Das Beste von Netflix, Amazon Prime und ZDF Mediathek
Streaming Lieblinge im Juni

Von der mordlüsternen Lizzie Borden über digitale Ängste via Black Mirror und dem kriegerischen American Gods bis hin zu einer 6-teiligen Doku über die gesamte Menschheitsgeschichte sind hier die besten Streaming-Angebote im Juni 2017 aufgelistet.
von Jessica Mancuso am 15. Juni 2017

Lange ist es her, dass ich meine Streamingempfehlungen mit euch geteilt habe. So lange, dass ich nun kaum weiß, womit ich anfangen soll – so viele tolle Sachen gibt es zurzeit auf Netflix, Amazon Prime und in diversen Mediatheken. Wie immer gilt: Lasst mich und andere gerne auch an euren Empfehlungen teilhaben und hinterlasst diese nach Möglichkeit in den Kommentaren.

 

Netflix – The Lizzie Borden Chronicles

Spannend, brutal und düster beginnt diese Serie mit Christina Ricci in der Hauptrolle, die auf wahren Begebenheiten beruht.

Lizzie Borden, die 1860 in Massachusetts zur Welt kam, wurde im Alter von 32 Jahren am Doppelmord ihres Vaters und ihrer Stiefmutter angeklagt und letztendlich freigesprochen. Der Fall ist nach wie vor nicht gänzlich geklärt, weswegen sich einige Mythen um die Person Lizzie Borden ranken, die sie bis heute, nicht zuletzt durch die Popkultur, unsterblich gemacht haben.

Nun hat sich Netflix die Geschichte zu eigen gemacht und daraus eine eigene Produktion geschaffen. Die ersten paar Minuten und Sequenzen der ersten Folge erscheinen erstmal so, als hätte jemand auf LSD alte s/w Aufnahmen dem CSI-Stil angepasst. Es wirkt unfassbar skurril und befremdlich. Übersteht man aber diese unangenehmen Minuten, entfaltet sich eine Story, von der man nicht ablassen kann.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Netflix, das Winona Ryder (Stranger Things) und Christina Ricci wieder auf die häusliche Leinwand gebracht hat. Zwei starke Schauspielerinnen, die endlich wieder Beachtung in intensiven Rollen finden.

So konnte ich teilweise den Blick von der Ricci gar nicht mehr abwenden; in ihren Blicken steckt mehr Aussagekraft als mancher Blockbuster in 120 Minuten aufbringt. Eine hochgezogene Augenbraue und es ist alles gesagt. Ein Zucken um die Mundwinkel und es ist klar, wer als nächster sterben muss. 

Kleine Randnotiz: Bereits 2014 wurde der Film „Lizzie Borden took an ax“ nach der gleichnamigen Songzeile aus „Ukulele Anthem“ mit Christina Ricci und Clea DuVall veröffentlicht und gilt als feinster Horrorfilm.

Die Chroniken der Lizzie Borden – ein Fest für die Sinne und Christina Ricci-Fans.

 

Netflix – Black Mirror

Erst vor wenigen Tagen, als ich mit einer Bekannten im Gespräch war, wurde mir bewusst, dass nicht, wie fälschlicherweise von mir angenommen, jeder diese Serie bereits kennt – und liebt. Daher möchte ich sie nun besonders hervorheben und sie euch ans Herz legen.

Black Mirror besteht mittlerweile aus 3 Staffeln mit je 3 bis 6 Folgen. Jede Einzelne ist in sich geschlossen und handelt jeweils ein anderes Thema ab, wobei es stets um den technischen Fortschritt geht und worin dieser die Welt noch führen könnte. Dabei werden aktuelle Themen aufgegriffen und teilweise ad absurdum geführt, die gleichzeitig den unangenehmen Nachgeschmack einer künftigen Zukunftsvision hinterlassen. Die NY Times beschreibt die Serie sehr treffend als die „Twilight-Zone des digitalen Zeitalters.“

Meine Lieblingsfolge ist die 5. Folge der 3. Staffel mit dem Titel »Männer aus Stahl«. Dabei geht es um einen Krieg, der in Zukunft geführt werden könnte: Mit hochtechnologischen Waffen, die den Soldaten die Angst vor dem Töten nehmen, bzw. den Drang des Hinterfragens unterdrücken. Bislang scheint unsere größte Sorge im Hinblick auf die moralische Frage des Tötens noch von unbemannten Drohnen auszugehen, wobei ein Soldat kilometerweit vom eigentlichen Angriffspunkt entfernt in seinem Sessel sitzt und lediglich einen Knopf drücken muss, um zu töten. Aber Black Mirror wäre nicht der Spiegel, den die Serie uns vorhält, wenn sie auf bereits bestehende, breit diskutierte Theorien aufspringen würde. Herausgekommen ist die für mich beste Folge überhaupt.

