Tesla-Chef Musk: Bedingungsloses Grundeinkommen und Freizeit für alle

Den Traum vom bedingungslosen Grundeinkommen - auch Tesla-Chef Elon Musk träumt ihn. Jetzt erklärte er in einem Interview, dass die Regierungen irgendwann dieses Einkommen zahlen sollten, um den Wegfall der Jobs zu kompensieren, die künftig Roboter übernehmen.

Diese Nummer mit dem bedingungslosen Grundeinkommen – ist es ein politischer Hype, der vorüber geht? Ein Stück Sozialromantik? Eine nicht umsetzbare Utopie? Oder ein Szenario, welches uns tatsächlich allen in einigen Jahren blüht? Letzteres glaubt zumindest Elon Musk – jener Mann, der selbst Milliardär ist, die Firmen Tesla und SpaceX als CEO vorantreibt und der mit schöner Regelmäßigkeit mal als Visionär und mal als kompletter Stinkstiefel Aufsehen erregt.

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Gegenüber CNBC äußerte er sich nun zum bedingungslosen Grundeinkommen und ließ durchblicken, dass er genau dieses Grundeinkommen auf uns zukommen sieht – also Folge der Automatisierung und der Tatsache, dass Computer und Roboter uns in den nächsten Dekaden massig Jobs kosten werden.

Die Automatisierung baumelt wie ein Damoklesschwert über uns allen. Wenn wir jetzt schon in so miesen Zeiten leben, dass immer mehr Menschen den Populisten mit ihren scheinbar einfachen Lösungen in die Falle gehen, wie soll es dann erst in 10 oder 20 Jahren aussehen, wenn immer mehr Arbeitsplätze ersatzlos gestrichen werden?

Musk sieht das alles nicht so schwarz, wie er im Interview äußerte. Das hat aber nichts damit zu tun, dass er sich als Milliardär nicht Tag für Tag überlegen muss, ob er sich nur günstiges Fleisch leisten kann, oder ob es seinen Kindern später mal gut gehen wird. Vielmehr hängt es damit zusammen, dass er glaubt, dass die wegbrechenden Löhne eben durch ein Grundeinkommen kompensiert werden.

There’s a pretty good chance we end up with a universal basic income, or something like that, due to automation. I’m not sure what else one would do. That’s what I think would happen. Elon Musk, CEO Tesla und SpaceX

Er erklärte also, dass dieses „Universal Basic Income“ eine logische Folge der Automatisierung ist und er sich gar nicht vorstellen könnte, was anstelle dieses Modells in Frage käme. Unser aller Problem derzeit: Die Bevölkerung auf dem Planeten wächst und wächst, die Zahl der verfügbaren Jobs wird sich aber zunehmend schneller in die entgegengesetzte Richtung bewegen. Bernd sagte in seinem Artikel über die digitale Disruption bereits vor einem Jahr:

Wir stehen ziemlich kurz vor einer Roboterisierungs- und Computerisierungs-Revolution, die in den nächsten zwanzig Jahren den gesamten Arbeitsmarkt auf Dauer verändern wird, mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen. Wenn wir jetzt nicht reagieren – im kleinen wie im großen Rahmen – dann gibt das ein ganz böses Erwachen . Nicht nur für die unmittelbar Betroffenen, sondern für jeden von uns. Bernd Rubel

Elon Musk mit seinen Visionen ist ein Mann, der das Tempo diesbezüglich sogar noch verschärft. Vor kurzem erst ließ er verlauten, dass entsprechende Hardware-Upgrades Tesla-Autos zu vollautonomen Fahrzeugen machen sollen. Bereits im nächsten Jahr soll der erste Tesla vollautonom von New York nach Los Angeles rollen. Mittelfristig will man vollautonome Taxis und Trucks auf die Straße bringen – ein reiner Jobkiller also!

Auch dazu äußerte sich Musk bereits im Interview: Er ist der Meinung, dass natürlich weniger Fahrer auf den Straßen benötigt werden, der ein oder andere LKW-Fahrer aber den Schritt zum Operator schaffen wird – also zu der Person, die gleich eine ganze Kolonne von selbstfahrenden Lastwagen beaufsichtigt. Sollte mal ein Fahrzeug Probleme haben, greift er aus der Ferne ein und korrigiert entsprechend – für Musk sogar ein spannenderer Job als das LKW-Fahren selbst.

Gerade im Transportwesen wird sich in absehbarer Zeit sehr viel tun: Sowohl auf den Autobahnen werden Warentransporte zunehmend öfter ohne menschliches Zutun abgewickelt werden, aber auch der letzte Kilometer – die Zustellung von Ware an unsere Haustür – wird in die Hand von Drohnen und Robotern gelegt.

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Bedingungsloses Grundeinkommen – Utopie oder machbar?

Jetzt wird es Menschen wie mich geben, die Musks Vision des bedingungslosen Grundeinkommens für hochspannend und auch umsetzbar halten. Denen Gegenüber stehen aber mindestens genau so viele Menschen, die das für eine nicht realistisch machbare Utopie halten. Dabei reden nicht nur Visionäre von diesem Modell, sondern zunehmend auch mehr Experten, die die ganze Nummer für rechnerisch machbar halten.

