Netflix und Amazon Prime Empfehlungen
Netflix & Amazon Prime: Serien-Empfehlungen für September 2016

Von The Strain mit seinem Horror-Zombie-Vampir-Virus über zur kultigen 70er Flashback Musical-Serie The Get Down, der spanischen Downton Abbey-Version Grand Hotel und der Scientology Dokumentation Going Clear ist für jeden Geschmack etwas Passendes dabei.
von Jessica Mancuso am 8. September 2016

Nach Stranger Things spürte ich eine Erschütterung der Macht, eine unfassbar große Leere in mir: »Was soll da jetzt noch kommen?«, fragte ich mich und wusste instinktiv, dass das nichts werden kann. Wie sollte man nach dieser Retro-Keule überhaupt eine Serie finden, die einen abholt? Doch da hatte ich die Rechnung ohne Amazon Prime und Netflix gemacht, die so ordentlich nachlegten, dass ich jetzt sogar mehr als nur eine Empfehlung rausgeben kann.

Im Folgenden findet ihr meine Serien-Tipps für den September 2016!


The Strain – Amazon Prime

Es fällt mir schwer, bei dieser Empfehlung ernst zu bleiben, soviel sei schon mal verraten. Und noch schwerer wird es, sie ad hoc einem Genre zuzuschreiben. Also anders: Es geht um eine Virus-Infizierten-Zombie-Vampir-Nazideutschland-Serie, die mit einigen Trashelementen um die Ecke kommt und daher an Stellen amüsiert, von denen ich nicht mal sicher sagen kann, ob die Macher es so intendiert hatten.

Laut Wikipedia ist die Serie dem Horror-Genre zuzuschreiben, wobei sie selbst für sanftere Gemüter keinerlei echten Horror darstellen sollte. Die Geschichte beginnt auf dem JFK-Flughafen, wo just eine Maschine die Aufmerksamkeit des Personals erregt, die aus Berlin angekommen ist aber sich nicht vom Rollfeld bewegt: Alle Lichter im Inneren sind aus, die Fensterrollos unten und kein Lebenszeichen von der Crew oder den Passagieren. Daraufhin wird der Heimatschutz, das FBI, diverse Terrorexperten und eine kleine Gruppe von Epidemieforschern gerufen, die die Situation einschätzen soll. Der Epidemiologe Dr. Ephraim Goodweather und sein Team bekommen den Zuschlag und sollen das Flugzeug untersuchen. Dabei werden insgesamt 206 Tote und vier Überlebende gefunden. Allem Anschein nach grassiert ein undefinierbarer Virus, der selbst bei den Virusexperten viele Fragen aufwirft.

Bis hierhin, und damit sind nur die ersten paar Minuten skizziert, bringt die Serie viel Zombie-Potential mit sich. Doch das kippt schneller, als man gucken kann. Plötzlich fragt man sich als Zuschauer, was da los ist: Sind es nun Untote, Zombies, Vampire oder doch Werwölfe? Wieso muss es ein deutsches Flugzeug sein? Geht‘s etwa um Nazimonster? Nazizombies? Nazivampire? Oder ist es bloß ein Virus, ein ganz normaler, ohne Monster und Ähnlichem? Diese Fragen werde ich euch nicht vorweg beantworten, dafür ist der Trash-Spaß beim Zugucken und Entdecken einfach zu groß!


The Get Down – Netflix

Wer bisher noch nicht The Get Down gesehen hat, sollte es dringend nachholen. Mit dieser Serie überraschte Netflix Fans der 70er und all jene, die auf Musik abfahren. Was als Musical-Drama-Serie promotet wird, ist viel mehr und niemand sollte sich von dem Wort »Musical« abschrecken lassen, wirklich nicht. Außerdem ist The Get Down mit ca. 120 Millionen Dollar Produktionskosten die bisher teuerste Eigenproduktion des Streamingdienstes. Jede Folge soll an die 7,5 Millionen gekostet haben, und das sieht man auch.

New York in den 70ern: Ezekiel und seine Freunde wollen mit eigenen Hip Hop Beats berühmt werden und somit der Bronx, der Armut, Gewalt und Kriminalität entkommen. Dabei verliebt sich der junge Ezekiel in die Pfarrerstochter Mylene, die als Sängerin ebenfalls hohe musikalische Ambitionen hegt und auf den Durchbruch hinarbeitet.

In diesen 6 Folgen wird einerseits die Musikindustrie im Zeitalter der aufsteigenden Disco-Beats skizziert, aber auch politische Umstände in New York und den Problembezirken der Stadt, wie beispielsweise der Bronx, und die Unterschiede zwischen den weißen und den schwarzen Arbeitern. Verrückt, wenn man bedenkt, dass die 70er noch keine 50 Jahre her sind. Besonders spannend fand ich auch die Auseinandersetzungen mit den ersten DJ‘s und MC‘s ihrer Zeit und wie das Auflegen von Platten bis zur Besinnungslosigkeit perfektioniert wurde. Was die politischen Szenen angeht, hätte man nach meinem Gusto ruhig tiefer in die Materie gehen dürfen, aber das kommt ja vielleicht in der 2. Staffel, die kürzlich erst von Netflix bestätigt wurde.

Ein gelungener Flashback in die 70er, wie ich finde, ohne auf persönliche Erinnerungen dieser Zeit zurückgreifen zu können. Und doch haben mich die Darsteller und ihr Einsatz gepackt, die Musik zum Wackeln gebracht und die Geschichte begeistert. Und ich freue mich sehr, dass 2017 weitere 6 Folgen anschließen werden!

