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Tesla Model 3 – Liefertermin 2017 ist ungewiss

Kann Tesla den Liefertermin fuer sein Model 3 einhalten und wenn ja, werden die ersten Kunden bereits 2017 ihre Wagen erhalten? Wir haben da so unsere Zweifel.

von Sascha Pallenberg am 5. April 2016

Willkommen zum ultimativen Clickbait-Artikel, der hoch spekulativ ist, aber vor allen Dingen auch begruendet. Es liegt mir nichts ferner, als den tollen und richtungsweisenden Erfolg Teslas schmaelern zu wollen, sondern ganz rational zu analysieren und kommentieren. Warum? In meinen Augen gibt es berechtigte Zweifel, dass die Vorbesteller ihre Tesla Model 3 bereits 2017 erhalten werden.

Aber gehen wir das mal im Einzelnen durch und schauen, wie Tesla bisher mit seinen Vorbestellungen und Ankuendigungen umging.

Tesla lieferte immer um Jahre(!) zu spaet

Tesla hat eine Historie von nicht eingehaltenen Lieferterminen und Ankuendigungen, die zum Teil um Jahre verfehlt wurden. Dies laesst generell auf Probleme bei der Skalierung schliessen. Ein Umstand, der schon zu manchen kleinen Hersteller das Genick gebrochen hat.

Tesla Roadster

Tesla Roadster

Der Roadster war Teslas erstes Modell und praktisch ein Lotus Elise Mod. Dennoch schaffte es das Team um Musk nicht den Wagen zeitnah nach der Vorstellung an die Interessenten zu bringen.

  • Vorstellung 19.7.2006
  • 1. Auslieferung Februar 2008
  • 500 Einheiten bis Juni 2009

Damit wir uns hier nicht falsch verstehen… Tesla hat fuer seinen Roadster niemals angekuendigt, wann sie die ersten Modelle ausliefern. Dennoch konnten insgesamt nur 500 Modelle in den 3 Jahren nach dem Launch ausgeliefert werden, was natuerlich an den limitierten Infrastrukturen lag.

Tesla Model S

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Mit dem Model S stand Tesla vor voellig neuen Herausforderungen, denn zum 1. Mal wagte sich der Hersteller an ein eigenes Design und setzte nicht auf eine bereits vorhandene Plattform auf.

  • Vorstellung 30.6.2008
  • 1. Auslieferung 22. Juni 2012
  • 75 000 Einheiten bis Juni 2015

Zwischen der Vorstellung des Tesla Model S und der ersten Auslieferung lagen also mal eben knackige 4 Jahre. In den ersten 3 Jahren der Produktion konnten gerade einmal 75 000 Wagen an die Kunden gebracht werden.

Tesla Model X

Tesla Model X 01

Das Model X strapazierte abermals die Nerven der potenziellen Kunden und das lag erneut an unglaublich langen Entwicklungszeiten zwischen dem Launch und der finalen Auslieferung.

  • Vorstellung 9.2.2012
  • Erste Auslieferung 29.9.2015

Aber was beim Model X noch viel schwerwiegender ist… die Zulieferkette stimmt nicht mehr und genau hier hat Tesla ein fundamentales Problem, wenn es um die zukuenftige Skalierung geht:

Tesla’s hubris in adding far too much new technology to the Model X in version 1, insufficient supplier capability validation, and Tesla not having broad enough internal capability to manufacture the parts in-house. The parts in question were only half a dozen out of more than 8,000 unique parts, nonetheless missing even one part means a car cannot be delivered. Tesla is addressing all three root causes to ensure that these mistakes aren’t repeated with the Model 3 launch – Tesla Pressemitteilung

Skalierung und Quality Management

Ob man 500 Autos herstellt, 50 000 oder gar 500 000… um derartige Spruenge zu machen reicht es nicht mal eben aus eine neue Fabrik zu bauen oder ein paar mehr Mitarbeiter einzustellen. Die Komponenten fuer derartig komplexe Plattformen fallen nicht vom Himmel und nicht umsonst brauchten die grossen Namen der Branche Dekaden dafuer, ihre Zulieferketten zu optimieren und vor allen Dingen zu stabilisieren.

Hier fehlt es Tesla zum einen an der Erfahrung und zum anderen ganz klar an der Marktstellung. Nein, damit moechte ich nicht sagen, dass die Kalifornier als Underdog belaechelt werden, im Gegenteil. Aber rund um die Gigafactory liegt z.B. nicht ein vergleichbares Oekosystem wie in Wolfsburg, Stuttgart, Muenchen oder Ingolstadt. Das werden sie vielleicht irgendwann einmal realisieren koennen, aber zur Zeit sind sie noch nicht einmal ansatzweise so weit und damit sehr abhaengig. Und verwundbar!

Dies wirkt sich auch umgehend auf den diesjaehrigen Absatz aus. 16k Einheiten wurden angekuendigt und 14860 wurden es. Inzwischen werden zwar 750 Model X pro Woche hergestellt, aber diese erreichen ihre Besteller mit einer deftigen Lieferverzoegerung.

Wir reden hier wohlgemerkt von grob 40 000 Model X Einheiten, die Tesla nun produzieren koennte. Ein Knicks in der Zuliefererkette und es reicht offensichtlich fuer eine Kettenreaktion, die mich auch darauf schliessen laesst, dass Tesla einfach nicht genug zusaetzliche Bauteile und Komponenten “auf Halde” packen konnte, um derartige Entwicklungen abzupuffern.

Und ich habe noch nicht einmal ansatzweise an der Oberflaeche des Quality Managements gekratzt. Kann Tesla dies ueberhaupt noch leisten und seinem eigenen Standard gerecht werden, wenn man in Zukunft 300 000 oder gar 500 000 Wagen ausliefert? Wie schaut es mit RMAs aus und wie faengt man innerhalb der Garantie diese Ruecklaeufer auf? Was ist mit den Akkus, wenn diese mal 3 oder 4 Jahre auf dem Buckel haben?

Druecken wir die Daumen

Ich habe es eingangs erwaehnt. Tesla-Fans werden mir sicherlich Stimmungsmache vorwerfen wollen und sich rigoros positionieren. Es geht mir nicht darum diese grossartige Firma auch nur ansatzweise in ein schlechtes Licht zu stellen. Aber ich bin nun einmal Realist und Automobile sind keine Smartphones, die man “from scratch” mal ebenso in Shenzhen innerhalb von 30 Tagen produzieren und verschiffen laesst.

Automobile haben auch eine ganze Menge mit Vertrauen und Sicherheit zu tun. Tesla tut gut daran, beides nicht aufs Spiel zu setzen!