gefälschter Samsung Akku in Shenzhen

So werden Samsung Akkus in Shenzhen gefälscht *Update: Samsung Statement*

Die c't hat für einen Test bei Amazon 12 Akkus von Samsung bestellt. Trauriges Ergebnis: Keiner (!) dieser zwölf war ein Original-Akku von Samsung, sondern eine Fälschung. Shenzhen ist die Hochburg dieser Fälschungen und Nicole konnte sich für uns sogar live in einer Mall anschauen, wie diese Akkus gefälscht werden.

Update 17. April 14.30 Uhr:

Kollege Lars von AllaboutSamsung.de hat eine Stellungnahme von Samsung veröffentlicht, die wir euch nicht vorenthalten wollen und die wir am Artikelende angehängt haben. Dort erklärt man, wie man gegen Produkt-Piraten vorgeht und gibt auch Tipps, woran man die falschen von den originalen Akkus unterscheiden kann.

Original-Artikel vom 17. April 12 Uhr:

Okay, das ist einmal ein höchst unerfreulicher Test: Die Zeitschrift c’t berichtet, dass man von einem Leser darauf aufmerksam gemacht wurde, dass viele der bei Amazon angebotenen (vermeintlich originalen) Akkus Fälschungen seien. Vier Samsung-Akkus habe er bestellt, alle vier waren gefälscht. Der Sache wollte man bei der c’t auf den Grund gehen und so bestellte man bei Amazon 12 Samsung-Akkus: Vier Stück direkt bei Amazon, die anderen bei diversen Händlern.

Die erschütternde Bilanz: Alle zwölf gelieferten Akkus waren keine originalen von Samsung, sondern Fälschungen! Aufgefallen ist es den Kollegen der c’t, weil es minimale Abweichungen gibt zu den originalen Akkus, wie sich im direkten Vergleich mit tatsächlichen Samsung-Akkus herausstellt. Mal wiegen sie 1 Gramm weniger, mal sind die Logos oder Schriftarten ein wenig anders. Da das aber noch kein Beweis für eine Fälschung ist, hat man die Akkus direkt an Samsung geschickt, die dann bestätigten, dass in der Tat nicht ein einziger Akku wirklich von den Koreanern stammt.

Das ist insofern erschütternd, weil einige der Lieferungen direkt aus den Amazon-Lagern kommen. Beim preisgünstigsten Angebot eines kleinen Händlers könnte man vielleicht erahnen, dass mit der Ware was nicht in Ordnung ist, aber zumindest durften wir doch bis dato davon ausgehen, dass Amazon seine Lieferanten  sorgfältigst auswählt, um solche Geschichten zu vermeiden. Zudem hat man nicht einfach die billigsten Modelle bestellt, sondern eben auch in der Preisklasse zwischen 15 und 18 Euro.

Auf Nachfrage erklärt Amazon, dass man sicherstellen werde, dass “dass die Angebote für die jeweiligen Produkte geltendem Recht genügen” und in der Folge verteuert sich tatsächlich ein Akku von 15 auf 40 Euro, was für einen Lieferantenwechsel sprechen könnte. Aus der Welt ist dieses Problem damit selbstverständlich noch lange nicht, zudem ist es kein Samsung-exklusives: Selbst für das Apple iPhone werden vermeintlich originale Akkus angeboten.

Auch weiterhin steht zu befürchten, dass sich vielfach Fälschungen auf den Weg machen, was a) ärgerlich ist, weil man etwas anderes erhält, als man bestellt und b) sogar gefährlich werden könnte, weil es schon mal passieren kann, dass einem so ein gefälschter Akku – gerade in Kombination mit einem billigen Charger – um die Ohren fliegen kann. Die Zentralstelle für gewerblichen Rechtsschutz – also die Statistik-Instanz des Zolls spricht von 7.000 gefälschten Akkus im Jahr 2011, die von deutschen Zöllnern beschlagnahmt wurden, 2013 waren es bereits 37.000 und im letzten Jahr sogar schon über 45.000.

stapelweise gefälschte Akkus in einer Mall in Shenzhen

Ich glaube nicht daran, dass man den chinesischen Lieferanten bzw. Fälschern argumentativ beikommen kann, wenn man sie schlicht darum bittet, das doch sein zu lassen. Viel zu selbstverständlich ist es in Shenzhen, jemandem gefälschten Ware anzubieten. Sie fälschen nicht nur fleißig vor den Augen der Kunden – Nicole konnte bei ihrem Shenzhen-Trip sogar mit der Smartphone-Cam draufhalten, ohne dass sich jemand daran gestört hätte. Dabei kann es sich um Billig-Akkus handeln, die lediglich per neuem Etikett zu einem Samsung-Akku gemacht werden, alternativ kann man aber sogar einen gebrauchten Akku bekommen, der nur wieder auf “neu” gemacht wird und der nur kurz auf seine Tauglichkeit geprüft wird.

