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Smartphone-Fotografie: So machst du die besten Fotos

Die Kameras unserer Smartphones werden stetig besser. Eine bessere Cam führt aber nicht zwangsläufig zu den besten Ergebnissen. Wir haben die wichtigsten Regeln zusammengefasst, damit ihr das Optimale aus eurer Smartphone-Kamera herausholen könnt.

Wenn ihr etwas jünger seid und somit mit der digitalen Fotografie aufgewachsen, dann ahnt ihr ja gar nicht, wie viel komfortabler ihr es heute habt: Wir sind damals in den Urlaub geflogen mit unserer Kleinbildkamera und ausgestattet mit ein paar Farbfilmen. Mit denen waren dann jeweils maximal 36 Bilder möglich, was natürlich die Gesamtzahl der Bilder empfindlich einschränkte. Da hat man sich eben schon Gedanken darüber gemacht, dass man nicht zu viele Bilder schon in den ersten zwei Tagen verballert – man wollte ja auch die Highlights der letzten Urlaubstage noch festhalten.

Ihr hattet natürlich auch weder ein Vorschaubild noch konntet ihr hinterher sehen, ob das Foto was geworden ist oder nicht. Das bedeutete, dass man – wieder zuhause angekommen – zum Foto-Laden seines Vertrauens marschierte, die Bilder abgab, irgendwann wieder abholte und die Ergebnisse dann im Laden noch erst einmal checkte. Hatte man dann auf den entscheidenden Fotos die Augen geschlossen oder war die tolle Burg, die man geknipst hat, verwackelt – Pech gehabt, so war das damals eben.

Heute sind wir nicht einmal darauf angewiesen, eine Kamera mit uns herumzuschleppen, weil das, was die Cams unserer Smartphones hin bekommen, qualitativ stetig besser wird. Je nach Speichervolumen können wir Hunderte Bilder schießen, ohne an die Grenzen zu gelangen und haben dabei die Möglichkeit, die missratenen Resultate direkt wieder auszusortieren.

Bequem ist es also geworden, zweifellos. Das macht uns aber noch lange nicht alle zu herausragenden Fotografen! Bei Sätzen wie „Deine Kamera macht aber gute Bilder“ jault ein Fotograf daher vermutlich genauso auf wie ein Koch bei dem Satz „Dein Herd kocht aber leckeres Essen“. Deswegen müssen wir nicht alle teure Foto-Kurse belegen, um bei der nächsten Party oder im nächsten Urlaub tolle Schnappschüsse machen zu können – aber es gibt durchaus ein paar Regeln und Tipps, die wir beherzeigen können und die uns dabei helfen, auch auf unseren Smartphones schönere Resultate zu erzielen – hier sind einige der wichtigsten davon:

Achtet auf die richtige Bild-Komposition

Schon beim Einfangen des Motivs geht es los: In welchem Winkel knipse ich, wie arrangiere ich ein Bild – das sind Dinge, die ihr euch schon überlegen solltet, bevor ihr auf den Auslöser drückt.

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A photo posted by Nicole (@nicolescooter) on

Linien nutzen

Unsere Nicole hat auf dem obigen Bild gleich zwei Regeln beachtet, die ihr auch bei euren Bildern berücksichtigen solltet: Nutzt Linien aus, die sich überall finden lassen. Sie können euch nicht nur helfen, ein Foto auszurichten, sie können auch dafür sorgen, dass ein Bild dynamischer wirkt und das eigentliche Motiv hervorheben.

Drittel-Regel

Bei der Fotografie spricht man oft vom „goldenen Schnitt“, die vereinfachte Form ist die „Drittel-Regel“. Dazu teilt ihr das Bild in neun gleichgroße Kästchen – viele Kamera-Apps bieten euch die Möglichkeit, Hilfslinien anzuzeigen.

