Kommentar
Samsung: Ich liebe euer Galaxy S8 – aber da ist diese eine Sache…

Hach, Samsung. Seit einigen Monaten nutze ich euer Galaxy S8 tagtäglich und bin absolut begeistert. Aber die Nummer mit dem Fingerabdrucksensor verzeihe ich euch nicht.

Es passiert mir nicht mehr häufig, dass ich besonders aufgeregt auf Ware warte (okay, Essen-Bringdienste mal außen vor). Aber als ich die Email bekam, dass mein Samsung Galaxy S8-Päckchen an den Zusteller übergeben worden ist, fing ich dann doch an, unruhig in der Wohnung auf und ab zu gehen und auf den Postboten meines Vertrauens zu warten.

Mittlerweile sind ein paar Monate vergangen und in diesem Vierteljahr habe ich mein Handset echt lieben gelernt. Die Performance ist fantastisch, ich liebe das riesige und knackige Display, der Akku bereitet mir kein Kopfzerbrechen und vor allem sieht das Teil unfassbar sexy aus. Letzteres ist selbstverständlich subjektiv und die Geschichte mit dem Akku natürlich auch dem Umstand geschuldet, dass ich dank Home-Office eh viel zuhause sitze.

Weiterhin ist das Galaxy S8 äußerst hart im Nehmen, wenn ihr mal nicht so besonders zärtlich mit ihm umgeht. Wir wollen jetzt nicht darüber reden, wie dämlich und ungeschickt der Autor dieser Zeilen ist. Aber es ist mir — nach einem Depeche Mode-Konzert, bei welchem viel Alkohol gereicht wurde — gelungen, auf der Aftershow-Party dieses S8 bestimmt ein halbes Dutzend mal fallen zu lassen. Was soll ich sagen: Es hat eine winzige Schramme am oberen rechten Rand — davon ab hat es meinen nächtlichen Komplettausfall bestens überstanden (habe dennoch direkt am nächsten Tag eine Hülle bestellt).

Aber sei es drum: Das Samsung Galaxy S8 ist von vorne bis hinten ein absolut großartiges Smartphone, welches in unserem Test nicht umsonst fette 9 von 10 Punkten verpasst bekommen hat. Aber Moment — wo ich gerade „hinten“ schrieb… eine Sache wäre da doch, die mich nervt:

Da ist ein Elefant im Raum, Samsung

Ich mag es sehr, dieses englische Sprichwort vom „Elephant in the Room“, welches immer dann eingesetzt wird, wenn da ein Problem mehr als offensichtlich im Raum steht, aber so niemand es wahrzunehmen scheint – bzw. nicht wahrnehmen will.

Jau, ich rede vom Fingerabdrucksensor, Samsung. was haste Dir da denn nur gedacht? Okay, eigentlich weiß ich, was man sich dabei denkt, wenn man den Sensor auf die Rückseite verfrachtet. In diesem konkreten Fall geht es darum, eine Frontpartie anbieten zu können, die nahezu nur noch aus Display besteht. Dafür musste dann halt der Home-Button weichen, in welchen Samsung bekanntlich den Fingerabdrucksensor integriert hatte.

Nicht falsch verstehen: Ich hab keine Probleme damit, dass jedes Unternehmen sich eine eigene Lösung dafür überlegt. Manche Hersteller integrieren ihn in die Seite und nicht nur Huawei hat bewiesen, dass man so einen Sensor auch sehr schmerzfrei auf die Rückseite packen kann, wie hier im Bild zum Beispiel beim Huawei Mate 9:

Wie ihr sehen könnt, hat auch Huawei die Kamera zentral platziert und der Abstand zum Fingerabdrucksensor ist auch nicht wirklich riesig. Aber der Sensor liegt ebenfalls zentral und hat es sich direkt unterhalb der Kamera-Sensorik bequem gemacht. Dort ist er super zu erreichen – auch blind.

Wieso diese Position überhaupt ein Problem ist? Ganz einfach: Dadurch, dass der Sensor nicht zentral platziert wurde, ist es schwieriger, ihn blind zu ertasten. Auch nach einem Vierteljahr lande ich immer wieder nebenan beim Kollegen Kamera und tatsche unnötigerweise darauf rum. Mache ich das ein paar mal, dann ist nicht mehr daran zu denken, auch nur halbwegs brauchbare Fotos zu machen. Seht selbst:

Links seht ihr ein typisches Foto, wenn ich einige Stunden lang die Linse nicht gereinigt habe, rechts daneben das Ergebnis, wenn man einmal kurz mit einem Tuch nachgewischt hat. Ja, ihr habt Recht: Dann wischt man eben mal drüber, wenn man fotografieren möchte. Aber wenn man — wie ich — viel auf Konzerten und Festivals unterwegs ist und dort gerne mal ein paar Schnappschüsse macht, kann sich das durchaus schon mal schwieriger gestalten.

