Spin: E-Scooter der Ford-Tochter starten in Deutschland

Verträgt Deutschland noch einen Verleiher von E-Scootern? Ja, ist man sich bei der Ford-Tochter Spin sicher. In Köln geht es los, Essen und Dortmund werden als nächstes folgen.

von Carsten Drees am 10. Juni 2020

Die Corona-Krise hat uns allen diverse Striche durch alle möglichen Rechnungen gemacht. Auch der Mikromobilität hat das ganze Desaster nicht gut getan. Das gilt für die Verleiher, die in Deutschland schon seit letztem Jahr am Start sind, aber natürlich auch für neue Anbieter, die sich noch ins Getümmel stürzen wollen.

Damit sind wir auch schon beim Thema: Spin ist nämlich so ein neuer Anbieter, der bereits früh im Jahr angekündigt hat, dass man seine Fühler nun auch nach Europa ausstreckt und dabei vor allem Großbritannien, Frankreich und eben Deutschland im Blick hat. In Deutschland legt das Start-Up aus San Francisco nun los und die Roller sind auch bereits in der Domstadt Köln gesichtet worden.

Foto: Carsten Arnold

Die Kalifornier haben mittlerweile eine mächtige Konzernmutter, denn Ende 2018 hat sich mit Ford einer der größten Autohersteller der Welt das Unternehmen an Land gezogen und seitdem auch ordentlich Kohle in die Expansion gebuttert. Das scheint auch funktioniert zu haben, denn in den USA ist Spin in vielen großen Städten am Start, ebenso an 12 US-Universitäten.

Jetzt also will man Deutschland erobern, wobei man Köln als Startpunkt sicher nicht ganz zufällig ausgewählt hat. Natürlich ist die Stadt mit seinen vielen Pendlern und Touristen für so ein Angebot prädestiniert, aber zudem ist Köln auch die Heimat für Fords europäisches Hauptquartier. Bereits nächste Woche sollen die Scooter dann auch in Dortmund und Essen verfügbar sein. Spin fokussiert sich zunächst also erst einmal komplett auf Nordrhein-Westfalen.

Wie ihr auf dem Bild sehen könnt, sind die Roller der Amerikaner in Orange und Schwarz gehalten, auf der Front seht ihr den Firmenschriftzug in Weiß. Dank Vollgummireifen, breiter Fußleiste und stabilem Rahmen der neusten Spin-Scooter glaubt man, für Deutschland gerüstet zu sein inklusive seiner Kopfsteinpflaster.

CEO Derrick Ko, CEO und Mitbegründer von Spin erklärt, dass man jetzt nach den Verboten anlässlich der Pandemie jetzt wieder Fahrt aufnehmen kann und das eben auch beinhaltet, dass man sich mit Deutschland einen ganz neuen Markt erschließt. In der Pressemitteilung wird er wie folgt zitiert:

Wir beobachten weltweit eine zunehmende Verbreitung der Mikromobilität. Die Menschen brauchen immer noch eine erschwingliche Möglichkeit, sich unter Einhaltung eines angemessenen physischen Abstands fortzubewegen. Seit dem Aufkommen von Covid-19 haben wir mehr als 10.000 Fahrten für medizinisches Fachpersonal ermöglicht, wir haben weiterhin eng mit den Städten zusammengearbeitet, um Transportlücken zu schließen und unseren Fahrern eine zuverlässige Solotransportmöglichkeit für ihre wichtigen Reisen zu bieten. Da die Sperrverbote weltweit aufgehoben werden, nehmen wir den Betrieb in weiteren unserer Märkte wieder auf und sind bereit, unser Produkt und unseren Service in Deutschland einzuführen.

So sieht das in der Spin-App aus

Wie will man den deutschen Markt erobern? Zunächst mal mit einem etwas anderen Preismodell. Zwar verlangt man mit 30 Cent einen etwas höheren Minutenpreis als die meisten Konkurrenten, verzichtet dafür aber auf die pauschale Grundgebühr, die zumeist einen Euro beträgt. Ansonsten sieht das Angebot ähnlich aus wie bei den meisten Anbietern. So gibt es natürlich auch bei Spin sowohl eine iOS- als auch Android-App, mit der ihr die Roller tracken und buchen könnt.

‎Spin — Electric Scooters
‎Spin — Electric Scooters
Entwickler: Skinny Labs Inc.
Preis: Kostenlos
  • ‎Spin — Electric Scooters Screenshot
  • ‎Spin — Electric Scooters Screenshot
  • ‎Spin — Electric Scooters Screenshot
Spin – Spin Dich hin!
Spin – Spin Dich hin!
Entwickler: Spin Inc.
Preis: Kostenlos

Spin versteht sich aber auch als ein Unternehmen, welches politisch motiviert ist und dazu beitragen möchte, dass Mikromobilität sich in den Städten weiter ausbreitet und das immer in enger Abstimmung mit den jeweiligen Behörden und Verwaltungen. Es geht also nicht nur darum, ohne Rücksicht auf Verluste einfach noch mehr Roller in eine Stadt zu stellen und diese damit schlimmstenfalls vollzumüllen. Stattdessen soll Mikromobilität eher sinnvoll vorangetrieben werden. In den USA gibt es so zum Beispiel die Spin-Hubs, von denen ich euch jetzt aber noch nicht sagen kann, ob sie auch Teil der Strategie in Deutschland sind. Sie sind eine Mischung aus Parkbereich und Ladestation, hier erfahrt ihr mehr darüber.

 

Mit einer langfristigen Vision zum Aufbau einer wirklich nachhaltigen Transportlösung in Städten und einem gemeinschaftsorientierten Ansatz bemüht sich Spin um eine Partnerschaft mit lokalen Regierungen und Organisationen in Europa, um das Roller-Chaos zu reduzieren und andere Pendlerbedürfnisse zu lösen. Als Verfechter von Investitionen in die Infrastruktur für Mikromobilität in den Vereinigten Staaten hat Spin Hunderte von Ladestationen installiert und mit Fürsprecher- und Gemeindegruppen wie Bike Utah und den Verkehrsplanern von Salt Lake City zusammengearbeitet, um eine provisorische, geschützte Kreuzung zu errichten und der Öffentlichkeit zu zeigen, wie einfach es ist, Straßen für Fahrräder, Roller und Fußgänger zugänglich zu machen.

Warten wir mal ab, wie sich Spin in Köln schlägt — ich werde jedenfalls die Augen offen halten hier in Dortmund und euch gegebenenfalls informieren, sobald Spin weitere Städte in Deutschland erobert. Gespannt bin ich auch, wie das Bezahlmodell angenommen wird, also werden wir auch das im Blick behalten. Erst mal heißt es aber: Willkommen in Deutschland und viel Erfolg, Spin!