Screenshot Kamera-App

Egal, ob ihr euch die Linien anzeigen lasst oder ihr sie nur gedacht vor euch seht: Versucht möglichst, euer Motiv nicht genau mittig zu platzieren! Stattdessen visiert ihr es so an, dass es sich möglichst auf einer der Linien befindet oder auf einem Schnittpunkte. Wenn ihr jetzt nochmal auf Nicoles Bild blickt, seht ihr, dass unser inoffizielles Mobile Geeks-Maskottchen nicht mittig zu sehen ist, sondern eher auf der Linie im rechten Drittel des Bildes.

Perspektive

Achtet bei der Bildkomposition auch auf die Perspektive, in der ihr fotografiert. Oftmals werden die Ergebnisse deutlich spannender, wenn ihr ein wenig mit dem Blickwinkel experimentiert, statt nur platt drauf zu halten.

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Auf dem Bild hat es Nicole einfach mal von weiter unten – knapp über dem Bürgersteig – probiert. Testet einfach verschiedene Möglichkeiten, um den besten Effekt zu erzielen. Schießt ihr Selfies, dann achtet ihr besser darauf, dass die Kamera höher als euer Gesicht ist. Auf diese Weise streckt ihr den Kopf ein wenig mehr nach oben und vermeidet bestenfalls ein unschönes Doppelkinn.

normales Selfie

Vordergrund/Hintergrund beachten

Behaltet nicht nur das eigentliche Motiv im Auge, sondern denkt auch darüber nach, welches der spannendste Hintergrund ist, oder welchen Akzent man im Vordergrund setzen kann, um aus dem Foto mehr herauszuholen. Nichts gegen Markus‘ Hinterkopf, aber das Foto gewinnt natürlich dadurch, dass ihr ihm quasi über die Schulter schauen könnt und einen Blick auf die Skyline von New York werfen könnt.

Parrot Zik in New York Testbericht

Megapixel: Je mehr, desto besser!

„Viel hilft viel“ hilft nicht immer, schon gar nicht beim Fotografieren. Es ist auch so, dass wir uns schon lange nicht mehr durch Megapixel-Werte dazu verleiten lassen, auf die Qualität einer Kamera zu schließen. Starke Fotos gelingen schließlich unter Umständen auch mit dem 3 MP-Shooter.

Aber dennoch: Das, was euch der Hersteller bei dem jeweiligen Smartphone an die Hand gibt, solltet ihr unbedingt auch ausnutzen, sprich: Stellt das Maximum ein bei der Bildgröße – je mehr Megapixel, desto besser!

Kamera App Bildgröße

Das eröffnet euch viel mehr Möglichkeiten und Freiheiten beim Fotografieren und bei der späteren Nachbearbeitung. Wieso ist das wichtig? Davon abgesehen, dass das Resultat knackiger wird, könnt ihr später den gewünschten Ausschnitt wählen (seht dazu auch den nächsten Punkte „nicht zoomen“) und habt immer noch eine ordentliche Auflösung. Falls ihr euch um den Speicherplatz sorgt: Packt die Bilder in die Cloud oder räumt vorm Fotografieren den Speicher entsprechend leer, indem ihr die Bilder auf eure Festplatte zieht.

Übrigens solltet ihr möglichst auf die Standard-Kamera-App zugreifen beim Fotografieren. Ihr könnt natürlich auch andere Apps nutzen, aber es besteht die Möglichkeit, dass die euch eine andere Auflösung vorschreiben. Knipst das Bild also über die normale App und nutzt dann nachträglich die einschlägigen Apps, wenn ihr Filter draufknallen und sharen wollt.

Nicht zoomen!

Ich erwähnte es eingangs: Smartphone-Kameras werden immer besser! Dennoch können sie mit professionellen Kameras natürlich nicht mithalten und das zeigt sich u.a. beim Zoom. Die wenigsten Geräte verfügen über einen optischen Zoom, stattdessen kommt ein digitaler zum Einsatz. Im Grunde ist das aber nur ein Software-Trick, der euch nicht wirklich was bringt. Das Bild wird nicht tatsächlich vergrößert, stattdessen bekommt ihr eben einen entsprechenden Ausschnitt angezeigt. Beherzigt also lieber den vorherigen Tipp, schießt das Foto mit maximaler Auflösung und wählt anschließend den gewünschten Ausschnitt.