Einmal hat man nicht immer ein entsprechendes Tuch dabei oder es sieht am Ende eines Festival-Tages so aus, dass man damit lieber nicht mehr über eine Kameralinse wischen möchte. Außerdem ist damit nicht gewährleistet, dass die Linse dann wirklich einwandfrei sauber ist – gerade im Sonnenlicht lässt sich das auch in der Live-Vorschau nicht immer problemlos feststellen.

Zu guter letzt möchte ich aber auch einfach nicht dauernd an meinem Smartphone herumwischen. Das ist eine nervige Geschichte und kostet zudem Zeit. Wenn ich eine Blume im Park fotografieren möchte, ist das scheißegal, aber manchmal kommt es eben auf jede Sekunde an, wenn man eine bestimmte Situation einfangen möchte. Die Hersteller werben ja schließlich auch nicht umsonst damit, wie schnell ihre Kameras einsatzbereit sind und wie schnell sie auslösen.

Aber der Iris-Scanner…

Jetzt könntet ihr sagen, dass ich ja auch noch andere Möglichkeiten habe, das Smartphone zu entsperren. Jau, hab ich: Zum Beispiel reicht ein schnelles zweimaliges Drücken des Power-Buttons, um die Kamera zu starten. Das Smartphone ist damit zwar nicht voll entsperrt, aber ich kann immerhin ein Foto machen, ohne den Fingerabdrucksensor zu nutzen. Das hilft mir aber in der Situation nicht, wenn ich ein Foto schießen will und das Handset vorher ein paar Dutzend mal über den Sensor entsperrt habe.

Der Iris-Scanner funktioniert als Alternative auch richtig gut, ist aber deutlich langsamer als der Fingerabdrucksensor. Zudem befindet ihr euch mit dem auf verlorenem Posten, wenn ihr euch in einer dunklen Umgebung befindet. Ihr könnt das Smartphone selbstverständlich auch herkömmlich über eine PIN-Nummer oder ein Muster entsperren.

Dauert auch länger als per Fingerabdruck und ganz ehrlich: Ich liebe das Fingerabdruck-Feature und ich möchte es gerne nutzen! ich will nicht neben Bixby noch mehr unnützen Schnickschnack am Smartphone haben, den man zwar grundsätzlich nutzen könnte, es aber dann einfach nicht tut. Der Bixby-Button ist für mich sowieso sowas wie der Blinddarm des Galaxy S8: Er ist irgendwie da, er hat keinen wirklichen Nutzen, aber erst stört auch nicht großartig.

Aber zurück zum Entsperren per Fingerabdruck: Es ist sicher, schnell und (normalerweise) auch äußerst praktisch. Vielleicht sollte sich das entsprechende Personal bei Samsung tatsächlich mal die Huawei-Hobel anschauen. Dort schafft man es nicht nur, dass die Dinger richtig platziert werden und den Fingerabdruck unglaublich schnell erfassen. Zusätzlich könnt ihr dort nämlich auch noch viele andere Funktionen nutzen, beispielsweise das Scrollen durch Galerien.

Ich trage diese Entscheidung — Fingerabdrucksensor auf die Rückseite — als Smartphone-Fan grundsätzlich voll mit — wenn sie richtig umgesetzt wird. Von mir aus können die also das Teil gerne hinten lassen, um das wunderschöne Display im nächsten Jahr beim Galaxy S9 erneut so großartig in Szene zu setzen. Aber hey: Packt den Sensor doch weiter nach unten und dafür zentral. Meinetwegen kann die Cam zentral darüber bleiben oder in eine Ecke abwandern. Nur bitte macht es nicht nochmal so, wie es jetzt der Fall ist.

Für das Samsung Galaxy Note 8 ist den Leaks zufolge der Zug schon abgefahren. Auch dort wird nämlich der Sensor neben der Cam seinen Platz finden. Aber fürs neue Jahr würde ich alle bei Samsung inständig bitten, da nochmal in sich zu gehen und diese eine einzige Nerv-Geschichte zu korrigieren.

Irgendwie haben alle diesen Elefanten im Raum auf Anhieb gesehen – lest es gerne im Netz nach, wie viele sich von Anfang an skeptisch zu dieser Platzierung geäußert haben. Nur bei Samsung wollte man dieses Problem wohl nicht wahrhaben und wer weiß: Vielleicht stört es ja auch viele Nutzer gar nicht. Ich hingegen bin dadurch schwer genervt und hab immer noch die leise Hoffnung, dass es Samsung dann im nächsten Jahr schafft, das (für mich) perfekte Smartphone zu bauen — dieses Jahr war man ja schließlich alles in allem auch schon nah dran.