Studie: iPhones stürzen häufiger ab als Android Smartphones

Von Blancco Technology kommt eine Studie, die sich mit den Abstürzen auf iOS- und Androiid-Devices befasst. Nachdem sich iOS diesbezüglich im letzten Quartal deutlich verschlechtert hat, wurden bei diesem Vergleich erstmals die Androiden als die absturzsicheren Handsets vermeldet. 
von Carsten Drees am 15. September 2016

“It just works” – da können Samsung und Co noch so viele Smartphones mit Android verkaufen: Dieser Claim von Apple hat es stets auf den Punkt gebracht, in welcher Disziplin die Android-Smartphones nie mit den iPhones mithalten konnten. Auf dem Smartphone aus Cupertino funktioniert das OS einfach, iOS ist gleichermaßen intuitiv als auch stabil.

It just worked…

Eine Studie von Blancco Technology soll nun aber belegen, dass hier ein Umdenken einsetzen könnte, denn erstmals hat das Unternehmen in seinen Erhebungen im letzten Quartal feststellen müssen, dass die Android-Smartphones nicht so häufig abstürzen, wie das bei den iPhones der Fall ist bzw. generell bei iOS häufiger Fehler auftreten. Eine Verbesserung der Absturzwerte bei Android als auch ein deutlicher Einbruch bei iOS haben dafür gesorgt, dass sich erstmals Android diese Krone schnappen konnte. In einem Statement von Blancco Technology heißt es:

According to the Q2 2016 State of Mobile Device Performance and Health report released today by Blancco Technology Group (LON: BLTG), Apple has lost its usual ‘leader’ position to Android in the eternal smartphone performance battle. Plagued by crashing apps, WiFi connectivity and other performance issues, the iOS failure rate more than doubled to 58 percent in the second quarter of 2016, compared to its 25 percent failure rate in the previous quarter.

Die Blancco Technology Group erhebt mit Hilfe seiner Diagnose-Tools – natürlich anonyme – Daten von Millionen Smartphones und wertet dann aus, was bei den einzelnen Systemen schief läuft: Daraus lässt sich also nicht nur ablesen, welches der beiden mobilen Betriebssysteme eine höhere Fehlerquote vorzuweisen hat, sondern auch, wie es zu Abstürzen kommt und welche third-Party-App auf dem einen System stabiler läuft als auf dem anderen. Im iOS-Lager sorgen übrigens die Apps Snapchat (17 Prozent), Instagram (14 Prozent) und Facebook (9 Prozent) für die häufigsten Abstürze.

Apple hat sich diesen Daten zufolge im zweiten Quartal 2016 gegenüber dem vorherigen Quartal signifikant verschlechtert: Aus einer Fehlerquote von 25 Prozent wurde nun eine von 58 Prozent – mehr als doppelt so hoch also. Das bedeutet: Auf 58 Prozent der getrackten iPhones kam es im Laufe des Quartals irgendwann zum Absturz der Software. Grafisch aufbereitet sieht das wie folgt aus:

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Die Absturzhäufigkeit ist laut der internen Apple-Übersicht dabei bei den kleineren Modellen iPhone 6 und iPhone 6s wesentlich höher als bei den 5,5 Zoll großen Plus-Modellen der letzten beiden Jahre. Das ist insofern interessant, als beim iPhone 6s und dem iPhone 6s Plus intern die gleiche Technik am Start ist und daher eigentlich auch zu ähnlichen Ergebnissen führen sollte.

In der Studie führen bei den Fehlern auf den iPhones App-Abstürze (65 Prozent der festgestellten Fehler) mit großem Vorsprung vor WLAN-Problemen (11 Prozent) und Schwierigkeiten mit den Headsets (4 Prozent).

Blicken wir nun zu Android: Dort hat Blancco Technology im ersten Quartal noch eine Fehlerquote von 44 Prozent ermittelt. Im letzten Quartal konnte die sich verbessern auf nun mehr 35 Prozent. Das ist nicht so eine signifikante Änderung wie die bei iOS, dafür aber eben eine in die richtige Richtung. Auch hier gibt es eine Grafik, die das verdeutlicht und in der sowohl die Hersteller als auch die Modelle aufgeführt sind, die für die häufigsten Abstürze verantwortlich sind:

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Hier darf sich Samsung mit einem Wert von 26 Prozent über die zweifelhafte Krone bei den Abstürzen freuen, während in der Auflistung nach Modellen die chinesischen Smartphones von LeEco und Lenovo die Top Fünf komplett unter sich ausmachen.

Der Grund dafür, dass sich iOS im letzten Quartal so viel schlechter präsentiert hat? Laut Blancco sollen die letzten Änderungen bei Android 9.3.1 bzw. 9.3.2 dafür gesorgt haben, dass es häufiger zu Abstürzen kommt, sich die Sprachqualität beim Telefonieren via Bluetooth verschlechtert habe, der Akku schneller verbraucht wird es zu WLAN-Verbindungsproblemen komme.

Interessant ist bei der Studie noch, dass günstige Android-Devices öfter abstürzen als die Premium-Modelle und dass die Fehlerhäufigkeit sowohl bei Android als auch iOS in Asien größer als in Nordamerika ist (wenngleich sie bei iOS sowohl in Nordamerika als auch in Asien oberhalb von 50 Prozent liegt). Übrigens halten sich die Abstürze von iOS-eigenen Apps und Third-Party-Apps auf dem iPhone die Waage, während bei der Konkurrenz nur 23 Prozent der Android-Apps abschmieren.

Die Blancco Technology Group glaubt hier jedenfalls generell zu erkennen, dass sich die Machtverhältnisse aktuell verschieben, nachdem das iPhone seit seinem ersten Launch stets die stabilere Software besessen hat.

Ever since the iPhone was introduced in 2007, Apple’s iOS has been a force to be reckoned with. But our data suggests that the performance battle between iOS, Android and other operating systems is constantly changing. Richard Stiennon, Chief Strategy Officer bei der Blancco Technology Group

Was bedeutet das für die Zukunft?

Steht nun also die große Wachablösung an? Android-Smartphones laufen stabiler als iPhones? Die Studie mag das belegen und für den beobachteten Zeitraum und die erfassten Smartphones mag das stimmen. Aber wie ihr schon bei den großen Unterschieden zwischen Quartal 1 und Quartal 2 seht, können sich die Dinge binnen weniger Wochen signifikant verändern.

Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass jetzt – nach der Veröffentlichung von iOS 10 – die Karten wieder neu gemischt werden. Wir könnten jetzt erwähnen, dass ja auch Google mit Android 7.0 Nougat eine neue Iteration ins Rennen geschickt hat, aber dessen Verbreitung wird im dritten Quartal des Jahres nur auf so lachhaft wenigen Geräten vorzufinden sein, dass es für die nächste Datenerhebung in drei Monaten keinerlei Impact hat.

Lasst uns das einfach mal im Auge behalten, wie sich das in der nächsten Zeit entwickelt und dabei auch im Hinterkopf behalten, dass die Blancco Technology Group auch nur eines von vielen Unternehmen ist, welches solche Daten trackt, auswertet und miteinander vergleicht. Kein Grund also als Android-Nutzer, jetzt hämisch mit dem Finger auf iPhone-Besitzer zu zeigen, aber allemal eine interessante Entwicklung.

Quelle: Blancco via BGR