Beleuchtung/Kein (oder möglichst wenig) Blitz

Samsung Galaxy S6 edge Kamera

Auch beim Blitzlicht machen die Kameras Fortschritte, so dass zum Beispiel ein Dual-Tone-LED-Blitz zum Einsatz kommt, der dafür sorgen soll, dass Hauttöne realistischer eingefangen werden. Dennoch werden die Ergebnisse mit Blitz mit vielen Smartphones immer noch eher unerfreulich, weil der LED-Blitz einen viel zu großen Kontrast erzeugt und das Ergebnis – gerade bei Portrait-Fotos – oftmals unschön wird.

Sorgt stattdessen mit anderen Mitteln für eine bessere Beleuchtung der Szenerie, indem ihr beispielsweise andere Lichtquellen positioniert. Es gibt zum Thema Blitz/Ausleuchtung ein sehr schönes Video von Lee Morris, einem professionellen Fotografen, der in diesem Video aber lediglich mit dem iPhone arbeitet:

Nutzt HDR, manuelle Einstellungen

Die Kameras in den Smartphones sind unterschiedlich gut, bieten euch dementsprechend auch unterschiedlich viele Optionen. Soll heißen, Features wie HDR oder das Nutzen von manuellen Einstellungen bei ISO-Werten etc. habt ihr nicht bei jeder Smartphone-Cam.

Zuletzt habe ich mit dem Samsung Galaxy S6 edge+ fotografiert und da bekommt ihr tatsächlich jede Menge Möglichkeiten an die Hand und könnt auf diese Weise tatsächlich deutlich professioneller fotografieren. Könnt ihr ISO, Blende und Verschlusszeit manuell einstellen, investiert ihr natürlich ein bisschen mehr Zeit und Arbeit, könnt aber auch die besseren Ergebnisse erzielen.

Lesenswert: HowTo: HDR-Fotos mit dem Samsung Galaxy S6 Edge+

HDR findet sich hingegen bei mittlerweile deutlich mehr Geräten als die Pro-Einstellungen und wann immer ihr könnt, solltet ihr diese Möglichkeit auch nutzen. Echtes HDR wird in der Smartphone-Kamera nur simuliert, dennoch bekommt ihr zumeist wirklich beeindruckende Ergebnisse, die mehr Dynamik besitzen als eure normalen Fotos.

Samsung_HDR

Immer mehrere Fotos machen

Am Anfang erzählte ich euch bereits, dass das mit der Knipserei in analogen Zeiten deutlich komplizierter war. Das ist heute nicht der Fall, denn ihr seid lediglich durch den verfügbaren Speicherplatz limitiert und könnt im Normalfall also hunderte Fotos machen. Deswegen macht auch von einem schönen Motiv lieber immer zwei, drei Bilder mehr. Egal, ob ihr direkt nach dem Fotografieren oder erst nachträglich sichtet, welche Schnappschüsse was geworden sind: Die schlechteren Fotos sind schnell entsorgt und ihr lauft keine Gefahr, dass euch ein grandioses Motiv durch die Lappen geht. Bei vielen Smartphones gibt es auch entsprechende Features, so dass ihr im Burst-Mode beispielsweise direkt ganze Foto-Serien schießen könnt, bei denen in kürzester Zeit sehr viele Einzelfotos angefertigt werden.

