09 - Gebt uns Marcel Reif & Béla Réthy zurück!
Steffen Simon – Der Sigmar Gabriel der Fußball-Kommentatoren

Wer sich mit Steffen Simons Vita beschäftigt, dem wird schnell auffallen, dass Simon als Sportchef des WDR quasi selber entscheiden kann, wer in der ARD die Fußballspiele kommentiert und genau das ist ein Problem.

Zuletzt sind Fußball-Kommentatoren vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerutscht. Einige BVB-Fans wollten so dringend ihre euphorische Freude darüber, dass Marcel Reif mal wieder im Signal Iduna Park moderieren würde, zum Ausdruck bringen, dass sie sein Auto eskortierten, bis er sich kurz vor dem Stadion aus dem Wagen bequemte, um mit dem einen oder anderen Gerstensaft auf die bevorstehenden 90 Minuten anzustoßen.

Und sein öffentlich-rechtliches Pendant, Béla Réthy, erfreut sich insbesondere auf Twitter mittlerweile einer solchen Fangemeinde, dass jedes Länderspiel oder jeder CL-Auftritt, den das ZDF übertragen darf, alleine dadurch zum Fest wird, dass massenweise „Béla Réthy Bullshit Bingo“ Bildchen durch die Timeline rauschen. „Arbeitsnachweis“ nennen das zum Beispiel die Kollegen von FUMS.

 

Mittlerweile ist hat die explosive Mischung aus Langeweile, Inkompetenz und seniler Gratwanderung von Béla Réthys Spielkommentaren einen solchen Kultstatus erreicht, dass sich einige Twitter-Nutzer auch ein Spiel zwischen der Deutschen Netzfeministinnen Nationalmannschaft (in blickdichten Yoga-Outfits mit der Aufschrift „Warum ein #Aufschrei nicht genügt – Fußbällinnen und Stürmerinnen an die Macht“) gegen das Team Bushido & Friends um den Integrations-Bambi anschauen würden, nur um weiteren Stilblüten á la „Khedari geht raus“ oder „Viehlieb Lahm, unser Kapitän“ beiwohnen zu dürfen.

Andere sehen es realistischer und verstehen nicht, warum Menschen, die den Unterhaltungswert eines Pfandwertautomaten an einer handelsüblichen REWE-Filiale haben und einen Fußball-Sachverstand, gegen den Daniela Katzenberger Nationaltrainerin wäre, überhaupt noch vor ein Mikro gelassen werden. Bei wichtigen Spielen. Live.

Wer auch immer aber in der Vergangenheit Kübel des Hohns und Spott über Béla Réthy oder Marcel Reif ausgeschüttet hat, wurde beim DFB-Pokal Viertelfinale zwischen Borussia Dortmund und der SAP 18,99 € Hoppenheim richtig des Fürchten gelehrt. Wer hätte gedacht, dass es einen Kommentator geben könnte, bei dem sich jeder normale Fußballfan jeden Lagers sogar ein Trio aus Réthy, Reif und Johannes B. Kerner zurück wünscht, flankiert von den Field-Experten Fritz Walter („Der Arzt hat mir sofort eine Invasion gelegt“), Lothar Matthäus („Wir dürfen uns nicht verhalten wie ein Vogel-Strauss und Sand in den Kopf stecken“), Bruno Labbadia („Das wird alles von den Medien hochsterilisiert“), Andy Möller („Vom Feeling her hatte ich ein gutes Gefühl“), Rudi Völler („Zu 50% stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch nicht“) und Mario Basler („Ich lerne doch nicht extra französisch für die Spieler, wo diese Sprache nicht mächtig sind“)?

Aber das Grauen hat einen Namen. Steffen Simon. Wer sich mit Steffen Simons Vita beschäftigt, dem wird schnell auffallen, dass Simon als Sportchef des WDR quasi selber entscheiden kann, wer in der ARD die Fußballspiele kommentiert. Das ist in sofern ganz lustig. Aber vor allem spricht es Bände über die Organisation eines öffentlich-rechtlichen Senders, als dass das in etwa so ist, als würde man Til Schweiger zum Bundestrainer machen und sich dann wundern, dass fortan an Stelle von Schweinsteiger, Götze, Gündogan und Reus Spieler wie Schweighöfer, Tschirner, Hallervorden sowie Emma und Luna Schweiger auflaufen und die Nationalelf folgerichtig anschließend als lustige „KeinTorHasen“-Combo in die Annalen der Fußballhistorie eingeht. Kch, kch, sie hat anal gesagt.

