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Smart Car?

Ist der Seat Ibiza “Connect” ein Smart Car?

Das der Seat Ibiza ein guter Kleinwagen ist, würde ich unterschreiben. Doch wie sieht es beim Thema "Konnektivität" aus? Angesehen habe ich mir das "Connect" Sondermodell!

von Jens Stratmann am 9. November 2015

Beim neuen SEAT Ibiza wurde (laut Hersteller) neben Effizienz, Qualität und Sicherheit besonders viel Wert auf das Thema Konnektivität gelegt. Das musste ich mir natürlich für die Mobilegeeks-Leser einmal genauer ansehen.

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SEAT Full Link integriert MirrorLink, Apple Car Play und Android Auto. Genutzt werden können die jeweils freigegebenen Funktionen über den 6,5 Zoll großen Touchscreen, bei Apple sind das derzeit die Bereiche Telefon und Messages, Musik und Maps – weitere folgen. Bei MirrorLink werden die Funktionen und Apps, wie zum Beispiel die neue SEAT ConnectApp, des kompatiblen Smartphones über das Infotainment-System des Ibiza bedient, indem die Smartphone-Bedienoberfläche auf den Touchscreen „gespiegelt“ wird.

SEAT hat eine Kooperation mit Samsung zur Entwicklung innovativer Konnektivitäts-Lösungen vereinbart. Im neuen Sondermodell SEAT Ibiza CONNECT wird es daher ein Samsung-Smartphone mit der vorinstallierten SEAT ConnectApp geben. Um die Aufmerksamkeit nicht vom Verkehr abzulenken, gibt es die Vorlesefunktion „Feed to speech“. Sie wandelt eingehende Nachrichten wie Mails oder SMS in Sprache um und liest sie vor.

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Die Antworten können per Spracheingabe „diktiert“ werden. Mit der neuen Gestensteuerung lassen sich auf dem Touchscreen des SEAT Infotainment Systems Funktionen wie Anrufe oder Kontaktadressen aufrufen. Der Begrüßungs-Bildschirm der SEAT ConnectApp liefert Infos wie die Wettervorhersage oder Termine, die individualisiert werden können. Über die Smart Tipps „lernt“ die App individuelle Vorlieben wie häufige Ziele oder Terminerinnerungen. Dabei werden jedoch keine persönlichen Daten außer der Email-Adresse und der Spezifikation des Fahrzeugs gespeichert, diese bleiben auf dem jeweiligen Smartphone.

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Was braucht man dafür immer? Klar, eine Internetverbindung. Ich war am letzten Wochenende in Andalusien unterwegs und kann euch nun ein Lied davon singen, wie es ist, wenn man eine noch schlechtere Netzabdeckung hat als auf der deutschen Autobahn. Wisst ihr was ich auch blöd finde? Da gibt mir SEAT ein Auto, liefert aber gar nicht das “richtige Smartphone” mit. Ich habe leider (noch) kein Android-Testgerät, welches ich zu Testzwecken halt auch “aktiv” dabei habe. Das muss ich mir wirklich noch zulegen, mit einer Partnerkarte oder so, damit ich da auch mal direkt die Vergleiche ziehen kann, gebt mir dafür bitte noch etwas Zeit, denn als Apple-Jünger muss ich mich da erst noch reinfuchsen.

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In die Easy Connect Infotainment-Systeme der neuen Generation ist teilweise Navigation integriert. Optional kann die Navi-Funktion hinzugestellt werden. Optional kann man auch das Digitalradio DAB empfangen und Musik vom iPod oder Smartphone über USB oder Bluetooth- übernehmen. Ab Media-System Plus ist die Sprachbedienung integriert, Full Link zur Integration des Smartphones kann dazu gewählt werden. Das neue SEAT Sound System kommt mit sechs Lautsprechern, einer 10-Liter-Bassbox im Gepäckraum, einem zusätzlichen Verstärker und individuellen Einstellmöglichkeiten im Sound-Menü. Für Otto-Normal-Ohren ausreichend Klang!

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Den Ibiza gibt es weiterhin in den drei Karosserievarianten Dreitürer, Fünftürer und Kombi. Das Kombimodell hat trotz seiner sportlichen Designlinie ein Kofferraumvolumen von 430 bis maximal 1.164 Liter, da passen zwei Fahrräder mit demontierten Vorderrädern hinein.

Beim beliebten Exterieur-Design wurden bis auf neue Scheinwerfer mit LED Tagfahrlicht, neue Leichtmetallräder in 16 und 17 Zoll sowie die neuen Lackfarben Moonstone Silber und Chilli Rot keine Veränderungen vorgenommen. Der Innenraum wurde hingegen stark aufgewertet und auch umgestaltet. Es gibt viele Möglichkeiten der Individualisierung und das horizontal ausgerichtete Cockpit ist dem Fahrer zugewandt und bietet das optimal angeordnete Bedienelement mit Softtouch-Finish, außerdem ein neues Lenkrad, neue Lüftungsdüsen, ein neues Instrumentenpanel und neue Infotainment-Systeme. Die neuen Color Packs lassen vielfältige Individualisierungen und Kombinationen zu, sie sind in Bismuth (Bronze), Velvet (Purpur), Rot, Grau, Weiß oder Schwarz verfügbar. Zu jedem Color Pack gehören zahlreiche Details in der jeweiligen Farbe, wie zum Beispiel die Umrandung des Kühlergrills oder die Umrandungen der Luftdüsen. Das sieht “ganz smart” aus. Smarter finde ich dann aber schon die Rückleuchten, die Rückfahrkamera oder in der Tat die gute Verarbeitungsqualität vom Seat Ibiza!

