Taiwanreporter
Technologie im Alltag: Dem ZDF zeigen wir, was Taiwan besser macht

Wir haben mal wieder ein Ding gedreht: Fürs ZDF zeigt Sascha, wie Taiwaner neue Gadgets in ihr Leben integrieren. Von Technik-Skepsis keine Spur - und in Deutschland? (Mit Outtakes!)

Deutschland ist zwar keine Tech-Wüste, aber in Taiwan ist doch spürbar, dass man hier näher an der Quelle sitzt. Im Alltag vieler Menschen sind Technologien, deren Für und Wider in Deutschland noch diskutiert wird, längst ganz selbstverständlich integriert.

Mit Sascha habe ich über das Thema nun einen TV-Beitrag fürs ZDF gedreht. Wir sind dort immer wieder mal zu Gast im Programm, denn die Redaktion WISO bzw. WISO plus ist recht aufgeschlossen für Hightech-Themen aus Fernost.

Nun also „High-Tech im Alltag“, ein sechs Minuten langer Trip durch Taipeh, erzählt von Sascha selbst. Der Beitrag könnte auch noch im „großen“ WISO am Montagabend im ZDF laufen, so etwas entscheidet sich oft kurzfristig.

Auf jeden Fall steht das Video schon in der ZDF-Mediathek – jetzt anschauen.

Und wie bei jedem Dreh waren auch hier nicht alle Szenen beim ersten Versuch im Kasten. Sascha ist da ein echter Perfektionist. Was da alles schief gehen kann?

Weiter unten findet Ihr unser Outtake-Video!

Aber gehen wir doch erstmal die einzelnen Stationen durch. Es beginnt mit dem teutonischen Kontrastprodukt zur Taiwan-Technik:

Deutsche Schweinshaxe in Taiwan

Sascha Schweinshaxe

In der Tat – nicht Bratwurst, nicht Sauerkraut, sondern die kross gegrillte Hax’n gilt in Taiwan als die deutsche Spezialität schlechthin. Das liegt zum Teil daran, dass der „Schweinefuß“ auch in der taiwanischen Küche ein beliebtes Gericht ist, wenn auch in Sojasauce gekocht.

German Pork Knuckle

Viele Taiwaner glauben wohl, dass in Deutschland überall fast täglich Haxen auf dem Tisch stehen. Wenn ich ihnen erzähle, dass ich als Norddeutscher meine erste Schweinshaxe in Taiwan hatte, glauben sie mir oft nicht.

Es gibt in der Stadt Zhubei sogar eine „Deutsche Haxenstube“, betrieben von einem Taiwaner, der lange in Deutschland gelebt hat.

Guanghua Digital Plaza

Das Mekka für Technikfreunde in Taipeh. Fünf Stockwerke voller Fachgeschäfte, und rundherum ein ganzes Gassenviertel mit noch mehr Läden, Werkstätten, Märkten.

Wir lassen ein Video sprechen:

Easycard

Sie steckt in Taipeh wirklich in fast jedem Geldbeutel. Die Easycard ist ein RFID-basiertes Zahlungssystem, das sich im Alltag mehr und mehr verbreitet.

Sascha Easycard

Ins Leben gerufen wurde die Betreiberfirma im Jahr 2000 durch die Stadtregierung von Taipeh, die auch für das U-Bahn-Netz verantwortlich ist. Die öffentliche Hand ist mit 40% beteiligt, den Rest halten z.B. Banken, Bus- und Technologieunternehmen.

Die ersten Karten wurden 2002 ausgegeben. Ziel war es zunächst, das Zahlen im öffentlichen Nahverkehr zu vereinheitlichen, einfacher und scheller zu machen.

Weil die U-Bahn damals noch recht neu war, verbreitete die Easycard sich sehr schnell, so dass nun fast jeder, der in Taipeh U-Bahn oder Bus fährt, die Karte nutzt.

Um 2010 begann man, das Kartensystem auf den Einzelhandel auszuweiten, zum Beispiel auf die allgegenwärtigen Convenience Stores.

Auch in anderen Städten Taiwans wird die Easycard mehr und mehr akzeptiert. In der zweitgrößten Stadt Kaohsiung gibt es ein anderes System, aber man arbeitet daran, dass beide Karten in beiden Städten akzeptiert werden.

Und der Datenschutz? Der Kauf der Easycard ist anonym – man kann Guthaben aufladen und zahlen, ohne namentlich registriert zu sein. Da allerdings jede Karte eine Nummer hat und CCTV-Kameras in Taipeh allgegenwärtig sind, wäre es im Ernstfall wohl kein Problem, ein Bewegungsprofil zu erstellen und an Bilder des Nutzers zu kommen.

LTE in der U-Bahn

LTE in der U-Bahn

Das ist in Taipeh in der Tat selbstverständlich. Bevor die Kamera lief, hatte Sascha auch noch höhere 4G-Verbindungsgeschwindigkeiten erreicht, als wir sie im Beitrag festhalten konnten – typischer Vorführeffekt.

Vernetzte Convenience Stores

Sascha Seven Eleven

Sie sind der Tankstellenshop, das Büdchen, der Kiosk – und viel mehr. Taiwan ist das Land mit der weltweit höchsten Dichte an Convenience Stores, und sie definieren wirklich neu, was man unter „praktisch und bequem“ versteht.

