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Schau mir in die Augen, Passat

Eines der beliebtesten Modelle in der Mittelklasse bekommt ein neues Make-Up und viele technische Verbesserungen. Always-online und dabei dennoch diskret im Umgang mit den Daten. Erfahrt hier, wie viel Gentleman im neuen Passat steckt.

von Claus Ludewig am 11. Februar 2019
  • Neue Infotainmentsysteme sind immer online.
  • Kartendaten für Navigationssysteme sind kostenlos herunterladbar. Sehr schön.
  • Online-Services dagegen sind (bzw. werden) kostenpflichtig.
  • Volkswagen We-Services werden ausgebaut.
  • Neue Assistenzsysteme lassen den Passat teilautonom (nach Level 2) fahren.
  • Intelligentes Licht und aktualisierte Motorenpalette.

 

Erstmals werden im Passat die neuen MIB3-Infotainmentsysteme verbaut. Zur Wahl stehen dabei drei verschiedene Stufen:

  • Composition Media. Das serienmäßige Radio kommt mit einem 6,5-Zoll-Touchscreen daher.
  • Discover Media. Hierbei wächst der Bildschirm auf 8-Zoll an und integriert ein Navigationssystem auf dem SSD-Speicher.
  • Discover Pro. Die Top-Ausbaustufe beinhaltet einen 9,2-Zoll großen berührungsempfindlichen Bildschirm. Zudem lassen sich einige ausgewählte Funktionen via Gesten steuern. Auch die neue Sprachsteuerung „Hallo Volkswagen“ ist hier verfügbar.

Die neue Sprachsteuerung hat VW in Zusammenarbeit mit Nuance entwickelt. Das Unternehmen werkelt unter anderem auch an der Spracherkennung des MBUX-Systems. Allen drei VW-Systemen gemein ist die Online-Connectivity-Unit. Damit gemeint ist ein 4G-LTE-Modul, das über eine eSIM-Karte die Verbindung mit der Außenwelt aufbaut. Über die VW ID ist jeder Fahrer mit den Online-Services verbunden. Direkt im Passat nutzbar ist das Internetradio von radio.net. Darüber hinaus lassen sich ausgewählte Musik-Streaminganbieter auch über die fahrzeugeigenen Radios nutzen. In Verbindung mit einem der beiden Discover-Navigationssysteme wird es auch Kartenupdates over-the-air geben. Ergänzend zu den Volkswagen We-Services via Smartphone-App, lassen sich die digitalen Dienste nun auch über Apps direkt im Navigationssystem nutzen.

Cockpit des geupdateten Passat B8 (Quelle: VW).
Cockpit des geupdateten Passat B8 (Quelle: VW).

Neue Digitale Services verfügbar

Die „Volkswagen We Connect“-Services lassen sich – im Falle des Basispakets – ein Leben lang kostenfrei nutzen. Dazu zählen Remote-Services, wie das Ver- und Entriegeln des Passat, die Aktivierung der Standlüftung (oder Standheizung) und das Versenden eines Naviziels ans Automobil. Darüber hinaus wird es auch ein kostenpflichtiges „Volkwagen We Connect Plus“-Paket geben. Durch die Buchung dieses Pakets werden weitere Funktionen nutzbar. Mit „We Park“ lassen sich Parkplätze in deutschen Großstädten bargeldlos über den Dienst bezahlen. Bei „We Deliver“ handelt es sich um einen Service, der ausgewählten Lieferdiensten Zugang zum Gepäckraum des Passat verschafft. So lässt sich Pizza oder Ähnliches direkt in den Kofferraum liefern. Wenn man das nutzen möchte. Dazu erhält der Lieferservice einen einmalig nutzbaren digitalen Schlüsselcode zum Volkswagen. Mit diesem öffnet sich lediglich die Heckklappe. Alle anderen Türen bleiben verschlossen. Auch der Motor startet nicht mit diesem zeitabhängigen Schlüssel. Das geht auch weiterhin ausschließlich über den originalen Schlüssel des Fahrzeughalters.

Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist die „Volkswagen ID“. Diese lässt sich auch transferieren. Besitzt man beispielsweise mehrere Volkswagen, so lassen sich alle individuellen Einstellungen von einem Modell zum anderen übertragen. Der Kunde muss sich eben nur mit seiner „VW ID“ am Infotainmentsystem anmelden. Datenschutz wird übrigens großgeschrieben. Es gibt eine eigene Seite bei MIB3-Systemen, auf der man selbst verwalten kann, welche Daten von Volkswagen erhoben werden dürfen. Vorbildlich.

