Sixtyone Minutes – Ein Concierge ohne Erreichbarkeit

Kommentar: Sixtyone Minutes setzt zukünftig auf Business - und geht gleich zum Start vor der bisher zahlenden Kundschaft auf Tauchstation. Eine nicht mehr erreichbare Hotline und geschlossene Social Media Accounts sind wohl denkbar schlechte PR für einen Dienst, der mit Erreichbarkeit und Service punkten will.

Sixtyone Minutes war zum Start eine dieser Apps, die sich zu gut anhören um wahr zu sein. Eine App für Android und iPhone, direkt verbunden mit einem Conciergedienst. Und das Ganze auch noch für bezahlbare 9,90 Euro pro Monat. Der Slogan “Mit mir hast du mehr von deiner Stunde” klang vielversprechend. Alles was man als Kunde tun musste, war über die App eine Aufgabe eingeben und diese wurde erledigt. Tisch reservieren, Arzttermine, Bestellungen, Reiseplanung… Einfach alles, was im Leben so lästig und zeitraubend ist, konnte einfach abgegeben werden. Ein Traum.

Nach ähnlichem Prinzip ging auch GoButler an den Start. Der Unterschied hier war nur, dass GoButler keine monatlichen Kosten abgebucht hat, sondern sein Geschäftsmodell auf Provisionen für vermittelte Dienste aufgebaut war.

Nach dem (missglückten) Auftritt bei “Die Höhle der Löwen” gingen dennoch in kürzester Zeit mehrere Tausend Anmeldungen ein und das Team von Sixtyoneminutes wurde auf 50 Personen aufgestockt. Das war Mitte 2015. Und wo sind wir heute?

Go Butler verschwand schon Ende 2015 vollkommen sang und klanglos wieder vom deutschen Markt. Man vermeldete lapidar, sich nun auf den US Markt konzentrieren zu wollen. Die deutschen Kunden hatten recht zügig keinen Zugriff mehr. Das war ärgerlich, aber angesichts des Geschäftsmodells nicht unbedingt verwunderlich.

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Sixtyone Minutes

Sixtyone Minutes aber blieb hartnäckig. Wer sich anmeldet bekam einen Monat gratis und konnte alle möglichen Anwendungsfälle ausgiebig testen. Die Erreichbarkeit war vorbildlich. Jeden Tag wurden zwischen 8 und 20 Uhr Anfragen beantwortet. Und das meist auch schon innerhalb weniger Minuten.

Doch nach einer Weile gab es schon die ersten fragwürdigen Schritte von Sixtyone Minutes. Der monatliche Preis von 9,99 Euro wurde auf 13,99 Euro angehoben, was aber immer noch verschmerzbar war. Dann ging es wenige Wochen später hoch auf 16,99 Euro. Auch das war noch im Rahmen, besonders wenn man bedenkt, dass vergleichbare Dienst erst ab mindestens 89 Euro im Monat erhältlich sind.

Vor kurzem aber, wurde es sehr ruhig um Sixtyoneminutes. Anfragen wurden langsamer beantwortet. Plötzlich gab es nur noch automatisierte Meldungen, die versprachen, dass man sich am kommenden Montag meldet. Erst nach einigen Rückfragen über die App, Twitter, Facebook erfuhr ich dann, dass man die Servicezeiten eingeschränkt hat. Von vorher täglich 8 – 20 Uhr auf nun Montag bis Freitag 8 – 20 Uhr. Und das bei gleichem Preis. An sich kein großes Problem, wäre dieser Schritt denn im Vorfeld kommuniziert worden.

Ich hatte gerade noch eine Anfrage für einen Arzttermin geschickt und bekam plötzlich darauf keine Antwort mehr. Sehr lästig, wenn man sich eigentlich darauf verlässt, dass Dinge erledigt werden aber sie dann doch liegen bleiben. Das verursacht zusätzlich Stress und raubt wertvolle Zeit.

Damit ist die Geschichte allerdings noch nicht vorbei. Richtig interessant wird es eigentlich erst jetzt: Nach der Einschränkung der Geschäftszeiten folgt nun nämlich auch eine Neuorientierung des Service. Man möchte nicht mehr für normale Kunden arbeiten sondern sich jetzt auf Geschäftskunden konzentrieren. Künftig können Unternehmen Sixtyoneminutes für Mitarbeiter und eigene Kunden buchen. Die bisherigen Kunden sind damit raus.

Und all das wurde nicht etwa per Mail, auf der Homepage oder per Facebook mitgeteilt. Nein, ich musste mir die Infos mühsam über die App erfragen. Dort erfuhr ich dann auch, dass die Mitarbeiter offensichtlich ähnlich schlecht informiert worden sind wie die Kunden. Erst nach mehrmaligem Nachfragen auf den Social Media Accounts gab es dann ein “Statement”. Man könnte den Service noch bis Juli nutzen, danach ist Schluss. Alternativen gibt es keine.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-(
Sixtyone Minutes
Sixtyone Minutes
Preis: Kostenlos

Und heute wurde es dann sogar noch besser. Die Social Media Accounts sind alle dicht. Beim Support geht niemand mehr ans Telefon. Anfragen in der App werden nicht beantwortet. Einfach so. Von heute auf morgen. Wohlgemerkt noch während dem laufenden Abo. Dabei hatte ich Sixtyoneminutes vor kurzem noch so sehr gelobt. Das muss ich nun wohl zurück nehmen.

“Leider ist dieser Inhalt derzeit nicht verfügbar. Der von dir angeklickte Link ist abgelaufen oder die Seite ist nur für eine Zielgruppe sichtbar, in der du nicht enthalten bist.” facebook.com/sixtyoneminutes

Es ist ja heutzutage nicht selten, dass ein Modell nicht funktioniert und ein Start-up sich umorientieren muss. Wenn das aber geschieht, ohne die Kunden aufzuklären und von jetzt auf gleich ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern auf Tauchstation geht ist das alles andere als vertrauenswürdig. Gerade Geschäftskunden sollten sich also sehr gut überlegen, ob sie ihren eigenen Mitarbeitern oder Kunden so etwas antun möchten. Wobei ich es aktuell auch für fraglich halte, ob diese Business Lösung überhaupt jemals an den Start gehen wird.

Nach den gelöschten Social Media Accounts und der nicht mehr erreichbaren Hotline ist nämlich nun auch die Website nicht mehr erreichbar oder man erhält die Warnung, dass es sich um keine sichere Verbindung handelt. Für mich sieht das alles sehr nach Abschied aus. Ich hoffe, dass alle Nutzer, die gleich für das ganze Jahr im voraus gezahlt haben, auch wirklich ihr Geld wieder bekommen. Sonst könnte das alles noch ein unschönes Nachspiel haben.