Test: Surface statt MacBook – funktioniert das?

Ein weiteres Mal begibt sich der ausgewiesene Apple-Nutzer des Teams auf Abwege und in fremde Gefilde und schaut, was jenseits des Apfels so im Angebot ist. Immerhin preisen viele, nicht zuletzt Microsoft selbst, die Surface-Reihe mit Windows 10 als Alternative zum Mac. Also wird in dieser kleinen Serie ein Blick auf das System aus Sicht eines Mac-Users geworfen.

Wenn man es mal ganz nüchtern betrachtet, dann bin ich ja der ideale Kandidat für einen Wechsel auf die Microsoft-Plattform: Seit längerem ist für mich eines der wichtigsten Kriterien für die Auswahl von Services und Software für die Arbeit die Plattformunabhängigkeit, schließlich will man sich ja nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig machen.

Ausgangssituation

Bisher bestand meine Arbeitsausstattung aus einem iMac im Homeoffice, einem MacBook Pro 15″ für unterwegs und als Arbeitsplatz bei Kunden vor Ort, einem iPhone 6S Plus, einem iPad Air 2 und relativ häufig wechselnden Android-Smartphones. Wobei das iPad tatsächlich seit dem größeren iPhone immer seltener zum Einsatz kommt. Fast alles, was ich bisher auf dem iPad gemacht hatte, klappt unterwegs auf dem iPhone genau so gut. Und was in beiden Fällen nicht dazu gehört: Das Schreiben längerer Texte. Ich bin einfach kein Fan von Bildschirmtastaturen, wenn es um längere Texte geht.

Andererseits brauche ich aber als häufiger Bahnfahrer dann doch eine ultramobile elektronische Schreibmaschine und die Idee, Notizen auf einem Display mit einem Stift quasi handschriftlich zu machen oder zumindest mit ein paar Skizzen zu ergänzen, gefällt mir schon länger.

Berührungsängste vor Windows habe ich keine, ich muss ja auch immer wieder mal mit Windows-Programmen arbeiten oder für den Kundensupport Dinge unter Windows testen. Bislang habe ich dafür eben virtualisierte Maschinen auf meinen Macs genutzt, was auch gut klappt. Aber als primäre Arbeitsplattform kam Windows bislang für mich nicht in Frage, auch wenn ich einiges, was Microsoft da mit Windows 10 und der Surface-Hardware liefert mich als Technik-Fan ziemlich begeistert.

Optionen

Nachdem also klar war, was ich brauche, ging die Suche nach möglichen Lösungen los. Ein MacBook Air schied schon recht früh aus. Das 11″ gibt es nicht mehr, das 13,3″ ist fast schon wieder zu groß und dann die grobe Auflösung im Vergleich zu den Retina-Displays von iMac und MacBook Pro. Wäre also noch das MacBook mit 12″, Retina-Display, dafür schwächerer Prozessor. Aber Touchscreen und Stift-Benutzung gibt es da natürlich nicht.

Das wäre dann die zweite Option gewesen: Ein iPad Pro mit Tastatur und Stift. Vergleichsweise teure Kombination, wenn man darüber nachdenkt und iOS ist eben kein macOS. Keine Frage, ich bin ein Fan von iOS auf dem Smartphone und auch auf dem normalen iPad, aber es ist kein Ersatz für ein „richtiges“ Betriebssystem. Und bei dem Preis, darf es dann doch schon was „richtiges“ sein.

Also Richtung Surface orientiert: Tablet und Notebook in einem, sehr kompakt, Type-Cover mit hintergrundbeleuchteter Tatstatur, auf der man richtig tippen kann, Stift und ein ordentlicher Prozessor und das alles ordentlich verpackt.

Preislich lagen die verschiedenen Optionen nicht weit auseinander, bei vergleichbarer Konfiguration ist das Surface sogar die günstigste der drei übrigen Möglichkeiten und so wurde es dann ein Surface Pro 4 mit Core i5, 8GB RAM und 256GB SSD und Type Cover.

Surface Pro 4 mit TypeCover
Das Microsoft Surface Pro 4 im Test

Auspacken und Start

Keine Angst, es folgt nun kein Unboxing-Video. Aber der Eindruck beim Auspacken war durchaus schon ein bisschen wie bei einem Mac. Es macht durchaus einen Unterschied, wie so ein Rechner verpackt ist – eine schöne Verpackung macht da einfach mehr Spaß. Auch der erste Start war soweit prima, man wird durch die Installation geführt, soweit alles prima. Interessant ist Windows Hello und der Login per Gesichtserkennung. Ist mal was anderes.

Die Daten auf das System zu bekommen war auch nicht schwierig: 1Password für die Passwörter, OneDrive, Dropbox und Lima für den Zugriff auf die verschiedenen Daten, Office ist bereits installiert und wird auch direkt aktiviert, da das System gleich meinen Microsoft-Account wollte. Firefox, Chrome und andere Kleinigkeiten waren auch schon schnell installiert. Das Hintergrundbild wurde schon von meinem virtuellen Windows 10 auf dem Mac synchronisiert, also eigentlich könnte man schon direkt loslegen. Zumindest fast.

Was gefällt…

In den ersten Stunden mit dem Surface gab es Sachen, die direkt gefallen konnten: Die Hardware ist – das war ja bekannt – sehr gut verarbeitet, am Netzteil ist auch ein USB-Anschluss, so dass hier auch gleich das iPhone mit geladen werden kann und die der Stift wird magnetisch am Gehäuserand gehalten, fliegt also nicht durch die Gegend, wenn man das Surface im Rucksack hat.

