Status Quo Elektromobilität: Die Millionenvision

Eine der meistzitierten technologischen Visionen Deutschlands lautet: Bis 2020 sollen auf deutschen Straßen 1 Million Elektroautos unterwegs sein. Verkündet wurde dieses Ziel vor mittlerweile 5 Jahren, aber es sieht im Moment nicht danach aus, dass diese Vision wie geplant realisiert werden kann. Die bisher erreichten Zahlen sind nämlich ernüchternd

Aktuell sind in Deutschland rund 24.000 Elektrofahrzeuge zugelassen und rund 4.800 AC-Ladepunkte an etwa 2.400 Standorten sowie rund 100 Schnellladepunkte aufgebaut. Sicher, die Bundesregierung hatte diese ersten Jahre als Zeit der “Marktvorbereitung” tituliert. Es wurden diverse Pilotprojekte durchgeführt, Geld in die Forschung gesteckt und der Aufbau einer Ladeinfrastruktur finanziert.

Jetzt beginnt die zweite Phase, der so genannte Markthochlauf. Auch hier werden wieder ein bis zwei Milliarden an SubventionenChina E-Mobility investiert werden, von denen allerdings bei dem normalen Konsumenten wenig bis nichts ankommen wird. Vor allem die Forschung und die Industrie werden davon profitieren. So sollen Unternehmen die Anschaffung von Elektroautos über eine Sonderschreibung kurzfristig steuerlich geltend machen können. Zu einer direkten Kaufsubvention kann sich der Staat hierzulande nicht entschließen. Andere Länder sind da weiter. So subventioniert China die Anschaffung eines elektrischen Fahrzeugs direkt mit bis zu 7.000 Euro. Diese Subvention gilt allerdings nur für Fahrzeuge, die im Land selbst produziert werden. Vielleicht deshalb hat sich Daimler entschlossen, zusammen mit einem Partner elektrische Fahrzeuge exklusiv für den chinesischen Markt zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

 

Die deutsche Industrie: Zu zögerlich

Die deutsche Automobilindustrie ist weiter äußerst zurückhaltend in Bezug auf die Produktion von rein elektrischen Fahrzeugen. Der Massenmarkt mit entsprechend günstigen Produktions- und Verkaufspreisen liegt in weiter Ferne. Zwar gibt es inzwischen 17 Modelle deutscher Hersteller auf dem Markt, aber diese müssen teilweise als halbherzig eingestuft werden. Beispiel für diese pessimistische Politik ist VW. Deren Strategie, bekannte Modelle wie den eUp oder den E-Golf einfach auf Strom umzubauen ist nicht zielführend und verschenkt Potenziale. Dass man es besser machen kann und mutiger, zeigt BMW. Deren i3 und i8 sind von Grund auf als Elektroautos konzipiert und beweisen, dass in Bezug auf Technik und Design die Elektromobilität völlig neue Konzepte möglich macht. Denn die Herausforderungen sind ganz andere als bei den konventionellen Antrieben, insbesondere bei der Batterietechnik und im Karosseriebau. Sicher, BMW soll über eine Milliarde Euro investiert haben, um die beiden Modelle zu entwickeln. Vor allem der Karbonbau hat die Ingenieure wohl einiges an Nerven und Geld gekostet.

