Hellhäutige Hand im Super Mario Maker

Super Mario Maker: Rassismus-Keule wegen weißer Hand

Nintendo bringt im September Super Mario Maker heraus - ein neues Super Mario-Spiel für die Wii U, bei dem ihr eure eigenen Level gestalten könnt. Für Aufregung sorgt - zumindest für den Business Insider - eine hellhäutige Hand. Brauchen wir wirklich künftig in Spielen Hände in allen Hautfarben, damit sich niemand benachteiligt fühlt und niemand die Rassismus-Karte ausspielt?

Bei der E3 waren nicht alle komplett begeistert von dem, was die Japaner von Nintendo aufgefahren hatten. Immerhin konnte das Unternehmen, welches kürzlich erst den Verlust des Chefs Satoru Iwata verkraften musste, aber mit dem Super Mario Maker aufwarten – einem Game, in welchem der Spieler seine eigenen Levels für den kleinen, italienischen Kult-Klempner gestalten darf. In diesem Clip bekommt ihr das Spiel vorgestellt:

Dieses Spiel macht jetzt dem Business Insider bzw. dessen Autor Ben Gilbert einiges Kopfzerbrechen. Wieso? Wegen der Hand, die beim Level-Erstellen quasi eure Hand auf dem Display darstellt. Ihr seht eben eine menschliche Hand, die an den Levels arbeitet und der Stein des Anstoßes ist für Gilbert die Hautfarbe dieser Hand, die zu einer hellhäutigen Frau zu gehören scheint.

What if I were, say, a 10-year-old black girl? Or a 30-year-old Japanese man? Or literally anything other than an adult white woman (which the hand appears to belong to)? Ben Gilbert

Auf seine explizite Nachfrage, ob man diese Hand auch in anderen Hauttönen nutzen könne, verneinte Nintendo zunächst – bestätigte ihm also in einem Presse-Meeting, dass es hier keine anderen Optionen geben wird. Hier meldete sich Nintendo aber später beim Business Insider und ruderte zurück: Es wird für die Hand im Spiel verschiedene Optionen geben, unter anderem eben auch verschiedene Hauttöne.

Ob sich Nintendo dazu flott nachträglich entschlossen hat, oder ob der Verantwortliche im Meeting schlicht nicht vernünftig informiert war über die finale Version ist dabei auch nicht wirklich entscheidend. Gilbert ist stinkig, dass man ihm diese Info vorher nicht geben konnte – klar, denn immerhin baut sein kompletter Beitrag ja darauf auf, dass es nur eine hellhäutige Hand gibt. Übrigens gibt es auch ein Gameplay-Video mit einer Hand in anderem Hautton – somit scheint es im Spiel tatsächlich mehrere Möglichkeiten zu geben, wobei es natürlich sein kann, dass zufällig verschiedene Versionen der Hand ausgewählt werden:

Gilberts Artikel war damit im Grunde komplett hinfällig, versprach er doch in der Headline, einen “eklatanten Makel” des Spiels aufzuzeigen. Keine Ahnung, ob es nur mir so geht, aber würde ich Super Mario Maker zocken – ich hätte nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, wie diese Hand im Spiel aussieht. Ebenso hab ich mich auch früher nie geärgert, dass ich weder Klempner, Italiener noch Schnäuzer-Träger bin, wenn ich Super Mario gespielt habe.

Woher kommt diese Empörungs-Kultur?

Der Punkt, der mich so nervt an dieser Nummer: Da wird völlig grundlos die Rassismus- oder auch Sexismus-Karte ausgespielt und versucht, einen Shitstorm loszutreten, den Nintendo dafür sicher nicht verdient hat. Darüber mag man vielleicht hinwegsehen, wenn ein kleines Blog diese Theorie verficht, aber eben nicht, wenn es so eine Größe wie der Business Insider ist, dessen Beiträge selbstverständlich auch direkt von anderen Blogs gecovert werden.

Es wäre jetzt aber mies, lediglich Gilbert/Business Insider anzuzählen, denn es scheint aktuell Mode zu sein, sich möglichst leicht und vor allem laut über jede noch so kleine Kleinigkeit aufzuregen im Netz. Mir erschließt sich dabei nicht so ganz, ob diese Leute dann tatsächlich so schnell wütend werden und für Nichtigkeiten übelste Konsequenzen fordern, oder ob es einfach nur der Wunsch ist, von der Netzgemeinde wahrgenommen zu werden.

Plötzlich sind wir alle Experten für Rassismus- und Sexismus-Fragen, für Sport und Weltpolitik sowieso und wie damals im alten Rom haben wir scheinbar auch irgendwoher das Recht erworben, mit Daumen-hoch oder Daumen-runter darüber zu entscheiden, ob ein Spruch jetzt noch politisch korrekt war oder ob der Verfasser virtuell gesteinigt werden muss. Uns ist scheinbar das Talent abhanden gekommen, einfach mal etwas schlicht nicht zu mögen – einfach so, ohne dass man einfordert, dass nun Köpfe rollen müssen.

Das Thema ist sicher ein wenig komplexer, als dass man das nun mit wenigen Sätzen abtun könnte, also belassen wir es lieber bei diesem konkreten Fall der “Nintendo-Hände”. Gilbert scheint ja sogar schon enttäuscht zu sein, dass neben dem Hautton auch die Form der Hand nicht zu seiner Hand zu passen scheint. Aber unter dem Strich bleibt vor allem der Vorwurf der vermeintlich festgelegten Hautfarbe in den Köpfen der Leser, sprich: Ein leiser Rassismus-Vorwurf an Nintendo. Ob er nun wirklich so tickt, oder ob man sich durch so eine Herangehensweise erhofft, dass so ein Clickbait-Artikel millionenfach gelesen wird – ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass ich es nicht mag! Wir zeigen bei Mobile Geeks auch gern klare Kante und sprechen Dinge deutlich an, die uns stinken – aber deswegen muss man keinen Skandal sehen, wo definitiv keiner ist.

Was denkt ihr?

Wie ist eure Meinung zu diesem konkreten Fall? Würdet ihr euch auch daran stören, wenn ihr keinen Einfluss auf die Hautfarbe der Hand habt, oder wäre es euch egal?

Quelle: Business Insider