Im Gespräch mit Andre Hansel
Surface Book 2: Interview bei Microsoft zum neuen 15 Zoll Flaggschiff

Zum Verkaufsstart des neuen Surface Book 2 mit 15 Zoll Display durfte ich bei Microsoft in München ein Interview mit Andre Hansel führen. Er ist Senior Product Marketing Manager und hat mir einige Fragen zu seinem Job, der Surface-Familie, dessen neuem Mitglied und den Zukunftsvisionen von Microsoft beantwortet.
von Vera Bauer am 23. Februar 2018

Wer ist Andre Hansel?

Sie sind bei Microsoft Senior Product Marketing Manager. Was ist Ihre Aufgabe, was steckt da für ein Team dahinter? Sind Sie nur für Deutschland oder auch Europa zuständig? 

Andre Hansel: Das ist ein sehr vielseitiger Job. Als Product Marketing Manager bei Microsoft ist man sozusagen die Schnittstelle zwischen unseren US-Kollegen, die ja für die Entwicklung zuständig sind, und unseren lokalen Kollegen hier in Deutschland. Das heißt angefangen bei der Einführung von neuen Produkten, wie zum Beispiel dem Surface Book 2 mit 15 Zoll Display, bis hin zu Veranstaltungen. Aber auch die Kommunikation mit unseren Vertriebskollegen und dem Vertriebskanal ist eine meiner Aufgaben. Also ein sehr abwechslungsreicher und umfangreicher Job.

Wie tief sind Sie in die Entwicklung eingebunden oder beschränkt sich Ihre Arbeit auf den Vertrieb der Produkte?

Andre Hansel: Also auf der einen Seite natürlich bin ich für das Marketing zuständig, auf der anderen Seite sind wir natürlich auch die Schnittstelle zu den US-Kollegen. Das heißt, wir nehmen sehr viel Feedback von unseren Anwendern auf, gerade ich bin für die Geschäftskunden in Deutschland verantwortlich.

Und wenn dann Feedback von großen Kunden-Projekten ankommt, sprich, wenn Änderungswünsche da sind aber auch Rückmeldung kommt, wie das Produkt verwendet wird – das nehmen wir auf und geben das an die USA weiter. Die Produktentwicklung selber findet in den USA statt, in Redmond, von den Kollegen aus dem Engineering-Bereich, die für die Hardware verantwortlich sind.

Ein Blick auf die Surface-Familie

Was zeichnet für Sie einen guten Laptop aus?

Andre Hansel: Ein guter Laptop zeichnet für mich aus, dass ich das Gerät flexibel einsetzen kann; dass der Laptop mich bei meiner Arbeitsweise unterstützt – das heißt, ich möchte in meinem Büroalltag zum Beispiel mit PowerPoint, Excel, Outlook etc. arbeiten. Der Laptop muss also performant sein, er muss die Leistung haben, die ich brauche.

Er muss aber auch die Akkulaufzeit haben – sprich, ich erwarte schon, dass der Laptop mich durch den ganzen Arbeitstag bringt, sodass ich am Ende noch Reserve habe. Ich von Microsoft erwarte auch, dass der Laptop ein entsprechendes Design hat – das heißt, ich möchte nicht diese einfachen Laptop mit Kunststoffgehäuse haben, sondern ich möchte schon einen Rechner, der ein Premium nach außen darstellt.

Welches Gerät aus der Surface-Familie würden Sie bevorzugen?

Andre Hansel: Das ist, als würde man mich nach meinem Lieblingskind fragen. Also für mich ist es ganz interessant: Die Auswahl ist je nach Einsatzszenario – das heißt, aktuell ist das Surface Book meine erste Wahl, wenn ich Leistung brauche, also wenn ich vielleicht mit Video- oder Fotobearbeitung arbeite.

Wenn ich sage, ich bin heute eher mobil unterwegs, dann würde ich das Surface Pro wählen, denn da kann ich die Tastatur leicht an- oder abdocken und kann es auch als Tablet verwenden. Es ist ja auch mit LTE-Modul zu bekommen. Wenn ich aber etwas leichtes brauche, wo der Fokus eher auf Schönheit und Style liegt, dann nehme ich den Surface Laptop. Da ist die Tastatur eben mit Alcantara überzogen und das Gerät gibt es in verschiedenen Farben. Ich kann eben nicht sagen, dass ich ein Lieblingskind habe.

Was macht die Surface-Familie aus – gibt es eine gemeinsame Designsprache, einen gemeinsamen Grundgedanken?

Andre Hansel: Also für die Surface-Entwicklung ist es wichtig, dass unsere Geräte dem Anwender einen gewissen Extranutzen bringen. Dass der Anwender etwas mehr Produktivität bekommt, ein bisschen flexibler ist, einfacher und besser arbeiten kann. Das zeichnet sich aus, zum Beispiel beim Surface Book, bei dem ich das Display abnehmen und als Tablet verwenden kann. Auf der anderen Seite aber auch als kompletter Laptop funktioniert. Der Extranutzen beim Surface Pro ist die Mobilität.

