Smart Home: Kontrolle via Sprachsteuerung und künstlicher Intelligenz

Sprachgesteuerte Kontroll- und Steuersysteme könnten dem Smart Home endlich zum Durchbruch verhelfen. Das Ziel ist eine einheitliche Benutzeroberfläche, die sich intuitiv und systemübergreifend (im wörtlichen Sinne) ansprechen lässt.

Viele Wohnungseigentümer und Häuslebauer dürften sich in den vergangenen Monaten das ein oder andere Mal mit dem Thema „Smart Homes“ beschäftigt haben. Die Vorstellung, die Heizung, die Rollläden, das Licht, Überwachungskameras oder die Waschmaschine aus der Ferne steuern zu können ist für eine tech-affine Klientel durchaus interessant und gar nicht mehr so unerschwinglich.

Doch ein erheblicher Teil der potentiellen Interessenten dürfte die Suche nach einem passenden System bereits nach relativ kurzer Zeit abgebrochen haben. Es gibt nur wenige Lösungen die wirklich jeden erdenklichen Bereich abdecken, und es gibt zu viele untereinander nichtkompatible Standards. Das eine System funktioniert via Funk bzw. WLAN, das andere System über die im Haus verlegten Stromleitungen, die nächste Lösung verlangt nach einer LAN-Verkabelung.

Neben dieser weitgehend undurchsichtigen Standardisierung gibt es Sicherheitsbedürfnisse, die gleichzeitig neu hinzukommenden Sicherheitsbedenken entgegenstehen. Vollvernetzte Alarmgeber wie Rauchmelder oder Fenstersensoren konkurrieren mit der Befürchtung, dass eine per Smartphone oder NFC-Chip zu öffnende Haustüre oder eine ans Internet angeschlossene Kamera gehackt werden könnten. Kurzgesagt: vielen Menschen fehlt ausgerechnet im „my home is my castle“ der Peace-Of-Mind- und Wohlfühlfaktor.

In diese Kategorie reiht sich auch die Steuerung und Kontrolle der vernetzten Komponenten ein. Kaum jemand sieht nach ein wenig Nachdenken einen Sinn darin, sich durch zig verschiedene Menüs hangeln zu müssen um es daheim ein wenig muckeliger zu machen. Ein Smart Home funktioniert nur dann, wenn es entweder – mit dem entsprechend hohen anfänglichen Aufwand – vollautomatisiert abläuft oder wenn die Steuerung völlig intuitiv abläuft. Und zwar geräteübergreifend.

Genau hier setzen Systeme wie josh.ai an, die die Steuerung einer bereits existierenden Infrastruktur möglichst benutzerfreundlich machen. Der logische Ansatz ist, ein Smart Home mit einem KI-System zu verbinden, welches die Steuerung der Komponenten um eine Spracherkennung und Interpretation erweitert. Verschiedene Science-Fiction Filme haben bereits skizziert, wie so etwas schlussendlich funktionieren könnte: man betritt einen Raum und „spricht“ seinen Wunsch nach einer erhöhten Raumtemperatur, dem Einschalten des Fernsehers oder der Stereoanlage oder dem Herunterlassen der Rolläden einfach aus.

„Josh“ benutzt zum jetzigen Zeitpunkt hierfür das Smartphone oder eine Browser-Oberfläche und eine entsprechende App. Die Software soll in der Lage sein, mehr oder weniger „frei“ gesprochene Anweisungen und Anfragen so zu interpretieren, dass sie in Steuerbefehle für das jeweils genutzte Smart Home System umgesetzt werden.

Amazon_Echo

Denkbar wäre, dass diese Kombination aus Spracherkennung via Smartphone und Smart Home in gar nicht allzu ferner Zukunft mit einem Hearable wie z.B. dem Amazon Echo oder Echo Mini verbunden werden, die frei im Raum positioniert sind – man wäre dann von einem Smartphone als Steuergerät unabhängig. Letztendlich benötigt man nur eine Eingangsquelle für die eigene Stimme, also ein „Mikrofon“, die KI-Software liefe dann in der Cloud.

Gelingt das, wäre dies ein erheblicher Schritt, der ein Haus oder eine Wohnung wirklich „smart“ machen könnte, auch unter dem o. bereits angesprochenen Aspekt „Peace of Mind“. Mit seinem System „sprechen“ zu können nimmt der dahinterstehenden Technik zu einem großen Teil das Unpersönliche. Für einige mag der Gedanke, dass man hier mit einem Roboter bzw. Algorithmus redet zwar ebenso faszinierend wie spooky sein, unter dem Aspekt der Usability ist dies jedenfalls ein Meilenstein.

Was auf den zweiten Blick an einem System wie josh.ai so beeindruckend ist, ist die Kompatibilität mit verschiedenen Systemen – also genau das, woran die Smart Home Technik zum jetzigen Zeitpunkt noch scheitert. Der Hersteller verspricht, dass man z.B. Thermostate von Nest (Google), Ecobee oder Honeywell und Lichtsysteme von LIFX, Lutron oder Philips Hue ansprechen kann. Kameras von Newegg, Nest und BRK stehen ebenso auf der Kompatibilitätsliste wie Soundsysteme von B&O, Sonos oder Denon. Das Ganze erstreckt sich dann über smarte Schalter, Sensoren, Rolladensysteme, Garagentore, oder – bald – Schließsysteme. Im Prinzip erhält man, so das Versprechen, die eine allumfassende einheitliche Benutzerschnittstelle und Oberfläche, welche die hinter dem Smart Home stehende Technik bündelt.

Sehr, sehr spannend.

Zum jetzigen Zeitpunkt befindet sich josh.ai in der Reservierungsphase und soll für 100 Leute noch 2016 ausgeliefert werden. Ihr dürft mit Sicherheit davon ausgehen, dass andere Hersteller vergleichbare Konzepte zumindest in Planung haben und dass diese Verknüpfung zwischen „Künstlicher Intelligenz“ und Smart Home ganz oben auf der Prioritätenliste steht. Bereits seit längerer Zeit lassen sich Individual-Lösungen aus mehreren Apps basteln, z.B. mit Google Now, „Tasker“ und verschiedenen Tasker-Plugins. doch so wirklich ausgereift wirkt das alles (noch immer) nicht.