Die Kartendaten sind beim neuen Passat kostenfrei aktualisierbar. Dies bildet die Basis. Denn mit dem geupdateten Passat wird deutlich, dass Volkswagen nun noch stärker in den Ring steigt und mit dem Verkauf von digitalen Diensten Geld verdienen möchte. Noch offen ist beispielsweise, was die Nutzung von Echtzeitverkehrsinformationen kosten wird. Diese Funktion wird – auch bei VW – nur kostenpflichtig verfügbar sein und zwangsweise die aktuellsten Kartendaten voraussetzen.

Smartphone-Verbindung

Um das smarte Telefon mit dem neuen Passat verbinden zu können, verfügen alle MIB3-Systeme über eine Bluetooth-Schnittstelle. So lässt sich drahtlos damit telefonieren oder Musik vom Handy streamen. Es geht aber noch mehr. Wenn man die kostenpflichtige Ausstattung „App-Connect“ mitbestellt, können ausgewählte Applikationen des Smartphones auch im Infotainmentdisplay dargestellt werden. Als Software-Schnittstelle stehen für Android-Nutzer Mirrorlink und Android Auto zur Wahl. Allerdings muss zur Nutzung das Telefon mit einem USB-C-Kabel mit dem Passat verbunden werden. Wer ein iPhone besitzt, kann Apple Carplay nutzen. Nun auch ohne Kabel. Wireless Carplay ist schon seit einiger Zeit bei BMW und MINI (siehe hier meinen Testbericht dazu) verfügbar.

Up-to-date im Passat mit MIB3

Durch das im Auto integrierte LTE-Modem lassen sich Software-Updates over-the-air herunterladen. Zusätzlich wird es zukünftig einen „In-Car-Shop“ geben. Dort können verschiedene kostenpflichtige Datentarife gebucht werden. Dies ist Voraussetzung, um beispielsweise den WLAN-Hotspot nutzen zu können. Dadurch kann die Netzverbindung des Passat mit mehreren Smartphones geteilt genutzt werden. Auch Updates für die fahrzeugeigenen Apps, wie zum Beispiel die „Volkswagen We“-App können künftig over-the-air bezogen werden. Nicht mehr verfügbar sind die physischen SIM-Kartenslots im Handschuhfach. Hierzu erklärte mir VW, dass die Nachfrage zu gering gewesen sei. Kunden mussten bisher – also beim MIB2 – eine eigene SIM-Karte kaufen und in den Slot im Handschuhfach einstecken. Diesen Aufwand haben nur wenig Fahrzeughalter tatsächlich auf sich genommen. Das entfällt nun, da es beim MIB3 eine fest verbaute SIM-Karte gibt, sowie verschiedene Datentarife.

Assistierend durch den Verkehr

  • Travel Assist ersetzt den bisher angebotenen Staupilot. Das neue teilautonome Assistenzsystem beherrscht Level 2 und übernimmt das Fahren bis maximal 210 km/h.
  • Hand muss nach maximal 10 Sekunden wieder das Lenkrad berühren. Sonst macht der Passat auf sich aufmerksam.

Der optional erhältliche „Travel Assist“ kann nach Level 2 (der fünf SAE-Level des Autonomen Fahrens) unterwegs sein. Unter der Marke „IQ.Drive“ bündelt Volkswagen die Assistenzsysteme zum (teil-) autonomen Fahren. Der facegeliftete Passat B8 kann durch die Kombination von Kamera, Ultraschallsensoren, ACC, sowie Spurhalte- und Spurverlassenswarnung, selbständig in der Mitte der Fahrspur fahren und eigenständig die Geschwindigkeit und den Abstand einhalten. Aus gesetzlichen und sicherheitstechnischen Gründen muss der Fahrer spätestens alle 10 Sekunden das Lenkrad berühren. Ein kurzes Hand auflegen genügt dem kapazitiven Lenkrad als Beweis, dass der Fahrer noch aktiv hinter dem Volant sitzt. Bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von 210 km/h kann der „Travel Assist“ seinen Dienst verrichten. Wenn der Passat merkt, dass der Fahrer nicht mehr aufmerksam ist, dann wird ein mehrstufiges Warnsystem gestartet. Zunächst werden optisch Meldungen im „Digital Cockpit“ hinter dem Lenkrad eingeblendet. Findet dann immer noch keine Reaktion statt, erfolgt zusätzlich ein akustischer Warnton. Ist auch das nicht genug, dann wird kurz abgebremst, so dass durch diesen Bremsruck der Fahrer wieder aufmerksam werden sollte. Hilft all das nichts, dann greift der „Emergency Assist“ ein. Hierbei wird die Warnblinkanlage aktiviert und der Passat zum Stillstand auf dem rechten Seitenstreifen gebracht. Damit dies auch zuverlässig klappt, erkennt die Multifunktionskamera MFK3.0 nun nicht nur verschiedene Fahrbahnmarkierungen, sondern sogar Grasnarben. So soll ein geeigneter Ort für den Stillstand ermittelt werden. Die neue Frontkamera erkennt auch verschiedene Schilder mit Tempobeschränkungen. In Kombination mit dem „Travel Assist“ wird so die Geschwindigkeit automatisch auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit gedrosselt. Zudem werden auch Navigations- und GPS-Daten vom „Travel Assist“ herangezogen, dadurch sollen auch kommende Kurven, Kreuzungen oder Ortschaften einberechnet werden, um eine möglichst effiziente teilautonome Fahrt zu ermöglichen.

