Analyse
Warum Samsung BlackBerry kaufen sollte – Update: Angebot zur Kooperation

Wie Reuters von Samsung Insidern erfahren haben will, haben die Koreaner BlackBerry ein Uebernahme-Angebot zum Preis von 7,5 Milliarden US$ gemacht. BlackBerry bestreitet jedoch vehement, dass es ueberhaupt Gespraeche gab. Dabei waere die Uebernahme eine Win-Win Situation!

Update: Wie das Wall Street Journal berichtet, strebt Samsung keine Uebernahme, wohl aber eine Kooperation mit BlackBerry an. Hierzu aeusserte sich JK Shin aka Chef der Mobile Sparte bei den Koreanern:

We want to work with BlackBerry and develop this partnership, not acquire the company

Demnach befindet sich man in Gespraechen mit den Kanadiern, um deren Technologien in zukuenftigen Samsung Smartphones einzusetzen, was auf den im November 2014 unterzeichneten Abkommen beruht. Damals einigte man sich darauf, jeweils Technologien an die andere Seite verkaufen zu koennen. Ob und wieviel davon bisher umgesetzt wurde, ist jedoch nicht bekannt. Samsung zumindest setzt weiterhin voll auf Knox:

We are satisfied with the progress of Knox, including the quality of security and protection that it enables, and remain committed to Knox over the long term – JK Shin

 

Original Artikel vom 15.1.2015

Ja war das denn alles nur eine Presse-Ente oder eine wieder einmal aus der Geruechtekiste herausgeholte Meldung, ueber die eigentlich bereits seit Jahren spekuliert wird. Nach Angaben von Reuters ist Samsung in Gespraechen mit BlackBerry verwickelt und hat in diesen eine Uebernahme zum Preis von US$ 7,5 Milliarden offeriert. Die von unzaehligen Krisen geschuettelten Kanadier und Pioniere des Mobile Messaging. sollten sich also mit samt ihres Patentportfolios in die Samsung Familie einreihen und den Koreanern das zuletzt vermisste Momentum zurueckbringen.

Das hoert sich bis dahin alles auch durchaus spannend an und wie ich bereits einleitend erwaehnte, diese Geruechte gab es seit Jahren, aber eher genau andersherum. Demnach hat sich BlackBerry mehrfach versucht Samsung, Google und Co. an den Hals zu schmeissen, um in all seiner Verzweiflung ob des Absturzes in die Bedeutungslosigkeit, noch einen Kaeufer zu finden.Das hat 2013 bereits nicht geklappt und im Moment darf man immer staerker bezweifeln, dass dies 2015 ueber die Buehne geht.

Praktischer Nebeneffekt dieser sensationellen Meldung war, dass die BlackBerry Aktie mal gleich um fast 30% zulegte, um dann wieder gleich Richtung Erdmittelpunkt zu zeigen. Was war passiert, dass die Papiere nach Boersenschluss um wieder 14% nachgaben?

BlackBerry Stock

 

Wie konnte das nur geschehen? Nun, das ist relativ einfach zu erklaeren, denn BlackBerry hat ein entsprechendes Statement auf seiner Webseite veroeffentlicht:

BlackBerry Responds to Media Report

Waterloo, ON – BlackBerry Limited (NASDAQ: BBRY; TSX: BB) (“BlackBerry”) is aware of certain press reports published today with respect to a possible offer by Samsung to purchase BlackBerry. BlackBerry has not engaged in discussions with Samsung with respect to any possible offer to purchase BlackBerry. BlackBerry’s policy is not to comment on rumors or speculation, and accordingly it does not intend to comment further.

Ja was soll denn dann der ganze Aufriss? Geschickt gestreute Falschinformationen um einigen Spekulanten die Taschen zu fuellen? Ist Samsung denn wirklich an dem „sagenumwobenen“ BlackBerry Patenteportfolio interessiert oder ist dies alles nur ganz viel heisse Luft?

