SafeWander – Opas smarte Socken: Von Demenz und DIY

Ein 15-jähriger entwickelt smarte Socken für seinen Großvater und träumt von einer Welt, in der Wearables das Leben von gebrechlichen Menschen verbessern.

Menschen, die von Alzheimer betroffen sind, irren oft orientierungslos umher und müssen deshalb ständig beaufsichtigt werden. Aber trotz intensiver Pflege kann man nicht Tag und Nacht neben den Betroffenen sitzen und aufpassen, was Pflegern und Angehörigen oft Kopfzerbrechen bereitet.

Kenneth Shinozuka, ein 15-jähriger Amerikaner aus der New Yorker Bronx, hatte genau dieses Problem. Schon als Kind bemerkte er, dass sein Großvater Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis hat, als er sich einmal beim Spazierengehen mit klein Kenneth im Park verlief. Einige Jahre später war die Krankheit schon so weit fortgeschritten, dass der Großvater ständige Pflege benötigte. Kenneths Tante umsorgte ihn, konnte aber seine nächtlichen Ausflüge nicht immer verhindern. „Meine Tante musste die ganze Nacht wach bleiben um ein Auge auf ihn zu haben, und selbst dann hat sie es oft nicht geschafft, ihn bei der Bettflucht zu erwischen“.

Aus der Not eine Tugend gemacht – die Smarte Socke

Eines Tages beobachtete Kenneth seinen Opa dabei, wie er aus dem Bett stieg. Als seine Füße den Boden berührten, kam ihm eine Idee: Warum nicht einen Drucksensor an seiner Ferse anbringen? Der könnte dann einen Alarm auf dem Smartphone seiner Tante auslösen, und die könnte reagieren ohne ständig des Nachts an Opas Bett Wache zu halten.

Zeitsprung: Kenneth steht auf einer großen TED-Bühne und berichtet von diesem Heureka-Moment, der inzwischen zwei Jahre her ist. Er wurde auf eine TED-Konferenz  eingeladen und erzählt dort die Geschichte seiner Erfindung: Die Smart Sock.

Stolz demonstriert er: „Sobald der Patient auf den Boden auftritt…“, das Smartphone in seiner Hand klingelt, „…wird ein Alarm an den Aufpasser geschickt“. Das Publikum applaudiert. Mit seiner Erfindung hat er viele Preise eingeheimst, unter anderem bei der Google Science Fair, den Science in Action Award, der mit 50.000 $ dotiert ist. Doch die Idee alleine zählte nicht, Kenneth hat hart an deren Umsetzung gearbeitet.

Sensor-Socken für Opa – ein DIY-Projekt

Nachdem er beschlossen hatte seinem Opa und seiner Tante das Leben zu erleichtern, machte er sich daran einen passenden Sensor herzustellen, einen Schaltkreis zu entwerfen und eine App zu programmieren. Nach langen Testphasen entschied er sich für einen Dünnfilm-Sensor, der sich leicht ausdrucken und bequem unter der Ferse tragen lässt. Der dünne Film ist mit leitfähigen Partikeln beschichtet. Wird darauf Druck ausgeübt, so verdichten sich die Partikel und der elektrische Widerstand verändert sich. Per Bluetooth überträgt eine winzige Sendeeinheit die Daten energiesparend ans Smartphone, wo eine eigens entwickelte App die Messung interpretiert und, falls nötig, einen Alarm auslöst. Dafür musste sich Kenneth Java, Xcode und die Programmierung von Bluetooth Low Energy beibringen.

Zwei verschiedene Prototypen erblickten dabei das Licht der Welt: Eine Smart Sock mit integriertem Sensor, und einen haftenden Sensor zum Nachrüsten. Zunächst diente sein Großvater als Versuchskaninchen, und sein Testmuster erreichte eine hundertprozentige Erfolgsrate. Opa konnte nichtmehr ausbüxen und sich selbst und andere in Gefahr bringen. Im Sommer 2014 durfte er einen Feldversuch in kalifornischen Pflegeeinrichtungen durchführen und arbeitet jetzt daran, seine Erfindung zur Marktreife zu bringen. Eine Website hat das Produkt bereits (safewander.com) und soll 2015 auf den Markt kommen, der Preis ist noch nicht klar.

Auf schlauen Sohlen in die Zukunft

Als nächstes steht die „sockenlose“ Version der Smart Sock auf dem Plan, denn nicht jeder kann bestrumpft gut schlafen. Darüber hinaus will er die Sensorik noch weiter verfeinern, etwa um Veränderungen im Laufverhalten der Patienten zu messen, was seiner Ansicht nach Auskunft über deren Gesundheitszustand geben könnte. Er steht auf der Bühne und erinnert sich an die Jungfernfahrt seines Prototypen, wie er Opa zum ersten Mal vor einem nächtlichen Ausflug bewahrt hat: „In dem Moment ist mir wirklich klar geworden, dass Technologie das Leben der Menschen verbessern kann. Menschen die glücklich und gesund leben – das ist die Welt die ich mir vorstelle.“