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CES 2020

Sind wir bereit für 8K-Fernseher?

Ein Trend auf der CES 2020: 8K-Fernseher. Die Hardware ist also startklar, auf der Content-Seite sieht das anders aus. Sind wir schon bereit für 8K-Fernseher?

von Carsten Drees am 9. Januar 2020

Die CES in Las Vegas ist in vollem Gange und wie immer ist es ein absolutes Tech-Spektakel mit vielen Highlights, aber auch mit viel mittelmäßigem Kram und vor allem mit sehr viel vollmundigen Ansagen der Hersteller. Sie erzählen uns, was der nächste “heiße Scheiß” ist und ohne welche Produkte wir in den Zwanziger Jahren einfach nicht leben können/dürfen/wollen.

Wir von der schreibenden Zunft wühlen uns da immer durch und versuchen zu erkennen, was von neuen Produkten übrig bleibt, wenn man das ganze Marketing-Blabla aus den Pressemitteilungen ausblendet. Oft bleibt dann eben deutlich weniger übrig vom anfangs so fancy wirkenden, neuen Produkt. Oft genug ist es aber eben auch so, dass tatsächlich eine neue Ära eingeläutet wird und man auf Events wie der CES zum ersten mal einen Blick auf eine neue Technik-Generation werfen kann.

Bei 8K-Fernsehern ist es keinesfalls so, dass wir sie in diesem Jahr zum ersten mal zu sehen bekommen, aber zum ersten mal stellen wir uns in diesem Jahr ernsthaft die Frage, ob wir schon an einem Wendepunkt angekommen sind. Können wir uns jetzt schon auf 8K-Hardware einlassen in Zeiten, in denen die meisten TV-Sender noch betreten auf die eigenen Füße starren, wenn man sie nach 4K-Inhalten fragt.

Nicole hat sich für uns dazu auf der CES am Stand von TCL mit Olivier Semenoux unterhalten können, seines Zeichens Head of Product Management bei TCL. Schaut euch gerne unseren Clip dazu an, in dem ihr nicht nur erfahrt, wie es um 8K bestellt ist, sondern welche Gründe noch eine Rolle spielen (sollten) bei der Anschaffung eines neuen Fernsehers.

Ist die Zeit reif für 8K?

Wenn wir einen Hersteller von 8K-Fernsehern fragen, ob man sich in diesem Jahr schon einen 8K-Fernseher anschaffen sollte, brauchen wir uns natürlich nicht wundern, wenn die Antwort “ja” lautet. So blauäugig ist Nicole Scott natürlich auch nicht ins Gespräch gegangen und fühlt dem Produkt-Manager daher auch ordentlich auf den Zahn.

Logisch also, dass er uns durchaus vorschlägt, dass man sich dieses Jahr bereits einen solchen TV ins Haus holen kann. Fair aber, dass er gleichzeitig zugibt, dass es aktuell die Inhalte noch nicht gibt und sich das auch in diesem Jahr auch noch nicht signifikant ändern wird. Zunächst einmal gilt festzuhalten, dass die Frage nach der Auflösung nicht die einzige ist, die man sich stellen sollte, gerade, wenn man mit dem Gedanken spielt, einen hochpreisigen Fernseher anzuschaffen, der im Range von 1 500 bis 2 000 Euro oder auch darüber liegt.

Olivier Semenoux weist daher auf den Standard HDMI 2.1 hin, der bislang noch lange nicht flächendeckend von den TV-Herstellern unterstützt wird. Kauft man sich heute einen 8K-Fernseher ohne diesen Standard, gibt es ein böses Erwachen, wenn dann die hochauflösenden Inhalte tatsächlich verfügbar sind und der Käufer feststellt, dass er sich wohl oder übel schon wieder einen neuen Fernseher anschaffen muss.

HDMI 2.1 unterstützt u.a. auch alle HDR-Formate und Dolby Vision und speziell TCL hat sich auf die Fahnen geschrieben, all das auf seinen Geräten anzubieten. Jemand, der sich einen ordentlichen neuen TV an Land zieht, will oft nicht darüber nachdenken, welche Formate unterstützt werden, sondern möchte sich einfach sicher sein, dass auf Netflix, Amazon oder sonst wo der Content einfach in der bestmöglichen Qualität genossen werden kann.

Der TCL-Manager lies durchblicken, dass sein Unternehmen entsprechende Fernseher mit 8K-Auflösung in den nächsten Monaten nach Deutschland bringen wird. Unabhängig davon ist seiner Meinung nach hier aber noch keine Eile geboten, speziell wenn man jetzt bereits über die Anschaffung eines neuen Geräts nachdenkt.

Denkt man aber darüber nach, in sechs oder acht Monaten einen neuen hochwertigen Fernseher anzuschaffen, an dem man ein paar Jahre Freude haben möchte, kann 8K bereits Sinn ergeben. Nicht mit Blick auf die dann verfügbaren Inhalte, sondern mit Blick darauf, dass die Situation in einem oder in eineinhalb Jahren dann eine komplett andere sein wird.

