Der Uberpreneur
So macht man mit Uber 250.000 Dollar Umsatz im Jahr

Ideen müsste man haben - und Gavin Escolar hatte eine besonders gute: Er ist Juwelier und nutzt die Fahrten mit Uber und Lyft, um auf sein Geschäft aufmerksam zu machen. Das entwickelt sich zu einer unglaublichen Erfolgs-Story, denn mit diesem mobilen Showroom generiert Escolar mittlerweile 250.000 Dollar Umsatz im Jahr.

Gavin Escolar stammt von den Philippinen und hat sich dort schon beruflich mit Schmuck beschäftigt. Mittlerweile lebt er in den Vereinigten Staaten und verdient mit seinen Arbeiten gutes Geld. Dennoch ist er auch als Fahrer unterwegs, nutzt dabei die Dienste Uber und Lyft. Wieso das so ist, und wieso diese verschiedenen Tätigkeiten was miteinander zu tun haben, möchte ich euch erklären.

Uber muss man hier ja wohl niemandem mehr vorstellen, oder? Uber vermittelt unter anderem private Fahrer an Fahrgäste und genau das nutzt Escolar in San Francisco, wie jetzt der Journalist Jon Youshaei feststellen durfte, der die Story für Forbes.com aufgeschrieben hat. Es ist also Uber zu verdanken, dass sich Youshaei irgendwann im Auto von Gavin Escolar wieder fand. Neben dessen angenehmer, charismatischer Art fiel dem Journalisten aber noch mehr auf: Der Fahrer trug einen Smaragd-Armreif, zudem wurden Ohrringe unterhalb des Rückspiegels präsentiert und im Seitenfach in der Tür befanden sich Schmuck-Prospekte, auf denen zu lesen war: “Gavin Escolar’s 2014 Collection” – und da ging dem Mann ein Licht auf:

I’m not in Gavin’s car. I’m in his mobile showroom. He’s not just an Uber driver. Nor is he just an entrepreneur. He’s an Uberpreneur, using the ridesharing app to promote his jewelry business.

Ein Uberpreneur – besser kann man es wohl wahrlich nicht nennen! Escolar nutzt die Fahrten mit seinen Gästen also nicht nur, um ein wenig Geld mit der Tour zu verdienen, sondern nutzt sein Auto zeitgleich auch als Showroom, in welchem er den Fahrgästen seinen Schmuck näherbringen kann. Dabei achtet er aber penibel darauf, dass er den Leuten nicht mit einer zu aggressiven Vorgehensweise auf die Nerven geht.

gavin escolar

Stattdessen unterhält er sich lieber höflich mit den Beifahrern, fragt interessiert nach – nutzt aber natürlich auch die Gelegenheit, wenn das Gespräch auf den auffällig platzierten und handgefertigten Schmuck kommt, den er sogar im Handschuhfach platziert hat. Mitunter lenkt er das Gespräch auch schon mal vorsichtig in diese Richtung – wer will es dem Geschäftsmann, Juwelier und Taxifahrer verdenken?

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Er erzählt auf seiner Fahrt mit dem Forbes-Autoren, dass ihm vorher schon schnell aufgefallen sei, dass die meisten Fahrgäste gar nicht in Ruhe gelassen werden wollen. Er dachte, sie wären einfach still oder checken ihr Smartphone oder ähnliches. Stattdessen fingen diese Fahrgäste aber an zu erzählen und öfters, wenn dann Escolar über seinen Schmuck sprach, wurde nach Visitenkarten gefragt, die er leider nicht hatte. Dann hatte er die zündende Idee:

Wieso sollte ich mich mit Visitenkarten begnügen? Wieso zeige ich den Fahrgästen nicht direkt den Schmuck?

Die perfekte Verkaufssituation

Escolar erklärt, wieso die Fahren für ihn die perfekte Verkaufssituation darstellen: Er hat durchschnittlich zehn Minuten Zeit mit einem Fahrgast, um auf sein Geschäft hinzuweisen und seinen Schmuck anzubieten – der Mitfahrer kann ihm in dieser Zeit faktisch nicht entkommen. Verglichen damit, welche Aufmerksamkeit er erzeugen kann, wenn er mit dem Schmuck von Tür zu Tür geht oder einfach Online-Anzeigen schaltet, bekommt er hier sehr viel Zeit geschenkt für sein Projekt.IMG_7669

Und nicht nur das: Immerhin bekommt er diese Fahrten ja auch bezahlt – seinen Aussagen nach macht er auf diese Weise 3.000 Dollar Umsatz im Monat – dazu kommen monatlich noch durchschnittlich 18.000 Dollar Umsatz, die er mit Schmuck im letzten Jahr gemacht hat. Schmuck, den er für seine Fahrgäste handgefertigt hat! Das macht in der Summe einen Jahresumsatz von 252.000 Dollar, wenn man die Einnahmen über Uber und Lyft hinzuzählt. Das Geschäft läuft so gut, dass er expandiert und nun drei neue Autos und sechs Fahrer angeschafft hat.

Was aber sagt Uber selbst dazu? Schließlich besteht ja die Möglichkeit, dass sie nicht besonders glücklich sind mit dem Umstand, dass jemand den Dienst für sein eigenes Business nutzt. Dem ist aber gar nicht so – im Gegenteil: Uber-Sprecherin Kristin Carvell betont sogar, dass es höchst erfreulich ist, dass Uber bei seinen Fahrern auf eine so große Bandbreite zählen kann.

One of the greatest things about the Uber platform is that it offers economic opportunity for a variety of drivers — full-time, part-time, veterans, teachers, artists, and students

Sieht für mich nach einer absoluten Win-Win-Situation aus und ich bin schwer gespannt, ob wir künftig noch mehr “Uberpreneure” sehen werden, die den Fahrservice für ihre Zwecke ausnutzen werden. Die Kunst wird dabei sein, sich dabei an der Vorgehensweise von Gavin Escolar zu orientieren: Das eigene Geschäft also smart und unaufgeregt vorstellen, ohne den Fahrgästen auf die Nerven zu gehen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich jetzt schon überambitionierte Möchtegern-Musiker, die den Mitfahrern volle Pulle ihre neuesten Songs um die Ohren hauen. Ich bin aber auch sicher, dass sich jede Menge gute Ideen auf diese Weise umsetzen lassen – Escolar hat es vorgemacht.

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Quelle: Forbes.com via t3n.de

Fotos von Gavin Escolar und Jon Youshaei: Kevin Fryer