Studie: Touch-Smartphones verbessern Zusammenspiel zwischen Gehirn und Daumen

Smartphones ändern die Art, wie unser Gehirn und unser Daumen interagieren, hat ein Studie aus der Schweiz ermittelt. Der häufige Einsatz des Daumens auf Smartphone-Displays wirkt sich positiv auf unser Gehirn aus.

Habt ihr schon einmal beobachtet, wie sich unsere Jüngsten verhalten, wenn sie anfangen, erstmals in Zeitungen oder Magazinen zu blättern? Immer öfter realisieren Kleinkinder nicht mehr auf Anhieb, dass sie das Bild in einem Magazin oder einem Buch gar nicht anklicken können und man eben nicht mit einem Fingertipp oder einer Geste ein Bild öffnet oder in der Größe verändert. Das hängt damit zusammen, dass wir es ihnen exakt so vorleben und ihnen vielleicht die weite Welt immer öfter auf dem Touch-Display eines Tablets erklären.

In kürzester Zeit haben wir uns alle darauf eingestellt, dass uns in allen Bereichen des Lebens Displays begegnen, die wir mit unseren Fingern bedienen und bei denen wir nicht mehr auf physische Tasten angewiesen sind. Eine Studie hat sich damit beschäftigt, wie sich das auf unsere Gehirnaktivitäten auswirkt, dass unser Daumen somit heute ganz andere Aufgaben übernimmt als vielleicht noch vor zehn Jahren.

Ende 2014 veröffentlichten die Wissenschaftler der Universität Zürich und ETH Zürich ihre erstaunlichen Resultate. Ergebnis: Durch Smartphone-Displays ändert sich die Interaktion zwischen Daumen und Gehirn und das in einer positiven Art und Weise. Science Daily spricht sogar davon, dass das Smartphone unseren Daumen Superkräfte spendiert! Wer eifrig sein Smartphone nutzt, spricht die Areale des Gehirns, die für Reize und Bewegungen von Daumen und Zeigefinger zuständig sind, deutlich stärker an als Menschen, die alternativ physische Tasten bedienen.

Beim Versuch mit 37 Probanden verließ man sich auf 26 Personen mit einem Touch-Smartphone, während die anderen 11 klassische Smartphones mit echten Tastaturen benutzten. Im Vorfeld wurden die Smartphone-Gewohnheiten abgefragt – mit welchem Finger bedient man das Device, wie lange nutzt man es am Tag, etc. Die überraschende Erkenntnis: Binnen weniger Wochen reagiert das Gehirn bereits auf die Smartphone-Nutzung.

Beim Versuch berührten die Wissenschaftler nacheinander den Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger der Test-Kandidaten und mittels EEG wurde ermittelt, wie stark die Areale des Hirns reagierten, die für diese drei Finger zuständig sind. Bei den Probanden mit Touchscreen-Handy  waren die elektrischen Pulse bei allen drei Fingern deutlich stärker als bei den Testpersonen, die mit der Tasten-Alternative unterwegs sind. Die Impulse waren dabei um so stärker, je öfter und länger die Tester im Vorfeld das Smartphone genutzt haben und selbst tagesabhängige Schwankungen konnten ausgemacht werden, sprich: Hatte man eben erst das Smartphone in der Hand, waren die Ausschläge intensiver, als wenn die Nutzung schon Stunden her ist.

Unserem Gehirn kommt dabei zugute, dass es sich beim Daumen um Bewegungsabläufe handelt, die a) sonst nicht üblich sind für uns und b) sehr, sehr häufig ausgeführt werden. Bewiesen ist durch den Versuch, dass sich unser Gehirn durch die Touchscreen-Nutzung verändert und unsere Hirnrinde durch die genutzte Technologie selbst auf minimalste Reize unserer Finger stärker reagiert. Vor allem der Daumen wird dadurch sensitiver, auch wenn die Wissenschaftler noch nicht in der Lage sind, die Abläufe hinter diesem Vorgang hundertprozentig nachvollziehen zu können.

Mich wundert am meisten, dass das Gehirn schon nach wenigen Wochen darauf reagiert, wenn wir unser Smartphone mit dem Daumen traktieren und mich würden weitere Studien interessieren, wie sich durch die digitalen Technologien die Arbeitsweise unseres Hirns verändert.

Quelle: Cell.com via Science Daily