Wer auf der Suche nach dem OST ist, kann ihn sich direkt via iTunes kaufen oder auf diese Spotify-Liste zurückgreifen. Den Ohrwurm »Set me free« bekommt ihr allerdings ausschließlich gegen Bezahlung auf iTunes.


Grand Hotel – Netflix

»Grand Hotel? Das ist sowas wie das spanische Downton Abbey mit einer ordentlichen Prise südländischem Telenovela-Flair«, so beschrieb ich die Serie einem Kumpel, nachdem ich ihr komplett verfallen war.

Die Serie spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in dem, wie sollte es auch anders sein, Grand Hotel, das als Familiensitz der großbürgerlichen Familie Alarcón und ihren Bediensteten dient. Sie beginnt damit, dass ein Zimmermädchen vermisst wird, was ihren Bruder Julio ins Dorf bringt, der sich umgehend in das Hotel einschleicht, um Undercover nach seiner Schwester zu suchen oder zumindest aufzudecken, was mit ihr geschehen ist. Bei Julio handelt es sich selbstredend um einen charmanten, gutaussehenden jungen Mann, was auch der jüngsten Tochter der Alarcóns, Alicia, nicht lange verborgen bleibt. Unter einem Vorwand lernen sich die beiden kennen, als Julio sich eines Abends als adeliger Hotelgast ausgibt.

Bereits während der ersten Folge wird klar, dass in diesem Hotel eine Menge Geheimnisse lauern und viele aus Gründe der Vornehmheit totgeschwiegen werden. Uneheliche Kinder? Totgeschwiegen. Uneheliche Erben? Totgeschwiegen. Verschwundene Bedienstete? Totgeschwiegen. Bis Julio Freundschaft mit dem Kellner Andrés knüpft und sie fortan den diversen Geheimnissen auf die Spur gehen. Und auch die junge Alicia soll sich bald dem Duo anschließen und gegen ihre eigene Familie ermitteln.

Apropos Ermitteln: Es gibt auch echte Ermittler in der Serie, nämlich Komissar Aryala aus Madrid und den ortsansässigen, etwas langsamen Polizisten Hernando. Die zwei agieren, aufgrund der Begriffsstutzigkeit von Hernando, wie Dick und Doof, was die Serie unglaublich amüsant macht.

Darüber hinaus weist Grand Hotel die wohl schnulzigste und gleichzeitig dämlichste Szene des Jahrhunderts auf, was mich vor Lachen zum Schreien brachte: »Alicia, nimm diese Zigarette und jedes mal, wenn wir uns nicht küssen können, ziehst du an ihr und nur wir zwei werden wissen, dass wir uns in Wirklichkeit küssen (schwüls, schwüls).« – sehr frei aus der Erinnerung zitiert, aber Tränen! Ich habe Tränen gelacht.

Eine Serie, die in eine andere Zeit entführt, als elektrisches Licht made by Edison gerade erst salonfähig wurde, Diener und Herren von einer unsichtbaren Schere getrennt waren und Gefühle noch echtes Schnulzpotential aufwiesen! Durchaus ein netter Ersatz für alle, die auf die Telenovela-Fortsetzung von »Jane the Virgin« warten oder allgemein auf spanisches Temperament abfahren.


Scientology Doku  – Netflix

In der in drei Akten unterteilten HBO Dokumentation von 2015 “Going Clear: Scientology – ein Glaubensgefängnis” wird die Geschichte der Sekte aufgerollt. Zuerst berichten ehemalige Mitglieder, wie sie überhaupt Teil dieser Gemeinschaft wurden und wie sie heute darüber denken. Im zweiten Akt wird der Gründer von Scientology L. Ron Hubbard beleuchtet und im Dritten die Führungsriege der Sekte und ihre Machenschaften aufgezeigt.

Diese Dokumentation basiert auf dem Sachbuch von Lawrence Wright “Im Gefängnis des Glaubens: Scientology, Hollywood und die Innensicht einer modernen Kirche” von 2013, weswegen er bei dem Film auch als Produzent agierte.

Wie der Buchtitel vermuten lässt, finden hier vor allem Tom Cruise und John Travolta Erwähnung, die seit Jahrzehnten als prominente Gesichter der Sekte fungieren, um neue Mitglieder anzuwerben und die alten bei der Stange zu halten. Eine durch und durch schockierende Dokumentation, die nicht zu knapp zeigt, wie Gehirnwäsche funktionieren kann und wie geistig gesunde, gebildete Menschen für das Versprechen einer höheren Geistesebene gewillt sind, sich sogar von ihren Kindern zu trennen und sie ganz der Sekte zu überlassen.

Zwar hat jeder von uns schon mal etwas über Scientology gehört, gesehen und mitbekommen; doch wer sich diese 2 Stunden Filmmaterial gibt, wird diese Sekte mit ganz anderen Augen sehen, versprochen. Oder wusstet ihr schon, dass es im Hauptquartier der Scientologen eine Ebene gibt, wo all jene Mitglieder abgestraft werden, die sich nicht ordnungsgemäß verhalten? Oder dass schwangeren Frauen ihre Babies weggenommen werden, sobald sie sie gebären und dass diese dann automatisch bei der Sekte aufwachsen, aber keinen Kontakt zu ihren leiblichen Eltern haben dürfen? Gerade letzteres, und das werdet ihr auf den Bildern sehen, erinnert an jene der Hitlerjugend; die Uniformen und die harte Erziehung, die fest damit verknüpft ist, dass man dem Führer huldigt und in seinem Sinne lebt, um einen höheren Seelenheil zu erfahren.

Für mich die beste Dokumentation, die ich in diesem Sommer gesehen habe. Keine leicht verdauliche Kost, doch absolut sehenswert!