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Tesla bleibt an der Börse, Elon Musk als Chef auch

von Robert Basic am 25. August 2018

Die Party ist vorbei. Tesla hat ganz frisch verlautbaren lassen:

After considering all of these factors, I met with Tesla’s Board of Directors yesterday and let them know that I believe the better path is for Tesla to remain public. The Board indicated that they agree.

Damit ist der kurze Ausflug ins Ungewisse beendet. Das, was in den US-Medien längst die Spatzen von den Dächern pfiffen, hat sich damit bewahrheitet.

Die Investoren wurden durch den Spontan-Tweet des Tesla-CEOs am 07. August 2018 auf dem falschen Fuß erwischt.

Der Tesla-Chef betonte zudem, das Ding sei sowieso gelaufen, da die Finanzierung gesichert sei:

Was nachträglich dazu geführt hatte, dass die Börsenaufsicht recherchiert, ob es sich um eine illegale Kursmanipulation handelt, die die Amerikaner überhaut nicht lustig finden. Eine Geldstrafe wäre saftig und alles was Tesla nicht braucht, ist der unnötige Abfluss der knappen Gelder.

Seitens der Investoren hatte sich jedoch niemand für Tesla in die Bresche geschlagen, im Gegenteil. Hinter den Kulissen soll es durch die Bank weg den Geldgebern sauer aufgestoßen sein, überhaupt nicht involviert worden zu sein. Das, was schon immer die erste und letzte Wahrheit ist, galt auch hier: Wer das Geld hat, bestimmt wo es langgeht. Letztlich ist genau das hier auch eingetreten.

Auf dem Tesla-Blog ist genau die Sprache davon: Tesla müsse sich auf das Geschäft fokussieren, Autos produzieren und Geld verdienen. Man habe keine Zeit, um knappe Ressourcen zusätzlich für einen Börsenabgang zu investieren. Das ist die Sprache des Geldes. Nicht eines Visionärs.

Was bedeutet das für Elon Musk?

Auf jeden Fall stellt das eine Zäsur dar.

Allein die Tatsache, dass er zum Schluss der offiziellen Meldung wie folgt schreiben muss

Thank you to all of our investors, customers and employees for the support you’ve given our company. I’m incredibly excited to continue leading Tesla as a public company. It is a privilege.

ist schon sehr bezeichnend. Ein Chef, der ein Chef ist, muss sagen, dass er noch Chef ist und bleibt? Wie sicher sitzt man dann als Chef noch im Sattel?

Auch wurde der aktuelle Info-Tweet (!) nicht via Elon Musks Twitter-Account gesendet, sondern vom Tesla-Account des Unternehmens. Elon selbst schweigt dazu, noch. Wir müssen nicht großartig 2 + 2 zusammenzählen, was das bedeutet. Vom Spontan-Tweet vor wenigen Wochen über das wilde Interview in der New York Times bis heute zu der sehr ungewöhnlich kleinlauten Beerdigung einer Spontan-Idee.

In meinen Augen ist das eine gewisse Form von Entmachtung Elons, die man allerdings differenziert betrachten muss. Zum einen haben die Geldgeber erstmalig Elon Musk ein Stoppschild vor die Nase gesetzt: „kümmere dich um dein Geschäft und damit um unser Geld“. Die Tatsache, dass nicht Elon die Absage twittern durfte, ist als Signal zu verstehen, wer das Sagen hat und zugleich dient es als Gesichtswahrung.

Ungeachtet dessen, dass Elon Musk 20% an Tesla hält (was aber durch die Banken per Kredit finanziert ist), ist er schlechthin das Gesicht und die Gallionsfigur Teslas. Die Investoren sind nicht gepudert und werden um jeden Preis Elon Musk diese Rolle wahren lassen. Wie nun intern weiter mit ihm verfahren wird, entzieht sich momentan der Öffentlichkeit und der Presse. Die Sprache war in der Tat von einem erfahrenen zweiten Mann an seiner Seite, der die Geschäfte des Alltags führt und Elon Musk seine strategische Rolle als Visionär und Ansager spielen lässt, der die Scharen von Followern, Fans und Zuhörern zu begeistern weiß. Eine durchaus sehr effiziente Konstellation, wie wir es bereits hier durchgespielt haben, anhand von legendären Erfolgsbeispielen.

Auf der einen Seite ist Elon als der alleinige Ansager gescheitert – er hatte alles auf eine Tweet-Karte gesetzt – wohl einmalig in der Wirtschaftsgeschichte -, auf der anderen Seite dürfte damit für Tesla eine Phase eintreten, die ich als Erwachsen-werden bezeichne. Was mitnichten heißt, dass die Innovationskraft Tesla beschnitten wird. Im Gegenteil.