Junge Frau mit Kopfhörer

Shazam, SoundHound und Co: So erkennt ihr Songs in Sekunden

Goldene Zeiten für Musik-Fans: Musste man früher Stunden in neue Songs beim Platten-Dealer des Vertrauens reinhören oder den DJ befragen, reichen heute Apps wie Shazam aus, um einen Song zuordnen zu können, den man noch nicht kennt. Es gibt aber durchaus mehr Tools da draußen als nur Shazam - und manchen Apps reicht sogar eine gesummte Melodie, um euch weiterzuhelfen.
von Carsten Drees am 18. September 2015

Gerne fange ich Artikel so an, dass ich einen lustigen Schwank aus meiner Jugend erzähle. “Jugend” bedeutet in diesem Fall meistens: Irgendwann in den 80er Jahren. Während meine Klassenkameraden damals so unwichtigen Kram gemacht haben wie “richtige Freunde treffen” oder Fußball spielen, habe ich eher bei meinen Eltern im Wohnzimmer gehangen und Radio gehört (weil ich anfangs unverschämterweise keine eigene Anlage besaß).

Wichtig ist dabei, dass ich dort bei meinen Eltern im Wohnzimmer saß und nicht etwa mit meinen Eltern, denn Anfang der 80er sollte sich herauskristallisieren, dass unsere Musikgeschmäcker doch deutlich auseinander gingen. Dank RTL, welches ich über Mittelwelle mehr schlecht als recht empfangen konnte, lernte ich über das Radio Bands wie Depeche Mode, Yazoo, The Human League, Tears for Fears, Soft Cell und unzählige mehr kennen, die meinen musikalischen Weg entscheidend mitprägten und deren Musik mir bis zum heutigen Tag ans Herz gewachsen ist.

Die Charts wurden rauf und runter gespielt und “Charts-Musik” besaß damals – vielleicht muss man das heute erklären – eine komplett andere Konnotation als heute, weil eben nicht auf Kommerz gezüchteter Dance-Kram die Hitparaden bestimmte, sondern die oben angeführten Kameraden. Noch heute bilde ich mir ein, damals ziemlich viel mitbekommen zu haben, was neue Bands, neue Songs und auch neue Musikrichtungen angeht, so dass ich heute noch bei fast jedem 80s-Sampler jeden Song nach zwei Sekunden erkenne und mitsingen kann.

Schlimm wurde es aber manches mal, wenn die im Radio den Titel des Songs nicht nannten – oder ich ihn schlicht verpasst hatte, weil ich zum falschen Zeitpunkt nicht im Raum war oder wieder mal sekundenlanges Rauschen verhinderte, dass man den Namen erkannte. Da hatte man dann diesen Ohrwurm, in manchen Fällen vielleicht auch einige Sekunden davon auf Tape gebannt – und wusste aber nicht wirklich weiter. Mit Walkman und dieser Cassette bewaffnet in einen Plattenladen gehen, wäre mir definitiv zu peinlich gewesen. Eltern fragen war – zumindest in so einem Fall – wenig zielführend und den Klassenkameraden eine Melodie vorsummen war in den wenigsten Fällen von Erfolg gekrönt (siehe oben – die Halunken haben eben lieber Fußball gespielt und soziale Kontakte gepflegt, statt Charts auswendig zu lernen).

Das ist der Punkt, an dem ich die Überleitung wage von Kindheits- und Jugenderinnerung in die heutige Zeit: Wäre ich damals in der Lage gewesen, einer Software einen Song vorspielen zu können, die dann aus einer immens großen Datenbank mit recht großer Wahrscheinlichkeit den richtigen Song erkennt: Ich wäre vermutlich ungefähr so begeistert gewesen wie – nun ja, so begeistert wie ich halt vor ein paar Jahren war, als ich erstmals von Shazam hörte und die App antestete.

Höre ich heute – im Radio, in der Werbung, oder in der Disco, die eigentlich heute nur noch “Club” heißt – einen Song, der mir gefällt, dann hilft mir eben meistens Shazam auf die Sprünge und ich sag mal: In vier von fünf Fällen wirft mir die App auch den tatsächlichen Titel des Liedes raus, zusammen mit ein paar Möglichkeiten mehr, die mich den Song beispielsweise auf Spotify hören oder irgendwo im Netz kaufen lassen.

Darüber hinaus gibt es aber ein paar Möglichkeiten mehr, in Windeseile einen unbekannten Titel ausfindig zu machen. Ich will euch ein paar Wege vorstellen, die auch zum Ziel führen bei dieser Suche. Manche App funktioniert dabei exakt so wie es Shazam auch tut, aber es gibt auch ein paar ganz andere Ansätze. Wie immer bei solchen Auflistungen gilt: Lasst es mich wissen, falls ihr weitere Möglichkeiten kennt.

