Hyperloop in der Stadt

Kommentar
Seilbahn oder Hyperloop: Wohin geht die Reise, Deutschland?

München erwägt den Bau einer City-Seilbahn, Hamburg einen Hyperloop im Hafen. Die Strategien für Transport in Deutschland sind unterschiedlich - aber sind sie auch unterschiedlich gut?
von Carsten Drees am 21. November 2018

Zwei Meldungen der letzten Tage: In Hamburg könnte Hyperloop Transportation Technologies (HTT) dafür sorgen, dass im hiesigen Hafen Deutschlands Hyperloop-Premiere stattfindet. In München denkt man derweil darüber nach, den Innenstadtverkehr mittels Seilbahn zu entlasten. Beides wird tatsächlich erwogen, bei beidem gibt es Pro- und Contra-Punkte bei allerdings auch deutlich unterschiedlichen Einsatzszenarien.

In Hamburg wurden wohl auch schon Absichtserklärungen unterzeichnet zwischen der Stadt und dem kalifornischen Unternehmen. In zwei, drei Jahren könnte es demnach losgehen mit dem Bau, sofern denn alle bürokratischen Hürden bewältigt werden. Konkret geht es bei dem geplanten Hyperloop darum, den Hafen mit dem Umland zu verbinden zwecks Container-Transport.

Der Vorteil wäre, dass die unzähligen LKWs, die sich mit Ware bestückt von Hamburg aus auf den Weg machen, diese Fahrt nicht in der Stadt selbst, sondern eben im Hamburger Umland aufnehmen und der Verkehr in der City somit deutlich entlastet würde. Klingt für mich nach einem sehr sinnvollem Szenario und nicht nach einem bloßen Prestige-Projekt.

Im Süden des Landes gibt es mit München eine weitere Metropole, die verkehrstechnisch mehr und mehr an ihre Grenzen stößt. Dort geht es darum, dass zu viele Bürger auf den Straßen unterwegs sind und diese in Stoßzeiten dann aus allen Nähten platzen. Neue U-Bahn-Trassen scheinen dort keine Option zu sein und so denkt man in eine etwas abstrus wirkende Richtung: Diskutiert wird nämlich die erste Innenstadt-Seilbahn!

Der Plan des Münchner Oberbürgermeisters sieht vor, dass auf einer Länge von 4,5 Kilometern die U-Bahn-Stationen Oberwiesenfeld, Frankfurter Ring und Studentenstadt miteinander verbunden werden sollen und damit eine derzeit noch fehlende Tangentiale bilden. Auf diese Weise sollen bis zu 4.000 Menschen pro Stunde (und Richtung) transportiert werden können. Die Münchner Verkehrsgesellschaft, die Betreiberin dieser Seilbahn wäre, würde dabei auf Gondeln setzen, in die jeweils 32 Passagiere hineinpassen.

Soweit also die Gedanken, mit denen man sich derzeit in Hamburg bzw. München beschäftigt. Weiterführende Links findet ihr hier:

Funktionierende Konzepte oder Schnapsideen?

Wie an allen Ecken und Enden fehlt mir in Deutschland derzeit auch beim Thema Transport ein roter Faden, eine Vision — oder zumindest jemand, der wenigstens mal das Ende dieses roten Fadens erblickt und ihn aufnimmt, damit endlich mal was passieren kann. Über ein Paradebeispiel dafür schrieb ich ja vor einigen Tagen:

Deutschlands Kampf gegen Innovation am Beispiel E-Scooter

Fairerweise muss man dazu sagen, dass wir — damit meine ich sowohl die schreibende Zunft als auch die Sicht des Bürgers — es der Politik natürlich auch nicht immer sehr leicht machen. Selbst, wenn jemand eine gute Idee auf den Tisch bringt, wird es immer sofort auch donnernden Protest geben. Schlicht, weil die lauten Stänkerer stets einfacher zu hören sind als diejenigen, die still nicken und denken, dass ein Plan funktionieren könnte.

Da muss ich mir durchaus auch an die eigene Nase packen, denn als ich die Nummer mit der urbanen Seilbahn in München gelesen habe, fielen mir direkt diverse billige Gags ein, mit denen man in den sozialen Medien mit Leichtigkeit Likes einkassieren könnte. Seehofer, Söder, Dorothee Bär und ihre Flugtaxis, Bavaria One, dazu Digitalministerinnen, die überhaupt nichts mit dem Begriff Digitalisierung anfangen können und selbstverständlich auch noch der legendäre 10-Minuten-Transrapid-Vortrag des Edmund Stoiber — es gibt zum Thema Bayern, Digitalisierung und Transport unendlich viele Pointen.

Ich muss aber eben zugeben, dass ich nach dem Studieren des Artikels zu diesen Seilbahnen nicht mehr so sicher war, ob es sich hier tatsächlich um eine Schnapsidee handelt. Faktisch werden wir wohl in mehreren Metropolen Situationen vorfinden, wo die Option einer weiteren U-Bahn-Trasse aus diversen Gründen nicht vorhanden ist. Dort müssen wir andere Wege finden und ich glaube, dass es sich empfiehlt, jede Stadt diesbezüglich auch separat zu betrachten.

Die Hamburger Hyperloop-Lösung hört sich für mich sowieso klasse an — immer unter der Prämisse, das der Hyperloop auch genau so funktionieren wird, wie es sich derzeit alle erhoffen. Es klingt praktikabel, es entlastet die Innenstadt und dient gleichzeitig auch noch als Leuchtturmprojekt für die Stadt, die Region und ja — eigentlich auch fürs ganze Land. Bei der Seilbahn bin ich deutlich weniger euphorisch und kann mir gut vorstellen, dass sich da sowohl Kritiker als auch Komiker die Klinke in die Hand geben werden. In Einzelfällen kann ich mir aber eben durchaus vorstellen, dass so eine ungewöhnliche Lösung funktionieren kann, wenn der Verkehr auf der Straße eben Tag für Tag zum Erliegen kommt und eine U-Bahn-Verbindung keine Option darstellt.

Das Wichtigste dabei und das nehme ich für mich persönlich mit aus diesen beiden News zum Thema Transport: Es gibt nicht diesen einen einzigen funktionierenden Königsweg, der als Blaupause für das ganze Land dienen kann. Das gilt für öffentliche Verkehrsmittel, aber nicht nur dafür. Wir werden uns damit arrangieren müssen, dass zahlreiche Miet- und Taxi-Modelle nebeneinander existieren, dass die letzte Meile je nach Stadt oder Stadtteil anders bewältigt werden kann und auch, dass das Elektroauto nicht der alleinige Glücksbringer sein wird.

Ihr wisst, dass ich auf krude Ideen der Politik (gerade auch aus den konservativen Lagern) gerne mal rhetorisch eindresche. Manchmal muss man sich aber auch eingestehen, dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt vielleicht einfach noch nicht genügend Informationen vorliegen hat, um einen Plan umfassend bewerten zu können. Wir sollten uns also die Fähigkeit bewahren, so “open minded” wie möglich auf diese Ideen zu blicken und vielleicht einfach mal nicht dem ersten Reflex zu folgen, der so oft aus Häme und Kritik besteht.

Und unter diesem Gesichtspunkt frage ich mal in die Runde: Was haltet ihr denn von den beiden Vorschlägen? Ist der Hyperloop die richtige Lösung für Hamburg und eine Seilbahn vielleicht tatsächlich die ebenso exotische wie praktikable Lösung für München? Schreibt es uns in die Comments.