Tesla Model 3: Massenproduktion abermals um drei Monate verschoben

Der US-amerikanische Autobauer Tesla rückt von den ursprünglich sehr ambitionierten Plänen ab und verschiebt die Massenfertigung des Elektrofahrzeugs "Model 3" um weitere drei Monate. Erst Mitte 2018 werde man in der Lage sein, eine der Nachfrage entsprechende Stückzahl in Serie zu fertigen. Unterdessen stagniert die Produktion des Model S und Model X auf einem immer noch vergleichsweise niedrigen Niveau.

Der kalifornische Autobauer Tesla hat in der vergangenen Nacht neue Zahlen für das vierte Quartal 2017 vorgelegt. Der Report wurde mit Spannung erwartet, denn sowohl eine wachsende Zahl von Analysten und Investoren als auch einige Medien und Kunden wurden in den vergangenen Wochen zunehmend ungeduldig und kritischer. Im Fokus der Quartalswerte steht die Produktion des Hoffnungsträgers Model 3, mit dem Tesla nun endlich auch den Massenmarkt für Elektroautos bedienen will. Doch ausgerechnet bei diesem Fahrzeug enttäuscht Tesla die Erwartungen auf ganzer Linie und ändert zum wiederholten Male eine vorherige Prognose.

tl;dr: Die Serienfertigung des Tesla Model 3 in größeren Stückzahlen verzögert sich um weitere drei Monate. Erst Mitte 2018 wird Tesla die Produktion auf circa 5.000 Einheiten pro Woche steigern können. Mit einer recht nichtssagenden Erklärung werden Investoren, Kunden und Medien erneut vertröstet. Branchenkenner hatten Elon Musk immer wieder darauf hingewiesen, dass die Serienfertigung von Autos in großen Stückzahlen mit einer langen Vorbereitungszeit und zeitaufwendigen Planungen verbunden ist. Die Konkurrenz für Tesla wächst.

Zuerst zu den positiven Nachrichten, zumindest auf den ersten Blick: Tesla konnte in den zurückliegenden drei Monaten insgesamt 29.870 Fahrzeuge ausliefern. Darunter befanden sich 15.200 “Luxuslimousinen” vom Typ Model S und 13.120 Elektro-SUV vom Typ Model X.

Tesla betont, dass man mit den insgesamt 28.320 ausgelieferten Einheiten der beiden genannten Modellen erneut das beste Quartalsergebnis aller Zeiten erreicht und die Auslieferungen gegenüber dem Vorjahresquartal (Q4/2016) um 27% gesteigert habe. Gegenüber dem vorherigen Rekordquartal (Q3/2017) betrage die Steigerung 9%.

Auffällig ist, dass zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember 2017 nur 22.140 Model S und Model X produziert, aber eben die genannten 28.320 Einheiten ausgeliefert wurden. Zugleich befinden sich momentan 2.520 Model S und Model X auf dem Weg zum Kunden und werden erst im ersten Quartal 2018 als Lieferungen verbucht. 3.660 bzw. circa 13% der kürzlich ausgelieferten Fahrzeuge stammen also aus der Produktion der vorherigen Monate, was wiederum eine frühere Ankündigung von Tesla bestätigt. Das Unternehmen hatte angekündigt, dass man die Produktion der beiden momentan angebotenen Modelle leicht zurückfahren müsse, weil man zusätzliche Kapazitäten für die nur schleppend anlaufende Fertigung des Model 3 benötige.

In diesem Zusammenhang gibt es eine weitere Auffälligkeit, die sich erst bei einem Rückblick auf die Produktionszahlen der vergangenen Quartale zeigt. Während Tesla durchaus in der Lage war, die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahresquartal zu steigern, scheint es seit circa achtzehn Monaten eine Art “Obergrenze” bei der Produktion der Fahrzeuge zu geben, die von den Kaliforniern aus verschiedenen Gründen nicht geknackt werden kann.

Diese Stagnation bei der Fahrzeugproduktion für einen eigentlich überproportional wachsenden Markt bei zugleich (noch!) komfortabler Wettbewerbssituation macht Produktionsexperten und Investoren gleichermaßen skeptisch. Eigentlich hatte man allgemein erwartet, dass Tesla in den zurückliegenden Monaten stetig die Produktion steigern könnte.

Ein nicht unerheblicher Teil der bisher getätigten Investitionen sollte lt. Tesla dazu dienen, die Produktionskapazitäten für das Model S und das Model X zu erhöhen. Gegenüber der “California Alternative Energy and Advanced Transportation Financing Authority (CAEATFA)” hatte Tesla im Dezember 2015 angegeben, dass man rund 460 Millionen US-Dollar in den Ausbau der S- und X-Fertigung (Gen2) investieren werde, um deren Stückzahl auf fast 200.000 Einheiten im Jahr 2021 steigern zu können. Einhergehend mit diesen Angaben beantragte Tesla eine Steuerbefreiung in Millionenhöhe und sicherte zu, dass die Investitionen ab Januar 2016 getätigt würden.

