Im Fokus: Samsung
Samsung: Over the Horizon – zu Besuch bei Samsungs Soundtüftlern

Wir waren zu Besuch bei Samsung in Korea und konnten einen Blick ins R&D-Center werfen. Dort wurde uns erklärt, wo und wie alle Sounds für Samsung entstehen.
von Carsten Drees am 22. November 2017

Im dritten Teil unserer Samsung-Reihe geht es um eines der R&D-Zentren, die wir besichtigen durften. Die Koreaner haben über 20 dieser Zentren über die Welt verstreut, allein sechs Stück davon im Heimatland. Etwa ein Zehntel seiner Einnahmen steckt der Konzern wieder in R&D, also in Research and Development.

Daran, dass Samsung viele Milliarden Euro jährlich in R&D investiert, könnt ihr schon erkennen, welchen Stellenwert diese Einrichtungen für den Tech-Giganten haben. Rund um die Uhr ist man in diesen Zentren damit beschäftigt, die Produkte der Zukunft zu erfinden, zu verbessern, neue Technologien zu entwickeln. So und nur so kann man sicherstellen, dass das Unternehmen nicht stillsteht und auch morgen noch mit den anderen großen Tech-Firmen mithalten bzw. wegweisend sein kann.

Im Jahr 2016 hat lediglich Volkswagen noch mehr Geld als Samsung in R&D investiert mit 13,61 Milliarden Euro. Samsung kommt aber mit stolzen 12,53 Milliarden Euro schon recht nah dran und ist somit in der Tech-Sparte die weltweite Nummer 1 bei diesen Investitionen. 

Tabelle mit den Top-Unternehmen weltweit, aufgelistet nach dem in R&D investierten Volumen

Es war für mich natürlich eine Ehre, bei meinem Aufenthalt in Südkorea auch einmal einen Blick in ein solches R&D-Center zu werfen, welches immerhin das Herz Samsungs darstellt. Trotzdem hatte ich irgendwie keine besonders hohen Erwartungen an diesen Teil des Trips zu Samsung. Ich dachte, die werden einem Blogger-Hansel wie mir logischerweise nichts zu den Gerätschaften oder Technologien verraten, die wir im nächsten Jahr oder sogar noch später von Samsung zu sehen bekommen. Tatsächlich sollte dieser Ausflug aber sogar einer der Höhepunkte dieser Presse-Reise werden.

Besucht haben wir nämlich das Musikstudio Samsungs. Dort entstehen alle Sounds, die wir von Samsung kennen von dem ikonischen “Over the Horizon”-Song, den jeder Galaxy-Smartphone-Besitzer kennt über jedes Geräusch, welches ihr auf einem Samsung-Produkt hört bis zu der Bixby-Stimme.

Das Studio verfügt über einen kleinen Aufnahmeraum für gesungene bzw. gesprochene Aufnahmen und einen großen, in welchem mehrere Instrumente stehen und in denen die Songs entstehen. Am Beispiel des Liedes “Over the Horizon” wurde uns erklärt, wie die Evolution eines solchen Songs aussehen kann über die Jahre.

Samsungs R&D-Campus in Seoul, Außenaufnahme

Over the Horizon

Das Lied bzw. das Grundthema besteht eigentlich nur aus einer Folge von sechs Tönen. Seit Jahren wird dieses Grundgerüst für die jeweils neuen Smartphones der Galaxy-Reihe immer wieder neu interpretiert und arrangiert. Vermutlich kennt ihr so ziemlich alle diesen gepfiffenen Klingelton:

Das Unternehmen steckt richtig viel Arbeit in all diese Sounds und Songs und “Over the Horizon” hat sich über die Jahre mächtig verändert. Im nächsten Video könnt ihr die Evolution dieses Songs mit eigenen Ohren nachvollziehen:

Mit den Jahren hat man nicht nur immer mehr Arbeit in die Produktion dieses Liedes gesteckt, sondern sich auch externe Hilfe an Bord geholt. So hat man sich zum Beispiel 2015 sogar auf den Weg nach Hollywood gemacht, um dort mit Menschen an den Sounds zu arbeiten, die sonst für die Soundtracks der Blockbuster zuständig sind. So wurde Al Schmitt als Toningenieur engagiert, der für sein Schaffen immerhin 21 Grammys im Laufe seiner Karriere einsammeln konnte. Außerdem reiste man nach Nashville, wo “Over the horizon” mit einem Orchester aufgenommen wurde.

Dieses Jahr hat man den Song erneut überarbeitet und wollte dafür einen frischen Nachwuchs-Act an Land ziehen. Den fand man in  Jacob Collier: Der heute 23-Jährige wird gleichermaßen als YouTube- sowie Jazz-Phänomen gefeiert. Der Multi-Instrumentalist steuerte also die neue Version von “Over the Horizon” bei und spielte dabei alle Instrumente selbst. Wie gut der Riecher Samsungs bei Collier war, kann man daran ablesen, dass der Mann dieses Jahr zwei Grammys gewinnen konnte. Hier das Video zum aktuellen Samsung-Galaxy-Sound:

Six notes was by far the smallest amount of material I have worked with, but was also the most fun. Jacob Collier

Natürlich ist man bei Samsung sehr stolz auf sein gutes Näschen bei Collier und erklärte uns scherzhaft, dass man diesen Mann nach seinen Grammy-Auszeichnungen nun wohl nicht mehr so günstig bekommen könnte.