Smart Car LadestationDas Ergebnis aber kann sich insgesamt sehen lassen. Es ist wohl nicht übertrieben, diese beiden Modelle als das modernste und futuristischste zu bezeichnen, was die deutsche Automobilindustrie im Moment zu bieten hat. Leider zeigen aber auch diese Autos, wo bei der Elektromobilität der Hase im Pfeffer liegt: beim Anschaffungspreis und bei der Reichweite. Denn selbst der relative kleine i3 liegt mit weit über 30.000 Euro in einem Bereich, der einfach nicht konkurrenzfähig ist. Die diesen Preis relativierenden, wirklich niedrigen Folgekosten bei Verbrauch, Wartung und Versicherung lassen sich offenbar dem Verbraucher nicht effektiv kommunizieren. Ein viel größeres Problem allerdings ist die Reichweite: 100 bis 150 km maximal schrecken den normalen Autofahrer ab. BMW ist das auch klar und bietet daher ein Modell mit einem kleinen Verbrennungsmotor an, der Strom produziert, damit man nicht liegenbleibt. Richtig überzeugend ist das aber auch nicht. Damit wären wir beim Thema Ladeinfrastruktur. Hier haben zwar einige Energieversorger wie RWE oder die EnBW schon einiges geleistet, aber das gesamte System ist noch auf die Ballungsräume beschränkt und in der Fläche lückenhaft. Zudem gibt es bis dato kein einheitliches Zugangssystem, sodass Besitzer von Elektroautos die Brieftaschen voller Plastikkarten haben, um auch wirklich überall an Strom zu kommen. Die Initiativen, ein Roaming zu organisieren, kommen nur schleppend voran. Es ist halt kompliziert. Sehnsüchtig blicken E-Auto-Fahrer in die Niederlande, wo der Staat Druck gemacht hat und es ein einheitliches Ladesystem gibt.

Wie von einem anderen Stern: Tesla

Dass das alles anders geht, muss sich die deutsche Industrie von einem amerikanischen Unternehmen zeigen lassen: An Tesla kommt im Bereich Elektromobilität im Moment niemand vorbei. 400 km Reichweite sowie ein eigenes Schnellladesystem quer durch Europa, an dem man sein Auto in 30 Minuten zu 80% wieder aufladen kann – kostenlos – das sind die Benchmarks, an denen sich alle messen lassen müssen. Problem dabei: Ein Preis von über 60.000 Euro für das aktuelle Flaggschiff Model S ist natürlich ein echtes Hindernis. Das schreckt aber zum Beispiel Norweger offenbar nicht ab, wo das Model S monatelang die Charts bei den verkauften Autos anführt – und zwar im Gesamtmarkt!

Tesla Model S

Und Tesla drückt weiter auf die Tube: eine riesige Batteriefabrik befindet sich im Bau und für 2016 ist eine Art Volks-Tesla angekündigt. Noch ist offen, wie der aussieht oder was der kosten wird. Sollte es Tesla-Chef Elon Musk, der sich gerne als Steve Jobs der Autoindustrie geriert, allerdings schaffen, damit um die 30.000 Euro zu bleiben, dann könnte die Sache ganz schnell durch die Decke gehen. Denn seine Fahrzeuge sind wirklich extrem hip, smart und kommunikationstechnologisch auf dem neuesten Stand. Während deutsche Automobilbauer offenbar immer noch weiter austüfteln, wie sie die ganzen Feature auf noch mehr Knöpfe verteilen können, sodass ein Auto heute mehr einem Flugzeugcockpit ähnelt, baut Tesla einfach ein riesiges Touchpanel ein, mit dem sich wirklich alles steuern lässt. Die Folge dieser konsequenten Ausrichtung auf die Generation Smartphone: kommerzieller Erfolg. Im Moment muss man Monate auf ein neues Fahrzeug warten und selbst Vorführwagen sind Mangelware.
Dass dem etwas entgegengesetzt werden muss, scheint nun auch in die Vorstandsetage von AUDI eingesickert zu sein. Vorstandschef Stadler erklärte dieser Tage, das Unternehmen werde einen Sportwagen und einen SUV mit einer Reichweite von 500 km entwickeln. Kosten: über eine Milliarde Euro.

2015 – ein entscheidendes Jahr

2015 wird ein entscheidendes Jahr für die Elektromobilität in Deutschland werden. Dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, dämmert offenbar auch der Bundesregierung. So hat Bundesverkehrsminister Dobrindt erst letzte Woche angekündigt, alle Autobahnraststätten bis 2017 mit Ladestationen auszurüsten. In den elektromobilen Kreisen wird nun schon diskutiert, welches Steckersystem dabei präferiert wird. In diesem Bereich wütet nämlich ein industriepolitisch induzierter Krieg um das richtige System. Deutschland vs Frankreich vs Asien. Aber diesen Konflikt zu erklären, das ist genug Material für mehrere Kolumnen – viel Stoff also für die nächsten Monate. Stay tuned!

Quelle

Fortschrittsbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität vom Dezember 2014 (PDF-Download)