Ergänzend gibt es erstmals den neuen „Emergency Steering Assist“. Dabei hilft der Passat dem Fahrer bei einem Ausweichmanöver. Reagiert der Fahrzeuglenker nicht rechtzeitig, so bedient der Volkswagen kurzzeitig das Lenkrad und weicht dem Hindernis aus.

Mehr Sehen und mehr hören

Es werde Licht. Im facegelifteten Passat kommt im Innenraum – optional – ein neues Ambientelicht zum Einsatz. Dieses bietet 30 verschiedene Farben. Es strahlt nicht nur auf dem Armaturenbrett, sondern verändert auch die Farben im Infotainmentsystem. Doch nicht nur innen erstrahlt der neue Passat. Auch außen gibt es – gegen Aufpreis – ein LED-Matrixlicht. Dabei befinden sich pro Scheinwerfer 44 einzeln dimmbare LEDs. Diese sollen – unter Zuhilfenahme der Frontkamera – auch Navigationsdaten berücksichtigen und so beispielsweise automatisch in Ortschaften das Fernlicht deaktivieren. Auch gibt es Funktionen, wie ein Reiselicht, das für eine homogene Ausleuchtung auf der Autobahn sorgen soll. Von Audi bekannt, gibt es auch im Passat den „Wischblinker“.

Ambientelicht mit 30 verschiedenen Farben im Interieur des gelifteten Passat B8 (Quelle: VW).
Ambientelicht mit 30 verschiedenen Farben im Interieur des gelifteten Passat B8 (Quelle: VW).

Auf die Ohren gibt es auch was. Optional ist ein neu entwickeltes Soundsystem vom dänischen Audio-Spezialisten Dynaudio erhältlich. Die Anlage leistet satte 700 Watt. Gänzlich neu ist unter anderem der Verstärker, der nun unter dem Fahrersitz seinen Platz gefunden hat. Beim Probe hören in einer noch nicht finalen Abstimmung, gefiel der Klang. Instrumente und Stimmen sind äußerst klar wahrnehmbar. Sogar in hoher Lautstärke. Wenn der Passat dann im Handel steht, werden auch mehrere verschiedene Soundeinstellungen nutzbar und konfigurierbar sein.

Umweltfreundlicher

Der Passat bekommt auch neue Motoren spendiert. Neben Benzin- und Dieselmotoren mit einer Leistungsspanne zwischen 120 PS (1.6 TDI) und 272 PS im 2.0 TSI-Benziner, gibt es auch wieder einen Plug-in-Hybrid. Der neue GTE kombiniert einen 1,4-Liter 4-Zylinder-Ottomotor mit 150 PS mit einem Elektromotor. Zusammen leisten die Aggregate 218 PS. Dank des nun 13 kWh großen Akkupakets (bisher 9,9 kWh Kapazität), soll der Passat GTE 55 Kilometer rein elektrisch unterwegs sein können. Dieser Wert ist mit dem realistischeren WLTP-Messzyklus ermittelt worden. Wie viel davon in der Praxis übrig bleibt, wird man sehen. Auf jeden Fall erfüllt das Motoren-Duo schon heute die Euro6d-Abgasnorm, die eigentlich erst ab 2021 verpflichtend wird.

Unter der Rücksitzbank und Teilen des Kofferraums liegt das Akkupaket des Plug-In-Hybriden Passat GTE. Mit dem Facelift hat es eine Kapazität von 13 kWh und soll für 55 Kilometer rein elektrisches Fahren genügen (Quelle: VW).
Unter der Rücksitzbank und Teilen des Kofferraums liegt das Akkupaket des Plug-In-Hybriden Passat GTE. Mit dem Facelift hat es eine Kapazität von 13 kWh und soll für 55 Kilometer rein elektrisches Fahren genügen (Quelle: VW).

Ab Sommer geht´s rund

Ab August steht der geupdatete Passat B8 beim Händler. Produziert wird die Baureihe dann im tschechischen Kvasiny. Dort entsteht auch der Skoda Superb. Im aktuellen Passat-Werk in Emden wird alles auf den Anlauf von Elektromodellen vorbereitet.