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Tesla Cybertruck vorgestellt: Elon, das ist nicht Dein Ernst, oder?

In den frühen Morgenstunden deutscher Zeit hat Elon Musk in den USA endlich seinen Tesla Cybertruck vorgestellt. Eine Frage umtreibt mich seitdem: Ist das Dein voller Ernst, Elon?

von Carsten Drees am 22. November 2019

Seit Jahren träumt Elon Musk davon, seinen eigenen Pickup vorzustellen. Der Plan spukt also schon lange in diesem Kopf herum, der manchmal Geniales, oft aber auch Luftblasen und Irres hervorbringt. Mit der Zeit zeigte sich, dass er tatsächlich einen solchen Pickup-Truck entwickeln ließ und kürzlich erst ließ er uns wieder von seiner Blade-Runner-Affinität wissen und dass er einen sehr futuristisches Fahrzeug präsentieren möchte.

Nun, jetzt ist es also soweit und Elon Musk hat in der Tat in den USA seinen Tesla Cybertruck vorgestellt, wie seine Version eines Pickups getauft wurde. Wie er aussieht? Nun, da sind die Meinungen noch zwiegespalten. Die einen sagen, dass es tatsächlich ein sehr futuristischer Pickup geworden ist, die anderen sagen — so sie denn schon fertig sind mit Lachen — dass dieser Elon Musk jetzt tatsächlich komplett verrückt geworden sein muss.

Wir befinden uns ja gerade auf Bali und falls hier jemand eben ein unnatürlich lautes Lachen an der Nordküste dieser wundervollen Insel vernommen hat, dann stehen die Chancen gut, dass es sich dabei um Sascha Pallenberg handelte, der da gerade den Tesla-Livestream verfolgte.

Ich selbst weiß auch noch nicht, was ich von der Nummer halten soll, ganz ehrlich. Ich hab mir die Präsentation angeschaut und war ganz sicher, dass er irgendwann sagen würde, dass das nicht das tatsächliche Auto ist und man nun den wirklichen Real Deal präsentiert. Aber nichts davon passierte — tatsächlich ist das der Cybertruck, mit dem Tesla den Pickup-Markt aufmischen will. Ab 39 900 US-Dollar kann der Hobel sogar schon auf der Tesla-Seite vorbestellt werden.

Tesla, um mal ein paar Fakten zu dem Ding zu nennen, möchte hier ein besonders robustes Auto bauen und verpasst ihm ein Exoskelett. In eigenen Worten beschreibt Tesla das so:

Cybertruck ist mit einer Außenhülle ausgestattet, die für ultimative Haltbarkeit und Fahrgastsicherheit sorgt. Beginnend mit einem nahezu undurchdringlichen Exoskelett, ist jede Komponente auf überlegene Festigkeit und Ausdauer ausgelegt, von ultraharter 30X kaltgewalzter Edelstahlstrukturhaut bis hin zu Tesla-Panzerglas.

Bei der Reichweite gibt Tesla für die kleinste Variante 250 Meilen an, also etwas mehr als 400 Kilometer. Bei der größten Version des Cybertruck kommen wir auf eine prognostizierte Reichweite von etwas über 800 Kilometern. Das Fahrzeug kann mit bis zu drei Motoren ausgestattet werden, wobei speziell die Ausführung mit diesen drei Motoren erst ab Ende 2022 produziert werden soll. Aber ehrlich: Es dauert halt noch, bis das Fahrzeug in Produktion geht und ich muss zugeben, dass ich mich auf die Specs eh nicht konzentrieren kann. Ich komme einfach über dieses Design nicht hinweg und fühlte mich ehrlich gesagt an eine andere Auto-Präsentation erinnert:

Und ja, wie so oft polarisiert Tesla mit einer Produktvorstellung: Die einen lieben es jetzt schon, der Rest lacht immer noch oder reibt sich zumindest ungläubig die Augen. Macht euch gefasst, dass wir heute noch massig Witze, Memes und Sprüche zum Tesla Cybertruck zu sehen bekommen.

Die ganze Präsentation hat gezeigt, dass Elon Musk ein großer Show-Mann ist. Stimmungsvolle Musik, ein Laser-Gewitter, dann schließlich das Vorführen des Fahrzeugs und die Demonstration der Features. Dazu gehörte, dass auf der Karosserie herumgehämmert wurde und das Werfen von Metallkugeln auf das Panzerglas. Damit wollte man demonstrieren, wie robust das ganze Fahrzeug ist — blöd nur, wenn sich die Scheibe des unkaputtbaren Cybertruck dann doch nicht als unkaputtbar präsentiert. Da konnte Elon Musk auch nichts mehr mit der ausfahrbaren Rampe rausreißen, über das ein elektrisches Tesla-Quad auf die Ladefläche gefahren wurde. Dieses ATV kann auch direkt auf der Ladefläche wieder geladen werden, aber wie schon gesagt: Auf technische Daten kann ich mich bei dieser Karre heute einfach nicht konzentrieren.

Ende 2021 soll die Produktion des Tesla Cybertruck anlaufen, ein Jahr später dann die für die Variante mit drei Motoren. Sehr viel Zeit, um viele Witze über Musk und über den Cybertruck zu machen und glaubt mir: Es wird sehr, sehr viele dieser Witze geben. Klar, das muss nichts heißen: Auch über Apples AirPods wurde gelacht und sie haben sich dennoch zu einem Renner entwickelt. Aber hier kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es einen Markt gibt für so ein Modell.

Wenn ihr mich fragt, sieht der Cybertruck tatsächlich wie die Zukunft aus — eben so, wie man sich die Zukunft in Science-Fiction-Filmen der Achtziger ausgemalt haben könnte. Ich habe mich eben dabei ertappt, nochmal die Tesla-Seite zu aktualisieren, ob da unter Cybertruck immer noch dieser Hobel zu sehen ist, oder ob man nicht doch noch den “wahren” Cybertruck enthüllt oder den aktuellen zumindest als Gag entlarvt hat. Aber nein, wir müssen uns damit anfreunden, dass Elon Musk in Zukunft ein Auto bauen lassen wird, das so aussieht wie ein noch nicht fertig gerendertes Auto aus einem Computer-Spiel der neunziger Jahre.

Lasst uns gerne eure Meinung da, besonders, wenn ihr glaubt, dass ich auf dem Holzweg bin und der Cybertruck eine neue Pickup-Ära einläutet. Aber unabhängig davon, was ihr sagt, glaube ich, es wäre besser gewesen, Elon hätte seine Blade-Runner-Fantasie nur in einem eigens für ihn gefertigten Prototypen ausgelebt und hätte alternativ an einem tatsächlich modernen Truck arbeiten lassen. Elon Musk ist der Show-Man, der ganz große Auto-Zampano und Dampfplauderer. Schon oft hat er uns geblendet mit Ideen und mit Zahlen, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass er dieses mal den Bogen überspannt hat.