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Tesla Semi – Ein elektrischer (atombombensicherer) LKW

Mit dem Tesla Semi haben die Kalifornier einen elektrisch betriebenen Sattelschlepper für längere Distanzen vorgestellt. Der LKW soll bereits ab 2019 produziert werden und sich trotz der erwarteten hohen Anschaffungskosten irgendwann für eine Spedition rechnen. Experten befürchten, dass Tesla erneut hohe Investionen für das Projekt tätigen müsste.

von Bernd Rubel am 18. November 2017

Mit dem “Semi” hat Tesla in der Nacht von Donnerstag auf Freitag einen elektrisch angetriebenen LKW vorgestellt. Zuvor wurde der Vorstellungstermin zweimal verschoben. Der futuristisch designte Sattelschlepper soll bereits ab dem Jahr 2019 produziert werden und sich trotz des erwarteten hohen Anschaffungspreises irgendwann für eine Spedition rechnen.

Zu den Eckdaten: Der Tesla Semi bringt es bei voller Beladung auf ein Gesamtgewicht von 40 Tonnen, zur tatsächlich verfügbaren Nutzlast macht Tesla bisher keine Angaben. Bei einer avisierten Reichweite von bis zu 800 Kilometern dürften die im Sattelschlepper eingebauten Batterien einen erheblichen Anteil am Gesamtgewicht haben, Experten gehen bei der momentan realisierbaren gravimetrischen Energiedichte der Zellen von bis 5 bis 10 Tonnen aus. Eine kleinere Ausstattungsvariante mit bis zu 480 Kilometern dürfte etwas leichter ausfallen.

Zum Preis des für 5.000 Dollar Anzahlung vorbestellbaren Semi gibt es ebenfalls noch keine Angaben, auch dieser dürfte maßgeblich von der Zahl und Kapazität der eingebauten Batterien abhängen. Zwischen 100.000 und 120.000 Euro könnte Tesla veranschlagen, wenn es um deren Anteil an den Kosten für den LKW geht. Allerdings könnte der Preis – z.B. abhängig von den Weltmarktpreisen für die benötigten Rohstoffe – auch höher ausfallen.

Während der Vorstellung des Semi versprach Elon Musk, dass sich der Tesla Truck innerhalb von dreißig Minuten auf zwei Drittel seiner Gesamtkapazität aufladen lasse. Damit käme der Semi Truck wieder circa 640 Kilometer weit. Die Aufladung erfolgt an den Schnellladestationen, die auch von den PKW der Kalifornier genutzt werden, zudem sollen weltweit per Solarstrom betriebene “Megacharger” entstehen.

Der LKW wird von vier Elektromotoren angetrieben und verbraucht lt. Tesla pro Meile (etwa 1,6 km) weniger als zwei Kilowattstunden. Die Zugmaschine beschleunigt ohne das bei herkömmlichen LKW benötigte Getriebe und Differenzial in rund fünf Sekunden von null auf 100 km/h (60 mph), mit 30 Tonnen Zuladung soll es nach rund 20 Sekunden so weit sein. Das dürfte vor allem die Fahrer interessieren, die gelegentlich zum “Elefanterennen” ansetzen und z.B. an Steigungen ein Überholmanöver starten.

Elon Musk versprach, dass die Fahrzeuge eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) ohne Panne schaffen würden. Alles in allem soll ein herkömmlicher Diesel-LKW nach teslas Angaben pro Kilometer 20 Prozent teurer sein.

Die aerodynamisch gestaltete Fahrgastzelle mit mittig angeordnetem Fahrersitz und zwei großen, links und rechts davon platzierten Displays besitze eine besonders robuste Windschutzscheibe, die – so Elon Musk – eine Atomexplosion überstehe. Zudem dürften die LKW mit dem “Autopiloten” der Kalifornier ausgestattet sein, was wiederum auf eine Ausstattung mit den entsprechenden Sensoren schließen liesse. Theoretisch – folgt man den bisherigen Versprechungen der Kalifornier – wäre also irgendwann auch fahrerloser Betrieb der LKW möglich, sofern so etwas jemals im öffentlichen Straßenverkehr zugelassen würde.

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Addiert man die (bisher nicht bekannten) Anschaffungskosten, die angeblich niedrigen Wartungskosten und die ebenfalls niedrigeren Betriebs- bzw. Energiekosten, dann kommt man zum entscheidenden Punkt. Speditionen kalkulieren mit ziemlich niedrigen Gewinnmargen, für sie zählt jede Ersparnis pro zurückgelegtem Kilometer.

Ein herkömmlicher, dieselbetriebener Truck koste zum jetzigen Zeitpunkt circa 1,51 Dollar pro gefahrener Meile, während der Elektro-Lkw bei einem Preis von 7 Cent pro Kilowattstunde lediglich 1,26 Dollar pro gefahrener Meile koste. Diese Differenz von 25 Cent pro Meile soll ab einer vom Kaufpreis abhängigen Distanz dafür sorgen, dass sich die Anschaffung irgendwann rechnet. Im Raum stehen mindestens 200.000 US-Dollar, die man als Spediteur lt. Tesla innerhalb von zwei jahren allein an Kraftstoffkosten sparen könne.

Elon Musk hatte die Vorstellung eines elektrischen Trucks in seinem Masterplan angekündigt. Kritiker bewerten den frühen Einstieg in dieses Marktsegment skeptisch, weil Tesla bisher schon Probleme mit der ganz normalen Serienfertigung von PKW habe. Zudem muss das Unternehmen für die Fertigung von Trucks und ein angekündigtes Megacharger-Netzwerk weitere hohe Investitionen tätigen, die eine Rückkehr in die Gewinnzone mittel- bis langfristig gefährden könnte.

Auf absehbare Zeit könnte vor allem der innerstädtische Lieferverkehr von elektrisch betriebenen LKW profitieren. Diese müssten bei einer strategisch geplanten Lager-Infrastruktur wesentlich kürzere Distanzen als im Fernverkehr eingesetzte Schwerlast-LKW zurücklegen und könnten die Abgasbelastung in den Innenstädten erheblich reduzieren.

via tesla.com