Eine gegenüber den Behörden zugesicherte Steigerung der Produktion wäre zudem einerseits elementar für den dringend benötigten Cash-Flow und würde andererseits demonstrieren, dass man sich langsam aber sicher an eine “echte” Serienfertigung herantastet.

Here’s why Telsa is a ‚concept stock‘: Analyst from CNBC.

Model 3: Die Produktion verzögert sich. Schon wieder.

Im weiteren Verlauf des Reports widmet sich Tesla mehr oder weniger ausführlich dem Model 3. Im Mai 2016 hatte Elon Musk gegenüber Investoren und Analysten angekündigt, dass man bereits in der zweiten Jahreshälfte 2017 zwischen 100.000 und 200.000 Model 3 fertigen wolle. Im Juli 2017 korrigierte Tesla diese Prognose erheblich und kündigte an, man werde im Dezember auf circa 20.000 produzierte Einheiten kommen. Im November musste man diese Zahlen erneut zurücknehmen und eingestehen, dass man mit erheblichen Produktionsproblemen zu kämpfen habe. Dementsprechend, so Tesla im November, könne man die Produktion des Model 3 erst zum Ende des ersten Quartals 2018 auf 5000 Einheiten pro Woche steigern.

Auch diese Vorhersage hat sich nun erledigt. Obwohl Tesla in der Zwischenzeit versichert hatte und erneut wiederholt, dass man die Produktionsprobleme mittlerweile zunehmend im Griff habe und nun der “Produktionshölle” entsteige, verschieben die Kalifornier die “echte” Serienproduktion des Model 3 um weitere drei Monate nach hinten. Nun gibt Tesla ziemlich lapidar an, man konzentriere sich “weiterhin auf die Qualität und Effizienz” der Produktion und erreiche daher erst Ende Juni 2018 die 5.000 Einheiten pro Woche.

„As we continue to focus on quality and efficiency rather than simply pushing for the highest possible volume in the shortest period of time, we expect to have a slightly more gradual ramp through Q1, likely ending the quarter at a weekly rate of about 2,500 Model 3 vehicles. We intend to achieve the 5,000 per week milestone by the end of Q2.“ Tesla, im Januar 2018

The Model 3 body line slowed down to 1/10th speed

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Immerhin, so Tesla weiter, habe man in den letzten sieben Werktagen des Jahres 2017 insgesamt 793 Fahrzeuge vom Typ Model 3 fertigen können. 860 bereits produzierte Model 3 habe man wegen der Feiertage nicht an die Kunden ausliefern können. Wenn man die Produktionsrate dieser letzten Tage “extrapoliere”, komme man auf eine wöchentliche Produktion von rund 1.000 Fahrzeugen und werde sich nun in den kommenden drei Monaten auf 2.500 (statt 5.000) Fahrzeuge pro Woche steigern.

Die erneut verzögerte Serienproduktion könnte für eine zunehmende Zahl von US-amerikanischen Käufern (und damit auch für Tesla) zu einem enormen Problem werden, denn mit jedem verstrichenen Monat nähert sich das Unternehmen dem stufenweisen Ende der hohen staatlichen Förderung für Elektroautos. Zudem bringen immer mehr Autohersteller, zu denen man sich eigentlich einen komfortablen Vorsprung erarbeiten wollte, potentielle Konkurrenten für die hart umkämpfte (obere) Mittelklasse auf den Markt und könnten Tesla auch preislich unter Druck setzen.

”Experten” zum Model 3

Besonders auffällig und rückblickend zugleich ärgerlich war, dass verschiedene “Experten” die Hoffnung auf eine wesentlich schneller fortschreitende Serienproduktion des Model 3 mit völlig lapidaren Meldungen und ihren übertriebenen Interpretationen befeuert hatten. So orakelte z.B. Fred Lambert vom “Fachblog” Electrek noch Mitte Dezember, dass Bestellungen bei einem asiatischen Zulieferer auf eine spätestens im Januar 2018 gesteigerte Produktion von 5.000 Einheiten deuten würden. Diese Meldung wurde von vielen “Fans” und anderen Medien dankbar aufgenommen. Auch “ein paar” geparkte Fahrzeuge auf dem Werksgelände in Fremont wurden zum Anlass genommen, um auf die geplante Produktion von 10.000 Fahrzeugen pro Woche bis Ende 2018 hinzuweisen. Nach heutigem Stand entspräche das einer Verdopplung der wöchentlichen Produktion zwischen Juni und Dezember 2018.

Auf Teslas verkürzter To-Do-Liste für 2018 stehen noch einige Dinge an, für die das Unternehmen viele Ressourcen und vor allem Kapital benötigen wird. Neben der Fertigstellung der Gigafactory und dem versprochenen Ausbau des Supercharger-Netzwerks will das Unternehmen in den kommenden Jahren mit dem Bau eines Trucks, eines neuen Roadster, eines Model Y und eines Pickups beginnen.

Quelle, via tesla.com