Tatsache ist, dass die Kanadier mit ihren Smartphones, die so ziemlich als einzige noch (und zum Teil wieder) ueber ein physikalisches Keyboard verfuegen, sich inzwischen in einer Nische ohne grossartigen Wettbewerb befinden. Nur ein Patent auf ein physikalisches Keyboard haben sie nicht wirklich, wohl aber eines fuer kapazitive Touch Keyboards, die ueber einen Screen gelegt/geschoben werden koennen:

capacitive-keyboard-patent

A physical keyboard having a plurality of individual keys temporarily overlays a touch-sensitive display. Each individual key selectively provides either of a first level of capacitive coupling and a second, different level of capacitive coupling to the touch-sensitive display. By one approach the key provides that first level of capacitive coupling to the touch-sensitive display when a user asserts the key (for example, by pressing upon the key) to thereby communicate to the touch-sensitive display a selection of that individual key. The key can provide that second level of capacitive coupling when a user touches, but does not assert, the individual key. So configured, this second level of capacitive coupling serves to communicate to the touch-sensitive display an input instruction other than a selection of that individual key.

Hoert sich erst einmal spannend an, aber bei aller Liebe, das wird BlackBerry nicht den Hintern retten und sie wieder in Richtung messbare Marktanteile schieben.

Was bleibt sonst noch uebrig?

BES12

BlackBerry Enterprise Service 12

Wir koennen uns lange ueber verpasste Chancen fuer den Endkunden-Markt aufregen, aber sobald es in Richtung Enterprise geht, sind die Kanadier eine Bank. Der BlackBerry Enterprise Server 12 und seine Infrastruktur wuerde jedem Smartphone Hersteller gut zu Gesicht stehen. Gerade Samsung hat in diesem Bereich mit seinem Enterprise Mobility Programm noch eine ganze Menge Nachholbedarf und koennte sich mit BES12 gegenueber der neuen Apple/IBM-Allianz positionieren.
Man mag es kaum glauben, aber auch ich spiele wirklich mit dem Gedanken fuer all meine Emails und Messages, die ich so unterwegs von mir gebe, wieder auf einen BlackBerry umzusteigen. Wohlgemerkt als Dritthandy dann und ja, ich weiss dass es sich irrsinnig anhoert, aber das liegt vor allen Dingen daran, dass ich immer noch keine auch nur ansatzweise gleichwertige Alternative gefunden habe.

Aber nun zu den Kronjuwelen…

QNX

Ihr Automobil-Hersteller, Entwickler und Designer dieser Welt, ich weiss was ihr wollt. Man kann BlackBerry nur immer wieder zu dem Geniestreich gratulieren, sich QNX unter den Nagel gerissen zu haben. Dieses Entwicklerteam faehrt seit Jahren die feinsten UIs und Frontends auf, die jemals auf Displays in Fahrzeugen zu sehen waren. Das koennen Systeme sein, die bereits umgesetzt und demonstriert wurden wie in dem folgenden Video zu sehen, welches ich auf der CES 2014 gedreht habe:

Oder aber gar visionaere Szenarien, in denen sich die Entwickler voll und ganz austoben koennen und uns das Auto der Zukunft auf eine Weise naeher bringen, die wir in der Form innerhalb der naechsten 5 Jahre erleben werden:

Diese Video stammt wohlgemerkt aus dem Jahre 2012 und zeigt die Kernkompetenzen von QNX weitaus anschaulicher, als viele Zeilen Text. Wer an der Grenze zwischen Smartphone/Tablet und Automotive entwickeln darf, hat die Moeglichkeit die technologischen Vorteile eines im UI-Bereich viel weiterentwickelten Markt zu nutzen, sich Gedanken darueber zu machen und letztendlich auf eine voellig neue Plattform zu adaptieren. Da macht QNX immer noch niemand etwas vor.

Warum sollte Samsung BlackBerry kaufen?

Auch wenn ich persoenlich bezweifle, dass es derartig weit fortgeschrittene Gespraeche gibt, bei denen schon Preise aufgerufen bzw. konkrete Angebote gemacht werden, eine Fusion der beiden Firmen waere eine Win-Win Situation.

BlackBerry koennte sicher sein, dass die Marke unter dem Dach des weltgroessten Smartphone Herstellers weiterhin besteht und Samsung wuerde sich mit einem Schlag ganz ganz viel Erfahrung mit physikalischen Keyboards fuer Smartphones, eine bisher unerreichte Mobile Enterprise Server Infrastruktur und auch noch die besten UI-Designer fuer den Automotive-Markt einkaufen.

Und mal Hands aufs Herz… so ein Android Smartphone mit physikalische Tastatur und BES12 Anbindung. Wetten, dass so ein Dingen sich wie geschnitten Brot verkaufen wuerde?