Shazam

Shazam

Shazam ist nicht nur die App, mit der ich persönlich meine Musik erkenne, sondern wohl generell der bekannteste Vertreter seiner Zunft und der Klassiker unter den Songerkennungs-Apps. Ein Fingertipp genügt und ein gerade laufender Song wird zumeist ziemlich souverän erkannt – selbst, wenn jemand drüber labert oder es andere störende Sounds in der Umgebung gibt.

Viel mehr muss ich euch vermutlich über Shazam nicht erzählen, schließlich haben wir über die App, die es mittlerweile für Android, iOS, Windows Phone, aber auch für Android Wear, die Apple Watch und für den Mac gibt, oft genug berichtet. Seit den Anfangstagen hat der Funktionsumfang deutlich zugenommen, so dass ihr auch TV-Shows erkennen könnt, Lyrics angezeigt bekommt und vieles mehr. Logischerweise könnt ihr aus dem Suchergebnis nicht nur kurz in den Song reinhören, sondern ihn auch komplett bei Deezer, Rdio, Google Play Music oder Spotify anhören oder den Song kaufen, gegebenenfalls auch das Video dazu anschauen.

Leider versucht man sich auch immer wieder an Features, die mir so gar nichts bringen. Ich brauche keine Länder-Charts, mit denen ich herausfinden kann, welche Songs über Shazam in anderen Nationen am liebsten gesucht haben und ich brauche auch keine Benachrichtigungen, dass Künstler XY auf Shazam gefeatured wurde. Zumindest für meinen Geschmack wäre da weniger echt mehr. Nichtsdestotrotz nutze ich Shazam regelmäßig und feiere auch nach wie vor die Möglichkeit ab, auch offline Songs erkennen zu können. Zwar bekommt ihr in dem Fall nicht sofort ein Ergebnis logischerweise, aber sobald ihr wieder im Netz seid, schickt euch Shazam unverzüglich den erkannten Song!

Shazam
Shazam
Preis: Kostenlos
Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-(
Shazam
Shazam
Entwickler:
Preis: Kostenlos+
Shazam
Shazam
Preis: Kostenlos

SoundHound

SoundHound

Der SoundHound ist eine ganz ähnliche Nummer wie Shazam: App starten, Button drücken – in diesem Fall ein orangener anstelle eines blauen – und wenige Sekunden später erhaltet ihr auch beim SoundHound ziemlich zuverlässig den gewünschten Song angezeigt. Im Vergleich könnte ich jetzt nicht sagen, bei welcher von beiden Apps das besser funktioniert – ich glaube, die sind da ziemlich auf Augenhöhe. Neben Versionen für Android und iOS gibt es auch hier eine Windows Phone-App und auch eine für BlackBerry.

Auch hier habt ihr unterstützende Dienste wie Spotify und Rdio, über die ihr den Song anhören könnt, es gibt Videos und Infos zum Interpreten und auch die Lyrics werden in einem Live- bzw. Karaoke-Modus angezeigt. Weiter könnt ihr euch auch hier Karten anschauen – finde ich bei SoundHound aber ähnlich sinnvoll wie bei Shazam ;)

Persönlich finde ich, dass die App optisch ein bisschen mehr her macht als Shazam, außerdem kann man mit einem Feature aufwarten, welches Shazam nicht zu bieten hat: Ihr könnt Melodien auch ansingen oder summen! Das klappt natürlich nicht so zuverlässig wie das Zuhören eines Original-Liedes, aber mein stümperhaft ins Smartphone gehauchtes “Enjoy the Silence” von Depeche Mode wurde ebenso erkannt wie “With or without you” von U2. Über dieses Feature später mehr, wenn wir über midomi reden – das Tool, welches bei SoundHound untergebracht wurde, um das Summen von Liedern in Suchergebnisse umzumünzen und ursprünglich auch mal der Name dieser App, bevor sie in SoundHound umbenannt wurde. SoundHound gibt es übrigens ebenso in einer kostenlosen als auch einer Premium-Version.

SoundHound
SoundHound
Entwickler: SoundHound, Inc.
Preis: Kostenlos+
Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-(

midomi

midomi screenshot

midomi könnte eure Waffe sein, wenn ihr am Rechner sitzt und gerade nicht eine der obigen Apps auf dem Smartphone nutzen könnt. Einfach midomi.com ansurfen und dann im Browser suchen lassen. Wenn ihr Musik hört, reicht auch ein Klick (ihr müsst zulassen, dass das eingebaute Mikrofon eures Notebooks genutzt werden darf) und ihr bekommt kurze Zeit später den jeweiligen Song angezeigt.