Wie so oft bei TV-Neuanschaffungen sind es Sport-Events, die einer Technologie den nötigen Anschub verpassen. Beispiele? Die Fußball-WM 1974 in Deutschland, als mehr und mehr deutsche Fußball-Fans ihre Wohnzimmer erstmals mit Farb-TVs ausstatteten oder auch die Heim-WM 2006, als unzählige Röhren-Fernseher zugunsten ihrer flachen Nachfolger aussortiert wurden. Wir haben eine Fußball-EM in diesem Jahr, die vermutlich keinen großen Impact haben wird in dieser Hinsicht. Aber wir haben eben auch olympische Spiele in Tokio — also in einem Land, welches in Sachen TV-Technologie immer schon ein gewichtiges Wort mitgesprochen hat. Spätestens 2022 werden dann auch deutsche Fußball-Fans vermutlich wieder über ein Technik-Upgrade nachdenken, wenn nämlich die WM in Katar ansteht.

Nicht falsch verstehen: Ein Sport-Event im Sommer dieses Jahres wird nicht bewirken, dass ein 8K-Boom ausgelöst wird, dafür ist es eben noch zu früh. Aber es wird eine Menge passieren, was Live-Inhalte der TV-Sender in 4K angeht. 4K wird dieses Jahr also viel selbstverständlicher sein, als das bislang der Fall war — und das zieht zwangsläufig nach sich, dass mehr und mehr Menschen und auch mehr und mehr Anbieter von Inhalten über die dann folgende Technologie nachdenken.

Mit Blick auf das TCL-Interview bleibt noch zu sagen, dass bei der Beantwortung der Frage, ob man sich jetzt schon 8K anschaffen kann, natürlich auch der Preis eine Rolle spielt. Die Preise der neuen Fernseher hat TCL zwar noch nicht verraten, aber die Chinesen streben nach wie vor an, bestmögliche Technik mit fairen Preisen zu kombinieren.

Abschließend müssen wir noch das Thema Software ansprechen. TCL setzt auf Android und verspricht, dass man nach dem Kauf eines Fernsehers drei Jahre mit offiziellen Updates versorgt wird. Kauft man also ein Gerät, auf dem Android 9 zum Einsatz kommt, sind auch die Updates auf 10 und 11 sicher, ein Update auf 12 höchstwahrscheinlich.

Wer jetzt überlegt, dass er sich seinen Fernseher mit einem zeitlichen Horizont von vielleicht 8-10 Jahren anschafft (so lange in etwa dauert es bei mir, bis ich einen neuen anschaffe), dann bleibt da natürlich eine ordentliche Diskrepanz. Hier haben wir es aber mit keinem Problem zu tun, welches einzelne Hersteller oder bestimmte Technologien im Fernseher betrifft, sondern eben hauptsächlich den Urheber der Software — also Google. Notwendige Updates werden von den TV-Herstellern aber vermutlich ähnlich den Smartphones auch weiterhin angeboten, selbst wenn keine neue Android-Version mehr unterstützt wird. Das ist aber eine Problematik, die mit der 8K-Thematik nichts zu tun hat und über das wir losgelöst davon nochmal diskutieren könnten.

Gibt es nun also eine definitive Antwort auf die Frage, ob man sich jetzt schon einen 8K-Fernseher anschaffen sollte bzw. ob wir schon reif für 8K sind? Nein, denke ich nicht, aber absolute Antworten gibt es bezüglich der Anschaffung neuer Tech-Hardware eh nie. Der Punkt ist aber, dass man später im Jahr durchaus erwägen kann, bereits zu einem 8K-Fernseher zu greifen. Dabei sollte dann die Kaufentscheidung eben nicht nur wegen der Auflösung gefällt werden. Achtet drauf, dass HDMI 2.1 unterstützt wird, dass Dolby Vision und die HDR-Formate am Start sind und ihr zudem keine Mondpreise zahlt.

Egal, wie man es dreht und wendet: Es wird nicht zwingend notwendig sein, dieses Jahr bereits zu 8K zu wechseln — aber es ist eben auch alles andere als eine absurde, sondern eben eine zukunftssichere Entscheidung, gerade wenn eine langfristige Anschaffung eh später im Jahr ansteht. Zum Schluss packe ich euch hier jetzt noch Marks Video rein, der Nicoles Interview ein wenig zusammenfasst und auch seine eigene Meinung zum Thema mit einfließen lässt. Wenn ihr mögt, diskutiert gerne mit uns, wie ihr der Technologie gegenübersteht. Seid ihr gerne die Early Adopter, die sich gerne früh die neuesten Tech-Gadgets ins Haus holen oder wartet ihr lieber erst einmal ab?