Totgesagte leben länger
Tablets sind tot? Oder doch nicht? #MWC17

Der Markt für Tablets ist rückläufig, eigentlich siecht die Produktsparte regelrecht dahin. Und dennoch bringt Samsung zum Mobile World Congress 2017 gleich drei neue Tablets und will den zunehmens populären 2in1 und Convertibles Konkurrenz machen. Ein letztes Aufbäumen - oder mit guten Gründen?
von Marco Wilde am 27. Februar 2017

Der Tabletmarkt schrumpft und schrumpft. Das klassische Tablet findet immer weniger Abnehmer, was nicht nur am fallenden Interesse liegt, sondern vielmehr auch an den 2-in-1 Geräten, die maßgeblich durch Microsoft und das Surface geprägt wurden. Doch auch dieser Trend ist nicht mehr so aufstrebend wie in den Jahren zuvor. Dennoch setzt Samsung an und präsentiert auf dem Mobile World Congress 2017 gleich drei neue Geräte in dieser Produktkategorie. Ein Smartphone hingegen war nicht dabei. Dies ist verwunderlich beim Blick auf den Abwärtstrend im Tabletmarkt.

Samsung kann nur noch 26,60 Millionen Einheiten im Jahr 2016 verkaufen. 2015 waren es noch 33,4 Millionen Geräte. Ein Rückgang von etwas mehr als 20%. Doch auch die anderen Hersteller müssen Rückgänge bei den Verkäufen verzeichnen. Die Totalen-Verkaufszahlen gehen um mehr 15,6% zurück, das heißt von vormals 207,2 Millionen Geräte auf nun 174,8 Millionen.

Top Five Tablet Vendors, Shipments, Market Share, and Growth, 2016

(Preliminary Results, Shipments in millions)
Vendor2016 Unit Shipments2016 Market Share2015 Unit Shipments2015 Market ShareYear-Over-Year Growth
1. Apple42.624.4%49.623.9%-14.2%
2. Samsung26,6015.2%33,4016.1%-20.5%
3. Amazon.com12,106.9%6,102.9%98.8%
4. Lenovo11,106.3%11,205.4%-1.2%
5. Huawei9,705.6%6,503.1%49.9%
Others72.741.6%100.348.4%-27.5%
Total174.8100.0%207.2100.0%-15.6%
Source: IDC Worldwide Quarterly Tablet Tracker, February 2, 2017

Dieser hätte sicherlich noch größer ausfallen können. Amazon hat den Fall etwas gedämpft, denn durch die sehr aggressive Preispolitik, verkaufen sich die Amazon Fire Tablets besser als zuvor. Von ehemals 6,1 Millionen Geräte (2015), steigen die Verkaufszahlen im Jahr 2016 um 98,8% auf 12,10 Millionen Geräte

Alle Zahlen beziehen sich auf IDC’s Analyse zu Tabletverkäufen vom 2. Februar 2017

Aber auch die 2-in-1 Geräte hübschen, trotz nur noch geringes Zuwachses, die Statistik etwas auf. Grund dafür ist leider die Definition des Tabletmarkts, denn eine klare Grenze zwischen dem reinen Tablet und den Detachables (2-in-1-Geräte) wird nicht gezogen, sodass beide Geräteklassen bei IDC in die selbe Kategorie fallen.

Top Five Tablet Vendors, Shipments, Market Share, and Growth, Fourth Quarter 2016

(Preliminary Results, Shipments in millions)
Vendor4Q16 Unit Shipments4Q16 Market Share4Q15 Unit Shipments4Q15 Market ShareYear-Over-Year Growth
1. Apple13,1024.7%16,1024.3%-18.8%
2. Samsung8,0015.1%9,0013.6%-11.4%
3. Amazon.com5,209.7%5,207.8%-0.6%
4. Lenovo3,707.0%3,204.9%14.8%
5. Huawei3,206.0%2,203.4%43.5%
Others19,8037.4%30,5046.0%-35.1%
Total52.9100.0%66.2100.0%-20.1%
Source: IDC Worldwide Quarterly Tablet Tracker, February 2, 2017

Wird das Tablet langsam überflüssig?

Die herkömmlichen Nutzungsszenarien des klassischen Tablets werden zunehmend von anderen Geräten übernommen. Dies lässt sich auch dem Deloitte Global Predictions 2017 Report entnehmen. In einer Umfrage bezüglich der Nutzung verschiedener Geräteklassen für verschiedene Anwendungsfälle wird das Tablet vom Großteil der befragten Personen gar nicht mehr genannt und dass obwohl ein Tablet vorhanden war. Denn bei der Gruppe der Befragten wurden nur Teilnehmer berücksichtigt, die jedes der genannten Geräte besitzen.

Deloitte Technology, Media and Telecommunications Predictions 2017 - Umfrage Nutzung Laptop, Smartphone und unterschiedliche Anwendungsfälle

Dies zieht sich durch alle Altersgruppen und betrifft Männer und Frauen gleichermaßen. Die Möglichkeit ein vorhandenes Tablet für die verschiedenen Einsatzbereiche (z.B. Videos ansehen oder Webbrowsen, aber auch das Spielen oder Onlineshoppen) zu nutzen, wird demnach bei der Mehrheit gar in Erwägung gezogen.

Die Umfrage mit knapp 29.000 Teilnehmern erstreckte sich über den Großteil Westeuropas (u.a. Deutschland, UK, Italien, Frankreich), die USA, Kanada sowie Japan und Australien. Dabei wurden pro Land zwischen 1.000 und 4.000 Teilnehmer befragt.

Bei dem Ergebnis stellt sich nun natürlich die Frage: Wozu benötigt man heutzutage also überhaupt noch ein klassisches Tablet?