Wer wiederkehrende Elemente mag, wird mit dieser Serie zusätzlich seinen Spaß haben. Hier das Lied, von dem ich seit Jahren immer mal wieder einen Ohrwurm habe, weil er in einigen Folgen zentraler und in anderen Folgen sehr unterschwellig vorkommt.

 

ZDF Mediathek – Terra X – Unterwegs in der Weltgeschichte

Eins vorab: Diese Empfehlung hat einen Haken, der den Namen Hape Kerkeling trägt. Und das meine ich nicht böse, aber … ich liebe Terra X und finde Geschichte grundsätzlich spannend. Doch wenn in einer Dokumentation ein Hape Kerkeling als ägyptischer König auftritt und in fremden Zungen spricht, dann leidet der qualitative Anspruch durchaus darunter. Wer aber wie ich an den entsprechenden Stellen die eine oder andere Atemübung macht und sein Zen sucht, um den Fernseher samt Fire TV nicht aus dem Fenster zu werfen, der wird diese ansonsten sehr tolle Dokureihe lieben!

Chronologisch aufgebaut führt Kerkeling über 6 Episoden à 45 Minuten sehr gekonnt durch alle Epochen, indem er quer durch die Welt reist und Einblicke in vergangene Zeiten gewährt. So kann man neben dem alltäglichen Binge-Watching auch wunderbar sein Allgemeinwissen auffrischen, ohne vom Sofa aufstehen zu müssen. Was will man mehr.

Teil 1: Der große Aufbruch – vom kulturellen Urknall bis zum ersten Kaiser von China.

 

Amazon Prime – American Gods

Ich mache nun etwas sehr Untypisches und empfehle euch ganz frech eine Serie, von der ich selbst gerade mal die ersten zwei Folgen gesehen habe. Aber von vorn:

Ein Kumpel sagte vor zwei Wochen zu mir: »Jazz! Du MUSST American Gods auf Prime schauen!« und meine Reaktion war: »Oh nee, bloß nicht schon wieder was mit Amerika im Titel!« Ob es nun an Trump oder der schieren Masse an »House of Cards« und »Designated Survivor« Serien liegt, kann ich nicht genau sagen. Ich weiß nur, dass ich genervt davon bin und mich dann doch nicht so sehr für das weiße Haus und seine Mitglieder interessiere, als dass ich auch den Feierabend nach den obligatorischen Nachrichten mit diesen Tröten verbringen möchte. Das wiederum ist absolut typisch für mich: Danke für die Empfehlung, Bro, aber lass mich in dem Zusammenhang auch direkt über Politik reden, damit ich meinem Ragemodus frönen kann.
Schuldig im Sinne der Anklage.

Dann ließ ich mich besänftigen, schaute die erste Folge, fand das alles ein wenig hektisch und verwirrend und schaute natürlich direkt die zweite Folge. Was mir sofort auffiel: viele Figuren, starke Charaktere und ein Hauch von Kunst, die in der Luft lag.

Und dann passierte alles ganz schnell. Ich erfuhr, dass die Serie auf dem gleichnamigen Roman von Neil Gaiman beruht, von dem ich erst eine Woche zuvor »Niemalsland« gelesen hatte, wovon ich schwer begeistert war. Diese neue Serie müsste demnach großartig sein, doch bestellte ich mir erstmal das Buch und ließ die Serie links liegen. Zumindest für den Moment.

Kommen wir also nun (endlich, Verzeihung) zum Inhalt:

American Gods handelt von den alten und neuen Göttern dieser Welt, von Legenden und Mythen, die sich um Amerika ranken und dieses Land seit 500 Jahren prägen. Von der Sklaverei und den ersten englischen Schiffen bis hin zur modernen Techniklobby, die von manch einem durchaus angebetet wird, entführt Gaiman den Leser/Zuschauer in eine verrückte, dunkle, groteske Welt, die inmitten eines riesigen Krieges münden soll.

Über die Serie weiß ich bislang, dass Gaiman während der Produktion dabei war und jede Änderung in der Serie selbst abgesegnet hat. Einige Rollen wurden eigens dafür stärker ausgearbeitet, sodass mehr weibliche Rollen auf den Bildschirm erscheinen, als es im Buch noch der Fall war. Allein aus dem Grund, dass sich das 400-Seitenbuch auf 3 Staffeln erstrecken soll, wird es entsprechend angepasst werden müssen.

Wer mehr darüber erfahren möchte, kann hier alles relevante und noch mehr Sideinfos nachlesen.