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Studie
Suchmaschinen machen uns schlauer – denken wir zumindest

Eine Studie der American Psychological Association verrät, dass uns das Nutzen einer Suchmaschine - also Zugang zu Information - glauben lässt, dass wir schlauer sind. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob die Suche bei Google, Bing und Co von Erfolg gekrönt ist oder nicht. 

Was waren das noch für Zeiten damals, als wir noch kein Internet hatten und somit auch nicht automatisch immer eine Anlaufstelle für unsere vielen Fragen. Ich kann mich beispielsweise erinnern, dass ich in den Achtziger Jahren Plattenfirmen angeschrieben habe, später US-amerikanische Brieffreundinnen, wenn ich den Text zu einem bestimmten Song haben wollte und ich nicht jedes Wort beim Hören verstand. Heute  ist das eine Sache von zwei Sekunden, den Songtitel mit dem Wort „lyrics“ zu kombinieren, um den Text in vollem Wortlaut vor mir zu haben.

Fühle ich mich deswegen heute so, als hätte ich das ganz große Stück vom Kuchen der Erkenntnis genascht, verglichen mit damals? Nein, wirklich nicht – zumindest nicht bewusst. Aber eine psychologische Studie der American Psychological Association soll nun belegen, dass ich bzw.wir alle uns allein schon deshalb klüger fühlen, weil wir eine Suchmaschine nutzen. Dieses Gefühl ist dabei nicht einmal an den Erfolg unserer Suche gekoppelt, soll heißen: Selbst, wenn wir das gewünschte Suchergebnis nicht bekommen, schätzen wir uns tendenziell schlauer ein als es Menschen tun, die nicht gesucht haben. In der Auswertung der Studie heißt es:

Searching the Internet may cause a systematic failure to recognize the extent to which we rely on outsourced knowledge… People mistake access to information for their own personal understanding of the information

Wir versagen – das belegt die Studie der APA – bei dem Versuch, unser Wissen von dem externen zu unterscheiden, unsere Psyche gaukelt uns also vor, dass das externe Wissen zu unserem gehört. Zu diesen Erkenntnissen gelangte die American Psychological Association durch eine Vielzahl von Experimenten (PDF-Datei), bei denen sich herauskristallisierte, dass für diesen psychologischen Effekt allein der Suchmodus ausreicht, in welchem wir uns beim Ansteuern der Suchmaschine befinden.

Bei einem Experiment wurde eine Testgruppe gebeten, mehrere einfache Fragen (Wie funktioniert ein Reißverschluss) zu beantworten. Dabei durften sie im Gegensatz zu einer zweiten Gruppe für die Antwort auch eine Suchmaschine befragen. Im Anschluss wurde eine Vielzahl weiterer, komplexerer Fragen gestellt von allerlei Themen von Wetterphänomenen bis zu amerikanischer Geschichte. Die Teilnehmer der Suchmaschinen-Gruppe bei den einfachen Fragen fühlte sich erstaunlicherweise auch bei den schwierigeren Themen tendenziell schlauer als die anderen Befragten.

Was lernen wir nun daraus? Wenn wir eine Frage nicht beantworten, sind wir uns dessen grundsätzlich bewusst – auch, dass wir nun eine gewisse Zeit und Anstrengung benötigen, um zur Antwort zu gelangen. Im Internet verwischen diese Grenzen zwischen Wissen und zwischen dem, was wir glauben zu wissen.

Matthew Fisher – der leitende Wissenschafter bei dieser Studie – findet dieses Resultat ziemlich beunruhigend, denn es lässt sich aus dem Experiment ableiten, dass wir im Internet dazu neigen, uns selbst zu überschätzen. Das könnte vielleicht so manche Reaktion von Leuten in Foren und Kommentarzeilen erklären, was aber nur einen äußerst schwachen Trost darstellt. Viel dagegen unternehmen können wir vermutlich nicht – richten wir uns also darauf ein, dass wir zu einem Volk von sich überschätzenden Besserwissern mutieren.

Quelle: American Psychological Association via Washington Post