Steffen Simon jedenfalls sah den Dortmunder Mittelfeldakteur Henrich Mchitarjan gefährlich am Strafraumeck einen Ball Richtung Tor bringen – ungeachtet der Tatsache, dass dieser schon Minuten zuvor gegen Kevin Kampl ausgetauscht wurde. Ein Ball, dem der Dortmunder Verteidiger Sokratis nahe der Eckfahne mit einer artistischen Bewegung so auswich, dass er ihn nicht mehr berührte, kommentierte er auch in der zweiten Zeitlupe mit einem dogmatischen „Da war der Dortmunder zuletzt dran“. Diese Fehleinschätzung teilte übrigens auch der Schiedsrichter an diesem Abend, quasi der Steffen Simon der Referees, und entscheid auf Eckball für Hoppenheim. Aus diesem entstand dann nebenbei der 1:1 Ausgleich, aber das nur am Rande. Steffen Simon wähnte sich auch stets im Recht, was eine Einschätzung von Abseits-Positionen anging. Sofern die Zeitlupe etwas anderes offenbarte, erging er sich in der beliebten Rechtfertigung „Na gut, die Perspektive verzerrt natürlich ein bisschen“. Was nicht etwa heißen sollte „Oh, da lag ich wohl falsch“ sondern eher ein „Wenn sie jetzt denken, dass ich vielleicht Unrecht haben könnte, vergessen Sie nicht, dass Ihr TV-Bild kein realitätsnahes 4D-Bild darstellt“ meinte.

Nachdem Steffen Simon dann noch einige Kostproben seiner mathematischen Fähigkeiten zum Besten gab („Anderthalb Minuten. Noch 90 Sekunden bis zum Halbfinale. Oder bis zum Elfmeterschießen.“) und das Spiel glücklich für den BVB gewonnen war, hatte die ARD ein Einsehen und schaltete zu Gerhard Delling und Mehmet Scholl. Dem geneigten Zuschauer blieb damit allerdings vorenthalten, dass Steffen Simon sich parallel auf der Pressetribüne zum „Man of the Match“ wählte und sich die Kommentatoren-Position für das Finale der EM 2018 zusicherte.

Das werde ich in meiner nächsten Kolumne aber leider auch nicht beleuchten können, da ich vertraglich verpflichtet bin, maximal eine Kolumne pro Monat dem Thema „Fußball“ zu widmen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Chefetage dieses lustigen Feminismus-Portals weitestgehend aus Schalkefans besteht, ist das zwar hochgradig skandalös, aber wenig verwunderlich.

#SchalkeIssHeilbar

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Um aber innovativ vor zu gehen und der Interaktivität dieses lustigen Mediums das Wort zu reden, dürft Ihr, meine lieben Trollen Freunde … treuen Freunde, sorry … TREUEN FREUNDE, das Thema der nächsten Kolumne selber bestimmen.

Kommentiert also bitte unter diese mal wieder sprachlich desaströs ausgelieferte Möchtegern-Kolumne, welches Thema ich in der kommenden Woche beleuchten soll:

  1. „AIDA 3“ – Für den dritten Teil der Mittelmeer-Trilogie
  2. “Beiss n Herz“ – Dafür, dass ich Micky Beisenherz zu einem Teller Pasta im Vapiano einlade
  3. “Sie füllen es aber auch aus“ – Dafür, dass ich Reiner Brüderle überrede, seine Lieblingstweets aus der #Aufschrei-Kampagne gemeinsam mit mir im Duett vorzulesen, wobei das Live-Publikum bestimmen darf, wer von uns beiden nackt antreten muss
  4. „Trolololololo“ – Dafür, wenn es Ihnen Scheißegal ist, was das Thema der nächsten Kolumne sein wird, Hauptsache es hat nichts mit Techblogging zu tun, damit Sie sich frisch, fromm, fröhlich, frei in der Kommentarspalte darüber auslassen können, dass Sie ganz sicher nie wieder zu diesem mittlerweile völlig verkommenen Ex-Techblog zurückkehren werden.

Ich freue mich!