In Sachen Software gefällt natürlich das erwähnte Windows Hello und auch die Arbeit mit dem Stift macht Spaß. Die Abkürzungen über Einfach- und Doppeldruck auf die Taste des Stiftes sind nützlich: Doppelt drücken, dann wird sofort ein Screenshot erstellt und geöffnet, damit man da mit dem Stift drauf malen und das fertige Ergebnis verschicken kann. Großartige Sache, wenn man zum Beispiel schnelles Feedback zu einer Website geben will.

Überhaupt ist das Surface einfach schön kompakt und mobil, es ist sehr schnell ausgepackt und man kann los tippen oder schnell eine Notiz in OneNote malen, das ist tatsächlich ziemlich großartig. Aber auch die Tastatur ist richtig gut, deutlich besser als ich es erwartet hatte. Windows 10 bringt auch unabhängig vom Surface einiges mit, was mir gut gefällt, zum Beispiel das Startmenü mit den Live-Kacheln.

Was nicht gefällt…

Wofür Microsoft jetzt nicht so viel kann: Einige Programme haben Probleme mit der Flexibilität des Systems, der Wechsel von Tablet- in Notebook-Modus, dann noch das Display drehen, führt in diversen Programmen zu unschönen Ergebnissen, wie abgeschnittene Fenster oder Fenster die angeblich im Vollbild laufen, tatsächlich das aber wegen der Displaydrehung nicht mehr tun. Das sind auch Kleinigkeiten, mit denen man sich nicht lange aufhalten muss, man muss halt zweimal tippen, um das Fenster erst aus dem eingebildeten Vollbildmodus zu holen und dann noch einmal, um es wirklich auf Vollbild zu schalten. Nervt etwas.

Die Tatsache, dass durch Softwareinstallationen und Updates in der ersten Stunde schon mal drei Neustarts fällig waren, erinnerte  so ein wenig an den alten „Sie haben die Position des Mauszeigers verändere, bitte starten Sie Windows neu, damit die Änderung wirksam wird“-Witz. Aber nur ein Neustart ist auf Windows und Updates zurückzuführen, die beiden anderen gingen auf Software zurück, die unbedingt einen Neustart wollte. Daher sollte man diese Neustarts nicht überbewerten, denn auch ein Mac will bei der Einrichtung erstmal Updates mit einem Neustart haben und es gibt auch macOS-Programme, die nach der Installation auf einen Neustart des Systems bestehen.

Es gibt aber drei Dinge, die tatsächlich ganz gewaltig nerven:

  1. Lüfter: Muss der wirklich so laut sein? Klar, so ein Core i5 produziert ein bisschen Wärme, aber muss der Lüfter dann wirklich so schnell und vor allem relativ laut anspringen? Als Vergleich: Wenn der Lüfter im MacBook Pro (Core i7) richtig los legt, dann ist kaum lauter als das Surface.
  2. Wärme: Das Surface wird sehr warm, trotz Lüfter, nach einer Weile unangenehm warm, wenn man es als Tablet nutzt. In dem Fall kann ein umgeklapptes Type Cover als Wärmeisolierung gegen die Haut genutzt werden, aber das kann ja auch nicht die der Weisheit letzter Schluß sein.
  3. Stift-Abkürzungen: Nicht jedes Mal, aber immer wieder, wenn das Surface aus dem Ruhezustand geholt wird, reagiert es nicht mehr auf die Stiftabkürzungen. Nur ein Neustart reaktiviert die wieder. Jetzt dauert der Neustart zwar nicht lange und das Problem kann und wird wohl mit einem der nächsten Updates beseitigt werden (hoffe ich), aber es nervt mich gerade kolossal.

Übrigens, wer gerne CalDAV und CardDAV in Windows 10 nutzen möchte, zum Beispiel im Zusammenspiel mit einem Zimbra-Server, das geht mit einem kleinen Trick: Man erzählt Windows 10 einfach es wäre ein iCloud-Account. Es wäre doch überhaupt kein Problem, einfach eine Option für CalDAV und CardDAV anzubieten, die notwendige Technik ist in Windows schließlich vorhanden.

Auch nicht so ganz optimal ist die Tatsache, dass nicht jede Software beim Antippen eines Texteingabefelds im Tablet-Modus die Bildschirmtastatur einblendet. Das liegt ziemlich sicher an den jeweiligen Programmen und nicht an Windows – ändert nichts daran, dass da immer einen Extra-Tipper braucht.

5 Gründe, warum das Surface Pro 4 besser ist als das iPad Pro

Wie es weiter geht

Das Surface wird mich nun täglich begleiten, ich werde nach passender Software suchen, um mehr Arbeit mit dem Windows-gerät zu erledigen. Ein ganz großes Problem ist hier das Thema Mails, was mir hier (noch) fehlt ist eine Lösung wie Spark, eine Software, die sowohl im Notebook- als auch im Tablet-Modus schnell zu bedienen ist und es mir erlaubt, meine Mails schnell weg zu sortieren. Das ist sicher nicht einfach, da als Notebook genutzt der kürzeste Weg Tastaturkürzel sind, während es als Tablet dann entsprechende Gesten sind. Das Mail-Programm von Windows 10 ist hier leider keine große Hilfe. Natürlich ist es auch viel verlangt von einer Software, beides wirklich gut zu können. Im Notebook-Betrieb nehme ich Postbox, für den Tablet-Betrieb suche ich noch.

Über die Fortschritte werde ich hier weiter berichten – die abschließende Entscheidung, ob ein Surface für den typischen Mac-Nutzer eine echte Alternative darstellen kann, werde ich (wenn überhaupt) später treffen. Für mich persönlich habe ich diese Entscheidung selbst noch nicht getroffen. Ginge es nur um die Hardware und würde macOS auf einem Surface laufen, dann wäre die Frage schnell geklärt und mit „Ja“ beantwortet.