Social Distancing: Wie Händler kreative technische Lösungen finden

Die Corona-Krise trifft viele Teile der Gesellschaft. Große Hersteller, Konsumenten, aber vor allem auch viele kleine lokale Einzelhändler. Diese zeigen sich aber durchaus erfinderisch und erschließen neue Verkaufswege.

von Michael Sprick am 4. April 2020

Die Corona-Krise wirkt sich extrem auf unser Kaufverhalten aus. So dürften Amazon und AliExpress etc. als eindeutige Gewinner aus dieser Krise hervorgehen. Das chinesische Unternehmen AliBaba hat seinen anfänglichen Erfolg in Teilen sogar schon der ersten Sars-Epidemie im Jahr 2002/03 zu verdanken. Doch schon vor dem eigentlichen Kaufprozess verändert Corona unser Kaufverhalten.

Ein starkes Pro für den Kauf in einem physischen Laden war immer das persönliche Testen, die Haptik und das persönliche Erleben eines Produktes. Jedem dürften die Bilder bekannt sein, in denen iPhone-Fans oder Technik-Nerds, teilweise stunden- oder sogar tagelang Schlange stehen, nur um das neuste Modell eines technischen Gerätes in der Hand halten und kaufen zu können.

Die physischen Apple Stores in der ganzen Bundesrepublik, der Mi-Store in Wien und viele andere Showrooms der Tech-Hersteller haben vorrangig  den Zweck der persönlichen Beratung und den Kunden ein echtes Test-Erlebnis zu bieten. Während sich in China die Lage wieder normalisiert, ist das in vielen westlichen Ländern noch nicht der Fall. Das neue iPhone 11 Pro ist nun schon einige Monate auf dem Markt und wir konnten es schon zwei Mal für euch testen (Ümit, Felix). Wer sich aber lieber erst einmal selbst überzeugen möchte, hat dazu keine Möglichkeit. Zumindest nicht in der normalerweise ersten Anlaufstelle, den Apple Stores.

Anbieter müssen daher neue Wege erschließen und sie wären keine Tech-Unternehmen, wenn sie dazu nicht auch Tech-Lösungen finden würden. So ist es natürlich kein Geheimnis, dass sich Virtual Reality perfekt dazu eignet, die wegfallende physische Präsenz zumindest halbwegs adäquat zu ersetzen. Schon im Februar wurde bekannt, dass Apple die eigene VR-Funktion mit der Software Quick-Look für Einzelhändler verbessern will. Dabei lässt die VR-Präsentation des eigenen iPhone 11 Pro noch ziemlich zu wünschen übrig. Bisher kann man das neue Modell ein wenig drehen und das war’s.

Vielleicht sollten sie sich vom deutschen VR-Start-Up Omnia360 beraten lassen, auf ihrem Blog stellt das Hamburger Unternehmen allerlei Use-Cases für seine VR-Technologie zusammen. Nicht nur in der Einzelhandel kann davon profitieren. Vom virtuellen Museum, über den VR-Livestream und einer ganzen VR-Messe stellen Sie neue technische Lösungen in Zeiten der Corona-Pandemie zusammen. Doch VR ist nicht die einzige Art, wie sich Händler und Hersteller in der Krise behelfen.

In Südkorea können sich Samsung-Kunden die neuen Modelle der S20-Serie nach Hause liefern lassen, um sie für 24 Stunden auszutesten. Aus der Reuters-Meldung geht allerdings nicht hervor, ob der Mitarbeiter, der das Telefon am nächsten Tag abholt, bei Bedarf auch eines verkaufen kann oder ob man nach wie vor im Internet bestellen muss.

Doch auch lokale Dienstleister zeigen sich kreativ. In der Südstadt in Köln, wo ich selbst wohne, haben sich die lokalen Läden zusammengeschlossen und ein eigenes Projekt gestartet. Mit Suedstadt-Shopping.de können Kölner “Online Lokal Kaufen”. Dabei steht nicht nur ein Online-Shop zur Verfügung, der die Produkte der teilnehmenden Läden listet, sondern auch das Schaufenster-Shopping ist mit Hilfe eines QR-Codes möglich. Die Produkte werden durch Fahrrad-Kurriere bis nach Hause in den Briefkasten oder vor die Tür geliefert. Eine klasse Aktion, die ihr hier nochmal im Detail nachlesen könnt.

PS: Wenn ihr ähnliche Aktionen aus eurer Region kennt, könnt ihr mir dies gerne über meinen Twitter-Account oder per E-Mail mitteilen und falls ich genug Hinweise bekomme, fasse ich die Seiten der lokalen Läden nochmal in einem separaten Post zusammen.