Der Surface Laptop hat eine sehr gute Akkulaufzeit und auch eine schöne Designsprache. Obwohl ich auch noch ein Touchdisplay dabei habe und den Stift verwenden kann. Und nicht zu vergessen, das Surface Studio mit dem ich im Desktopmodus oder auch im Studiomodus arbeiten kann. Das heißt im 20 Grad Winkel, wie ein Zeichenbrett vor mir und dann mit einem 28 Zoll Touchdisplay. In jedem unserer Geräte ist immer dieses Stückchen Extra drin – etwas mehr Funktionalität, etwas mehr Produktivität.

Welchen Stellenwert hat das Surface Book 2 in der Surface-Familie?

Andre Hansel: Das Surface Book 2 ist der leistungsstärkste Laptop, den wir haben. Das ist wirklich die Kraftmaschine und das ist nicht nur die Power der CPU, sondern auch die Grafikleistung. Das ist die Maschine mit der größten Performance, wohingegen ein Surface Pro oder ein Surface Laptop eher auf Leichtigkeit und Mobilität ausgelegt sind.

Das neu vorgestellte Surface Book 2 mit 15 Zoll Display

Das Surface Book ist in der 13,5 Zoll-Variante ein super Begleiter für den mobilen Einsatz, da es relativ leicht und kompakt ist. Welchen Anwender/Zielgruppe will man nun mit der 15 Zoll-Variante ansprechen?

Andre Hansel: Das 15 Zoll Modell ist ganz interessant für den deutschen Markt, gerade für Anwender die privat aus dem Gaming-Bereich kommen und wo der Fokus auf dem Display liegt. Ansonsten im professionellen Bereich für die Bildbearbeitung und den Videoschnitt, einfach da, wo ich mehr Bildschirm brauche. Aber genauso kann ich mir vorstellen, dass das Surface Book 2 interessant für Anwender ist, die mit der Windows 10-Funktionalität den Bildschirm splitten wollen und zwei Applikationen gleichzeitig laufen lassen. Überall dort, wo ich ein mobiles Gerät haben möchte und das große Display benötige. Interessant für den deutschen Markt ist, dass er schon gerne große Displays wählt, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.

Was sind die gravierendsten Unterschiede zwischen den beiden Geräten, abgesehen von der offensichtlichen Displaygröße?

Andre Hansel: Neben der Displaygröße unterscheidet sich beim Surface Book 2 mit 15 Zoll die Grafikkarte. Und zwar wurde hier die Nvidia GForce GTX 1060 GPU mit 6 GB GDDR5-Grafikspeicher verbaut. Wohingegen wir bei dem 13,5 Zoll Device die Nvidia GeForce GTX 1050 GPU mit 2 GB GDDR5 Grafikspeicher haben.

Ansonsten von den SSDs sind die beiden Geräte identisch, das heißt man hat die Wahl zwischen 256 GB, 512 GB oder 1 TB. Und beim Arbeitsspeicher gibt es einen ebenfalls einen kleinen Unterschied: Das Gerät mit 15 Zoll gibt es immer nur mit 16 GB RAM und das 13,5 Zoll Modell mit der kleinsten SSD hat nur 8 GB RAM, ansonsten 16 GB. Der Preis der beiden Geräte variiert auch zwischen 1 749 Euro und 3 799 Euro.

Ich habe gelesen, dass das Scharnier in der neuen Surface Book Auflage komplett überarbeitet wurde. Was war der Gedanke dahinter und was genau hat sich geändert?

Andre Hansel: Das Scharnier hat ja die Besonderheit, dass es beim Auf- und Zuklappen nicht nur mein Display trägt, sondern auch die Funktion hat, den Schwerpunkt zu verlagern. Das heißt, weil wir hier ein Touch-Gerät haben, bei dem ich das Display natürlich auch im Laptop-Modus anfassen kann, ist es wichtig, dass wir durch das Ausrollen des Scharniers den Schwerpunkt nach vorne verlagern und die Auflagefläche vergrößern. Das bedeutet auch, dass wir die Basis nicht so schwer machen mussten. Beim Scharnier haben wir jetzt die Komponenten intern verändert. Das merkt auch der Endanwender, denn das Display wippt nun nicht mehr so leicht nach hinten und ist ein bisschen stabiler geworden, im Vergleich zur ersten Surface Book-Variante.

Was wurde sonst noch am Design verändert, im Vergleich zum ersten Surface Book?

Andre Hansel: Der Designsprache sind wir treu geblieben, das einzige was wir verändert haben ist, dass es nun, zusätzlich zu den beiden 3.0-USB-Ports einen USB-Type-C gibt. Das heißt, es wurde ein neuer Anschluss eingefügt, wo ich ein externes Gerät anschließen oder das Surface Book 2 auch drüber aufladen kann. Ansonsten gibt es keine äußeren Veränderungen.

