Smartphone Swatter: Marky Ramone gegen nervige Smartphones bei Konzerten

Ex-Ramones-Mitglied Marky Ramone stellt mit dem Smartphone Swatter seine persönliche Lösung gegen nervige Smartphones bei Konzerten vor. Mit seiner nicht ganz ernst gemeinten Idee spricht er aber ein durchaus existierendes Problem an.

Wer kennt es nicht: Ihr steht bei einem Konzert, freut euch auf “eure” Band – und sobald es auf der Bühne losgeht, seht ihr vor euch unzählige in die Luft gestreckte Arme. Und nein, ich rede nicht von klatschenden Händen oder von der klassischen “Pommesgabel” – ich meine die unsäglichen Smartphone-Arme, die sich dutzend- oder gar hundertfach in die Höhe strecken.

Evolution des Konzert-Zuschauers

Wir müssen euch ja nicht erzählen, wie sehr wir Technologien lieben, die uns all das ermöglichen, was heutzutage machbar ist. In den Achtzigern hat man eine “Pocket”-Kamera dabei gehabt, hat ein paar Bilder gemacht und sich dann meistens hinterher geärgert, dass nur so wenige Fotos wirklich was geworden sind, wenn man sie vom Entwickeln abholte. Heute haben wir stattdessen Smartphones dabei, die nicht nur ordentliche Bilder schießen können, sondern auch Videos aufnehmen können. Klar, dass das von vielen Fans auch eifrig genutzt wird – und ebenso klar ist, dass sehr, sehr viele Zuschauer davon genervt sind.

Marky Ramone ist ein Punkrock-Relikt aus einer Zeit, in der es das alles noch nicht gab und der ehemalige Ramones-Schlagzeuger ist auch höchst irritiert, dass Menschen bei Konzerten lieber fotografieren und filmen, statt ordentlich zur Musik abzugehen. Er hat nun die ultimative Lösung parat mit dem “Smartphone Swatter”, wir ihr in folgendem Video sehen könnt:

Eine Punkrock-Single an einen Drumstick geklebt also. Man muss nicht erst auf den YouTube-Kanal und den Namen College Humor schauen um festzustellen, dass wir es hier mit einem Gag zu tun haben. Haut also bitte eurem Vordermann beim nächsten Konzert nicht tatsächlich mit eurem selbst gebastelten Smartphone-Swatter das Smartphone aus den Händen und auch bitte nicht mit Marky Ramones Autobiographie, stecht den Vordermann nicht ab, tanzt ihn auch nicht über den Haufen usw. Persönlich finde ich es aber cool, dass so eine Punk-Legende und immerhin Grammy-Gewinner diesen Spaß mitgemacht hat.

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Dennoch lohnt es sich, darüber einmal nachzudenken, wie man diesem ja wirklich existierenden Problem gegenüber steht. Über mich “freuen” sich die Leute hinter mir bei Konzerten ja sowieso schon. 1,94 m Körpergröße und ein Platz vorne in der Menge schließen sich kategorisch aus, wenn ich den Menschen glaube, die mir diese und ähnliche Dinge bei Konzerten erklären. Daher sehe ich natürlich ein, dass niemand damit wirklich glücklich ist, sollte ich zudem noch mein Smartphone zum Fotografieren oder Filmen in die Höhe halten. Dennoch hab ich aber auch gerne mal einen persönlichen Schnappschuss von so einem Event – inkonsequent, ich weiß.

Wer die Bootleg-Qualität von alten Video-Aufnahmen kennt, wird vielleicht auch zu schätzen wissen, dass man sich bei YouTube mittlerweile viele Konzerte anschauen kann, bei denen viele verschiedene Smartphone-Aufnahmen zu einem Mitschnitt verschmelzen wie in diesem Beispiel:

Gerade bei meiner Lieblings-Band bin ich da besonders zwiegespalten – freut man sich, dass man während der Tour bereits ein ganzes Konzert online bestaunen kann, oder sollte man die qualitativ natürlich nicht herausragenden Clips links liegen lassen, weil am Ende der Tour eh eine DVD erscheint? Spätestens, wenn man exakt den Auftritt von dem Abend online sieht, bei dem man selbst in der Masse stand, steigt das Interesse an so einem Video.

Hätte ich aber die Wahl zwischen den Mitschnitten, die Fans für YouTube oder andere Portale zusammenklöppeln und einem Konzert, bei dem ich nicht auf ein Smartphone-Meer schaue – ich würde definitiv letzteres wählen. a) sieht man als Zuschauer dann nun mal einfach mehr und b) feiern die Leute natürlich auch ganz anders, wenn man sich auf die Musik und die Performance konzentrieren kann und nicht darauf, dass man möglichst stillhält – das Bild soll ja nicht zu verwackelt sein – und Dinge wie Applaudieren und Mitsingen unterlässt.

Das ist nämlich der zweite Punkt, der an dieser Smartphone-Manie nervt: Nicht nur, dass man nichts sieht – auch die Stimmung geht flöten. Das bringt auch immer mehr Musiker dazu, vor den Konzerten dazu aufzufordern, bitte eben keine Videos und Fotos zu machen und das Smartphone mal einfach in der Tasche zu lassen. Hier beispielsweise ein Schild von der Band She & Him mit der zauberhaften Zooey Deschanel:

she-and-him

Was sagt ihr denn dazu? Filmt bzw. knipst ihr selbst auch gern mal, wenn ihr auf einem Konzert seid, oder gehört ihr eher zu der Fraktion, die auch rasend wird, wenn man auf unzählige Arme mit Smartphones starrt? Und welche Lösungsansätze könnt ihr euch vorstellen? Smartphones ebenso wie professionelle Kameras schlicht verbieten? Würde sicher helfen, ist in der Praxis aber wohl kaum praktikabel. Verschiedene Unternehmen arbeiten an Technologien, die einfach das Nutzen der Smartphone-Cam – oder des ganzen Smartphones – behindern, aber Spruchreifes gibt es da wohl auch noch nicht. Da bleibt fast nur das Appellieren an den gesunden Menschenverstand – und das klappt bekanntlich meistens nicht so sonderlich gut.

via Testspiel.de