Kommentare

Sony Mobile am Ende: Verschwinden mittelfristig die Sony Smartphones?

Sony Mobile wird aufgelöst und mit den Ressorts für Kamera und TV zusammengelegt. Könnte das auch Konsequenzen für die komplette Smartphone-Fertigung der Japaner haben?

von Carsten Drees am 29. März 2019

Zählt mir mal die Unternehmen auf, die richtig Asche machen mit Android-Smartphones. Wie viele fallen euch da ein außer Samsung und Huawei? Gerade in den letzten Jahren sind immer wieder große Namen im Meer der Bedeutungslosigkeit abgetaucht: BlackBerry, Nokia, HTC und auch Sony. Alle sind noch (oder wieder) aktiv und produzieren mitunter auch wirklich feine Geräte. Auszahlen tut es sich auf den Konten der Unternehmen jedoch leider nicht. Schaut mal auf die folgende Übersicht von Statista, die die Smartphone-Marktanteile von 2009 bis Ende 2018 aufzeigt. Das Dunkelgrün, welches Sony darstellt, seht ihr auf dem Bild im Jahr 2012 zum letzten Mal, damals noch mit einem Marktanteil von knapp fünf Prozent.


Daraus könnt ihr jetzt zwar nicht erkennen, wie viel ein Unternehmen mit Smartphones verdient, aber wenn man fünf Hersteller haben, die sich 70 Prozent des Marktes aufteilen und dann noch 30 Prozent für alle anderen Hardware-Buden dieses Planeten übrig bleiben, könnt ihr euch vermutlich ausmalen, wie es um Traditions-Namen wie HTC und eben auch Sony bestellt ist.

In Sachen Relevanz fliegen die von unserer Smartphone-Landkarte, was absolut schade ist. Einen Unterschied zwischen HTC und Sony ist für mich, dass beide zwar in der Lage sind, technisch absolut top ausgestattete Geräte zu bauen, Sony aber schon seit Jahren nicht mehr in der Lage ist, auch beim Design nur ansatzweise an der ersten Reihe der Hersteller zu schnuppern.

Sony Mobile ist Geschichte

Das scheint mitunter dazu geführt zu haben, dass man im Unternehmen nun umdenkt. In einer Pressemitteilung teilte man kürzlich mit, dass Sony Mobile künftig nicht mehr als eigene Division im Unternehmen geführt wird. Stattdessen wird die Smartphone-Sparte mit den Sparten für Kamera und TV zusammengeführt. In der Pressemeldung heißt es:

Tokyo, March 26, 2019 — Sony Corporation (“Sony”) today announced that it will realign its Imaging Products & Solutions (IP&S) Business, Home Entertainment & Sound (HE&S) Business, and Mobile Communications (MC) Business as Electronics Products & Solutions (EP&S) Business effective April 1, 2019. Shigeki Ishizuka will be appointed as Officer in charge of EP&S Business, and Ichiro Takagi will be appointed as Deputy Officer in charge of EP&S, also effective April 1, 2019.

Wir lernen also, dass diese Änderung ab dem 1. April gilt, ein Aprilscherz ist die Geschichte jedoch nicht. Es entsteht die Abteilung “Electronics Products and Solutions”, die alle drei Bereiche unter einem Dach vereint und nicht wenige wittern da jetzt, dass es Sony darum gehen könnte, die Ergebnisse des lange schon defizitären Smartphone-Geschäfts auf diese Weise zu verschleiern. Während Sony mit den Handsets minus macht, spülen sowohl die Fernseher als auch die Kameras nach wie vor ordentlich Geld in die Kassen.

Aber Sony widerspricht den Vorwürfen und erklärt, dass auch künftig die Smartphone-Zahlen explizit ausgewiesen werden sollen — im Gegensatz zu der Vorgehensweise bei Apple, denn die verzichten mittlerweile darauf, in ihren Quartalsberichten das iPhone explizit auszuweisen. Dennoch erkennt jeder, dass es der Smartphone-Sparte des Unternehmens schon mal wesentlich besser ging.

Dazu kommen auch andere Nachrichten, die nach und nach durchsickerten: So soll die Produktion von China nach Thailand verlegt werden, wieder mit dem Blick auf das Einsparen von Kosten. Außerdem wird gemunkelt, dass sich von den 4.000 Mitarbeitern der Mobile-Sparte binnen eines Jahres die Hälfte verabschieden könnte bzw. vor dem Rauswurf steht.

Es zeichnet sich ab, dass Sony durch das Zusammenlegen Synergien nutzen will, produktiver und effizienter arbeiten möchte. Das passiert stets, um Kosten zu sparen und das wird auch stets auf dem Rücken der Mitarbeiter abgewickelt.

Sehen wir weiter neue Smartphones von Sony?

Auch, wenn das jetzt schon so aussieht wie der Abschied vom Ende, wollen die Japaner auch weiter an den Smartphones festhalten und selbstverständlich weiter Handsets entwickeln und verkaufen. Ob sich das nun in einem halben, in einem oder in zwei Jahren immer noch so darstellt, muss abgewartet werden.

Ein wenig unwohl wird mir schon bei der Entwicklung, weil es auf mich wirkt, als will man einen Hardware-Bereich, der finanziell betrachtet für Sony schon lange nicht mehr funktioniert, nun so nach und nach abwickeln. Mag sein, dass ich das zu schwarz sehe, aber Sony hat mit der Auflösung der Mobile-Abteilung sicher nicht dazu beigetragen, die Marke Sony bei den Smartphones zu stärken.

Was sagt ihr zu der Entwicklung? Glaubt ihr, dass Sony weiterhin oder besser gesagt wieder eine größere Rolle im Smartphone-Game spielen kann? Oder ist es eher so, dass man befürchten muss, dass Sony sich nach und nach mehr aus dem Smartphone-Sektor verabschiedet?

Quelle: Sony via golem.de