Wenn ihr mich fragt, sieht die Seite echt aus, als hätte sie schon so manches Jahr auf dem Buckel, aber solange die Resultate stimmen, ist das vermutlich zu verkraften. Wie schon oben bei SoundHound erwähnt, könnt ihr hier noch anders an den gewünschten Titel gelangen: Indem ihr einfach einen Song ins vorher zugelassene Mikro singt oder summt! Ob das an meinen Sangeskünsten liegt oder ob die Datenbank hierbei einfach deutlich überschaubarer ist, kann ich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, aber ihr bekommt seltener den richtigen Song angezeigt. Meine angestimmten Depeche-Titel wie das unten abgebildete “Somebody” und das obligatorische “With or without you” von U2 haben aber auch in dieser Web-Version bestens funktioniert. (Als besonderen Service des Autors bleiben euch übrigens die Sound-Files mit seiner Summerei und Singerei erspart ^^)

midomi

Wie ihr sehen könnt im obigen Screenshot, könnt ihr auch ganz klassisch über die Texteingabe nach Liedern suchen. Habt ihr also ein Text-Fragment aufgeschnappt, gebt ihr das in die Suchleiste ein und midomi wirft euch massig Resultate raus. Das ist dann allerdings auch schon das Problem – wenn ihr den Künstler oder den exakten Songtitel nicht kennt, wird es schwierig, das gewünschte zu finden. In diesem Fall seid ihr vermutlich bei Google oder Bing deutlich besser bedient, wenn ihr aufgrund von Textausschnitten einen Titel ermitteln wollt.

Übrigens setzt das Tool TuneBot auf eine ganz ähnliche Strategie wie midomi: Hässliche Seite und Songs per Summen, Singen oder Pfeifen erkennen. Da ich aber massig Lieder ausprobiert hab und mir TuneBot zuverlässig jedes Mal mitteilte, dass man den Song nicht erkennen kann, empfehle ich euch, von vornherein lieber auf midomi zu setzen – gekränkte Sängerseele eben.

SongTapper

SongTapper

Mitsingen oder -summen überfordert euch bereits und ihr habt auch gerade den Song selbst nicht parat? Dann gibt es noch eine Möglichkeit, wie man ans gewünschte Resultat gelangen kann – über den Beat! Bei SongTapper soll allein der auf der Tastatur geklopfte Beat ausreichen, um einen Song erkennen zu können – das Video zeigt euch, wie es geht:

Klingt in der Praxis super und ich hab auch Artikel im Netz gefunden von Leuten, bei denen es funktioniert – ich selbst allerdings hab mir einen Wolf getrommelt auf der Space-Taste meines Notebooks und bin über ein “Thank You, please wait a moment while we search” nicht hinausgekommen. Vielleicht trommel ich einfach mies, vielleicht ist es aber auch der Tatsache geschuldet, dass die Seite schon ein schlappes Jahrzehnt auf dem Buckel hat. Lasst mich in den Comments wissen, wenn ihr erfolgreicher wart.

musipedia

musipedia

musipedia will genau das Gleiche bieten wie der SongTapper und gleich mein erster Versuch – das nun wirklich einfach zu erkennende Smoke on the Water von Deep Purple wurde in der Tat zügig erkannt. Es gab dann einen Link, um den Song bei Amazon zu kaufen, YouTube-Ergebnisse und mehr. Alle anderen Versuche hingegen scheiterten auch hier – ich bekam zwar stets mehrere Ergebnisse angezeigt, die von mir in die Tastatur gehämmerten Songs hingegen waren nicht dabei. Auch hier gilt, dass es eventuell an den überschaubaren musikalischen Skills des Autors gelegen haben könnte.

 

Wie bereits oben erwähnt: Solltet ihr weitere Services kennen, wie man an unbekannte Songs herankommt, lasst es mich gern in den Kommentaren wissen, damit ich diese überschaubare Liste ergänzen kann. Ich habe übrigens Lyrics-Seiten bewusst außen vor gelassen. Über solche Seiten bzw. über Textzeilen, an die man sich erinnern kann, kann man zwar im Netz auch sehr zuverlässig Song-Titel herausfinden, aber zumeist steuere ich dazu keine Seite mit Lyrics an sondern Google – und eine Anleitung für Google braucht ihr ja vermutlich eher nicht, oder? ;)