßen haben, auf denen diese kleinen Flitzer ihre Waren ausliefern?

Ehrlich gesagt: So absurd klingt das alles für mich nicht und ich bin gespannt, was die Zukunft bringen wird. Vera hat kürzlich erst über ein ganz ähnliches Projekt geredet, bei dem über ganz ähnliche Fahrzeuge Pizza ausgeliefert wird – scheint also so, als ist diese Roboter-Geschichte durchaus ein realistisches Szenario für all diejenigen, die nicht auf Drohnen setzen.

Quelle: Bloomberg.com und faz.net

Fotos: Peti Kollanyi/Bloomberg