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Man kann aus vier Ausstattungsvarianten wählen. Schon die Basisaustattung „Reference“ bietet alle wesentlichen Komfort- und Sicherheitsausstattungen wie eine Klimaanlage und das Media System Touch. Die Ausstattung der Version Style beinhaltet beispielweise Climatronic, Leichtmetallrädern oder einen Farb-Touchscreen. Der sportliche Ibiza FR hat eine besonders umfangreiche Serienausstattung und ein modellspezifisches Exterieurdesign an Front und Heck und speziellen Alurädern.

Die neue Motorengeneration des SEAT Ibiza besteht aus Drei- und Vierzylinder-Motoren. Alle Aggregate sind mit Start-Stop-System ausgestattet und erfüllen alle die EU6-Abgasnorm und sollen durch gute Verbrauchs- und Emissionswerte überzeugen. Der Basis-Benziner ist ein Dreizylinder mit 1,0 Litern Hubraum. Er hat als Saugmotor 55 kW (75 PS) und als EcoTSI-Turbotriebwerk 70 kW (95 PS) oder 81 kW (110 PS). Das maximale Drehmoment beträgt 160 beziehungsweise 200 Nm. Der Vierzylinder 1.4 TSI ACT mit aktivem Zylindermanagement hat eine Leistung von 110 kW (150 PS) und ein Drehmoment von 250 Nm.

Seine Zylinderabschaltung bei Teillast soll den Kraftstoffverbrauch auf 4,8 Liter begrenzen. Der Benziner 1.0 EcoTSI mit 70 kW (95 PS) hat einen Normverbrauch von 4,2 Liter auf 100 Kilometer und einen CO2-Ausstoß von 97 Gramm pro Kilometer. Der neue Dreizylinder-Diesel 1.4 TDI Ecomotive mit 55 kW (75 PS) verbraucht im Schnitt 3,4 Liter und stößt 88 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Die anderen TDI mit 66 kW (90 PS) oder 77 kW (105 PS) sollen auch nur maximal 3,8 Liter verbrauchen. Ich liege im Test immer ca. 1-2 Liter über dem NEFZ-Wert, ggf. sollte ich mal meinen schweren Gasfuß verklagen.

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Alternativ zur Handschaltung kann man bald den EcoTSI mit 81 kW und den TDI mit 66 kW auch mit dem Doppelkupplungsgetriebe DSG bestellen. Die elektrische Lenkung ist für alle neuen SEAT Ibiza verfügbar. Federn, Dämpfer und Stabilisatoren wurden komplett neu abgestimmt, optional ist jetzt das SEAT Drive Profile mit seiner adaptiven Dämpfung (DCC) lieferbar. Diese besitzt zwei wählbare Kennlinien, Komfort-orientiert oder sportlich orientiert.

Die neue Müdigkeitserkennung soll nachlassende Konzentration des Fahrers an seinem Lenkverhalten erkennen und ihn dann rechtzeitig warnen. Die Multikollisionsbremse soll das Fahrzeug nach einer schweren Kollision automatisch abbremsen und die Warnlichtfunktion auslösen, falls der Airbag ausgelöst wurde. Mit Hilfe von Ultraschallsensoren vorne und hinten kann das Einparken erleichtert werden, optional bekommt man jetzt auch eine Rückfahrkamera und die bietet ein richtig tolles, klares, und sogar scharfes Bild.

Tja, was soll ich sagen? Die Integration von Apple CarPlay und Co. macht für mich heute kein “Connect”-Modell mehr aus, das sehe ich als Standard 2016 an, aber dennoch – für einen Kleinwagen – bietet der Seat Ibiza zahlreiche Annehmlichkeiten. Zum Glück gefehlt hätte mir nur noch ein Keyless-GO System, denn das ist für mich auch ein “Smart Car” Feature.

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Ich kann, mangels einer eigenen Internetverbindung im Auto (keine SIM-Karte, kein eigener Router), nicht aus der Ferne auf mein Auto zugreifen, kann nicht schon Routen vorab schicken, kann nicht die Flüssigkeitsstände via Internet checken. Keine Frage, diese Features braucht man auch nicht, aber wir werden es erleben bei vielen anderen Fahrzeugmodellen: Das wird in der näheren Zukunft bei vielen Modellen “State of the Art” sein. Seat bringt dann bestimmt auch ein weitere Connect Sondermodell heraus, dann hoffentlich auch mit Voll-LED Scheinwerfern – am besten direkt Matrix-LED Scheinwerfer, damit auch keiner geblendet wird. Das Prädikat Smart-Car verdient der Ibiza dennoch, denn immerhin bietet er schon zahlreichen Smartphone-Kunden die perfekte Anbindung an das Lieblings-Device. Was noch fehlt für mein persönliches Glück? Weitere Apps, die auch via Apple CarPlay funktionieren, aber dafür kann SEAT nichts, das liegt dann wohl an dem Unternehmen aus Cupertino.

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