Stativ oder Stativ-Ersatz – sorgt für einen stabilen Untergrund

Galaxy S6 edge Plus HDR Titel

Wann immer ihr könnt, nutzt ein Stativ zum Fotografieren. Gerade, wenn ihr HDR-Fotos macht oder nachts fotografiert, ist ein fester, stabiler Untergrund und eine unveränderte Kamera-Position unerlässlich. Es muss nicht so ein professionelles Stativ sein wie das oben auf dem Bild gezeigte – ein kleiner, günstiger Tripod tut es absolut auch.

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Oft will man aber kein Equipment mit sich herumschleppen oder macht spontan ein Foto, so dass man logischerweise nicht immer ein Stativ am Mann hat. Auch dann könnt ihr euch aber behelfen, indem ihr Hilfsmittel als Auflage nutzt. Egal, ob das eine Bank, ein Tisch, eine Mauer oder was auch immer ist – es findet sich meistens was, auf dem ihr euer Smartphone abstützen könnt und so dafür sorgt, dass das Bild nicht verwackelt.

Generell solltet ihr euch übrigens auch angewöhnen, dass ihr mit zwei Händen das Smartphone haltet, wenn ihr fotografiert – aus dem gleichen Grund: Mehr Stabilität zu erzeugen. Wenn am Gerät vorhanden, nutzt einen Timer – der verhindert, dass ihr das Gerät beim Auslösen verwackelt.

Nachbearbeitung

In den frühen Tagen der digitalen Fotografie – so erinnere ich mich zumindest – war die Nachbearbeitung bei Photoshop etc. ziemlich verpönt. Mittlerweile gehört das zur Fotografie wie selbstverständlich dazu. Auch die Profis, mit denen wir im Januar zusammen arbeiten durften, sagten uns, dass das eigentliche Fotografieren nur noch die halbe Arbeit ist – die andere Hälfte wartet später am Rechner.

Auch bei der Smartphone-Fotografie ist es nicht anders, so dass ihr die Möglichkeiten, die ihr dank unzähliger Apps geboten bekommt, ruhig nutzen solltet. Da ihr ja, wenn ihr die obigen Tipps berücksichtigt, eh aufs Zoomen verzichtet, könnt ihr bei der Nachbearbeitung in Ruhe den gewünschten Bildausschnitt wählen. Mit der richtigen Software passt ihr auch die Ausrichtung des Fotos an, falls der Horizont schiefer geraten ist als gewünscht.

Snapseed Tools

Darüber hinaus habt ihr zahlreiche Möglichkeiten mehr, je nachdem für welche App ihr euch entscheidet. Neben Auto-Funktionen – wenn’s schnell gehen soll – gibt es zumeist die Möglichkeiten, Helligkeit, Sättigung, Kontrast und mehr nachträglich zu korrigieren und so das Ergebnis deutlich zu  verbessern. Mein persönlicher Favorit dabei ist Snapseed, welches mittlerweile zu Google gehört und das ihr sowohl für Android als auch iOS bekommt. Hier seht ihr übrigens die Kollegen vom huaweiblog.de, fuchsphones.de und Amy&Pink bei der Arbeit ;) Eigentlich wollte ich euch aber natürlich einen weiteren Blick in die Snapseed-App ermöglichen. Ihr könnt hier ganz entspannt mit einem Finger die Einstellungen vornehmen – wischt ihr nach links oder rechts, korrigiert ihr in diesem Fall die Helligkeit, mit einem Wisch nach oben oder unten sucht ihr euch aus dem Menü andere Punkte wie Kontrast etc. aus.

Snapseed Feinabstimmung

Snapseed
Snapseed
Entwickler: Google, Inc.
Preis: Kostenlos
Snapseed
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Wenn ihr all das berücksichtigt, was wir euch hier aufgelistet haben, solltet ihr auch in der Lage sein, hervorragende Resultate zu erzielen, auch wenn ihr nicht das teuerste High-End-Smartphone euer eigen nennt. Falls ihr weitere Tipps und Regeln kennt, von denen ihr glaubt, dass sie jedermann bei der Smartphone-Fotografie berücksichtigen sollte: Nur zu – schreibt es uns in die Comments.