fake-batteries-shenzhen-03-testing

Glaubt bitte nicht, dass das in dunklen Kellern in Shenzhen heimlich geschieht: Bereits 2013 hat sich Nicole für uns auf den Weg nach Shenzhen gemacht und dort die Yuanwang Digital Mall besucht – ein riesiges Elektronik-Kaufhaus vollgepackt mit elektronischen Gadgets wie u.a. eben auch Smartphones und Smartphone-Zubehör. Dort konnte sie persönlich dabei zuschauen, wie alte Akkus einfach neue Etiketten erhalten – selbst die Hologramm-Sticker fürs Bestätigen der Echtheit liegen dort massenhaft herum, so dass es auf Anhieb tatsächlich nicht mehr ersichtlich ist, ob der vermeintlich neue oder vermeintlich originale Samsung-Akku tatsächlich echt ist.

Hologramm-Sticker für Akkus

In der Mall wimmelt es sowohl von echten als auch gefälschten Produkten, so dass man selbst hier vor Ort schon nur noch schwer unterscheiden kann, ob es sich um Original oder Fake handelt – kein Wunder daher, dass hiesige Händler da Schwierigkeiten mit ihren Lieferanten haben und sich bei der Identifizierung von Fälschungen schwer tun. In diesem Video könnt ihr schön sehen, wie selbstverständlich dort in Shenzhen öffentlich Ware manipuliert wird. Uns bleibt nichts weiter übrig als darauf zu vertrauen, dass Amazon seine Lieferanten künftig deutlich sorgfältiger kontrolliert.

Klar, dass in diesem Fall die Händler inklusive Amazon selbst diejenigen sind, die sich den Zorn der Käufer zuziehen. Allerdings gibt es auch so manchen, der Samsung in der Pflicht sieht, hier entschieden gegen diese Produktpiraterie vorzugehen. Die Koreaner erläutern mit einem Statement ihre Vorgehensweise in solchen Fällen:

Statement zum Thema Akkus

17. April 2015

Was unternimmt Samsung generell gegen den Vertrieb von Smartphone-Akkus, die fälschlicherweise unter dem Markennamen Samsung verkauft werden?

Es ist ein zentrales Anliegen von Samsung, seinen Nutzern ein bestmögliches Produkterlebnis zu bieten. Daher achtet Samsung auf eine höchstmögliche Produktqualität. Bei Produkten, die nicht von Samsung stammen, aber illegal unter dem Markennamen Samsung verkauft werden, kann Samsung die Qualität des jeweiligen Produktes vor dem Inverkehrbringen nicht prüfen. Um zu verhindern, dass minderwertige Produkte das Nutzererlebnis beeinträchtigen, ergreift Samsung die erforderlichen rechtlichen Schritte bei jedem Verstoß gegen die Samsung Markenrechte und bei jeder missbräuchlichen Verwendung des Markennamens und -logos, die Samsung bekannt werden.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden in diesem Bereich aus (z .B. Zollbehörden, Zentralstelle für gewerblichen Rechtsschutz)?

Samsung arbeitet eng mit den genannten Behörden zusammen, um diese bei der Aufklärung von Delikten zu unterstützen.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Handelsplattformen in diesem Bereich aus?

Bei Produktfälschungen, die das Erlebnis der Nutzer beeinträchtigen können, verfolgt Samsung eine Null-Toleranz-Politik. Das schließt sämtliche Handelsplattformen ein. Alle mutmaßlichen Verstöße, die Samsung bekannt werden, werden von Samsung sorgfältig geprüft und sofern ein Verstoß vorliegt, werden die entsprechenden rechtlichen Schritte eingeleitet.

Wie können Kunden echte und gefälschte Akkus auseinanderhalten?

Kunden können das Risiko, Produktfälschungen zu erwerben, reduzieren, wenn sie folgende, bewährte Tipps beachten. Sie sollten ausschließlich bei seriösen Quellen kaufen. Befindet sich etwa die Ortsangabe des Impressums eines Online-Shops außerhalb der EU kann im Falle einer Produktfälschung die Durchsetzung von Ansprüchen schwierig sein. Außerdem sollten Konsumenten nur Ware in Originalverpackung von Samsung akzeptieren und Tütenlieferungen meiden. Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Beschriftung der Verpackung. Wichtige kaufmännische Informationen wie etwa die EAN (European Article Number) sollten darauf abzulesen sein. Eine minderwertige Qualität der Verpackung wie etwa eine unscharfe Beschriftung oder ein vom Original abweichendes Samsung Logo ist ebenfalls ein Negativ-Indikator.

Quelle: c’t via heise.de