Die Noten zu Samsungs "Over the Horizon"

Musik und Sound – eine universelle Sprache

An dem oben genannten Beispiel könnt ihr sehr gut erkennen, wie akribisch bei Samsung auch an Details wie dem richtigen Sound fürs Smartphone gearbeitet wird. Dabei geht es nicht nur darum, wie in diesem Fall eine Handvoll Noten so zu arrangieren sind, dass ein hoher Wiedererkennungswert geschaffen wird.

Darüber hinaus sind die Sound-Designer um Yun Joong Sam, Principal Sound Designer für Samsungs Mobile, nämlich auch noch bestrebt, dass man aus den bei und für Samsung produzierten Sounds allein am Hören erkennen kann, was auf dem jeweiligen Gerät gerade passiert. Soll heißen, man soll einem Device am besten schon am Sound anmerken, ob man zum Beispiel eine Hardware gerade einschaltet oder ob man sie ausschaltet.

Dazu hörten wir mehrere Sound-Beispiele, angefangen von den Geräuschen, die uns von den Smartphones bekannt sind, bis zur kurzen Melodie, die beim Einschalten der Klimaanlage oder des Backofens ertönt. Es geht natürlich nicht nur um die Sounds beim Ein- und Ausschalten oder um Klingeltöne. Auch jedes Klickgeräusch beim Drücken einer Software-Taste wird sorgfältig gestaltet. Bei der Samsung-Pay-App hat man sogar versucht, den Sound nachzuempfinden, der beim Ziehen einer Kreditkarte entsteht.

Yun Joong Sam am Mischpult in Samsungs Musikstudio
Samsungs Soundtüftler Yun Joong Sam bei der Arbeit

Ist “Over the Horizon” die prägende Melodie bei den Galaxy-Devices, so ist “Beyond the Horizon” das Gegenstück für alles, was Samsung unter “Home Appliance” verbucht, Also Kühlschränke, Waschmaschinen etc. Wie bei den Mobiltelefonen will man auch in diesem Bereich durch Sounds und Melodien eine universelle Sprache schaffen, die rund um den Globus verstanden wird.

Ein Song soll also in den USA genau so funktionieren und für die Ohren eingängig klingen wie in Europa, Afrika oder Asien. Gleichzeitig soll man möglichst auch eine Funktion universell einordnen können allein am Klang. Erhöht man bei einem Gerät beispielsweise die Temperatur oder Lautstärke, wird auch der dazugehörige Ton höher und umgekehrt. Unter dem Artikel findet ihr übrigens einen Link, der euch zu zahlreichen Audio-Beispielen bringt.

Das man bei diesen Sounds nichts dem Zufall überlässt, konnten wir auch daran feststellen, dass sich Samsung für die Kamera-App der Galaxy-Geräte durch sein ganzes Portfolio an Samsung-Kameras hörte. Weltweit wurden verschiedene Sounds durch Mitarbeiter Samsungs getestet, wobei es da um die Qualität des Sounds ging, aber auch darum, welcher emotional mehr in diesen Mitarbeitern auslöst. Das Rennen machte schließlich der Sound der Samsung NX20. Wenn ihr also das Verschluss-Geräusch auf eurem Galaxy-Smartphone hört, hört ihr im Grunde eine Reminiszenz an die alte NX20-Cam.

Für mich als Depeche Mode-Fan der ersten Stunde war es besonders witzig zu hören, dass die Sound-Tüftler bei Samsung oft genau so vorgehen, wie es eben Depeche Mode in den Achtzigern schon gemacht haben: Also einfach wild auf Sound-Safari gehen, irgendwelche Gegenstände gegeneinander schlagen, auf Wände oder Böden klopfen und diese Geräusche dann aufzeichnen und bearbeiten.

Mein Fazit dieses Besuchs im R&D-Center auf dem riesigen Samsung-Campus in Suwon: In dem Unternehmen überlässt man tatsächlich nichts dem Zufall, man hat die Kontrolle auch noch über jeden noch so kleinen Sound-Schnipsel und jede einzelne Bixby-Vokabel. Schön, dass man auf jede Facette solchen Wert legt und nicht nur darauf, wie beispielsweise bei einem neuen Smartphone Akkulaufzeit, Kameraauflösung oder Prozessorleistung verbessert werden kann.

Weiterführende Links:

Make it Meaningful – Die Samsung-Sound-Design-Story mit sehr vielen Audio-Beispielen

Over the Horizon: The Evolution of the Samsung Galaxy Brand Sound – ebenfalls mit Sound-Samples

The Making of Over the Horizon 2015

How Samsung’s Sound Design Creates a Harmonized Galaxy S8 User Experience