Schon lange sind 7-Eleven, Family Mart und Co. keine reinen Minisupermärkte mehr. Ihr Ziel ist es, der One Stop Shop für alle denkbaren Dienstleistungen im Alltag zu sein. Taiwaner können hier Pakete aufgeben und auch abholen, drucken und kopieren, Festtags-Menüs nach Hause ordern, an der Kasse per Barcode Telefon- und Gasrechnungen oder auch Strafzettel bezahlen und vieles, vieles mehr. Die Integration Smartphone-Ladengeschäft soll dabei noch ausgebaut werden.

iBon Terminal 7 Eleven

In jedem Laden steht nicht nur ein Geldautomat, sondern auch so ein Touchscreen-Terminal, das beim Marktführer 7-Eleven iBon heißt. In Verbindung mit einem Kopierer kann man Dokumente und Fotos drucken. Vor allem aber lassen sich dort Kino- und Konzertkarten genauso buchen und ausdrucken wie Zug- oder Flugtickets.

(Da fällt mir ein, dass hier in Kürze Taiwans Fußballteam in der WM-Qualifikation auf Vietnam trifft. Muss ich mir doch gleich noch eine Karte ziehen…)

Youbike

Youbikes in Taipeh

Was vor wenigen Jahren noch unvorstellbar schien, gehört in Taipeh nun zum Straßenbild: Immer mehr Menschen legen kurze und mittlere Wege in der Stadt per Rad zurück, statt auf den Motorroller zu steigen.

Besonders das Youbike-System hat dazu beigetragen. Die orangefarbenen Leihräder gehen wie die Easycard auf eine Kooperation von Stadtregierung und Unternehmen zurück. Betrieben wird es von Giant, dem in Zentraltaiwan beheimateten größten Fahrradhersteller der Welt.

Als das System 2012 mit 11 Stationen und 500 Rädern rund um den Wolkenkratzer Taipei 101 startete, sah es zunächst nach einem Flop aus. Ich erinnere mich noch gut, dass die Nutzung erst in dem Moment explodierte, als parallel zur Eröffnung neuer U-Bahnhöfe das Netz der Leihstationen massiv ausgebaut wurde.

Einmal quer durch Taipeh zu radeln, das ist bei den in Taiwan üblichen Temperaturen eine schweißtreibende Angelegenheit. Die Betreiber räumen ein, dass die Youbikes vor allem als Ergänzung zur U-Bahn (MRT) funktionieren. Mit ihnen kommt der Fahrgast bequem zur nächsten MRT-Station, oder er legt die last mile auf dem Weg zum Ziel per Rad zurück.

Die Entwicklung verlief rasant. 2013 wurden die Räder 11 Millionen mal ausgeliehen, 2014 schon 22 Millionen mal. Ende letzten Jahres waren mehr als 6000 Räder an fast 200 Stationen im Einsatz. Und es werden mehr.

Youbike Taipeh Stationen

Der Erfolg war so groß, dass die Stadtregierung mittlerweile sogar eine Subvention rückgängig gemacht hat: Die ersten 30 Minuten sind nicht mehr gratis, sondern kosten nun 10 Taiwandollar, also etwa 30 Eurocent. Eigentlich noch immer günstig genug, aber die Zahl der Ausleihvorgänge pro Rad ging trotzdem zurück.

Das Ausleihen und Zurückgeben funktioniert mit der Easycard in Sekundenschnelle und ungefähr so einfach, wie sich auf dem Supermarkt-Parkplatz einen Einkaufswagen zu schnappen. Da muss man nicht zuerst an irgendeine Basisstation, um sich einen Zahlencode abzuholen, wie es bei einigen deutschen Leihrad-Systemen wohl der Fall ist.

Ein einziges Mal allerdings muss man vorher doch an die Basisstation: Um die Karte mit einer Handynummer zu verknüpfen. Per SMS kommt ein Code zurück. So ist sichergestellt, dass der Nutzer im Notfall ausfindig gemacht werden kann. Mit der Anonymität ist es dann natürlich dahin. Wer darauf aber Wert legt, kann einfach zwei Easycards bei sich tragen, eine fürs Youbike und eine für sonstige Transaktionen.

Buchausleih-Automat

Sascha Buecherei Automat

Auch Analogmedien profitieren von Vernetzung. Die Stadtbücherei von Taipeh hat vor ihrem Haupteingang diesen Automaten stehen, an dem man mit dem Nutzerausweis rund um die Uhr Bücher ausleihen und zurückgeben kann. Die Bücher stehen in einem Art Karussell, das auf Knopfdruck weiterläuft, so ähnlich wie bei einigen Essensautomaten (zumindest früher in meiner Unimensa).

Andernorts in Taipeh gibt es Automaten-Bibliotheken, bei denen man per Karte Einlass erhält und seine Bücher selbst auschecken kann. Personal ist da weit und breit nicht in Sicht. Wo Vandalismus wenig verbreitet ist, funktioniert so etwas auch.

Führerlose U-Bahn

Fuehrerlose U-Bahn

Ganz, ganz vorne sitzen, wie Sascha in diesem Beitrag, das kann man in der MRT von Taipeh zumindest auf einer Strecke. Die „braune Linie“, 1996 als erste fertiggestellt, verläuft zum größten Teil oberirdisch auf Betonpfeilern und wird komplett fahrerlos betrieben.

Eine weitere Linie ohne Fahrer ist offenbar in Vorbereitung.

Die Pallenberg-Outtake-Rolle

Und hier sind nun die Pannen, auf die alle gewartet haben… sozusagen das Video hinter dem Video.

Lust auf mehr Sascha-Bloopers? Dann haben wir noch dieses Video, und dieses auch!

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