In diesem Sommer bereits gab es sogar eine Volksabstimmung zum bedingungslosen Grundeinkommen in der Schweiz. Das wurde zwar ziemlich deutlich abgeschmettert, die Diskussion aber ist entfacht und dürfte auch nicht wieder verstummen. In mehreren Ländern – beispielsweise in den Niederlanden oder Finnland – wird mit dem BGE experimentiert und selbst Barack Obama sprach es schon an. Als Empfehlung gebe ich euch mal diesen Link zu Zeit Online an die Hand, wo ihr euch ausführlichst in das Thema einlesen könnt.

Was die wenigsten von uns wissen: Bereits vor Jahrzehnten wurde unter dem Begriff Mincome dieses Grundeinkommen in Kanada in einem Ort namens Dauphin ausprobiert. 1974 startete das Experiment für etwa 1000 ausgesuchte Familien und sollte über fünf Jahre gehen. Es gab dabei aber nicht ein identisch hohes Einkommen für jede dieser Familien, sondern eines, welches sich nach dem vorherigen Gehalt richtete. Der Clou dabei: Jeder Dollar, der zusätzlich verdient wurde, senkte das Grundeinkommen lediglich um 50 Cent. Wer also 100 Dollar verdient, bekommt sein „Mincome“ nur um 50 Dollar gesenkt. Das führte in der Praxis dazu, dass keine der Testpersonen komplett aufhörte zu arbeiten.

Politische Veränderungen und die damalige weltweite Ölkrise sorgten dafür, dass das Experiment 1977 abgebrochen wurde und nicht einmal die Ergebnisse ausgewertet worden sind. Das holte man nach, als vor einigen Jahren die Unterlagen wiedergefunden wurden. Da eine Auswertung und das Abwägen von Chancen und Risiken bei dieser Geschichte denkbar komplex sind, steht ein abschließendes Urteil über das Dauphin-Experiment noch aus, aber was bislang an Erkenntnissen zu entnehmen ist, lässt auf die Machbarkeit hoffen.

So sprechen Kritiker immer wieder davon, dass ein BGE dazu führen wird, dass die Leute schlicht nicht mehr arbeiten gehen wollen. Fakt ist aber viel mehr, dass die Wirtschaft sogar angekurbelt wurde. Die Leute machten auf der einen Seite Anschaffungen – beispielsweise der Kauf eines Autos – der ihnen beruflich bessere Möglichkeiten versprach, auf der anderen Seite nutzte man die neuen Möglichkeiten, um mehr zu konsumieren und somit den Einzelhandel im Ort zu stärken.

Weitere positive Nebeneffekte, die messbar waren: Es ließen sich weniger Menschen scheiden und es mussten deutlich weniger Menschen zum Arzt. Das Grundeinkommen hat also definitiv auch eine soziale Komponente. Klar – wer nicht jeden Pfennig drei mal umdrehen muss, bevor er ihn ausgeben kann, ist freier im Kopf und entspannter. Weniger Druck im Job, weniger Reibung zuhause.

Damit sind wir wieder bei Elon Musk, der im Interview auch spekulierte, dass wir irgendwann mal durch ein BGE viel mehr Freizeit haben werden – Zeit, mit der wir schönere Dinge anfangen können, als sie mit Arbeit zu verschwenden.

People will have time to do other things, more complex things, more interesting things,“ says Musk. „Certainly more leisure time. Elon Musk, CEO von Tesla und SpaceX

Das ist der essenzielle Gedanke und vielleicht der Knackpunkt der ganzen Geschichte: Was, wenn der Verlust unzähliger Jobs durch Roboter gar nicht zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führt, sondern uns eine unfassbare Chance bietet, unsere Lebensqualität zu verbessern? Was, wenn man künftig statt 80 Stunden in der Woche vielleicht nur 20 Stunden in der Woche arbeiten müsste, weil man es sich finanziell erlauben kann? Würdet ihr nicht auch mit mehr Freude bei der Sache sein, wenn ihr wüsstet, dass ihr nach drei oder vier Stunden schon wieder Freizeit habt, die ihr mit Familie und Freunden verbringen könnt? Würde die Chance nicht steigen, dass ihr euch mehr in euer Unternehmen einbringt, vielleicht die zusätzliche Freizeit sogar dazu nutzt, euch besser zu qualifizieren und weiterzubilden?

Wenn es nach Musk geht, wird es so kommen und er geht davon aus, dass das weltweit geschieht und die Regierungen dafür zahlen, dass wir alle mehr Freizeit und weniger finanziellen Druck haben. Dazu muss aber ein kollosaler Paradigmenwechsel her und ein fundamentales gesellschaftliches Umdenken. Schließlich muss dieses Geld irgendwo her kommen und das geht nur, wenn es anders umverteilt wird. Das ist ein äußerst langer und steiniger Weg für die Politiker dieser Welt und ganz ehrlich: Ich möchte nicht mit den Menschen tauschen, die diese Modelle errechnen müssen. Wie so oft bei neuen Modellen – wir erleben das ja auch bei der Rentendebatte – sind starke Kursänderungen vor allem in den Übergangszeiten äußerst haarig und nicht ohne Opfer machbar.

Musk glaubt dennoch daran, eine immer breiter werdende Masse tut es auch. Wie seht ihr es denn? Ist er ein Träumer, der sich an eine Utopie klammert und wird es tatsächlich stattdessen eher so sein, dass die Automatisierung Millionen Menschen in die Armut stürzt? Oder pflichtet ihr ihm bei und haltet so ein bedingungsloses Grundeinkommen auch für – zumindest in der Theorie – machbar?

Quelle: CNBC via Mashable