Die OEM-Partner und ein Blick in die Zukunft

Mit den 2-in-1-Geräten hat Microsoft eine Marktlücke gefunden und eine eigene Produktkategorie definiert. Wie ist die Reaktion von den OEM-Partnern? Ist man damit zufrieden, wie die Unternehmen mitziehen oder hat man mehr erwartet?

Andre Hansel: Die Mission von Surface war es, ein Gerät zu bauen, was sozusagen zeigt, wie Hard- und Software zusammen arbeiten können. Und vor fünf Jahren sind wir mit Surface gestartet, um dem Markt und unseren OEM-Partnern zu zeigen, wie ein 2-in-1 Gerät aussehen kann. Das heißt, den Mittelweg zwischen Laptop mit Tastatur und Maus sowie einem Tablet, das ich mit Touch bedienen kann. Das war die Idee, dieses Gerät zusammenzufügen. Wir sehen nun, dass unsere OEM-Partner diesen Formfaktor aufgenommen haben und solche Geräte ebenfalls produzieren. Für uns ist es wichtig, dass es Windows 10-Geräte sind und wir sehen uns als Ideengeber.

Vor ein paar Monaten hat Microsoft den 5. Geburtstag des Surface gefeiert. Was haben Sie aus den vergangen Jahren mitgenommen und was ist der Anspruch für die nächsten 5 Jahre?

Andre Hansel: Der Anspruch für uns ist, dass wir eine Hardware liefern, die perfekt mit der Software zusammenarbeitet; dass wir den Anwender in den Vordergrund stellen und die Hardware eher in den Hintergrund treten lassen, denn der Nutzer möchte ja mit der Software arbeiten. Aber die Hardware soll mich trotzdem in Leistungsfähigkeit, Batterielaufzeit und Formfaktor unterstützen. Da ist unser Ansporn auch, auf den Anwender zu hören, das Feedback aufzunehmen und es umzusetzen.

Darauf basierend dann neue Geräte zu bauen, natürlich auch mit neuen Technologien, wie bessere Prozessoren, Eingabemethoden oder Spracheingaben. In den letzten fünf Jahren haben wir auch viel gelernt, weil wir die Hardware-Entwicklung selber machen. Das heißt, unsere Ingenieure stehen wirklich an den CNC-Fräsmaschinen und arbeiten. Wir wollen kontinuierlich weiterentwickeln, wie die Hardware aussehen muss, dass sie vielleicht ein bisschen leichter wird oder die Batterielaufzeit verlängert werden kann.

 

Außerhalb des Interviews: Fragen an Microsoft

Man hat mit der Universal-Windows-Plattform eine Geräte- und Userface-übergreifende Softwareplattform geschaffen. Was fehlt ist die mobile Komponente, sprich Smartphones und Wearables. Wie sieht die Perspektive für die Nutzer in Windows-Ökosystem aus, die nicht auf Android oder iOS-Geräte umsteigen wollen?

Wir wissen, dass viele Menschen, die ein Windows 10-Gerät besitzen, auch ein iPhone oder Android-Smartphone besitzen, und wir möchten ihnen ein möglichst nahtloses Erlebnis bieten, ganz gleich, welches Gerät sie mit sich führen. Im Windows 10 Fall Creators Update konzentrieren wir uns auf die Mobilität von Anwendungen und darauf, die Vorteile von Windows über Geräte hinweg verfügbar zu machen. Wir werden weiterhin Lumia-Telefone wie das Lumia 650, Lumia 950, Lumia 950 und Lumia 950 XL sowie Geräte von unseren OEM-Partnern unterstützen.

Wenn der Smartphone-Markt seinen Zenit erreicht hat, wie sieht die nächste mobile Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine aus?

Die Technologie rückt mit der Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz weiter an den Menschen heran, die Mensch-Maschine-Interaktion wird noch natürlicher. Grenzen zwischen der physischen und digitalen Realität werden weiter verschwimmen. In Zukunft wird es weniger um die Mobilität von Geräten gehen, als um die Mobilität von Erfahrungen.

Anscheinend entwickelt sich die Interaktion zwischen Mensch und Maschine weiter, von Berührung zu Sprache. Viele Unternehmen sind deshalb in den Markt der Sprachassistenten eingestiegen. Zu Cortana fehlt wieder die mobile Komponente, wie geht Microsoft damit um?

Cortana ist auf einer Vielzahl von mobilen Geräten verfügbar – ob auf unseren Surface Devices, Windows 10 Laptops oder über unsere Lumia- sowie Partner-Phones. In den USA ist Cortana zudem auf Android und iOS verfügbar und wir arbeiten daran, die Anwendungen auch auf dem deutschen Markt verfügbar zu machen.