Gründe ein Tablet zu kaufen

Bücher, vor allem Comic’s lesen

Ein 7-8 Zoll Tablet eignet sich hervorragend dazu unterwegs seine Ebook-Sammlung zu Lesen. Hier könnte man natürlich auch zu einem klassischen Ebook-Reader greifen, doch das Tablet ist dann doch ein wenig vielseitiger, da sich nebenbei halt auch noch weitere Apps installieren lassen und eben mal Facebook gecheckt werden kann.

Aber vor allem für Comic-Fans ist das Tablet besser geeignet, im Vergleich zum Ebook-Reader, da hier halt auch Farben dargestellt werden. Der Einstieg für ein geeignetes Tablet für diese Zwecke liegt bereits bei unter 100€ – das Amazon Fire beispielsweise geht schon für knapp 60€ über die digitale Ladentheke.

Unterhaltung für Zwischendurch

Wer viel unterwegs ist und auf seine geliebte Serie nicht verzichten will, der bekommt mit dem klassischen Tablet einen kleinen aber feinen Begleiter. In der Bahn, oder im Flieger spielt es seine Stärken gegenüber dem Smartphone, auf Grund des größeren Bildes, aus.

Wer hier den Anwendungszweck des Tablets sieht, der sollte jedoch etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Denn für Filme und Serien sollte beim Display nicht gespart werden. Für ein Tablet im Bereich von 10 Zoll, mit einer guten Auflösung und ausreichend Speicherplatz, ist im Bereich von 300-350€ zu finden.

Das Tablet als Notizblock

Wer auf Papiernotizen verzichten möchte, hat sicherlich schon einmal mit dem Gedanken „Tablet mit Stifteingabe“ gespielt. Aber auch für Skizzen und Zeichnungen bieten sich diese Tablets an. Es gibt hier einige Samsung Tablets, die die Stifteingabe unterstützen, die Koreaner werden zudem auf dem Mobile World Congress 2017 weitere Tablets in dieser Klasse vorstellen. Aber auch Apple und Microsoft spielen in dieser Region mit. Das iPad Pro bietet neben dem Apple Pencil auch die Möglichkeit eine Tastatur zu nutzen, spielt aber eher in der in der Kategorie Tablet als in der Kategorie Laptopersatz. Das Surface Pro 4 hingegen tendiert ehr in Richtung vollwertiger Laptop.

Beide bieten sich aber auch als reines Tablet an, wenn auch der Anschaffungspreis weitaus höher ausfällt als bei den herkömmlichen Tablets und siedeln sich wieder im 2-in-1 Markt an. Vergleichbare Geräte von Lenovo (beispielsweise das Yoga) oder anderer OEM’s kosten ab circa 600€ aufwärts.

Tablet als erstes Gerät für Kinder

Gerade für die jüngere Generation ist das Tablet das ideale Einsteigergerät. In den verschiedenen Appstores tummeln sich etliche kinder-freundliche Apps und Spiele und auch Lernsoftware ist verfügbar.

Es gibt hier viele Anbieter, die robuste und kinderfreundliche Geräte anbieten. Das Amazon Fire Kids Tablet zum Beispiel bietet außerdem Schutzfunktionen, mit denen die Erwachsenen die Nutzung einschränken können. Kostenfaktor für ein Kinder-Tablet: um die 100€.

Dass hier der wohl großte Markt für die Tablets liegt, lässt sich auch aus demofcom Report über die Mediennutzung bei Kindern und Eltern, ableiten. Demnach gibt es zwei Geräte, die häufig bei Kindern zwischen 5 und 10 Jahren genutzt werden – der Fernseher und eben das Tablet.

Wann ein klassisches Tablet keinen Sinn macht

Das klassische Tablet hat gegenüber anderen Geräten nur wenige Vorteile. Klar der Bildschirm ist im Vergleich zum Smartphone größer, die Funktionalität im Bezug auf Apps ist gleich, in Bereichen wie der Kamera oder dem Verfassen von Emails und Social Media Postings ist das Smartphone hier aber auf Grund der Bedienbarkeit überlegen. Zudem ist die Bedienung einiger Apps und Spiele auf dem Smartphone gerade auf Grund des kleineren Bildschirms bequemer.

Wer hingegen ein klassisches Tablet zum Arbeiten sucht, der sollte lieber etwas mehr Budget einplanen und zum 2-in-1 greifen.

Trotz Rückgang gleich drei neue Geräte von Samsung

Samsung erneuert sein LineUp mit gleich drei Geräten im Tabletsegment. Dabei setzten die Koreaner den Fokus auf die Produktivität und erweitern die klassichen Tabletfunktionen mit einer Tastatur und dem Stylus-Support. Doch können sie durch die 2-in-1 Strategie noch einmal die Umsatzzahlen ankurbeln?

In Sachen Hardware spielt Samsung aber nicht im unteren Preissegment. Vielmehr versuchen sie, gerade im Bezug auf die Galaxy Books Anschluss an Geräte, wie dem Surface Pro 4, zu finden. Was dann leistungstechnisch aber doch nicht ganz reicht. Sie positionieren sich also irgendwo in der Mitte und versuchen sich daran diese Lücke mit vermeintlichen Premiumprodukten zu füllen. Das Design lässt dies zumindest vermuten.

Ob sich die Koreaner hiermit einen Gefallen tun? Gleich 3 neue Geräte, die sich auf einem stark-rückläufigen Markt gegen die günstige Konkurrenz aus dem weiteren asiatischen Raum behaupten müssen. Zudem ist das Image des Elektronikkonzerns noch vom Galaxy Note 7-Desaster gebeutelt und viele Fans hätten sicherlich ein Smartphone erwartet.